Dies verschiebt die zentrale Frage des Films. Nicht was ist wahr, sondern wie Wahrnehmung entsteht und wer sie kontrolliert. In den Medien geht eine Anschuldigung immer häufiger mit einem Urteil einher:

Noch bevor die Fakten geklärt sind, wird ein Ruf dauerhaft beschädigt. Diesen Mechanismus beobachten wir unter anderem bei Sean Combs, R. Kelly und Woody Allen, aber auch in unserem unmittelbaren Umfeld bei Politikern wie Pepijn van Houwelingen.
Die Frage, ob man Kunst vom Schöpfer trennen kann, ist daher vorerst nicht beantwortet. Sie lässt sich nicht beantworten. Jeder Mensch muss seine eigenen Dämonen im Stillen bekämpfen. Michael wusste das besser als jeder andere.
Es ist schade, dass der Film diese letzten, düsteren Jahre nicht näher beleuchtet – das hätte die Filmbiografie abgerundet. Jahrelang wurde Jackson in der Öffentlichkeit als Verdächtiger in einem Kindesmissbrauchsfall dargestellt.
2005 wurde er nach einem der medienwirksamsten Prozesse des Jahrhunderts von allen Anklagepunkten freigesprochen. Nach seinem mittelmäßigen Album „ Invincible “ (2001) veröffentlichte er kaum noch Musik.
Kurz vor seiner Comeback-Tour „This Is It“ im Jahr 2009 war Michael Jackson nur noch ein Schatten seiner selbst. Er vertraute seinem Leibarzt Conrad Murray regelmäßig an, er sei „ausgelaugt“. Körperlich und seelisch erschöpft, ausgelaugt vom ständigen Druck, den langwierigen Prozessen und den Medikamenten.
Am 25. Juni desselben Jahres starb er im Alter von 50 Jahren an einer Überdosis Propofol, einem Narkosemittel. Murray wurde wegen grober Fahrlässigkeit angeklagt und zu vier Jahren Haft verurteilt. Jacksons Tod war so still und klinisch wie die Stille nach dem letzten Klick eines Metronoms.

Michael feiert das Genie. Zu Recht. Doch der wahre „Thriller“ liegt in dem, was nach der Musik geschah: ein Mann, der 2005 von allen Anklagen freigesprochen und anschließend von ebendiesen Medien, die ihn zu einer Legende erhoben hatten, öffentlich zerstört wurde.
Im Zuge der jüngsten Kontroverse um die Epstein-Akten wurde Jackson erneut als „Pädophiler“ ins Spiel gebracht, während andere wichtige Persönlichkeiten aus Showbusiness und Politik auffällig außen vor blieben.
*Das* ist der Skandal, den kein Biopic zu verfilmen wagt.
Und *genau das* hätte dieser Film zeigen sollen.
Michael | Regie: Antoine Fuqua | Darsteller: Jaafar Jackson | 2026 | 160 Min . | Jetzt in 120 Kinos