
Deutschlands Händler haben den schwärzesten Monat seit fünf Jahren hinter sich. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts sackten die Umsätze im Juli 2026 gegenüber Juni real um 3,4 Prozent ab.
Ökonomen hatten laut Nachrichtenagentur-Berichten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet – und lagen damit meilenweit daneben.
Auch im Jahresvergleich bleibt vom Sommergeschäft wenig übrig: real minus 2,5 Prozent gegenüber Juli 2025. Nominal, also ohne Preisbereinigung, steht ein hauchdünnes Plus von 0,3 Prozent – der ganze Rest ist Inflation.
„Niveau des zweiten Corona-Lockdowns“
Der Handelsverband Deutschland (HDE) findet deutliche Worte. Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, ordnete die Zahlen so ein:
„Aktuell liegen wir auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns, das ist extrem unbefriedigend und trifft den Einzelhandel hart.“
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Damals waren die Läden per Verordnung geschlossen. Heute sind sie offen – und trotzdem bleiben die Kunden weg. Das ist kein Verwaltungsakt mehr, das ist ein Kaufkraftproblem. (🇩🇪 🤡 Merz macht die AfD für einen Niedergang verantwortlich, den er selbst produziert (Video))

Tankstellen brechen um 9,1 Prozent ein
Der Absturz zieht sich quer durch die Branche. Nicht-Lebensmittel verloren real 4,8 Prozent, der lange als Wachstumsmotor gefeierte Internet- und Versandhandel sogar 5,6 Prozent. Lebensmittel kamen mit minus 0,8 Prozent glimpflich davon – gegessen wird eben immer, gespart wird bei Kleidung und Elektronik.
Am härtesten traf es die Tankstellen: real minus 9,1 Prozent. Dahinter steckt ein hausgemachter Effekt. Zum 30. Juni lief der Tankrabatt aus, mit dem die Bundesregierung die Energiesteuer für Mai und Juni um rechnerisch 16,7 Cent je Liter gesenkt und dafür rund 1,6 Milliarden Euro an Steuereinnahmen abgeschrieben hatte. Danach schlug die volle Steuerlast wieder zu – und viele Autofahrer hatten sich vorher noch billig eingedeckt.
Inflation, Jobangst, Sparneigung – die toxische Mischung
Die Teuerung zieht wieder an: 2,3 Prozent im Juni, 2,8 im Juli, 2,9 Prozent im August. Höher lagen die Verbraucherpreise zuletzt im Dezember 2023 mit 3,7 Prozent. Ein zentraler Treiber sind erneut die Energiepreise – jenes Feld, auf dem die Politik seit Jahren mit Abgaben, Umlagen und Steuern die Regie führt.

Dazu kommt die Angst um den Arbeitsplatz. Im August 2026 waren 3,016 Millionen Menschen arbeitslos, die Quote lag bei 6,5 Prozent – 36.000 mehr als ein Jahr zuvor. Besonders alarmierend: Die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher stieg binnen eines Jahres um 109.000. Das trifft die Mitte, nicht den Rand.
Kein Wunder, dass die Bürger ihr Geld festhalten. Nach Erhebungen des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen dümpelt die Anschaffungsneigung seit rund vier Jahren bei etwa minus zehn Punkten, die Sparneigung erreichte Anfang des Jahres mit 18,9 Punkten den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Medienberichten zufolge lag das Konsumklima im August bei rund minus 29 Punkten.
Was jetzt zählt: Kaufkraft statt Sondervermögen
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Rechnung simpel: Wer den Bürgern über Energiesteuern, Abgaben und Inflation die Luft abschnürt, darf sich über leere Kassen im Einzelhandel nicht wundern. Milliardenschwere Sondervermögen ersetzen keine echte Entlastung.
Standort-Alarm: Jeder dritte Mittelständler denkt an Abwanderung
Erst die Konzerne, jetzt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Nahezu jeder dritte industrielle Mittelständler mit Auslandsgeschäft plant laut dem neuen „Internationalisierungsbericht“ der staatlichen Förderbank KfW, in den kommenden fünf Jahren Teile seiner Produktion ins Ausland zu verlagern.
Grundlage sind Antworten von 1700 Unternehmen aus einer Umfrage im Januar, darunter rund 600 international tätige Betriebe. Die Zahlen wurden zuerst von der Presse veröffentlicht.

Acht Prozent haben schon verlagert – 29 Prozent wollen folgen
Der Befund ist unmissverständlich: Acht Prozent der im Ausland aktiven Industriebetriebe haben bereits in den vergangenen fünf Jahren Produktion abgezogen. Weitere 29 Prozent haben es vor.
KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher wird deutlich. Setze auch nur die Hälfte dieser Unternehmen ihre Pläne um, werde die Verlagerungswelle deutlich stärker ausfallen als bisher, so der Ökonom.
„Dies ist ganz klar ein Warnzeichen.“
Und weiter: „Dahinter steckt auch, dass der Standort an Attraktivität verloren hat.“ Ein Satz, der von einem Chefvolkswirt der Staatsbank kommt – nicht von der Opposition.

Zangengriff: China drückt, Trump zollt
Zwei Kräfte setzen dem deutschen Mittelstand nach Einschätzung Schumachers besonders zu: die aggressive Wirtschaftspolitik Chinas und der Abschottungskurs der Trump-Regierung. Weil deutsche Familienunternehmen traditionell besonders global aufgestellt seien, treffe sie dieser Umbruch härter als die Konkurrenz in anderen Ländern.
Die Folge? Chinesische Wettbewerber erobern Weltmarktanteile, das US-Geschäft leidet unter hohen Zöllen – Washington hat unter anderem Aufschläge von 20 Prozent auf EU-Importe verhängt. Seit 2022 stagnieren die Auslandsumsätze des Mittelstands. Wachstum kommt praktisch nur noch aus Europa.
Entsprechend orientieren sich die Betriebe um: 19 Prozent wollen ihre Exporte stärker auf den EU-Binnenmarkt ausrichten oder haben das bereits getan, in der Industrie sind es fast 24 Prozent. Rückzug auf den Heimatkontinent – für eine Exportnation ist das kein Triumph, sondern ein Rückschritt.
Ifo-Hoch täuscht: Die Struktur bleibt krank
Ausgerechnet jetzt bessert sich die Stimmung. Im August kletterte der Ifo-Index der Exporterwartungen auf den höchsten Stand seit Anfang 2022, die Ausfuhren im zweiten Quartal überraschten positiv und stützten das Wachstum.
Ein Widerspruch? Schumacher sieht das anders. Kurzfristig könne es eine konjunkturelle Erholung geben, getrieben vom KI-Boom in den USA oder dem Fiskalimpuls in Deutschland.
Mittel- und langfristig aber blieben die Aussichten schwierig – wegen Demografie, Energiekosten, China und US-Zöllen. 30 Prozent der befragten Auslandsaktiven rechnen für die kommenden vier Jahre mit sinkenden Umsätzen, nur 24 Prozent mit Zuwächsen.

Hausgemachte Lasten
Über die Energiepreise spricht die Politik selten gern. Dabei zählt Deutschland laut Vergleichszahlen von Statistikbehörden und Branchenverbänden seit Jahren zu den teuersten Industriestandorten Europas – ein Kostenblock, den kein Familienunternehmer in Bayern wegverhandeln kann, wohl aber durch einen Werksneubau in Osteuropa.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Botschaft der KfW-Zahlen politisch: Wer Bürokratie, Abgaben und Energiekosten aufeinandertürmt, treibt Wertschöpfung außer Landes. Milliardenschwere Sondervermögen ersetzen keine wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen – sie verschieben die Rechnung nur auf die Steuerzahler von morgen.
Wer Vermögen gegen solche strukturellen Verschiebungen absichern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Quellen: PublicDomain/kettner-edelmetalle.de am 06.09.2026
