Wie Unbedenklichkeitsstudien für Glyphosat mit Wissen der Behörden manipuliert wurden

Teile die Wahrheit!
  •  
  • 1
  •  
  •  
  • 9
  •  
  •  
  •  
  •  

Glyphosat ist seit langen sehr umstritten. Bisher hat der Spiegel stets über die Unbedenklichkeit von Glyphosat berichtet, nun ist im Spiegel ein überraschender Artikel über die „Geheimakte Glyphosat“ erschienen, auf den sich näherer Blick lohnt.

Der Spiegel tut sich immer wieder als Lobbyist für die Interessen der chemischen Industrie hervor, was man am Beispiel Glyphosat sehr gut beobachten konnte. Für die Lobbyarbeit für Glyphosat ist im Spiegel normalerweise Julia Merlot zuständig. Von Thomas Röper

Das lief immer folgendermaßen ab: Es kommt ein neuer Skandal über Glyphosat ans Licht, zum Beispiel, dass das Mittel im Verdacht steht, Krebs zu erregen und dass sogar US-Gerichte das bestätigt haben, und ein paar Tage später darf Julia Merlot im Spiegel einen langen Artikel schreiben, der Glyphosat bescheinigt, vollkommen ungefährlich zu sein.

Wie sehr Frau Merlot dabei die Lobbyarbeit des Glyphosat-Herstellers unterstützt, zeigte sich zum Beispiel bei einem Interview, das sie zu dem Thema geführt hat. Damals hat sie die österreichische Professorin Siegrid Steinkellner interviewt, die Glyphosat in den höchsten Tönen gelobt hat. Das war 2019, als es um die Frage eines Verbots von Glyphosat ging und Frau Steinkellner hat seinerzeit in der österreichischen Presse gegen das Verbot von Glyphosat gekämpft, war Frau Merlot allerdings nicht erwähnt hat.

Was Frau Merlot dabei außerdem verschwiegen hat, war die Tatsache, dass Frau Steinkellner in einer NGO saß, die als Interessenvertreter unterwegs ist und unter anderem wessen Interessen vertritt?

Richtig: Die Interessen des Glyphosat-Herstellers Bayer, denn zusammen mit Frau Steinkellner saß dort auch Nils Bauer, der Bayer-Vertriebschef von Österreich. Aber solche Kleinigkeiten muss der Spiegel-Leser ja nicht unbedingt erfahren.

„Die Geheimakte Glyphosat“

Nun hat der Spiegel einen Artikel mit der Überschrift „Zweifel an Studien zur Unbedenklichkeit des Herbizids – Die Geheimakte Glyphosat“ veröffentlicht, in dem es um den österreichischen Professor Knasmüller geht. Knasmüller ist Experte für Toxikologie und er hat sich die Studien angeschaut, mit denen Monsanto und Bayer den Aufsichtsbehörden bestätigt haben, dass Glyphosat ganz ungefährlich ist.

Diese Studien der Hersteller waren bis vor kurzem geheim, begründet wurde das – mit Einverständnis der Aufsichtsbehörden – mit angeblichen Geschäftsgeheimnissen der Hersteller, deren Geheimhaltung wichtiger gewesen sei als das Informieren der Öffentlichkeit. Erst durch eine Klage wurden diese Studien nun freigegeben und Knasmüller hat sie sich angeschaut.

native advertising

Darüber schreibt der Spiegel:

„Der Wissenschaftler hat einen Schatz in die Hände bekommen, der bis dahin gut gehütet war: jene 53 Studien zu möglichen Erbgutschäden, die eine Unbedenklichkeit von Glyphosat belegen sollen. (…) Über Monate hat sich der Wiener Wissenschaftler mit einem Kollegen durch Tausende Seiten Material gearbeitet, sein Erstaunen wurde immer größer. Kaum eine der Arbeiten, die von der Industrie beauftragt wurden, entspreche den OECD-Standards, die 2014 galten, so Knasmüller. Trotzdem akzeptierte damals nicht nur die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Berichte.

Auch das mit der Risikoabschätzung beauftragte Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sah die meisten der 53 Tests als zuverlässiges Fundament, das Pestizid als ungefährlich zu bewerten. (…) Während die Industrie und die Behörden zuvor immer auf die Verlässlichkeit dieser Laborstudien verwiesen hatten, liefert Knasmüllers Untersuchung ein anderes Bild: Nur 4 Prozent der Studien sind demnach »zuverlässig«, 32 Prozent noch teilweise belastbar – der große Rest (64 Prozent) ist es allerdings nicht. Mitunter vermerkt selbst das BfR gewisse Mankos, winkt die meisten Studien dennoch als »akzeptabel« durch.“

Das ist ungefähr das, was die Kritiker von Glyphosat schon seit Jahren kritisieren: Die Studien sind vom Hersteller in Auftrag gegeben und bezahlt worden, da muss man sich nicht wundern, dass sie das bestätigen, was der Hersteller möchte. Dass Glyphosat allerdings anscheinend sogar so gefährlich ist, dass die Hersteller es nicht einmal geschafft haben, Studien zu fabrizieren, die den geltenden Standards entsprechen, sondern bei den Standards mogeln müssen, um die gewollten Ergebnisse zu erreichen, dürfte selbst manche Glyphosat-Kritiker überraschen.

Weiter geht es in dem Spiegel-Artikel darum, dass Glyphosat höchstwahrscheinlich krebserregend ist.

Schlamperei bei der Aufsicht?

Man könnte meinen, dass der Spiegel hier einen guten Artikel abgeliefert hat, was selten genug vorkommt. Aber Fehlanzeige, denn der Spiegel berichtet zwar ausführlich über die Gesundheitsrisiken von Glyphosat, über die vollkommen mangelhaften Studien, die für die Aufsichtsbehörden Basis für die Zulassung von Glyphosat waren und er stellt sogar die richtigen Fragen, zum Beispiel:

„Es bleiben jedoch eine Menge Fragen offen, zu denen das BfR keine Antwort liefert: Warum akzeptierte die Behörde etwa eine Studie mit einer abnorm hohen Zahl an Mutationen in der Kontrollkultur, was einen Test eigentlich wertlos macht? Warum wurde eine Nagetierstudie als Beleg für die Unbedenklichkeit von Glyphosat akzeptiert, obwohl von einer »reduzierten Lebensfähigkeit der Neugeborenen« die Rede war? In zwei vom BfR akzeptierten Studien wurde noch nicht einmal Glyphosat getestet, sondern ein ganz anderer Herbizidzusatzstoff. Eine Antwort zu der Aussagekraft solcher Studien blieb das BfR schuldig. Die EFSA ließ wissen, die Studie nicht kommentieren zu können.“

Was die Behörden getan haben, muss man schon als fast kriminell bezeichnen, den sie haben die Studien der Hersteller, die ganz offensichtlich vollkommen ungeeignet waren, als Basis für die Zulassung genommen. Der Spiegel schreibt dazu:

„Merkwürdig ist indes, dass das BfR Monsantos Zulassungsanträge seitenlang wortwörtlich übernahm, ohne dies zu kennzeichnen. Buchautor Burtscher-Schaden referierte über dieses Copy-and-paste-Verfahren im Pestizid-Ausschuss des EU-Parlaments.“

Ganz offenbar haben die Aufsichtsbehörden selbst nicht einmal allzu viel überprüft, sondern einfach das übernommen, was der Hersteller geschrieben hat. Das gipfelte dann in folgendem, wie man ebenfalls im Spiegel lesen kann:

„In Leberzellen und der Leber selbst ist in den vergangenen Jahren in Tierversuchen wiederholt eine DNA-schädigende Aktivität von Glyphosat festgestellt worden. Diese Studien wurden allerdings meist von Universitäten gemacht. Und sie veranlassten die IARC, Glyphosat 2015 als potenziell krebserregend einzustufen, was der damalige Monsanto-Chef als »Drecksforschung« bezeichnete.

Wie aber kommen dann die Zulassungsbehörden BfR und EFSA zu einem ganz anderen Ergebnis?

Die Antwort liefert das BfR: Versuche und Analysen seien nach dem Standard der Guten Laborpraxis durchzuführen, einem verbindlichen Qualitätsrahmen, der vor Schummeleien schützen soll. Akademische Studien, so das BfR, »entsprechen häufig nicht diesen strengen Anforderungen« und seien daher oft nicht akzeptabel. Zudem habe man unabhängig untersucht und sich keineswegs ausschließlich auf die Studienberichte der Hersteller verlassen.“

Man muss sich fragen, ob hier die Behörden geschlampt haben, oder wie das alles passieren konnte.

Problem im System

Die Antwort ist nicht schwer zu finden. Die Macht der Lobbyisten ist im Westen so groß, dass die Aufsichtsbehörden meist nur noch durchwinken, was die Hersteller ihnen vorlegen. Das ist also kein Einzelfall, im Gegenteil, es hat System und Beispiele dafür gibt es reichlich.

Nehmen wir den Skandal um die neue Boeing 737-MAX, die eine solche Fehlkonstruktion ist, dass drei nagelneue Maschinen buchstäblich vom Himmel gefallen sind. Die US-Flugsicherheitsbehörde hat den Flieger entgegen allen Richtlinien der Fliegerei trotzdem zugelassen, obwohl gegen elementare Sicherheitsstandards verstoßen wurde. Das Flugzeug selbst ist eine aerodynamische Fehlkonstruktion, die sehr viel Assistenz von Computern braucht, um in der Luft zu bleiben und diese Assistenz der Computer hat sich auf nur einen Sensor gestützt.

Das ist eigentlich unmöglich, da es in der Luftfahrt Standard ist, dass es Back-Up-Systeme, also mehrere Sensoren gibt, die dafür sorgen, dass eventuelle Meßfehler oder Ausfälle von Sensoren nicht zur Katastrophe führen. Genau das ist bei der Boeing 737-MAX aber missachtet worden, was nur einer der vielen Fehler des Flugzeuges ist. Aber es wurde von den Luftfahrtbehörden trotzdem zugelassen, weil Boeings Lobbyisten so mächtig sind, dass sie das Zulassungsverfahren regelrecht lenken konnten.

Oder nehmen wir aktuell die Debatte um Corona-Impfstoffe und deren Zulassung in der EU. Pünktlich am 16. November 2020 wurde Emer Cooke Chefin der Europäischen Arzneimittelagentur EMA, das war genau zu dem Zeitpunkt, als die ersten Corona-Impfstoffe in der EU ihre Notfallzulassungen beantragt haben. Bevor Frau Cooke für staatliche oder internationale Organisationen wie die WHO oder die EU gearbeitet hat, war sie bei einem europäischen Lobbyverband der Pharmaindustrie, in dem unter anderem AstraZeneca, Johnson&Johnson und Pfizer Mitglieder sind.

Sie war dort bis 1998 beschäftigt und ist danach direkt zur EU gewechselt. Und nun – das muss reiner Zufall sein – hat Frau Emer exakt die Impfstoffe der Hersteller, für die sie früher als Lobbyistin unterwegs war, im Eiltempo zur Verimpfung in der EU freigegeben, während sie alle anderen Impfstoffe aus der EU fernhält. Sie sorgt dafür, dass die genannten Firmen das Geschäft ihres Lebens machen und wenn es Meldungen über Impfschäden gibt und einzelne EU-Staaten die Impfungen mit bestimmten Impfstoffen, zum Beispiel von AstraZeneca, aussetzen, besteht die EMA unter Frau Cooke darauf, dass mit diesen Impfstoffen trotzdem alles bestens ist.

Es ist also ein systemisches Problem im Westen, dass die Konzerne und ihre Lobbyisten und NGOs bereits eine so große Macht haben, dass sie den Aufsichtsbehörden de facto vorgeben können, was diese gefälligst zuzulassen haben. Das beschränkt sich nicht auf Glyphosat, sondern zieht sich durch ausnahmslos alle Wirtschaftszweige.

Keine Systemkritik im Spiegel

Daher ist der Spiegel-Artikel über die „Geheimakte Glyphosat“ zwar gut, weil er auf die Probleme bei Glyphosat und den Aufsichtsbehörden hinweist, aber er ist gleichzeitig grottenschlecht, weil er zwar Fragen dazu stellt, wie die Aufsichtsbehörden diese Studien überhaupt akzeptieren konnten, ohne die auf der Hand liegende Antwort zu liefern.

Es wird – wie immer bei solchen Fällen – als Schlamperei der Behörden dargestellt. So war es auch bei der Boeing 737-MAX und ungezählten ähnlichen Fällen. Es sind immer Einzelfälle, eine Systematik will der Spiegel (und die anderen „Qualitätsmedien“ auch) nicht erkennen.

Stattdessen erfahren die Spiegel-Leser sogar manchmal, wie wichtig, richtig und toll Lobbyismus angeblich ist. Das bisher dreisteste Beispiel, das ich bisher gefunden habe, können Sie hier nachlesen.

Der Spiegel hat an diesem System nichts zu kritisieren, auch wenn die „Fehler“ Menschenleben kosten. Über jeden dieser „Fehler“ wird einzeln berichtet, die Behörden werden ein wenig kritisiert, aber einen Zusammenhang oder gar ein System dahinter erkennt der Spiegel nicht. Leute wie ich, die hier einen (gewollten) Fehler im System sehen, sind dann wohl Verschwörungstheoretiker.

Wie geht´s weiter?

Ob diese neuen Erkenntnisse nun zum (überfälligen) Verbot von Glyphosat führt, bleibt abzuwarten. Aber wenn ich mich an vergleichbare Fälle mit Glyphosat aus der Vergangenheit erinnere, dann ist damals immer folgendes passiert: Es gab eine negative Meldung über Glyphosat, zum Beispiel, dass ein US-Gericht das Mittel als krebserregend bezeichnet und einem Opfer eine Entschädigung zugesprochen hat, und ein paar Tage später durfte Julia Merlot dann in einem Spiegel-Artikel mitteilen, dass das alles Unsinn ist.

Und sie durfte als „Expertin“ eine Professorin Steinkellner, die eng mit dem Vertriebschef von Bayer in Österreich verbunden ist, interviewen, die ganz seriös bestätigt hat, dass Glyphosat super ist.

Ich bin also gespannt, ob wir in den nächsten Tagen wieder einen Artikel von Julia Merlot im Spiegel finden, in dem sie erklärt, dass Professor Knasmüller, der die Studien und die Zulassung von Glyphosat kritisiert, nur ein kauziger Spinner ist, der eigentlich des Lesens nicht mächtig ist und dass die Studien der Hersteller von Glyphosat natürlich über alle Zweifel erhaben sind.

Literatur:

Codex Humanus – Das Buch der Menschlichkeit

Impfen: Ja oder nein?

Der betrogene Patient: Ein Arzt deckt auf, warum Ihr Leben in Gefahr ist, wenn Sie sich medizinisch behandeln lassen

Quellen: PublicDomain/anti-spiegel.ru am 06.07.2021

native advertising

About aikos2309

One thought on “Wie Unbedenklichkeitsstudien für Glyphosat mit Wissen der Behörden manipuliert wurden

  1. „Was ist heutzutage der Unterschied zwischen einer Verschwörungstheorie und harten Fakten?
    6 Monate.“

    Don Jr neulich.

    Und eine davon war ein angeblich globaler „Sumpf“.

Schreibe einen Kommentar zu rap Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.