Entwicklungsländer: Die Aufholjagd ist zu Ende

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Einkommenslücke zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten schließt sich kaum noch.

Vor vier Monaten hat die Weltbank die Entwicklungsländer abgeschafft. In der Datensammlung der Entwicklungsindikatoren wird nicht länger zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern unterschieden. »Dabei geht es auch darum, die mentalen Modelle zu aktualisieren, die sich die Menschen (von der Welt) machen«, sagte Tariq Khokhar, ein Weltbank-Statistiker gegenüber der Internetpublikation Quartz.

Und der Weltbank-Ökonom Umar Serajuddin ergänzt: »Das Hauptproblem sind die riesigen Unterschiede zwischen Ländern wie Malawi und Malaysia. Malaysia ist eher mit den USA vergleichbar als mit Malawi. Wenn wir derart unterschiedliche Länder in einer Gruppe zusammenwerfen, ist das nicht wirklich nützlich.«

In den Jahren vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 haben sich viele »Entwicklungsländer« sehr schnell entwickelt. Dort lag die Wachstumsrate zeitweise um fünf oder mehr Prozentpunkte höher als in den Industriestaaten und die Einkommenslücke zu den Industriestaaten schloss sich schnell.

In den Jahren 2004 bis 2008 konnten die Menschen in Schwellenländer wie China oder Brasilien davon ausgehen, dass ihr Pro-Kopf-Einkommen innert 42 Jahren auf US-Niveau steigt. Dem ist nicht länger so, wie die Weltbank in ihrem Wirtschaftsausblick schreibt. Dort hat sie zum einen die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft (mal wieder) nach unten korrigiert. Dieses Jahr soll die Weltwirtschaft um 2,4 Prozent zulegen (statt um 2,9 Prozent wie die Weltbank noch im Januar geschätzt hat).

Zum anderen haben sich die Aussichten für die »Entwicklungsländer« deutlich verschlechtert: Weniger als die Hälfte holt überhaupt noch auf die Industriestaaten auf und die Anzahl Jahre um das US-Niveau zu erreichen hat sich dramatisch verlängert: Schwellenländer müssen nun 68 Jahre warten, Staaten wie Nigeria über 100 Jahre und die ärmsten Länder gar über 200 Jahre (Hinter den Kulissen der Vereinten Nationen: Wer wirklich das Sagen hat).

Für viele Entwicklungsländer ist die Zeit der Aufholjagd also vorerst zu Ende. Aus Sicht der ökonomischen Theorie ist dies erstaunlich: Eigentlich müssten ärmere Länder schneller wachsen als reichere, weil in den ärmeren Kapital einen höheren Ertrag abwirft. Dies führt (theoretisch) dazu, dass Kapital in die ärmeren Länder fließt.

Praktisch hat die »Konvergenztheorie« aber nur selten und nur in einigen Ländern funktioniert. 1997 schrieb der damalige Chefökonom der Weltbank Lant Pritchett: Der zunehmende Abstand zwischen reichen und armen Ländern ist »das dominierende Merkmal moderner Wirtschaftsgeschichte«. Die Schere öffnete sich also immer mehr.

Doch dann wendete sich plötzlich das Blatt: Viele Entwicklungsländer, allen voran China, begannen sehr schnell zu wachsen. 1995 war die Welthandelsorganisation WTO gegründet worden und 2001 trat China der WTO bei. Die Wachstumsrate des Welthandels verdoppelte sich auf knapp neun Prozent. Zudem stiegen die Preise für Rohstoffe und Agrargüter, wovon viele Entwicklungsländer profitierten.

Die Zeit dieser Aufholjagd hat sich gelohnt: Im Jahr 1994 hat die Weltbank noch 64 Staaten als »Länder mit niedrigem Einkommen« eingestuft – die niedrigste Kategorie mit einem Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von weniger als 1045 Dollar. Bis zum Jahr 2014 haben es 33 dieser Staaten in eine höhere Einkommenskategorie geschafft (Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland größer als bisher bekannt).

 

Damit lebten »nur« noch 613 Millionen Menschen in den ärmsten Ländern der Welt und nicht mehr 3,1 Milliarden wie noch zehn Jahre zuvor. Derartige Erfolge werden sich aber nicht wiederholen lassen, wenn sich das globale Wachstum verlangsamt und weniger als die Hälfte der »Entwicklungsländer« auf die Industriestaaten aufholt.

Ironischerweise kam die Abschaffung der Kategorie »Entwicklungsländer« durch die Weltbank just zum Zeitpunkt als viele dieser Länder wieder aufgehört haben, sich weiter zu »entwickeln«. Dies dürfte kaum die Anpassung des »mentalen Modells« gewesen sein, die die Weltbank-Statistiker beabsichtigt haben (Neue Weltbank-Regeln: »Frustration und Enttäuschung«).

Literatur:

Landraub: Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus von Stefano Liberti

Ändere die Welt!: Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen von Jean Ziegler

Massenmigration als Waffe von Kelly M. Greenhill

Quellen: PublicDomain/neues-deutschland.de am 16.08.2016

Weitere Artikel:

Neue Weltbank-Regeln: »Frustration und Enttäuschung«

Hinter den Kulissen der Vereinten Nationen: Wer wirklich das Sagen hat

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