Neue Kriege: USA streben globale Kontrolle über Öl-Industrie an

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Die USA streben die weltweite Kontrolle über die Öl-Industrie an. Der Kalte Krieg gegen Russland dient diesem Ziel ebenso wie das mögliche Abrücken von Saudi-Arabien oder der Kampf gegen China. Diese Strategie erklärt auch, warum plötzlich drei der wichtigsten Öl-Produzenten – Nigeria, Brasilien und Venezuela – vor dem Kollaps ihrer politischen Systeme stehen.

Um die Kontrolle über das globale Ölgeschäft zu erlangen, nutzen die USA alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Für Staaten, die nicht kooperieren, kann das einschneidende Folgen haben.

Aktuell sind Nigeria, Venezuela und Brasilien vom inneren Chaos bedroht. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Ursache nur teilweise innenpolitischer Natur sind. Fast immer lässt sich ein Muster erkennen: Die Staaten haben versucht, eigene Wege zu gehen oder mit Partnern zu kooperieren, die Mitbewerber der USA auf dem Ölmarkt sind.

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Der nigerianische Präsident Muhammedu Buhari möchte die Beziehungen zwischen seinem Land und China intensivieren. Buhari befand sich im April auf einem Staatsbesuch in China. Es wurden mehrere Wirtschaftsverträge geschlossen. Der chinesische Konzern Sinohydro Corporation Limited soll Nigeria dabei helfen, 300 Solaranlagen zu bauen. Der Vertrag hat einen Wert von etwa 500 Millionen Dollar.

Im Granit- und Marmorsektor wurde ein Kooperationsvertrag von 55 Millionen Dollar geschlossen. China soll eine Granit-Bergbau-Anlage bauen (Jetzt bohrt China im Amazonas Regenwald nach Öl und will Blackwater-Söldner für Afrika (Video)). Es soll eine Autobahn entlang der Strecke Abuja-Ibadan-Lagos für etwa eine Milliarde Dollar gebaut werden, berichte die nigerianische Premium Times. Zudem sollen die Chinesen für 2,5 Milliarden Dollar beim Ausbau der Metro in Lagos helfen.

In der nigerianischen Freihandelszone Ogun-Guangdong soll ein High-Tech-Industriepark für rund eine Milliarde gebaut werden. Ein Großteil der Projekte sollen über die chinesische Entwicklungsbank AIIB finanziert werden. Zuvor hatte China Nigeria einen Kredit von sechs Millionen Dollar für den Ausbau der Infrastruktur angeboten, berichtet Reuters (Nach Nigeria, jetzt Burkina Faso: Monsanto verliert, Bauern gewinnen!).

Voice of America (VoA) berichtete im März, dass China mehr Öl aus Nigeria importieren möchte. Im vergangenen Jahr importierte China eine Milliarde Barrel an Öl aus Nigeria (Nigeria: Shell vor Gericht – ein Präzedenzfall?). Dieses Volumen erheblich angehoben werden. China ist derzeit der größte Handelspartner des afrikanischen Kontinents, so VoA. Die chinesische Botschaft in Ankara meldete, dass es nicht mehr wichtig sei, ob der Iran ungehindert Öl nach China exportieren darf oder kann. China will der Hauptabnehmer des nigerianischen Öls werden. The Sun berichtet, dass vor allem die US-Regierung gegen eine Annäherung zwischen China und Nigeria ist. Die Amerikaner waren wütend über Buharis China-Reise.

Wichtig für die Ölproduktion Nigerias ist das Niger-Delta, das sich im Süden des Landes befindet. Dort ist die militante Organisation „Emancipation of the Niger Delta“ (MEND) aktiv. Die MEND-Separatisten fordern die Abspaltung des ölreichen Niger-Deltas vom Rest des Landes. Die Organisation führt insbesondere Attacken auf Öl-Pipelines und Stellungen der Öl-Konzerne aus.

In Nigeria sind nach Angaben von Bloomberg die Öl-Konzerne Royal Dutch Shell Plc, Chevron Corp., Exxon Mobil Corp., Total SA und Eni SpA aktiv. Sie fördern im Rahmen von Joint Ventures mit der staatlichen Nigerian National Petroleum Corp. Etwa 90 Prozent des nigerianischen Öls. Bisher hat MEND Förderplattformen von Royal Dutch Shell, Total, Eni SpA, Chevron und Exxon attackiert. Im Jahr 2010 entführte die Organisation Mitarbeiter des Ölkonzerns Exxon, berichtet France 24. Die Liberation berichtet, dass MEND eine Gefahr für Total in Nigeria ist.

Stratfor urteilt, dass MEND eine Bedrohung für die nigerianische Ölindustrie ist.

Die USA haben auch ein zerrüttetes Verhältnis zu Venezuela. Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro befürchtet, dass Washington ihn und seine Partei stürzen wollen (USA bringen Regimewechsel nach Venezuela).

Der Deutschlandfunk zitiert Maduro: „Wir haben Aktivitäten von einigen US-Amerikanern aufgedeckt und die Leute festgenommen. Präsident Obama und seine Diplomaten organisieren eine Konspiration, um meine Regierung zu stürzen. Ich habe die Beweise.“

Das rechte Oppositionsbündnis Mesa de la Unidad Democrática (MUD) wird massiv von der US-Organisation National Endowment for Democracy (NED) unterstützt. NED wird von der US-Regierung und der CIA-Tarnorganisation USAID finanziert (USAID-Entwicklungshelfer gegen Kubas Revolution (Video)). Nach Angaben der US-amerikanischen Anwältin und Publizistin Eva Golinger haben die USA über ihre Organisationen mehrere venezolanische Anti-Regierungs-Bündnisse mit Millionen von Dollars unterstützt.

„Die MUD ist nur der Vollstrecker, der es erfolglos versuchen wird, in Venezuela die Sanktionen von Obama in Kraft zu setzen. Die Agenda der rechten Kräfte ist die Gewalt […]. Die Rechte hat eine Roadmap für den Staatsstreich veröffentlicht, der im Dekret von Obama verbrieft ist“, zitiert El Tiempo den Gouverneur der Region Aragua und hochrangiges Mitglied der PSUV („Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas“), Tareck El Aissam.

In den vergangenen Jahren hatte die Regierung von Venezuela eine Reihe von Ölprojekten, unter denen sich auch Projekte von US-Ölkonzerne befanden, verstaatlicht. Deshalb musste Venezuela im Jahr 2014 dem Ölkonzern Exxon Mobil 1,6 Milliarden Dollar als Entschädigung zahlen. Das hatte das Schiedsgericht der Weltbank entschieden, berichtet telesurtv.

Venezuela hatte im Jahr 2007 den gesamten Öl-Sektor verstaatlicht und die US-Öl-Konzerne aus dem Land gejagt. Seitdem sind die Beziehungen zwischen Washington und Caracas gestört. Im vergangenen Jahr hatte Maduro gesagt, dass Exxon Mobil aktiv daran arbeite, Venezuela zu destabilisieren. „Es gibt eine brutale Kampagne gegen Venezuela, die von Exxon Mobil finanziert wird“, zitiert telesurtv Maduro (Aus für Monsanto: Venezuela verbietet endgültig genetisch verändertes Saatgut).

Zuvor war bekannt geworden, dass die USA die Opposition in Brasilien unterstützt hatten, um die Präsidentin Dilma Rousseff zu stürzen. Rousseff verweigert US-Öl-Konzernen den Zugang zum brasilianischen Ölmarkt. Der derzeitige Interimspräsident Michel Temer soll Informant der US-Regierung gewesen sein. Temer war maßgeblich am Sturz von Rousseff beteiligt gewesen sein. Wikileaks veröffentlichte vertrauliche Depeschen über die Tätigkeit Temers. Erst kürzlich hatten sich seine Leute mit US-Senatoren getroffen, um über eine Kooperation im Erdöl-Sektor zu beraten (Proteste nach Putsch in Brasilien: Neuer Präsident war Informant für US-Regierung (Videos)).

Doch auch der ehemaligen US-Verbündete Saudi-Arabien ist im Visier Washingtons. Es gibt wichtige Anzeichen dafür, dass sich die Saudis auf das Exil vorbereiten, da sie einen Umsturz befürchten.

Der ehemalige Stabschef im Pentagon, Lawrence Wilkerson, sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Wir müssen uns auch im Klaren darüber sein, dass der Arabische Frühling – ich nenne es Arabischer Winter – noch nicht vorüber ist. Die Könige und Emire von Bahrain, Saudi-Arabien und Katar und andere sind alle verängstigt. Die Welt verändert sich, und diese Emire und Könige sind auf der falschen Seite der Geschichte. Ihre Tage sind gezählt.“

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Saudi-Arabien und die übrigen Golf-Staaten gehören zu den wichtigsten OPEC-Staaten. Durch den Machtverlust der Scheich-Monarchien könnte die OPEC zerschlagen werden, was insbesondere der US-Frackingindustrie zugute kommen würde, da der Einfluss von anderen Energieanbietern gebrochen wäre. Zuletzt hatte die US-Frackingindustrie die Produktion erneut aufgenommen, da der Ölpreis sich erholte.

Die Erhöhung der Produktion muss zwangsläufig zum erneuten Rückgang des Ölpreises führen, wodurch wiederum Länder wie Saudi-Arabien, aber auch Russland, der Iran, Nigeria, Venezuela und weitere Öl- und Gasproduzenten geschädigt werden (9/11: USA in der Hand der Saudis (Video)).

Forbes berichtet, dass die USA dabei sind, den Öl-Krieg gegen die OPEC und Saudi-Arabien zu gewinnen. Nach einer Analyse von Oilprice.com kann Saudi-Arabien den Ölpreis-Krieg gegen die USA nicht gewinnen, da niedrige Ölpreise „ein Vorteil für die US-Wirtschaft und die US-Bürger, aber eine Katastrophe für die OPEC und Saudi-Arabien sind“. (Warum der sinkende Ölpreis die Kriegsgefahr erhöht (Videos))

Literatur:

Weltmacht IWF: Chronik eines Raubzugs von Ernst Wolff

Deutschland die Drehscheibe des Waffenhandels: Parteien und Panzer sind Petro-Dollarvon Walter Bolsinger

Krieg um jeden Preis: Gier, Machtmissbrauch und das Millardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror von James Risen

Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung von F. W. Engdahl

Quellen: PublicDomain/Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten am 17.05.2016

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