Großbritannien rutscht in die Rezession

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Sparen trotz flauer Konjunktur – diesen Kurs hat der britische Premier David Cameron eingeschlagen. Aktuelle Konjunkturdaten dürften die Diskussion über die umstrittene Strategie wieder anheizen. Denn nach einem schwachen ersten Quartal ist die britische Wirtschaft überraschend erneut in die Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel vorläufigen Zahlen zufolge in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, teilte die Nationale Statistikbehörde am Mittwoch in London mit.

Der Rückgang kam selbst für Volkswirte überraschend. Sie hatten mit einem Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Im Schlussquartal 2011 war das britische BIP um 0,1 Prozent gefallen. Folgen zwei Minus-Quartale aufeinander, sprechen Ökonomen von Rezession. Grund für die negative Entwicklung seien vor allem Probleme im Bausektor, hieß es. Aber auch in der Industrieproduktion blieb das erwartete Wachstum aus.

Damit ist die britische Wirtschaft erstmals seit gut zwei Jahren wieder in eine Rezession gerutscht. Von 2008 bis Ende 2009 steckte sie 18 Monate lang in der Talsohle fest. Seitdem verlief die Erholung sehr unbeständig. „Die Regierung und die Notenbank brauchten einen Denkzettel. Jetzt haben sie ihn bekommen“, sagte ein Analyst.

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Die britische Währung rutschte nach Bekanntwerden der Konjunkturdaten ab. Für ein britisches Pfund mussten zeitweise nur noch 1,6078 Dollar gezahlt werden, vor Veröffentlichung der Daten waren es 1,6142 Dollar. Der Kurs des Euro stieg auf 0,8220 Pfund, nachdem die Gemeinschaftswährung zuvor noch 0,8170 Pfund gekostet hatte. Die Nachfrage nach den als sicher geltenden britischen Staatsanleihen zog dagegen an.

Schatzkanzler George Osborne sagte, die Euro-Krise habe die Erholung der britischen Wirtschaft erschwert. Er werde aber an seinem Sparkurs festhalten. Die Strategie des konservativen Premiers Cameron ist enorm umstritten. In den vergangenen beiden Jahren hatten der Regierungschef und Osborne scharfe Einschnitte durchgesetzt – auf Kosten von Sozialhilfeempfängern, Studenten und Beamten. Für Wohlhabende aber kündigte die Regierung massive Steuersenkungen an. Sie will zudem Staatsbetriebe privatisieren.

Die aktuellen Konjunkturdaten zeigen zwar ein leichtes Plus im britischen Dienstleistungssektor. Doch es wurde vom Rückgang im Bausektor und der Industrie aufgefressen. „Die Zahlen sind sehr enttäuschend, nicht zuletzt deshalb, weil die Schwäche der Volkswirtschaft nicht allein mit dem Bausektor zusammenhängt“, sagte ein Analyst. „Wir gehen davon aus, dass die Bank of England auf ihrem nächsten Treffen die Geldpolitik weiter lockern wird.“

Es gebe zwar Zeichen der Erholung, doch diese seien keine Garantie dafür, dass der Aufschwung sich fortsetze, sagte Chefökonomin Vicky Redwood vom Forschungsinstitut Capital Economics. Für das Jahr 2012 rechnet sie mit einem Rückgang des britischen BIP um 0,5 Prozent. Die Regierung dagegen geht bisher von einem Wachstum von 0,8 Prozent aus.

Für das laufenden Steuerjahr rechnet Cameron mit einer Neuverschuldung von 126 Milliarden Euro. Bis 2016 will die Regierung sie auf 21 Milliarden Euro im Jahr abbauen. Ursprünglich hatte Osborne das Defizit bis zum Ende der Legislaturperiode 2015 auf null fahren wollen. Dieses Ziel hatte er jedoch bereits vergangenes Jahr aufgrund der schwachen Konjunkturentwicklung aufgeben.

Im Gegensatz zu Großbritannien wird die deutsche Wirtschaft wohl knapp an einer Rezession vorbeischrammen. Im Schlussquartal 2011 war die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise zwar zum ersten Mal seit knapp drei Jahren wieder geschrumpft. Doch für das erste Quartal sagen Experten ein leichtes Wachstum voraus.

Auch das Wirtschaftsministerium zeigte sich optimistisch. Es geht in seiner Frühjahrsprognose von einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent im laufenden Jahr aus. Für 2013 erwartet das Ministerium ein Plus von 1,6 Prozent. „Die deutsche Wirtschaft kommt wieder in Schwung“, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

Quelle: dpa/AP/Reuters/Der Spiegel vom 25.04.2012

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