Crowdfunding: Die Möglichkeit, um sich von Banken zu lösen?

Endlich ohne Bankkredit einen Wünsche erfüllen. Im ersten Moment klingt das Ganze nach guter Fee und Märchen. In den letzten Jahren hat sich auch in Deutschland eine lebhafte Crowdfunding-Szene entwickelt.

Das Ganze stammt aus dem englischsprachigen Raum und lässt sich mit Schwarmfinanzierung übersetzen. Befürworter des Ganzen sehen die Macht der Banken bereits gebrochen und hoffen auf ein neues Wir-Gefühl.

Hat Crowdfunding diese Vorschuss-Lorbeeren tatsächlich verdient. Zuerst muss das Ganze wahrscheinlich differenziert betrachtet werden. Denn Crowdfunding beinhaltet ganz unterschiedliche Ansätze.

Soziales Engagement oder knallhartes Investieren

Wer im Internet nach dem Schlagwort Crowdfunding sucht, stößt zum einen auf Seiten, welche den Begriff erklären. Parallel tauchen in den Suchergebnissen Seiten auf, die Menschen zusammenbringen – also jene, die ein Projekt finanzieren wollen und Personen, die hierfür Geld in die Hand nehmen.

Crowdfunding-Plattformen haben, so zumindest der Eindruck, haben in den letzten Jahren eine besondere Lücke entdeckt. Wer entwickelt die Ideen und worin unterscheiden sich die Plattformen? Antworten auf diese Fragen finden Leser hier.

Crowdfunding wird heute vor allem durch Unternehmen aus der FinTech-Branche vorangetrieben. Letztere machen Banken in gewisser Weise Konkurrenz – und auch wieder doch nicht. Der Grund: Crowdfunding richtet sich an Zielgruppen, die bei Banken teils eh kaum Chancen auf eine Finanzierung haben.

Das klassische Crowdfunding beruht darauf, dass Projekte Geld einwerben, ohne dass der/die Geldgeber hiervon einen finanziellen Nutzen haben. Lassen sich Entwickler ein Projekt finanzieren, können die Geldgeber dieses oft vergünstigt nutzen (Reward-basiertes Funding).

Nicht selten steht aber auch der Spendencharakter im Vordergrund. Aber: Es gibt zwei Arten des Crowdfundings, bei denen geht es in erster Linie um Zinsen.

  • Crowdinvesting: Diese Adaption des Crowdfunding bringt Investoren und Unternehmen (häufig Start-Ups oder aus der Immobilienbranche) zusammen. Letztere formulieren das Funding-Projekt – etwa die Existenzgründung – und werben die nötigen Mittel hierfür ein. Investoren erhalten im Gegenzug eine festgelegte Rendite. Plattformen, welche die Beteiligten zusammenbringen, finanzieren sich im Regelfall über eine Gebühr.
  • Crowdlending: Hier geht es nicht um die Finanzierung im Geschäftskundensegment, sondern schlicht und einfach um den Kredit von Privatpersonen an Privatpersonen. Das Konzept taucht immer wieder als Peer-2-Peer Kredit auf. Kreditnehmer formulieren ihr Finanzierungsprojekt und werben um Geldgeber. Letztere sind meist private Anleger, die sich vor dem Hintergrund der Projektbeschreibung und Risikobewertung entscheiden. Auch hier winkt den Mikroinvestoren ein Zins.

Crowdfunding kann tatsächlich dazu dienen, soziales Engagement zu zeigen bzw. zu unterstützen. Enthusiasten bietet sich damit die Möglichkeit, am Mainstream vorbei eigene Ideen zu realisieren. Auf der anderen Seite geht es hier auch um knallharte Geschäftsinteressen.

Wer im Bereich Crowdinvesting Kapital investiert, erwartet einen ROI (Return of Investment). Es geht nicht darum, eine soziale Ader zu zeigen, sondern den niedrigen Sparzinsen zu entkommen. Und die Rendite ist für viele Investoren ein treibender Faktor.

Achtung: Crowdfunding darf im Hinblick auf das Risiko nicht unterschätzt werden. Es kommt immer wieder vor, das Projekte „sterben“ oder Kreditnehmer nicht mehr zahlen können. In diesem Fall ist das investierte Geld einfach weg.

Crowdfunding: Eine Win-win-Situation?

Crowdfunding ist der Weg an den Banken vorbei. Diese Aussage – im ersten Moment eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage – stimmt zum Teil. Für Projektentwickler und Investoren entstehen mit den Schwarmfinanzierungen Möglichkeiten, ohne Banken mit finanziellen Mitteln zu arbeiten. Trotzdem wird es in der Praxis nie komplett ohne die Kreditinstitute gehen.

Schließlich müssen Zahlungen bearbeitet werden – zwischen Investoren und den „Kreditnehmern“. Und die Rückzahlungen müssen auf irgendein Konto gehen. Die Idee, sich komplett von den Sachzwängen der Kreditvergabe lösen zu können, wird auch das Crowdfunding nicht lösen. Denn Aspekte wie die Bonität spielen auch hier eine Rolle.

Crowdfunding ist immer noch eine Nische

Crowdfunding kann in der Lage sein, Banken in einigen Bereichen den Rang abzulaufen. Diese Einschätzung mag stimmen. Bevor es soweit ist, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Anders als in den USA, wo das Thema deutlich präsenter ist, steckt das Crowdfunding in Deutschland nach wie vor in seiner Nische fest.

Gerade in der Unternehmens- und Mittelstandsfinanzierung scheint sich das Konzept als Alternative zu etablieren. In der Vergangenheit haben sich bereits diverse Firmen erfolgreich vom „Schwarm“ finanzieren lassen.

Die Summen, welche über Crowdfunding eingeworben werden, sind im Vergleich zu der Darlehensvergabe deutsche Banken aber immer noch Peanuts.

Quellen: PublicDomain am 17.01.2018

About aikos2309

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*