Chilenischer Friedensnobelpreisträger fordert mehr Würde für Ureinwohner

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In Chile ist die Stimmung angespannt. Öffentlichkeit und Politik streiten darüber, wie mit der größten Gruppe der Ureinwohner umgegangen wird – den Mapuche.

Zuletzt hatte es mehrere Gewalttaten durch Mapuche gegeben. Die Regierung sprach danach von „Terrorismus“ und drohte, den Ausnahmezustand über die betroffene Region im Süden Chiles zu verhängen. Danach kam es wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen. Der chilenische Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel fordert jetzt in einem offenen Brief mehr Verständnis für die Ureinwohner. Alles was sie wünschten sei, dass sie in ihrem Land würdig leben könnten.

Die Mapuche sind die größte indigene Gruppe in Chile. Sie kämpfen seit Jahren für ihre Rechte – vor allem um Landrechte. Einzelne Mitglieder greifen dabei auch zu Gewalt. Allerdings stehen auch die Behörden in der Kritik, weil die Polizei oft ebenfalls gewaltsam gegen Mapuche vorgeht.

schreibt wissen.dradio.de am 08.01.2013

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(Foto: Demonstration der Mapuche am vergangenen Donnerstag in Temuco zur Erinnerung an den vor fünf Jahren erschossenen Matías Catrileo)

Im Süden Chiles spitzen sich die Auseinandersetzungen zwischen Großgrundbesitzern und der Staatsmacht auf der einen und den Mapuche-Indígenas auf der anderen Seite zu. Am Freitag waren in der Region Araucanía der Großgrundbesitzer Werner Luchsinger, dessen Vorfahren vor gut 100 Jahren aus der Schweiz nach Chile ausgewandert waren, und dessen Ehefrau Silvia Mackay bei einem Feuer in ihrem Wohnhaus ums Leben gekommen, das offenbar von einer 20-köpfigen Gruppe maskierter Angreifer gelegt worden war. Luchsinger habe sich mit einer Schußwaffe gewehrt und dabei einen der Vermummten verletzen können, erklärten die Behörden. Dieser sei später festgenommen worden.

In den chilenischen Medien wird davon ausgegangen, daß der Angriff auf das Ehepaar ein Racheakt für den Tod des 22jährigen Studenten Matías Catrileo gewesen ist, der sich am Donnerstag zum fünften Mal gejährt hatte. Catrileo hatte sich an der Besetzung eines Grundstücks beteiligt, das den Berichten zufolge Jorge Luchsinger gehörte, einem Cousin des nun Getöteten. Bei der Räumung des okkupierten Geländes am 3. Januar 2008 durch Sondereinsatzkommandos der chilenischen Militärpolizei war er von einem Carabinero erschossen worden. Der verantwortliche Offizier wurde später wegen »ungerechtfertigter Gewalt mit Todesfolge« zu drei Jahren und einem Tag Haft auf Bewährung verurteilt.

Auf den Tod von Luchsinger und seiner Frau reagierte die chilenische Regierung nun mit der Ankündigung, das Antiterrorgesetz auf die Region anwenden zu wollen. Diese Bestimmungen stammen in ihrer ursprünglichen Form noch aus der Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet, der sie 1984 als juristische Waffe gegen den wachsenden Widerstand erlassen hatte. Trotz einer Reform des Gesetzes 1991 verlangt das Nationale Institut für Menschenrechte (INDH) einen Verzicht auf seine Anwendung, weil es die Verfahrensrechte von Beschuldigten verletze: »Unsere Strafgesetzgebung verfügt über ausreichende Instrumente, um diese verabscheuungswürdigen Ereignisse zu untersuchen und die Verantwortlichen zu bestrafen«. Auch die Mapuche werfen der Regierung vor, ihre politischen Forderungen als »terroristisch« kriminalisieren zu wollen.

Am Sonntag abend (Ortszeit) wurde ein Einwohner der autonomen Gemeinde Temucuicui einem Bericht des lokalen Rundfunksenders Radio Bío Bío zufolge durch Schüsse schwer verletzt, als Panzer und schwerbewaffnete Polizisten die Ortschaft besetzten, um eine Razzia durchzuführen. Wie der Werkén (Gemeindesprecher) des Gebiets, Jorge Huenchullan, dem Sender sagte, habe es keinerlei Widerstand oder Provokationen von Seiten der Bewohner gegeben, trotzdem seien diese von den Beamten brutal angegriffen worden.

Hintergrund der Gewalt ist der seit Jahrzehnten anhaltende Konflikt zwischen den in der Region lebenden Mapuche und Großgrundbesitzern. Die Indígenas fordern die Rückgabe ihrer angestammten Gebiete, während die Besitzer der Latifundien darauf beharren, daß sie oder ihre Vorfahren die Ländereien rechtmäßig erworben hätten. Eugenio Tuma, ein Senator der sozialdemokratisch orientierten Partei für die Demokratie (PPD), forderte die Regierung deshalb auf, sich endlich mit den Ursachen des Konflikts zu befassen. Die Gewalt könne nur beendet werden, wenn die Exekutive anerkenne, daß der Staat den indigenen Völkern und allen Einwohnern der Araucanía Schaden zugefügt habe.

Auch der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chiles, Guillermo Teillier, forderte ein Ende der Konfrontation: »Ebenso wie die Gewalt kein Weg sein kann, führen auch blinde Repression und überzogene Interpretationen der Ereignisse nur zu noch mehr Konfrontation.« Entscheidend sei, daß der Staat und die gesamte Gesellschaft endlich auf die Forderungen und Rechte der Mapuche eingehen und die internationalen Abkommen zum Schutz der indigenen Völker einhalten, forderte der Parlamentsabgeordnete.

Chile aus erster Hand: Bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz am kommenden Sonnabend in der Berliner Urania spricht auch Carlos Insunza Rojas, Verantwortlicher für internationale Beziehungen des ZK der KP Chiles.

Quellen: Reuters/jungewelt.de vom 08.01.2013

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