Vulkane: Die zehn Zeitbomben unserer Erde

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Vulkanausbruch-Puyehue-2011

Vulkane sind die Ventile für die gewaltigsten Kräfte unseres Planeten. Doch nicht Lava ist ihre gefährlichste Waffe: Fallende Aschemassen, Ströme aus Schlamm und Stürme aus Felsbrocken und Gas vernichten innerhalb von Minuten ganze Landstriche. Manche Vulkane bedrohen sogar die Zukunft der Erde.

Vulkane bergen zahllose Gefahren – für ihre unmittelbare Umgebung, teilweise aber auch für den ganzen Planeten. Rund 1.500 Feuerberge sind heute aktiv, 50 von ihnen brechen jedes Jahr aus. Gefahr durch Asche, pyroklastische Ströme, Magma-Kammern, Erd-rutsche oder so genannte Lahare: Können Partikel die Welt anhalten? Haben Vulkane Überschall-Waffen? Gibt es Schläfer unter den Vulkanen? Wie lösen Vulkane einen Mega-Tsunami aus? Und warum ist Eis auf Vulkanen so gefährlich? Wir erklären die Bedrohungen, die die brodelnden Berge in sich tragen – und zeigen die gefährlichsten Zeitbomben, die rund um den Globus unter der Erdkruste schlummern.

Puyehue (Chile): Die Weltreise einer Aschewolke

Blitze zucken im Juni 2011 in der kilometerhohen Eruptionswolke des Puyehue (Titel-bild), elektrisch geladene Aschepartikel schießen mit 600 Metern pro Sekunde aus dem Vulkanschlot des chilenischen Feuerberges. Vulkanasche erdrückt, erstickt, tötet. Schon ein Zentimeter Asche auf Nutzpflanzen zerstört die komplette Ernte – nach dem Ausbruch des Puyehue lag ein halber Meter auf den Feldern, Hunderttausende Schafe verendeten. In Seen und Flüssen starben die Fische.

Aschewolken treten in der Regel aus Schichtvulkanen aus. Deren hoher Gasanteil sorgt für einen explosionsartigen Ausbruch. Wenn dann nur wenige Feststoffe im Vulkan stecken, entlassen sie besonders viele von den schwarzen Partikeln. Die bedecken nicht nur den Boden: Die Eruptionssäule eines Vulkans saugt große Mengen kalter Um-gebungsluft an. Diese wird durch die bis zu 600 Grad heißen Aschepartikel und Gasmoleküle erhitzt und sorgt für einen bis zu vierzig Kilometer hohen Auftrieb in die Stratosphäre. Dort kann sich die Aschewolke in wenigen Stunden bis zu 6.000 Kilometer weit ausbreiten.

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Fuji (Japan): Bedrohung für 35 Millionen Menschen

Tokio und Yokohama bilden zusammen die größte Metropolregion der Welt: 35 Millionen Menschen leben hier im Schatten des Fuji. Bei der letzten Eruption 1707 spie er genug Asche, um 500 Fußballstadien zu füllen. Das moderne Tokio gut 300 Jahre später stünde still: Eine 15 Zentimeter dicke Ascheschicht, wie sie für den nächsten Ausbruch prognostiziert wird, würde das gesamte öffentliche Verkehrsnetz lahmlegen.

Flughäfen, Autobahnen müssten geschlossen werden. Auf mindestens 17 Milliarden Euro schätzt die japanische Regierung den wirtschaftlichen Schaden des Ascheregens – das ist vergleichbar mit den unmittelbaren Folgekosten des Tsunami im März 2011. Nun ver-dichten sich die Hinweise auf einen neuen Ausbruch: Bis zu dreißig kleinere Erdbeben pro Monat sprechen für Magma-Bewegungen in etwa 15 Kilometern Tiefe.

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Mount St. Helens (USA): Ein Berg sprengt sich selbst in die Luft

Am 18. Mai 1980 um 8.32 Uhr messen die Geologen am Mount St. Helens einen Erdstoß der Stärke 5,1. Die gesamte Nordseite des Berges bricht ab. Als noch verheerender er-weist sich der pyroklastische Strom, der zeitweise mit Überschallgeschwindigkeit Richtung Tal rollt. Zum Vergleich: Ein Hurrikan erreicht 300 Stundenkilometer. Jeder Mensch, der sich im Einflussgebiet von pyroklastischen Strömen befindet – bis zu 60 Kilometer um den Vulkan -, ist praktisch verloren. Ein einziger Atemzug verbrennt die Lunge. 800 Grad Celsius, die im Inneren einer solchen Lawine herrschen, lassen alles Wasser im Körper verdampfen.

Die Ströme entstehen oft in Vulkanen, deren Magma und Asche einen besonders hohen Gasanteil haben. Zudem brechen vor einem pyroklastischen Strom häufig Teile des Lavadoms, jener Kuppe, die sich über der Lava im Schlot bildet, weg. Dabei wird heißes Gas freigesetzt, das mit Lavabrocken und Asche hangabwärts rast. Aufhalten lässt sich diese gigantische Walze durch rein gar nichts: Wie ein Luftkissenboot schnellt der Strom über Hindernisse, lässt Häuser implodieren.

Pinatubo (Philippinen): Der gewaltigste Ausbruch des 20. Jahrhunderts

Der Pinatubo war 611 Jahre lang ruhig. Am 15. Juni 1991 um genau 13.42 Uhr meldet sich der Berg mit der größten Explosion des 20. Jahrhunderts zurück. Drei Stunden dauert die Hauptphase, in der eine Aschewolke 35 Kilometer emporsteigt, ein Taifun lässt sie in weitem Umkreis abregnen. Der schwere, graue Matsch bringt Dächer zum Einsturz, 875 Menschen sterben. Direkt am Vulkan ist das Ausmaß der Katastrophe am nächsten Tag zu sehen: Pyroklastische Ströme haben das Volk der Aeta heimatlos gemacht. Dörfer sind völlig zerstört, 40.000 Menschen müssen umgesiedelt werden. Die Todeswalze hat auch einen globalen Effekt: 17 Millionen Tonnen Schwefeldioxid gelangen in die Stratosphäre, das Sonnenlicht verdunkelt um fünf Prozent, die weltweite Temperatur sinkt um 0,4 Grad Celsius.

Yellowstone (USA): Die gefährlichste Wiese der Welt

Weltweit sind etwa zwei Dutzend Supervulkane bekannt, darunter der Yellowstone im gleichnamigen US-Nationalpark. Teilweise nur wenige Meter unter grasenden Bisons schlummert hier eine Magma-Kammer, die sich auf 2500 Quadratkilometern erstreckt. Bricht der Yellowstone aus, explodiert buchstäblich der Boden und entlässt dabei mindestens tausendmal mehr feurige Masse als ein Bergvulkan. Übrig bleibt ein Krater von der Fläche einer Großstadt – und ein Planet, auf dem nichts mehr so ist wie vorher.

Mindestens 1.000 Kubikkilometer Lava und Asche werden beim Ausbruch mit einer Sprengkraft von mehreren Tausend Atombomben in die Stratosphäre geschossen. Experten rechnen damit, dass sich der Himmel für mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre, verdunkelt und die Durchschnittstemperatur der Erde um mehrere Grad sinkt. Vor gut 640.000 Jahren ist der Yellowstone zum letzten Mal ausgebrochen. Der nächste Ausbruch ist nach geologischer Zeitrechnung seit circa 20.000 Jahren überfällig.

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Uturuncu (Bolivien): Der wachsende Todesberg

Jeder Experte hielt ihn für erloschen, schließlich liegt seine letzte Eruption bereits 300.000 Jahre zurück. Doch Forscher entdeckten jetzt, dass die elektrische Leitfähigkeit unter dem Andenberg stetig ansteigt – Zeichen für die Anwesenheit flüssiger Magma, die sehr viel leitfähiger ist als Gestein. Etwa zwanzig Kilometer unter dem Uturuncu bläht sich eine gigantische Magma-Kammer auf und wächst mit erschreckender Geschwindig-keit: Jede Sekunde um einen Kubikmeter, also um 1.000 Liter.

Vulkanologen sind sich sicher, dass dieses Anschwellen seit zwanzig Jahren stattfindet. Das ergäbe rund 600 Millionen Kubikmeter Magma, die bislang aus den Tiefen des Erdmantels emporgeschossen sind. Geologe Shanaka de Silva untersucht den Uturuncu schon seit Jahren und sagt: „Wir könnten Zeugen der Geburt eines neuen Supervulkans sein.’

Kilauea (Hawaii): Wie ein Regenschauer auf Hawaii Kalifornien überschwemmt

Hawaiianer nennen ihn das „Haus des immerwährenden Feuers’. Tatsächlich hat der Kilauea auf Hawaii seit Jahrhunderten fast ununterbrochen Lava gefördert. Doch die Lava ist nicht die eigentliche Bedrohung, die vom Kilauea ausgeht, sondern die akute Tsunami-Gefahr. Und die muss noch nicht einmal seismischen Ursprungs sein. Im November 2000 hat sich an der Südseite des Berges eine 200 Quadratkilometer große Gesteinsfläche um 18 Zentimeter verschoben – ausgelöst vermutlich von Regenfällen. Sollten die regelmäßigen Eruptionen stärker werden und dann auch noch heftige Regen-fälle auftreten, droht eine Fläche von vierzig mal zwanzig Kilometern ins Meer zu stürzen.

Dabei würde laut Berechnungen ein Tsunami entstehen, der mit einer Breite von 750 Kilometern und einer Höhe von dreißig Metern auf die Küsten der USA und Japans zu rast. Und die Gefahrenzeichen für einen Mega-Ausbruch des Kilauea häufen sich. Vor vier Jahren begann der Vulkan, mit heftigen Explosionen auszubrechen – das hatte er seit mehr als achtzig Jahren nicht mehr getan.

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Cumbre Vieja (Kanarische Inseln): Warum ein Felsriss in Spanien New York bedroht

Die Cumbre Vieja an der Südspitze der Kanareninsel La Palma ist eine Kette aus 120 Kratern, die sich zu einer globalen Bedrohung entwickelt haben. Die Gefahr der Cumbre Vieja liegt in ihrer Instabilität. Vor 500 000 Jahren brach ein großes Stück des Nordteils von La Palma ins Meer. 1949 entstand nach einer vulkanischen Kettenreaktion ein drei Kilometer langes Netz aus Spalten, das die Cumbre Vieja in ein wackeliges Kartenhaus verwandelte.

Jetzt befürchten Geologen, dass beim nächsten starken Ausbruch bis zu 500 Milliarden Tonnen Gestein in den Atlantik stürzen könnten. Die folgende Flutwelle würde sich bis zu 900 Meter hoch auftürmen. Nach acht Stunden wäre Amerika erreicht, wo die immer noch bis zu 25 Meter hohe Welle die Ostküste der USA überfluten würde – schlimmsten-falls bis zwanzig Kilometer ins Landesinnere hinein.

Nevado del Ruiz (Kolumbien): Pompeji 2.0 in Südamerika

Es ist ein tödlicher Cocktail: heißes Vulkangestein und Eis. Wenn die feuerspeienden Berge in die Höhe wachsen, ihre Spitzen vergletschern, wird ein Ausbruch zur Katastrophe. Auf dem 5.389 Meter hohen Nevado del Ruiz in den kolumbianischen Anden lag eine 25 Quadratkilometer große Eisschicht, die den Vulkan in ein Ungetüm ver-wandelte. Denn eigentlich war die Eruption am 13. November 1985 nicht sehr stark.

Augenzeugen berichteten von einem Feuerball in der Nacht. Zwei Stunden später war die fünfzig Kilometer entfernte Stadt Armero ausgelöscht. Niemand hätte damit gerechnet, dass der Vulkanausbruch eine solche Kettenreaktion auslösen würde. Die Lava hatte Eis und Schnee zum Schmelzen gebracht. Dadurch entstand eine Lawine aus Schlamm und Schutt, ein sogenannter Lahar. Im Gegensatz zum Lavastrom, der nur etwa 25 Stunden-kilometer schnell wird, erreichen Lahars die vierfache Geschwindigkeit und entwickeln eine Wucht, die Bäume, Gesteinsbrocken und Häuser mit sich reißt. In Armero starben 25.000 Menschen, es war einer der tödlichsten Vulkanausbrüche der Menschheits-geschichte. Wie schon die antike Stadt Pompeji, die durch den Vesuv zerstört wurde, ist auch Armero von der Landkarte verschwunden.

Mount Rainier (USA): Die größte Schlammflut der Erde

Mehr als 120 Kilometer weit zieht sich die Spur des größten Lahars der Erdgeschichte. Das reißende Gemisch aus Schlamm und Schutt verwüstet ein 300 Quadratkilometer großes Gebiet, verfüllt Täler mit einer 200 Meter hohen Schicht. Die Katastrophe ereignete sich vor 5.800 Jahren im heutigen US-Bundesstaat Washington – und zeigt, wozu der Mount Rainier fähig ist. Seitdem gilt der Vulkan als schlafender Riese und als Bedrohung für mehr als eine Million Menschen in den benachbarten Städten Seattle und Tacoma. Was den Berg so gefährlich macht, ist die Tatsache, dass er der größte Gletscher der USA außerhalb Alaskas ist, mit einer 90 Quadratkilometer großen Fläche aus Schnee und Eis. Geologen sprechen deshalb davon, dass weltweit kaum eine größere Todesgefahr für so viele Menschen von einem einzigen Vulkan ausgeht.

Hier gibt es aktuelle Neuigkeiten zu Vulkanausbrüchen in deutscher Sprache.

Die aktiven Vulkane weltweit mit allen Alarmeinstufungen – Link

Quellen: PRAVDA TV/AFP/wissen.de.msn.com vom 18.11.2013

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