
US-Behörden haben erstmals Dokumente zu nicht identifizierten anomalen Phänomenen veröffentlicht. Rund 160 Dateien sind damit nun öffentlich zugänglich. Deutschland hat im Gegensatz zu den USA kein zentrales, staatliches UFO-Archiv. Das heißt aber nicht, dass es in Deutschland keine UFO-Sichtungen gibt und dass sich deutsche Behörden nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Von Frank Schwede
In den Vereinigten Staaten kann wahrscheinlich jede Region über einen vermeintlichen Besuch von Außerirdischen berichten. Die vermehrte Berichterstattung in den USA führte bald auch in der Bundesrepublik dazu, dass die Berichte über Sichtungen zunahmen.
Das heißt aber nicht, dass sich staatliche Organe in der Bundesrepublik wie in den USA um eine Katalogisierung oder Untersuchung kümmerten.
Lange Zeit wurden von den deutschen Behörden nähere Informationen zu den Sichtungen streng unter Verschluss gehalten – Politiker wollen dazu nicht befragt werden, Beamte wollen nicht zuständig sein und Wissenschaftler wollen ihren guten Ruf nicht riskieren.
So antwortete das Bundesverteidigungsministerium auf eine Anfrage des Internetportals FragDen Staat, es seien ihr keine Vorgänge über unbekannte Flugobjekte bekannt.
Alle entsprechend gemeldeten Vorgänge im Luft- und Weltraum über Deutschland könnten erklärbaren Phänomenen zugeordnet werden, heißt es weiter in dem Antwortschreiben. Selbst der ARD-Faktenfinder zitierte die Erklärung des Verteidigungsministeriums.

Dabei wusste man bereits schon 2009. dass andere Länder wesentlich offener mit dem Thema umgehen. Das wurde sogar von der Bundesregierung zugegeben. Dazu heißt es: Frankreich sei der einzige EU-Mitgliedsstaat, der UFO-Sichtungen offiziell dokumentiere und die Akten im Internet zugänglich mache.
Erst nach einer Klage des Portals FragDenStaat entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages Einblick in die Akten gewähren muss:
Zu finden sind darin Meldungen der Luftwaffe, Daten der Flugsicherung, Polizeiberichte, alte BND und Stasi-Aufzeichnungen aus der Zeit des Kalten Kriegs sowie vermeintliche Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur in jüngster Zeit.
Sogar Johann Wolfgang von Goethe sah ein UFO
Berichte über Sichtungen unbekannter Flugobjekt über Deutschland reichen viel weiter zurück als mancher glauben mag. Die berühmteste stammt von Johann Wolfang von Goethe, der im Herbst des Jahres 1765 als junger Mann in einer Postkutsche von Frankfurt am Main nach Leipzig unterwegs war. Später beschrieb er, was er gesehen hat:
„Auf einmal sah ich in der rechten Seite des Wegs, in der Tiefe, eine Art wundersam leuchtendes Amphitheater. Es blinkte nämlich in einem trichterförmigen Raum unzählige Lichtchen stufenweise übereinander, und leuchteten so lebhaft, dass das Auge davon geblendet wurde.

Was aber den Blick noch mehr verwirrte, war, dass sie nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften, sowohl von oben nach unten als umgekehrt und nach allen Seiten. Die meisten jedoch blieben ruhig und flimmerten fort. Nur höchst ungern ließ ich mich von diesem Schauspiel abrufen, das ich genauer zu beobachten gewünscht hätte.“
Goethe schilderte seine Beobachtung zehn Jahre später in seinem Werk „Dichtung und Wahrheit“. Hatte der junge Goethe tatsächlich ein UFO gesehen oder war es nur eine natürliche Lichterscheinung?
Er selbst konnte sein Erlebnis nie klären. Allerdings lassen zwei Merkmale in seinem Bericht aufhorchen. Seine Schilderung, es habe sich um eine Art „Amphitheater“ gehandelt, entspricht in etwa dem Merkmal einer fliegenden Untertasse mit Lichterkranz, die bis heute von Menschen auf der ganzen Welt beobachtet wird.
Hinzu kommt die Tatsache, dass es im Jahr 1765 noch keinen elektrischen Strom gab, doch die beschriebenen Lichter sind ein deutliches Indiz, dass sie von eben solchen Strom erzeugt wurden. Goethes Bericht ist im Buch „Deutschlands UFO-Akten“ von Andreas Müller finden.
Müller beschäftigt sich als Journalist schon eine ganze Weile mit dem Thema und ist im Rahmen seiner Recherche auf erstaunliche Informationen gestoßen, beispielsweise, dass die erste deutsche „UFO-Akte“ 1826 von einem Landrat für die damalige königliche Regierung in Trier angelegt wurde, darin wird eine rätselhafte Lichterscheinung in der Nähe von Saarbrücken beschrieben, die nie geklärt werden konnte.
Die erste UFO-Akte der Bundesrepublik wurde laut Müller 1954 vom Bundesministerium für Verkehr angelegt. Ein für Müller bis heute interessanter Fall ist eine Sichtung über der Insel Fehmarn im August 1986, die der Journalist in den Akten des Bundesnachrichtendienstes fand. Gegenüber Telepolis berichtet Müller:
„Damals beobachteten drei Beamte der Grenzschutzstelle Puttgarden ein Flugobjekt, das langsam auf den Fährbahnhof zu schwebte und teilweise fast stillstand. Die Beamten hatten direkte Sicht auf das etwa 300 Meter entfernte Flugobjekt, das so hell strahlte, dass sie keine genauen Formen erkennen konnten und nur ein sehr leises Summen hörten. Ein Hubschrauber schließen die Beamten aus und auch Rückfragen bei nahe gelegenen anderen Stellen, Radar und Küstenwache erbrachten keine Erklärung.“

In der DDR existierten UFOs nicht
Ein anderer Zwischenfall, den Andreas Müller in seinem Buch aufgenommen hat, ereignete sich im Dezember 1982 mit einem SAR-Rettungshubschrauber der Bundeswehr, der sich auf dem Rückflug von einem Einsatz zum Fliegerhorst Faßberg bei Celle befand.
Kurz nach Mitternacht wird die Besatzung auf eine grünlich-weiße, hell leuchtende Erscheinung am Himmel aufmerksam, die sich dem Helikopter bedrohlich näherte, dass sich der Pilot gezwungen sah, in einem riskanten Manöver auszuweichen, dass fast einen Absturz der Maschine zur Folge hatte.
Anders als in der Bundesrepublik finden sich in den Medien der ehemaligen DDR keine Berichte über Extraterrestrische, die in der Republik landeten. In der DDR waren UFO-Sichtungen nur irrationale „Auswüchse des kapitalistischen Systems“, was heißen soll, dass das Phänomen nach offiziellere Lesart nicht existierte.
Wenn in der Presse überhaupt darüber berichtet wurde, dann als „technische Religion des Westens“ und „Beweise für Meinungsmanipulation“. Das heißt, auch in der DDR galt wie in der Bundesrepublik hinlänglich die Meinung, dass es sich bei den meisten UFO-Sichtungen um Fehlinterpretationen von Flugzeugen, Asteroiden, der Venus und anderer Himmelskörpern handelt.
Das heißt nicht, dass Beobachtungen unbekannter Flugobjekte nicht dokumentiert wurden. Hier drei aus den Stasi-Akten dokumentierte Fälle von Verletzungen des Luftraums im Grenzgebiet:
Am 3. März 1978 meldeten gegen 20:10 Uhr Grenztruppen, dass im Raum Gerstungen-Eisenach ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet wurde, das sich nahe der Grenze nach Norden bewegte.
Am 8. Dezember 1983 beobachteten mehrere Grenzsoldaten ein Flugobjekt, das aus dem Osten kommend trotz recht großer Beschleunigung lautlos die Staatsgrenze überquerte.

Die Sichtung eines zigarrenförmigen Flugobjekts mit Ausmaßen von 5 mal 5 Metern bei Spandau am 27. November 1983 wurde kurze Zeit später wieder dementiert. Auffällig ist, dass keine der drei Meldungen weiter untersucht wurde.
Ein weiterer interessanter Bericht aus der DDR kommt aus Halle. Dort beobachteten am 3. Februar 1985 fünf Volkspolizisten an vier unterschiedlichen Standorten und völlig unabhängig zwischen 23.40 Uhr und Mitternacht über dem Stadtgebiet ein unbekanntes Flugobjekt.
Die Beobachtungen wichen voneinander ab und reichten von Lichterscheinungen über ein zigarrenförmiges Objekt bis zu einem viereckigen Flugkörper. Die Stasi nahm den Fall sehr ernst und stellte nach Bekanntwerden der Berichte weitere Nachforschungen an.
Da ein weiterer Augenzeuge berichtet hat, dass das unbekannte Flugobjekt über Halle-Wörmlitz zerplatzt sei, wurde dort nach Trümmerteilen gesucht. Außerdem wurden Experten an der Martin-Luther-Universität befragt, ob sie etwas zur Klärung des Falls beitragen könnten –allerdings ohne Erfolg.
Erst zwei Tage später, am 5. Februar, konnte das Rätsel in der Bundesrepublik gelöst werden, denn auch dort gingen bei Wetterstationen und Polizeidienststellen zahlreiche Anrufe besorgter Bürger ein, die das Phänomen am nächtlichen Himmel beobachtet haben.
Wie sich später herausstellte, handelte es sich um ein oder zwei erkennbare Meteoriten, die von Süden nach Norden zogen und beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühten.

Ein Zwischenfall schaffte es sogar ins Blue Book
Eine vermeintliche UFO-Sichtung in der DDR schaffte es sogar in das legendäre Blue Book der US-Air Force und in die Archive der CIA. Unter der Archivnummer 00-W-23682 befindet sich dort ein Zeitungsbericht der griechischen Tageszeitung I Kathimerini vom 9. Juli 1952 mit der Schlagzeile „Fliegende Untertassen in Ostdeutschland“
Darin wird der Fall des ehemaligen Bürgermeisters von Gleimershausen, Oskar Linke, geschildert. Nachdem dieser mit seiner Familie in den Westen geflohen war, ging er zu einem Berliner Notar, wo er seine Beobachtungen beglaubigen ließ, bevor er sie in den Medien publik machte.
Die Geschichte trug sich folgendermaßen zu: Am 17. Juni 1950 befand sich Linke mit einem NSU-Motorrad auf dem Heimweg ins südthüringische Gleimershausen. Auf dem Rücksitz saß seine zehnjährige Stieftochter Gabriele.
Aufgrund eines Reifenschadens musste Linke sein Motorrad in der Nacht durch das Hasetal schieben. Um halb drei Uhr in der Früh sah Gabriele auf einer Wiese etwas, das sie zunächst für Rehe hielt.
Als sich Linke den vermeintlichen Rehen näherte, erkannte er zwei Gestalten in dicken metallischen Overalls, die neben einem glänzenden Objekt mit 15 Metern Durchmesser und zweieinhalb Metern Höhe standen.
Das Objekt erinnerte Linke von der Form her an eine Wärmflasche. Nach einer Weile bemerkten die Gestalten Linke und seine Stieftochter und stiegen in das Objekt, das heulend in den Nachthimmel entschwand.
Linke glaubte, dass es sich um sowjetische Soldaten handelte, die Geheimtechnologie testeten. Den Begriff fliegende Untertasse will Linke erstmals später in der Bundesrepublik gehört haben.

Die geschilderten Fälle zeigen, dass auch in Deutschland UFO-Akten existieren, aber bis heute offenbar das Interesse fehlt, ernsthaft mit dem Thema umzugehen. Die Tatsache, dass sowohl die Briten als auch die Franzosen sich mit viel Elan und der richtigen Fragestellung an das Thema heranwagen, zeigt, dass in Deutschland noch viel Luft nach oben ist.
Wie in Deutschland Flugscheiben gebaut wurden, lesen Sie im Buch „Der Raumfahrt-Schwindel„.
Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 18.05.2026
