Wetterphänomene: Steht Kalifornien vor epischer Flut? Bruch in 60 Jahre altem Windmuster (Video)

Noch vor einem halben Jahr litten große Teile Kaliforniens unter einer extremen Dürre, wie es sie wohl jahrhundertelang nicht gegeben hatte. Seitdem hat sich viel geändert, denn der US-Westküstenstaat wird seit Monaten von einem atmosphärischen Fluss nach dem anderen heimgesucht.

Dieses auch Ananasexpress genannte Wetterphänomen geht mit ergiebigen, teilweise tagelang anhaltenden Regen- und Schneefällen einher – seit Anfang Oktober ging laut der NASA vielerorts die doppelte Niederschlagsmenge nieder, wie sie normalerweise im Durchschnitt üblich ist.

Allein seit dem 31. Dezember prasselten in weiten Bereichen der Sierra Nevada und im Sacramento Valley, aber auch in den Bergen von Arizona um die 1000 Millimeter Regen oder Schnee nieder. Zum Vergleich: In Sacramento regnet es sonst im Mittel jährlich rund 460 Millimeter. Insgesamt erlebt Kalifornien den feuchtesten Winter seit Jahrzehnten.

Die von Dürre betroffenen Gebiete an der Westküste schrumpfen daher rapide, doch schon werden neue Ängste wach. Denn alle 100 bis 200 Jahre suchen schwere Überschwemmungen den Bundesstaat Kalifornien heim – ausgelöst durch ebenjene atmosphärischen Flüsse, die dieses Jahr wieder besonders aktiv scheinen.

Sie entstehen, wenn ein großes, sich nur langsam fortbewegendes Tief über dem Pazifik vor der US-Westküste feuchtwarme Luftmassen im Bereich der Hawaiiinseln anzapft. Der subtropische Jetstream leitet sie dann mehr oder weniger linienförmig gegen das Festland. Der Ursprung bei den Hawaiiinseln, wo die Südfrüchte wachsen, und die kettenförmige Abfolge der Niederschlagsgebiete sorgten für die Namensgebung „Ananasexpress“.

„Geologischen Hinweisen zufolge sind in Kalifornien ungefähr alle 100 bis 200 Jahre extrem starke Regenfluten aufgetreten. Die letzte große Überschwemmung von 1861/62 führte den Bundesstaat in den Bankrott“, schrieben Michael D. Dettinger von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla und B. Lynn Ingram von der University of California in Berkeley 2013 in „Spektrum der Wissenschaft“.

Ein neues Ereignis könnte also jederzeit eintreten. Damals regnete es ab Weihnachten 1861 über 40 Tage fast ununterbrochen; die Hauptstadt Sacramento stand schließlich wochenlang unter Wasser. Die Überschwemmungen gelten als die schlimmsten, die bislang für Kalifornien, Oregon und Nevada dokumentiert wurden.

Sie wurden dadurch verschärft, dass nach rekordverdächtigen Schneefällen in den Bergen plötzlich Tauwetter mit Regen bis in die Hochlagen einsetzte. Kein Fluss konnte diese Wassermassen ableiten, und so verwandelte sich das Central Valley in einen See.

Heute werden viele dieser Ströme durch Stauseen und Rückhaltebecken gezähmt, doch die kritische Situation am Oroville-Staudamm weist darauf hin, was dieses Jahr noch passieren könnte. Erst vor Kurzem, am 13. Februar 2017, überspülten Wassermassen den höchsten Damm der USA stundenlang und führten zu schweren Erosionsschäden am Notablass.

Der reguläre Hauptüberlauf war schon zuvor stark demoliert wurden; zeitweise bestand sogar die Gefahr, dass der Damm zumindest in Teilen zerstört werden könnte: Eine unkontrollierte Flutwelle drohte, weshalb 180 000 Menschen zur Flucht aufgefordert wurden.

 

Mittlerweile beträgt die Schneeauflage in der Sierra Nevada Kaliforniens 173 Prozent des durchschnittlichen Werts – die stärkste Schneedecke seit 22 Jahren. Auf dem Mount Rose an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada beispielsweise liegen knapp 13 Meter Schnee. Die Grundlage für ein katastrophales Szenario ist also gelegt, zumal die lange ausgetrockneten Böden mittlerweile längst ihre maximale Wasserhaltekapazität erreicht, vielfach auch überschritten haben.

Sie können keine weiteren Niederschläge mehr aufnehmen, weshalb das Wasser oberirdisch abfließen muss. Es überrascht daher nur wenig, dass Ananasexpresse für 80 Prozent aller schweren Überflutungen in Kalifornien verantwortlich sind, wie eine Studie belegt.

Bislang haben in diesem Winter zehn atmosphärische Flüsse die US-Westküste erreicht, in normalen Jahren sind es maximal fünf bis sieben. Ein Modell, das mit den Daten von mehr als 100 Wissenschaftlern, Ingenieuren und Katastrophenschutzexperten gefüttert worden war, deutet an, was bei einem erneuten Ausnahmejahr wie 1861/62 passieren könnte. Das Central Valley, Heimat von sechs Millionen Menschen, könnte sich dann in einen knapp 500 Kilometer langen und über 30 Kilometer breiten See verwandeln.

Die wirtschaftlichen Schäden lägen bei mehreren hundert Milliarden US-Dollar. Das würde für den schwer verschuldeten Bundesstaat eine immense finanzielle Bürde darstellen. Dazu kommt die marode Struktur vieler Staudämme in Kalifornien – von den 1500 größeren Stauwerken gelten mehr als 100 als in schlechtem oder allenfalls mäßigem Zustand, wie die „New York Times“ schreibt. Es muss abgewartet werden, wie sie mit der anstehenden Schneeschmelze zurechtkommen.

Bruch in 60 Jahre altem Windmuster

Hoch über den Tropengebieten der Erde hat sich kürzlich eine Windströmung auf eine Art und Weise verändert, wie es in über 60 Jahren regelmäßiger Messungen nie beobachtet worden war. Der Bruch in besagtem Windmuster – seit den 1960er Jahren bekannt als die Quasi-zweijährige Schwingung – hatte keinen direkten Einfluss auf unser Wetter oder Klima auf der Erdoberfläche.

Allerdings wirft die Veränderung interessante Fragen für die NASA auf, die das Phänomen beobachtet. Was kann die Ursache dafür sein, dass sich eine seit sechs Jahrzehnten anhaltende Windphase plötzlich verändert? Wird sich das Phänomen wiederholen? Und welche Auswirkungen könnte das haben?

Die Winde in der tropischen Stratosphäre – eine Erdatmosphärenschicht, die sich in einer Höhe von ungefähr 15 bis 50 Kilometern über der Erdoberfläche erstreckt – zirkulieren in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren in abwechselnd östlicher und westlicher Richtung um den Planeten. Die Westwinde entstehen im obersten Teil der Stratosphäre und sinken dann nach und nach zum Boden der Schicht, auf eine Höhe von ungefähr 15 Kilometern. Gleichzeitig werden sie von einer Schicht der Ostwinde überlagert, die daraufhin ihrerseits von den Westwinden ersetzt wird. Der Zyklus wiederholt sich alle 28 Monate.

Um diese Windmuster zu messen, ließ man an verschiedenen Orten in den Tropengebieten rund um den Globus Wetterballone steigen. Der Beginn der Aufzeichnungen geht zurück auf das Jahr 1953.

Bis Ende des Jahres 2015 hatten sich die beobachteten Windphasen nie verändert. Das neue Windmuster hielt fast ein halbes Jahr lang an, bis sich im Juli 2016 der alte Verlauf fortzusetzen schien.

Literatur:

Die Erde im Umbruch: Katastrophen form(t)en diese Welt. Beweise aus historischer Zeit von Hans-Joachim Zillmer

Der Klimaschwindel: Erderwärmung, Treibhauseffekt, Klimawandel – die Fakten von Kurt G. Blüchel

Erde im Aufruhr von Immanuel Velikovsky

Video:

Quellen: PublicDomain/spektrum.de/nexus-magazin.de am 24.02.2017

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