
Deutschlands Spediteure ziehen die Reißleine. Wegen der rekordhohen Kraftstoffpreise würden derzeit bis zu 20 Prozent der Transportkapazitäten aus dem Markt genommen, sagte der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr (BGL), Dirk Engelhardt, der Augsburger Allgemeinen. Am Dienstag stellte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Entlastungen in Aussicht – konkret wurde er allerdings nicht.
Wenn die Fahrt nicht mehr die Kosten deckt
Die Rechnung der Fuhrunternehmer ist brutal einfach. Der Diesel sei so teuer geworden, dass die Kosten nicht mehr vollständig an die Kunden weitergereicht werden könnten, so Engelhardt. Wer draufzahlt, lässt den Lkw lieber auf dem Hof.
Und genau das ist das Alarmsignal. Denn stillgelegte Laster bedeuten nicht nur Umsatzverluste in der Logistik, sondern früher oder später auch längere Lieferzeiten und höhere Preise in den Regalen. Transportkosten stecken in jedem einzelnen Produkt.
Was der Verband fordert – und was er ablehnt
Der BGL will ausdrücklich keine Subventionen mit der Gießkanne, sondern eine feste Obergrenze für Kraftstoffe nach belgischem und luxemburgischem Vorbild. Dazu einen verbilligten Transportdiesel, wie ihn europäische Nachbarländer längst kennen.
„Das hilft nicht nur unseren Unternehmen, sondern schützt auch die Verbraucher vor übermäßigen Preisanstiegen, weil alle Güter transportiert werden müssen“, sagte Engelhardt.

Zapfsäulen-Rekord: 2,286 Euro für E10
Nach ADAC-Angaben kostete ein Liter Super E10 am Montag im Tagesdurchschnitt 2,286 Euro – Allzeithoch, 1,3 Cent mehr als am Vortag. Diesel legte um 0,8 Cent auf 2,412 Euro zu und lag damit nur noch 3,4 Cent unter dem April-Rekord von 2,446 Euro.
Treiber ist der Rohölpreis. Durch den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus fehlen dem Weltmarkt große Mengen Öl und Gas. Medienberichten zufolge kletterte Brent zuletzt zeitweise auf knapp 110 US-Dollar je Barrel; Berichten über Drohnenangriffe zufolge wurde zudem eine wichtige saudische Pipeline abgeschaltet. Der Tankstellenverband hält Berichten zufolge sogar Preise um die drei Euro für möglich.
40 Milliarden Euro Zusatzrechnung – und Streit im Kabinett
Die DIHK schlägt einen anderen Hebel vor: Die Energiesteuern sollten auf das europäische Mindestmaß gesenkt werden, so Außenhandelschef Volker Treier.
Die Importrechnung könne um bis zu 40 Milliarden Euro steigen – fast ein Prozent der Wirtschaftsleistung und nach seinen Worten „Gift für die dringend nötige wirtschaftliche Erholung“.
In Berlin herrscht derweil Ratlosigkeit im Dreiklang. Merz erklärte beim BGA-Unternehmertag, für viele Menschen mit täglichem Autobedarf sei eine Belastungsgrenze erreicht – das „genaue Instrumentarium“ stehe aber noch nicht fest.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wirbt für eine Übergewinnsteuer, der Kanzler erteilte ihr eine Absage. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) brachte Direktzahlungen ins Spiel und erntete Kritik aus den eigenen Reihen. (⛽ 💰 Die saudische Ost-West-Pipeline wird voraussichtlich bald wieder in Betrieb gehen – Trump: Russland und Ukraine verzichten auf gegenseitige Angriffe auf Energieobjekte)

Die unbequeme Wahrheit für Bürger
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Krise vor allem eines: Ein Industrieland, das Energie hoch besteuert und sich gleichzeitig von fragilen Lieferketten abhängig macht, ist wehrlos, wenn im Nahen Osten die Lunte brennt. Der Steueranteil an jedem Liter bleibt der einzige Hebel, den Berlin sofort ziehen könnte – bislang wird stattdessen über Instrumente diskutiert.
Diesel-Aufstand: Frankreichs Fischer zünden die Barrikaden an
Seit den frühen Morgenstunden dieses Mittwochs steht das Öllager im südfranzösischen Frontignan still. Rund 100 Fischer haben die Zufahrten blockiert, brennende Barrikaden qualmen an der Mittelmeerküste. Ihr Zorn richtet sich gegen einen Dieselpreis, der ihre Existenz auffrisst.
Es ist kein Ausrutscher, sondern der vorläufige Höhepunkt einer Protestwelle. Schon am Vortag legten Fischer das Depot in Fos-sur-Mer bei Marseille lahm, zuvor gab es Aktionen in Sète und Port-Vendres. Auf ihren Bannern stand die Botschaft, Europa bringe sie um.
Wenn der Tank teurer ist als der Fang
Die Rechnung ist für Fischer, Bauern und Spediteure brutal einfach: Ohne Diesel kein Motor, ohne Motor kein Umsatz. Die Betroffenen klagen über existenzbedrohende Kosten und ausgezehrte Arbeitsbedingungen.
Frankreichs Fischereiministerin Catherine Chabaud kündigte Gespräche an – jene politische Universalantwort, die Betroffene selten satt macht. Parallel wird der Ruf nach einer Rückkehr der Gelbwesten lauter. Ein Aktionstag ist für den 17. Oktober angekündigt, Blockaden und Tankstellenboykotte stehen im Raum.

Deutschland zahlt still – und stellt Lkw ab
Und hierzulande? Da wird nicht blockiert, da wird bezahlt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete Diesel in Deutschland am 7. September im Tagesdurchschnitt 2,33 Euro je Liter – 4,5 Prozent mehr als nur eine Woche zuvor. Regional wurden bereits Spitzenwerte von 2,80 Euro gemeldet.
Das Bundeskartellamt bestätigte am 14. September den Preisschub: Vom 1. bis 11. September legte Diesel an der Zapfsäule um 13,6 Cent je Liter zu, auf Raffinerie- und Großhandelsebene um 11,4 Cent. Behördenpräsident Andreas Mundt verwies dabei ausdrücklich auf einen zweiten Preistreiber neben dem Weltmarkt.
Der Preis an der Zapfsäule wird daneben von weiteren Faktoren einschließlich Steuern und Abgaben bestimmt.
Genau hier liegt der wunde Punkt. Denn der Staat kassiert bei jedem Liter kräftig mit – Energiesteuer, CO2-Bepreisung, Mehrwertsteuer obendrauf. Je höher der Rohölpreis, desto üppiger sprudelt die Steuerquelle.
20 Prozent der Lkw stehen still
Die Folgen treffen längst die Realwirtschaft. Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) nehmen Spediteure bis zu 20 Prozent ihrer Lkw vom Markt, weil sich die Kosten nicht mehr an Kunden weiterreichen lassen.
Der Verband fordert eine Preisobergrenze nach belgischem und luxemburgischem Vorbild – in Belgien steigt der Höchstpreis für Diesel auf 2,468 Euro.
Auch anderswo brennt es: In Lissabon protestierten Autofahrer mit Hupkonzerten und Schleichfahrten auf der 25.-April-Brücke, die Regierung sagte Hilfen für Spediteure, Taxifahrer und Feuerwehren zu. Bereits im April 2026 blockierten irische Landwirte und Spediteure die einzige Raffinerie des Landes sowie Häfen, Hunderte Tankstellen liefen leer. Dublin schnürte ein Hilfspaket.

Brüssel diskutiert, der Mittelstand kalkuliert
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier das Muster europäischer Krisenpolitik im Zeitraffer: Erst werden Energie und Verkehr über Jahre mit Abgaben und Vorgaben verteuert, dann werden die Opfer dieser Politik mit Notprogrammen ruhiggestellt.
Kritiker der EU-Klimaabgaben sehen darin einen Beschleuniger der Deindustrialisierung.
Die Franzosen gehen auf die Straße, die Deutschen schlucken. Wie lange noch?
Quellen: PublicDomain/kettner-edelmetalle.de am 18.09.2026
