
Eine Reihe von ungeklärten Todes- und Vermisstenfällen unter Spitzenforschern sorgt seit 2023 in den USA für Aufsehen und heftige Spekulationen. Die Vorfälle reichen viel weiter zurück.
Am 8. Mai 1965 verschwand der US-amerikanische Ionosphärenphysiker Carl Robert Disch in der Nähe der Byrd-Station in der Antarktis. Auch im Fall dreier vermisster deutscher Physiker in den USA tappen die Behörden bis heute im Dunkeln. Von Frank Schwede
Mehrere Top-Wissenschaftler sind seit dem Jahr 2023 in den Vereinigten Staaten verschwunden oder unter ungeklärten Umständen gestorben. Insgesamt geht es um mindestens acht Forscher, unter anderem aus den Bereichen Raumfahrt und Kerntechnik.
Einige von ihnen hatten enge Verbindungen zum Militär oder zu Regierungskreisen. Ein genauer Blick in die Vermisstenstatistik zeigt, dass es derartige mysteriöse Vorfälle bereits schon in der Vergangenheit gab.
Der Fall des in der Antarktis verschwundenen US-Physikers Carl-Robert Disch liegt bereits 61 Jahre zurück. Laut Dokumenten des „Institute for Telecommunication Science“ verließ der damals 25-jährige Forscher am Morgen des 8. Mai 1965 das sogenannte „Radio Noise Building“, um zur 2134 Meter entfernten Byrd-Station zurückzukehren.
Die von verschiedenen Zweigen des US-Militärs gemeinsam betriebene Station bestand aus mehreren Gebäuden, die durch Seile miteinander verbunden waren, um die Sicherheit der Forschenden in der dunklen, schneebedeckten Umgebung zu gewährleisten und sie auf dem richtigen Weg zu halten. (🧊 300 Tage in der Antarktis. Eine private Vorführung. 14 Tage später – tot. (Video))

Obwohl die Entfernung zwischen den Stationen nicht allzu groß war, machten die rauen und gefährlichen Bedingungen die Situation umso riskanter. Disch musste einen Schneesturm mit Windgeschwindigkeiten von 56 km/h durchqueren, bevor er scheinbar für immer verschwand.
Normalerweise benötigt man für diese Strecke nur wenige Minuten. 45 Minuten waren schon recht lang, und als die Zeit verstrichen war, wurden seine Kollegen neugierig und schickten eine Suchmannschaft mit Fahrzeugen los. Doch die groß angelegte Suchaktion mit Leuchtraketen und Sichtfahnen blieb erfolglos.
Der erste greifbare Ansatz waren Fußspuren, die von der Leine weg und in Richtung Westen führten. Sie stammten möglicherweise von Carl Disch, waren fest und zielstrebig, als ob er sich in die eisige Wildnis vorwagen wollte.
Keine Theorie konnte je bestätigt werden
Bei Temperaturen von unter minus 40 Grad blieb Disch verschwunden. Am 14. Mai wurde die Suche eingestellt, da alle Spuren im Schneesturm weg waren. Disch gilt seit dem 8. Mai 1965 offiziell als vermisst, von ihm fehlt bis heute jede Spur.
Jim Bartley, der im Winter 1964/65 Teil der Crew der Byrd-Station war, gab damals zu Protokoll:
„Wir haben vergeblich versucht, Carl zu finden, aber der Wind tobte bei minus 45 Grad. Alles, was wir tun konnten, war, Seile um unsere Taille zu binden, uns auf beiden Seiten der Raupe zu verteilen und zu hoffen, über ihn zu stolpern. Es war wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen – mit verbundenen Augen.“

Über Jahre und Jahrzehnte gab es neben der offiziellen Version immer wieder Spekulationen und wilde Gerüchte. So kursierte die Theorie, Disch habe nach einem Kartenspiel wütend angekündigt, „zum Pol“ zu gehen und sei nie zurückgekehrt.
Auch ein angeblicher Funkspruch von 1971, in dem er sich aus der McMurdo Station gemeldet haben soll, wurde rasch als Schwindel entlarvt. In manchen Geschichten wird sogar behauptet, er sei absichtlich verschwunden oder habe aus Langeweile das Camp verlassen. Keine dieser Theorie konnte je bestätigt werden.
Die interessanteste Erklärung bezieht sich natürlich auf Außerirdische. In den Tagen vor und nach dem Vorfall soll es mehrere Sichtungen seltsamer Lichter in der Gegend um die Byrd-Station gegeben haben.
Dies, zusammen mit der Tatsache, dass die Suchmannschaft angab, seine Fußspuren hätten abrupt aufgehört, lässt vermuten, dass ihn etwas oder jemand entführt hat. Möglicherweise sah Disch diese Lichter am Morgen seines Verschwindens und beschloss, der Sache nachzugehen, was sein Schicksal besiegelte.
Eine andere gängige Erklärung wäre, dass er sich in der eisigen Kälte, die ihn draußen vor dem Gebäude der Funkstation erwartete, verirrt hat. Der Wind war stark, und der aufgewirbelte Schnee blendete.
Das Problem dabei ist, dass Disch diesen Weg regelmäßig benutzte. Jeden Tag, wenn er seinen Posten verließ, griff er nach dem Seil und navigierte zu seinem nächsten Einsatzort.

Seine Fußspuren zeigten jedoch, dass er die Sicherheit des bekannten Weges bewusst verließ und sich von der Byrd-Station entfernte. Wenn er sich verirrt hatte, warum ging er dann in die falsche Richtung weiter?
Bis heute ist das Schicksal von Carl Robert Disch unbekannt. Seine Leiche wurde nie gefunden. Jahre später empfing eine andere Forschungsstation eine Nachricht von jemandem, der behauptete, Carl Disch zu sein.
In der Nachricht gab der Absender an, er sei der Zusammenarbeit mit seinen Kollegen überdrüssig geworden und habe sich deshalb absichtlich in die Wildnis begeben.
Er erklärte sogar, warum Dischs Hund kurz nach ihm verschwunden war. Nach Jahren der Einsamkeit habe er den menschlichen Kontakt vermisst und sei dem Wahnsinn verfallen.
Da es äußerst unwahrscheinlich ist, dass er sechs Jahre lang allein in der unwirtlichen Antarktis überlebt hat, wird diese Nachricht größtenteils als Schwindel betrachtet. Dies wirft die Frage auf, was mit Carl Robert Disch wirklich geschah.
Seltsame Lichter über dem Wohnmobil
Ebenfalls ungeklärt ist das Verschwinden des deutschen Physikers Reinhard Kirchner, der zuletzt Anfang April 2007 in Coconino County im US-Bundesstaat Arizona gesehen wurde.

Kirchner hatte die USA bereits mehrfach besucht. Er wanderte in einem abgelegenen Gebiet des Navajo Reservats. Kirchner galt als erfahrener Wanderer und soll sich in guter körperlicher Verfassung befunden haben.
Die Suche nach Kirchner wurde am 14. April 2007 aufgenommen. An diesem Tag wurde sein Wohnmobil in der Nähe des Little Colorado River Gorge, westlich von Tuba City, etwa zwei Meilen von Hell Hole Bend entfernt gefunden.
In dem Gebiet gibt es zahlreiche Erdspalten, die besonders in der Nacht schwer zu erkennen sind. Eine sechstägige, großangelegte Suche, die sich über ein Gebiet von 56 Quadratmeilen erstreckte, führte ins Leere. Von Reinhard Kirchner fehlt ebenfalls bis heute jede Spur.
Auch nach dem Verschwinden von Kirchner meldeten sich Augenzeugen beim Büro des Sheriffs, die Lichter über Kirchners Wohnmobil gesehen haben wollen. Sie gaben zu Protokoll, dass sie davon ausgingen, dass der Vermisste von Außerirdischen entführt worden sei. So steht es wörtlich im Polizeibericht.
Am 20. Januar 1992 verschwand der 23-jährige aus Bad Oeynhausen stammende Physik-Austauschstudent und Fullbright Stipendiat Stefan Bissert im US-amerikanischen Olympic National Park in Washington.
Er trennte sich am Sol Duc Trailhead von seinem Begleiter für eine geplante 38 Kilometer lange Tagestour im Tiefschnee von den Sol Duc Hot Springs über den High Divide zum Hoh River Trailhead.
Wie es im Polizeibericht heißt, war der Student nur unzureichend ausgerüstet. Er war lediglich mit Jeans, Pullover und einer leichten Windjacke bekleidet bei winterlichen Bedingungen und dichtem Schneetreiben.
Kurz nach seinem Aufbruch zog ein tagelang anhaltender, heftiger Wintersturm über die Region. Rettungskräfte suchten über mehrere Tage mit Hubschraubern, Hunden und Rettungsteams nach dem Vermissten, mussten die Suche aber aufgrund der Witterungsbedingungen abbrechen.
Im Mai 1992 wurde die Suche nach Bissert kurzzeitig wieder aufgenommen, brachte aber keine heiße Spur oder Hinweise auf seinen Verbleib. Bis heute wurde Bissert nicht gefunden.

Außer Wasser kein Proviant
Ein weiterer deutscher Physiker, dessen Spur sich in den Vereinigten Staaten verliert, ist der Magdeburger Physik-Professor Alois Kroist. Er verschwand im Oktober 2013 spurlos, nachdem er für einen Physik-Kongress nach Los Angeles gereist war.
Seine Spur verlor sich während einer privaten Wanderung in den San Bernardino Mountains in der kalifornischen Wildnis. Trotz einer groß eingeleiteten Suchaktion mit rund 70 Rettungskräften bleibt auch er bis heute verschollen.
Kroist galt als Spezialist für Halbleiter an der Universität Magdeburg. In Los Angeles wollte er sich mit Kollegen über neue Erkenntnisse in der Physik austauschen. Nach dem Kongress brach er mit einer Gruppe von 20 Leuten zu einer größeren Wanderung auf.
Das Gebiet um den Lake Arrowhead ist größtenteils unberührte Natur. Hier kann man tagelang wandern, ohne dabei auf einen Menschen zu treffen. Kroist war auf dem Pinnacles Pfad unterwegs, der als ausgesprochen schwierig gilt.
Immer wieder berichten Wanderer, dass sie auf dem schlecht markierten Pfad abgebogen sind und sich verlaufen haben. An besonders klaren Tagen wird die schwierige Strecke mit einem Blick auf die Mojave Wüste belohnt.
Warum Alois Kroist schon nach kurzer Zeit den Anschluss zu seiner Gruppe verlor, ist bis heute unklar. Klar ist nur, dass er 62-jährige offenbar schlecht ausgerüstet war und außer eine Flasche Wasser keinen weiteren Proviant bei sich trug.
In den aktuellen Fällen geht es um mindestens acht Wissenschaftler. So wird seit Februar 2026 ein ehemaliger Generalmajor der US Air Force vermisst, William McCasland. Laut Fox News hatte er vor seinem Ruhestand mehrere streng geheime Forschungsprogramme geleitet.
Von einer leitenden Mitarbeiterin des Jet Propulsion Laboratory, das Satelliten und Raumsonden für die NASA baut, fehlt nach einem Wanderausflug 2025 ebenfalls jede Spur. Ein weiterer Mitarbeiter des Labors kam 2024 ums Leben.
Eine offizielle Todesursache ist nicht bekannt. Zudem verschwanden zwei Mitarbeiter des Los Alamos National Laboratory, das sich im Auftrag der Regierung der Vereinigten Staaten unter anderem mit Atomwaffen beschäftigt.
Zahlreiche Medien zählen außerdem den Tod des MIT-Professors Nuno Loureiro zu den offenen Fällen. Der Physiker war im Dezember 2025 in seinem Haus in Brookline, Massachusetts, tödlich verletzt worden.
Angeblich war der Täter ein ehemaliger Kommilitone, der sich nach der Tat selbst getötet hat. Nur wenige Wochen später wurde der Astrophysiker Carl Grillmaier erschossen aufgefunden. Auch in diesem Fall wurde öffentlich kein Motiv genannt.
Ob es zwischen den aktuellen Fällen und den Fällen aus der Vergangenheit eine Verbindung gibt, ist bislang nicht bekannt. Die Fälle hatten weit über die wissenschaftliche Gemeinschaft Bestürzung und Sorge ausgelöst und sorgen im Netz für teils wilde und abenteuerliche Theorien.
Mehr über aufgezeichnete Anomalien lesen Sie im Buch „Antarktis: Hinter der Eiswand„.
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Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 18.08.2026
