Hirten & Wölfe: Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen (Videos)

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Die Reichen und Mächtigen: Materialien und Vorschläge zu ihrer Erforschung – Souverän ist, wer über Geldmacht verfügt – Amerikas Weg zum Imperium – Verschwörungen – Starke Politik: der Machtkörper des neuimperialen Projekts in den USA.

Das Interesse an den Reichen und Mächtigen dieser Welt wächst, je mehr Globalisierung und Privatisierung Hand in Hand gehen. Dennoch sind die Oberschichten – längst die wichtigsten Geldgeber und ‚Kunden‘ – von den Sozialwissenschaften immer noch weitgehend unerforscht. Andererseits gibt es in den USA seit dem 19. Jahrhundert eine Tradition der kritischen Beobachtung der Machenschaften ‚derer da oben‘.

Im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Bush-Administration und den Diskussionen um ein amerikanisches Imperium nimmt diese Form der Herrschaftsstrukturforschung einen neuen Aufschwung und regt WissenschaftlerInnen und JournalistInnen in vielen Ländern zu eigenen Recherchen an. Fast schon ist es eine intellektuelle Graswurzel-bewegung.

Als ein „Arbeitsbuch“ ist es gedacht über „weltweit aktive Machteliten amerikanischen Zuschnitts“. Über deren konkrete Gestalt „herrschtgewollte Unklarheit“, urteilt der Autor Hans Jürgen Krysmanski, emeritierter Direktor des Soziologischen Instituts der Münsteraner Universität, im Vorwort. Die Gründe dafür und für die entsprechenden weißen Flecken in der Forschungslandschaft zu untersuchen, ist selbst wieder ein interessantes soziologisches Thema, zu dem sich in dem Buch auch einiges finden läßt.

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In einer zunehmend globalisierten Welt muß der forschende Blick weltgesellschaftlich geweitet werden. Zugleich kann ein solches Unternehmen seines Umfangs und seiner Diffizilität wegen nicht von einem einzelnen Forscher, einer einzelnen Forscherin erfolgversprechend angegangen werden. Es bedarf dazu der Findigkeit und Kreativität vieler in einer kollektiven Anstrengung, einer intellektuellen sozialen Bewegung. Darum lädt der Autor ein, sich in einem umfassenden Netzwerk zu beteiligen an diesem „Power Structure Research“, einem von C. W. Mills in den USA der 1950er Jahre entwickelten Forschungsprogramm.

Im folgenden werden einige Fragenkomplexe herausgegriffen und vorgestellt, wobei der Autor ausführlich selbst zu Wort kommen soll.

„Souverän ist, wer über Geldmacht verfügt“

Der erste Abschnitt des Buches, so überschrieben – in Anspielung auf Carl Schmitts berühmt-berüchtigtes Diktum „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand verfügt“ -, beginnt mit der Frage, was man sich unter den Superreichen vorzustellen hat und um welche Vermögensdimensionen es dabei geht. In die dünne Luft der Superreichen gerät man erst ab einem Milliarden-Vermögen. „Die Zahl solcher Dollarmilliardäre bewegt sich weltweit zwischen 2-3 Tsd. Diese kleine Gruppe als Ganze verfügt über ein Vermögen, das größer ist als das Bruttosozialprodukt der 3 unteren Fünftel aller Staaten oder größer als das Vermögen der unteren 80 Prozent aller Menschen auf dieser Erde“ (S. 11).

Die zentrale These des Autors, formuliert in einem hier abgedruckten WDR-Radio-interview von 2003, lautet: „Wirkliche Macht nämlich ist Geldmacht“. Für diese These liefern die Beiträge des Buches reiche empirische und z. T. brisante Belege, z. B. über die Carlyle-Group, eine Investment-Gruppe, in der die Bush-Familie, das saudi-arabische Königshaus, arabische Milliardäre einschließlich der bin-Laden-Familie gemeinsam tätig sind, ein Faktum, das auch in Fernsehsendungen (etwa von arte) dokumentiert wurde.

Der durch die neoliberalen Vorgaben propagierte und rasant voranschreitende Prozeß der Privatisierung öffentlicher Güter und Dienste wird von Krysmanski nicht nur als Mittel einer beschleunigten Umverteilung von unten nach oben kenntlich gemacht, sondern auch als Machtstrategie. Denn der auf diese Weise akkumulierte Reichtum werde eingesetzt, „um das System der Demokratie in ein System der Herrschaft der Geldmächtigen umzuwandeln und zu stabilisieren“. Damit ist ein zentrales Motiv eingeführt, das an verschiedenen Stellen des Buches ausgeführt wird, und zwar unter dem Begriff „Plutokratie“.

Worin bestehen die gegenwärtig feststellbaren tiefgreifenden Veränderungen in der gesellschaftlichen Machttektonik? Eine bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft sei „gar nicht denkbar ohne gewaltige Verwaltungsapparate, ohne komplexe Meinungsbildungs-operationen, ohne strategische Planungsanstrengungen und ohne politische Konsenser-zeugung bis hin zur Manipulation der Köpfe“. Neu sei, daß ein Teil dieser Macht heute abgeflossen ist in Machtkollektive, die sich im Zuge der zu beobachtenden wachsenden „Privatisierung der Macht“ und „Monetarisierung des Politischen“ neu formieren.

Ein zentrales, von Sozialwissenschaftlern diskutiertes analytisch-theoretisches Problem ist die Frage nach dem Charakter von Macht und Herrschaft im gegenwärtigen Globali-sierungsprozeß. Weit verbreitet ist die These, Macht und Herrschaft hätten sich in der modernen Gesellschaft weitgehend anonymisiert und entsubjektiviert sowie gleichzeitig partikularisiert in voneinander unabhängige, autonome Teilsysteme; sie seien in den unpersönlichen Strukturen, in die hinein sie sich verflüchtigten, nur schwer dingfest zu machen, ihre Erforschung daher äußerst schwierig, wenn nicht gar aussichtslos.

Eine theoretische Legitimation für eine solche soziologische Forschungsabstinenz mit gutem Gewissen bietet die Luhmannsche Systemtheorie, die sich nicht zuletzt deshalb unter Soziologen so großer Beliebtheit erfreuen dürfte. Doch unbeschadet der partiellen Richtigkeit solcher Thesen von einer Entsubjektivierung von Herrschaft läßt sich der Autor nicht davon abbringen, nach den konkreten, personellen Trägern zu fragen, eben nach den Geld- und Machteliten, ihren Interessen und den Mechanismen der Artikulation und Vermittlung dieser Interessen in den öffentlichen Raum hinein, in die Politik und in die operativen Entscheidungszentren.

Am Ende dieses Teils veranschaulicht ein von G. W. Domhoff übernommenes Schema, über welche Vermittlungsschritte (Finanzierungen und Meinungsbildungen über Stiftungen, Hochschulen, think tanks, diverse Gesprächskreise etc.) sich die Belange der amerikanischen Geld- und Machtelite bis hinein ins konkrete Gesetzgebungs- und Regierungshandeln umsetzen.

In dem darauf folgenden Abschnitt „Herrschende Klassen und Machteliten“ werden die erwähnten Debatten über Herrschaft begrifflich-theoretisch aufgegriffen und weiter-geführt. So befaßt sich Krysmanski in der hier abgedruckten Kurzversion des Artikels „Herrschende Klassen“, erschienen 2004 in Band 6 des von W. F. Haug herausgegebenen Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus, auch mit den Schwächen der bisherigen Theorien der herrschenden Klasse. Bei den allgemeinen strukturell-ökonomischen Analysen in der Vergangenheit macht er eine Unterentwicklung der konkreten Handlungsanalyse aus, ganz gemäß der von Göran Therborn lakonisch formulierten Frage: „What does the ruling class do when it rules?“ Es werden die Schwierigkeiten vorgeführt, einen stimmigen Begriff von herrschender Klasse in der ›Postmoderne‹ zu finden, wenn man sich nicht auf die Ökonomie (auf den Begriff ›Kapitalistenklasse‹) beschränken, sondern den sozialen Charakter fassen will.

„Amerikas Weg zum Imperium“

In diesem Abschnitt wird die Titelmetapher „Hirten & Wölfe“ als Diskrepanz von Selbst- und Fremdwahrnehmung der US-imperialen Eliten erläutert: Diese sehen sich selbst mit biblischem Pathos als Hirten an, werden zugleich aber von anderen, insbesondere „von den Schafen des Südgürtels“, als Wölfe wahrgenommen.

Die Machteliten versucht Krysmanski analytisch nach dem Modell einer Ringburg zu beschreiben. Den innersten Kern, die primäre Machtelite, bilden die Superreichen (Geldmacht), um sie herum befinden sich, als zweiter Ring, die Konzerneliten (Ver-wertungsmacht), diese werden umgeben von einem dritten Ring, den politischen Eliten (Verteilungsmacht) und schließlich von einem vierten, den technokratischen Eliten (Wissensmacht). Dies Modell liegt als Vorschlag für die sozialwissenschaftliche Analyse allen Passagen des Buches zugrunde. Und die versammelten Texte behandeln die ver-schiedenen Interaktionen und Wechselbeziehungen zwischen diesen Eliten- oder Machtringen, konkretisieren diese durch diverses empirisches Material, das durch den bereits erwähnten Power-Research-Ansatz gewonnen wurde, und verfolgen ihre Wandlungen in den sich verändernden historischen Kontexten.

Das Ringmodell beschreibt im Grunde die Anatomie der Herrschaft, bezogen vor allem auf die USA als dem gegenwärtigen Imperium auf dem Globus. In diesem Schlüsseltext des Buches wird das die Analyse orientierende und leitende Knochengerüst dann mit empirisch-historischem Fleisch ausgestattet (von den Rockefellers bis zum Enron-Skandal), und es werden zu jedem Unterabschnitt mögliche Forschungsthemen vor-geschlagen, um – gemäß der im Titel bereits formulierten Einladung zur Teilnahme an einem langfristigen und umfassenden Forschungsprogramm – diesen Aufstieg vom Abstrakten (dem anatomischen Modell, der Ringburg) zum begriffenen Konkreten (der lebendigen, erfahrungsgesättigten Darstellung der realen Machtverhältnisse) immer weiter zu vervollständigen.

Bei dem zeitlichen Parforce-Ritt durch die Geschichte der US-amerikanischen Herr-schaftseliten seit Beginn des 20. Jahrhunderts heißt es im Abschnitt über die 1950er Jahre zu der von C. W. Mills untersuchten Power Elite und deren Vorgehensweisen (etwa am Beispiel der Franchising-Strategie des McDonald-Imperiums) exemplarisch: „Auf dieser Grundlage jedenfalls bauten die Geld- und Machteliten der USA in den folgenden Jahrzehnten das erfolgreichste Franchise-Unternehmen der Geschichte auf, ein politisches Fastfood-Imperium, das weltweit plutokratische Klopse in weichen Demokratiebrötchen vertrieb und noch heute vertreibt“.

Oder bezogen auf den angeblichen Müßiggang der couponschneidenden Superreichen: „Selbst dümmste Gedanken, auf dem Sonnendeck einer Superyacht produziert, wanderten aus dem Milieu der Superreichen in die Gesellschaft und konnten dort unmittelbar zu materieller Gewalt werden: als Stoff, aus dem sich Verwirrung über die wahren Verhältnisse dieser Welt stiften ließ, als Stoff für die Mythen der Unterhaltungs-industrie“.

„Verschwörungen?“

Verschwörungen sind – „ob als Intrigen, heimliche Überwachungen, feindliche Über-nahmen oder als Ausschaltung von Konkurrenten – im normalen Wirtschaftsleben nichts Ungewöhnliches. Auch jedes staatliche Handeln, vor allem, seit es Nationalstaaten gibt, hat eine konspirative Dimension“. In einem abgedruckten Interview zu einer arte-Sendung verweist Krysmanski deshalb auf die realen Gehalte von bei Machtangelegen-heiten notwendig entstehenden Verschwörungstheorien (oder besser „Verschwörungs-narrativen“, da es sich ja nicht um Theorien im eigentlichen Sinn handelt, sondern um „Erzählungen“). Was in einzelnen Beiträgen des Buches über die Mechanismen der Herr-schaftsausübung zusammengetragen wird, resümiert Krysmanski so: „Die Macht des großen Geldes formt und äußert sich in informellen Netzwerken, außerhalb der Sicht-barkeit großer Institutionen, es ist eine Welt, in die kleine Soziologen nur auf sehr indirekte Weise Einblick erhalten“.

Für die Erforschung der verborgenen Seiten von Herrschaftsausübung fehlen weithin „die wissenschaftlichen Methoden, ausreichende Finanzierungsmittel und nicht zuletzt der Mut der etablierten Wissenschaften“. Hier haben deshalb die „investigativen Journalisten und Filmemacher“ wie Michael Moore eine wichtige aufklärerische Funktion. „Der Mangel an seriösen Informationen geht aber letztlich auf den geradezu skandalösen Verzicht etablierter Wissenschaftler (…) zurück, sich mit den meist legitimen und interessanten Fragen zu beschäftigen“, die „auch die Normalbürger umtreiben. Die Menschen wollen wissen, was hinter den Kulissen passiert“ (S. 152).

„Verschwörungstheorien wird es geben, so lange es Macht und Herrschaft und damit auch geheime, nichtöffentliche Bereiche der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gibt. Je mehr Demokratie gewagt und der Wissensdurst der Menschen befriedigt wird, um so schneller werden Verschwörungstheorien überflüssig“ (ebenda).

Was das analytische sozialwissenschaftliche Instrumentarium angeht, befindet Krysmanski: „Gegen Verschwörungstheorien helfen im übrigen nur Klassentheorien. Dazu aber muss unser Wissen um den Kapitalverwertungsmechanismus, dessen Grundzüge wir kennen, bis in alle möglichen Verästelungen hinein, durch eine soziologische Analyse der derzeitigen Machteliten ergänzt werden“, die Strukturanalyse also durch die konkrete Analyse der Akteure. Eine in der „Modernisierungsfalle“ ver-fangene Klassentheorie sei aber kaum geeignet, die heute für den Globalisierungsprozeß charakteristischen Machteliten zu erfassen, die „nicht unbedingt unter öffentlich zugängigen Bedingungen“ operieren.

„Die zentrale Frage scheint also zu sein, ob wir uns mit unserem derzeitigen Begriffs-arsenal, mit unseren braven Kapitalanalysen und hochabstrakten Strukturbegriffen wie Global Governance oder Empire, dicht genug an die Akteure der neuen Kriege heran-zoomen können“. Daß zu den Mitteln und Methoden der Herrschaftsausübung auch Kriege gehören, hat der Autor nicht nur hier, sondern auch in anderen Publikationen gezeigt.

Es wurde bereits auf die These von Krysmanski verwiesen, daß Verschwörungstheorien in dem Maße überflüssig würden, wie reale Demokratie an Raum gewinnt. Wie steht es in den USA mit der Demokratie?

Repräsentieren die beiden tonangebenden Parteien, die Republikanische und die Demokratische, im Grunde nur das obere eine Prozent der US-Bevölkerung, wofür einiges spricht, dann müsse man sagen: „Amerika ist eine Plutokratie, keine Demokratie“. Krysmanski scheut sich nicht, den bekanntlich auch von alten und neuen Nazis gebrauchten Terminus „Plutokratie“ offensiv zu verwenden. Während aber in nazistischen Diskursen der Terminus rassistisch-nationalistisch belegt ist, fungiert er hier als ein Gegenbegriff zur Demokratie, der sozialwissenschaftlich verortet wird im Kontext von Globalisierung und Privatisierung: Jene Privatleute, die die Nutznießer der Privatisierungsprozesse sind, „werden immer privater und sie werden immer reicher. Es sieht so aus, als würde ihnen bald die Welt gehören. Die Herrschaft der Reichen nennt man Plutokratie“.

Michael Moore sprach bei seiner Rede anläßlich der Oscar-Verleihung von einem „fiktiven Präsidenten“. Dazu Krysmanski: „In genau diesem Sinne hat sich ein be-stimmtes Zusammenspiel von privatem Reichtum mit ›Direktoraten‹ aus der Konzern-welt, Politik, Militär, Kultur usw. heute zu einem Schwarzen Loch, zu einem Gravi-tationszentrum der Macht verdichtet, das die Institutionen der Demokratie und die checks (Schecks, Gehalt) and balances (Spar-/Kontoguthaben) der Zivilgesellschaft nicht nur in den USA mit unheimlicher Gewalt aufzusaugen droht“.

Zu dem zumindest unter Intellektuellen und Sozialwissenschaftlern offenen Geheimnis, daß die USA keine Demokratie, sondern eine Plutokratie sei, könne man sich auf zwei Arten verhalten: „Leugnet man es wider besseres Wissen und beteiligt sich aktiv an seiner Verschleierung, winken Karrieren in Medien und Wissenschaft; spricht man es aus, wird man an die Peripherie der medialen und wissenschaftlichen Institutionen gedrängt“.

„Starke Politik: der Machtkörper des neuimperialen Projekts in den USA“

Zu dem aktuellen Themenkomplex der „Bush-Regression“  ist auch der in diesen Band aufgenommene analytische und zugleich dossierartige Beitrag von Rainer Rilling zu zählen, der detailliert den „Machtkörper des neuimperialen Projekts“, das Rückgrat der Bush-Administration, seziert und nicht nur eine Röntgenaufnahme dieses wider-sprüchlichen Projekts vorlegt, sondern auch die einzelnen Rinnsale seiner Entstehung zurückverfolgt, die dann, gepusht insbesondere durch den 11. September 2001, zu einem mächtigen Strom angeschwollen sind.

Rilling beschreibt dies Projekt als eines, in dem sich „traditionell neoliberale und imperiale Praxen“ miteinander verbunden haben: der starke nationale Sicherheitsstaat mit einem small government, der shareholder-Kapitalismus mit einem staats-alimentierten Militär-Industrie-Komplex. „Die Bildung eines gemeinsamen Macht-körpers aus neokonservativ-reaganitischen Warriors, fundamentalistischen Christen und marktradikalen Neoliberals“ war kein klassisches Bündnis zwischen konservativen Strömungen, „sondern eine Kopplung von Richtungen ganz ungewöhnlicher Diversität“.

Rilling parallelisiert dies Herrschaftsprojekt von oben mit der globalisierungskritischen Bewegung von unten, angelehnt an Begriffe des weltweit debattierten Buches „Empire“ von Michael Hardt und Antonio Negri: „Dieses Machtprojekt spiegelt, nimmt vorweg und imitiert im Nachhinein, was andernorts geradezu deckungsgleich geschah: die Bildung eines neuen, im Kern linken und antikapitalistischen, global ansetzenden politischen Raums von Seattle über Genua bis nach Porto Alegre und Mumbai, in dem sich eine ganz andere politische Diversität zusammenband, die der neuimperialen Rechten das gegen-imperiale Selbstverständnis einer Multitude entgegensetzte“.

Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass wir derzeit einen Zusammenbruch der Steuerungsinstanzen der bürgerlich-kapitalistischen Welt erleben…

Interview mit Hans Jürgen Krysmanski auf heise.de:
Teil 1: Wer die Fäden zieht
Teil 2: Über die Identität der Gläubiger des Schuldners Staat wird nie gesprochen

Video: Vortrag von Prof. Dr. Hans-Jürgen Krysmanski in Leipzig (2012)

Video: Die Bushs – Der Clan und die Macht (2004)

„Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung.“ (Walther Rathenau, Neue Freie Presse, Wien, Nr. 16288 v. 25.12.1909)

Quellen: PRAVDA-TV/Hans-Jürgen Krysmanski/dampfboot-verlag.de vom 16.07.2013

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50 comments on “Hirten & Wölfe: Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen (Videos)

  1. Probleme bei der Erforschung von Machteliten

    Es gibt zwei Möglichkeiten zu forschen
    Die erste nimmt mehr oder weniger die heutige mechanische Weltsicht.
    Die zweite versucht geisteswissenschaftlich an die Problematik heran zu kommen.
    Schauen wir uns zu erst den Forschungsweg der mechanischen Weltsicht an.
    Wir sehen schnell, dass Macht nur aufgebaut werden kann auf Gefühlen wie Machtgier. Es zeigt sich uns eine Welt, in der ein paar besonders Gierige hunderttausend ebenfalls Gierige steuern. Sie steuern ihre Helfershelfer, indem sie die Machtgier der Helfershelfer bewusst ausnutzen, um ihre eigene Machtgier noch effektiver zu verwirklichen. Das Problem dabei ist, dass sie es zwar voll bewusst tun, aber eben doch unter dem Diktat ihrer eigenen Machtgier. Hier endet bereits die Möglichkeit der mechanistischen Weltsicht weiter zu forschen. Man muss sich sagen, diese Machtgier ist eine Art bösartiger Instinkt. Weder die Helfershelfer noch die eigentliche Elite können sich gegen ihre eigene Machtgier wehren, weil sie einfach so veranlagt ist.
    Mit anderen Wort die Elite ist genau so gefangen, wie ihre Untertanen.
    Ein sehr pessimistisches Forschungsresultat.
    Wie sieht es nun aber aus, wenn wir die Lage Geisteswissenschaftlich erforschen?
    Da zeigt sich uns, dass die Machtgier höhere Wesen sind. Sie sind vergleichbar mit Engeln. Im Volksmund nennen wir sie schlicht Bengels. Ja es gibt sogar noch höhere bösartige Wesen, die Erzbengels und darüber noch höhere.
    Die Geisteswissenschaft sieht die negativen Folgen dieser Bengels und Erzbengels nicht als letzte Tatsache, sondern nur als eine Art negative Nebenwirkung. Die eigentliche Aufgabe dieser Bengels und Erzbengels ist ja nicht das Böse. Ihre Aufgabe ist es mit Hilfe des Bösen, dem Menschen die Möglichkeit zu bieten am Bösen zu wachsen um es zu überwinden. Das macht auf den ersten Blick keinen Unterschied. Es gibt eben trotzdem all die Grausamen Kriege und das ganze Getöse des Bösen auf der Erde, aber eben nur als Nebenwirkung. Das eigentliche Ziel dabei ist die Überwindung des Bösen.
    Das lässt den einzelnen weniger Ohmächtig, als das mechanistische Forschungsresultat mit dem bösartigen Instinkt nach äusserer Macht als reines Naturgesetz.
    Es gibt geisteswissenschaftlich ja nur einen Weg die Gier nach äusserer Macht zu überwinden, und das ist eine innere Macht. Diese innere Macht muss so stark werden, dass sie sich der Versuchung des Bösen widersetzten kann. Und genau diese Stärkung der inneren Kraft, ist die Aufgabe der Bengels und Erzbengels. Die Überwindung der Machtgier, kann den Menschen auf die höheren Stufen der Engel und Erzengel empor heben. Da zeigt sich uns durchaus einen positiven Sinn des ganzen Desasters, das wir zurzeit sehen auf der Erde.
    Es macht Sinn auf die Elite mit einem mitleidigem Blick zu schauen. Gerade weil sie die Machtgier, ihrer Helfershelfer bewusst ausnutzen, um ihre eigene Gier zu befriedigen, fühlen sie sich erhaben. In Wirklichkeit sind sie am heftigsten gepackt von Bengels und Erzbengels. Sie sind am heftigsten geblendet vom Bösen überhaupt. Sie sind mit all ihrer äusseren Macht am allermeisten Sklaven des Bösen. Es sind in Wahrheit die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft.

  2. Während Mills nur von einem Machtdreieck ausging, haben spätere Sozialwissenschaftler die Bedeutung weiterer Sektoren betont, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewannen. Neben der direkten Einflussnahme auf die Politik wurde verstärkt untersucht, wie Machteliten versuchten, über die Beeinflussung der Öffentlichkeit eine „ kulturelle Hegemonie “ ( Gramsci ) herzustellen. Nach G. William Domhoff seien in den Vereinigten Staaten die Richtlinien der Politik („policy formation process“) durch ein System der Wirklichkeitsproduktion bestimmt, welches durch die Zusammenarbeit von wirtschaftlich abhängigen Universitäten, Denkfabriken und Stiftungen hergestellt worden sei. Auch Pierre Bourdieu richtete mit seinen Veröffentlichungen den Blick auf die Wichtigkeit gesellschaftlicher Bereiche wie Wissenschaft und Medien für die Zusammensetzung heutiger Machteliten.

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