
In der spanisch-französischen Grenzregion am Golf von Biskaya liegt das Baskenland. Die Basken sind vor allem durch ihre Sprache bekannt, die weltweit als einzigartig gilt. Manche Basken glauben, ihre Vorfahren kämen aus Platons versunkenem Inselparadies Atlantis. Vor allem seltene Artefakte, darunter eine 2000 Jahre alte Bronzehand, geben Grund zu der Annahme. Von Frank Schwede
Obwohl die Basken in einem Tal zwischen den Bergen leben, glauben sie zu wissen, dass ihr Blut aus dem Meer stammt. Vor Jahrtausenden ging Atlantis unter, Millionen Menschen kamen ums Leben. Durch Glück oder den Willen der Götter konnten einige der Katastrophe entkommen.
Eine isolierte Gemeinschaft in den Bergen zwischen Spanien und Frankreich trägt ein Blut in sich, das zu keinem anderen passt. Unter den Basken sind die Blutgruppe 0 und der Rhesusfaktor negativ weltweit am häufigsten vertreten. 93 Prozent der Menschen auf der Erde sind Rhesus-positiv. Der Rest ist RH negativ.
Einer von drei Basken ist Rh negativ. Das ist doppelt so viel, wie im Rest Europas. 5 Mal so viel, wie im Rest der Welt. Der Legende nach kommt Rh negatives Blut nicht von der Erde, sondern von Göttern.
Nach Meinung von Experten liegt das an der langen genetischen Isolation des Volksstammes und ihrer Abstammung von frührömischen beziehungsweise steinzeitlichen Gruppen in Europa.
Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: Die Basken sprechen eine Sprache, die weltweit einzigartig ist. Sie heißt auf Baskisch Euskara und ist Europas wohl älteste noch lebende Sprache. Sie wird von etwa 900.000 Menschen gesprochen, die überwiegend im Südwesten Frankreichs und im Norden Spanien leben.

Ihr Blut und ihre Sprache machen die Basken zur geheimnisvollsten Volksgruppe der Welt. Doch ist das gleich ein Grund anzunehmen, dass die Basken die Nachfahren der Bewohner von Atlantis sind? Wohl kaum.
Das Baskenland, das vom Kantabrischen Meer bis zum Fuß der Pyrenäen reicht, wurde von griechischen und römischen Historikern des III. Jahrhunderts wie Strabon mit dem lateinischen Namen Vasconia bezeichnet.
Eine Verbindung zu Atlantis wird mit keiner Silbe erwähnt. Und überhaupt ist noch nicht einmal geklärt, wo genau das Inselparadies versunken ist. So ganz genau weiß man das bis heute nicht, dass kann überall und nirgendwo sein.
Existiert Atlantis nur in der Fantasie von Platon?
Im Laufe vieler Jahrhunderte haben Forschende weltweit nach dem verlorenen Inselparadies gesucht. Mal im Atlantischen Ozean, mal im Mittelmeer und sogar vor der Küste Helgolands – doch gefunden haben sie es nicht.
Platons Geschichte über das versunkene Inselreich wird seit über zweihundert Jahren diskutiert. Der griechische Philosoph beschrieb im 4. Jahrhundert v. Chr. Atlantis als eine mächtige Seemacht, die jenseits der „Säulen des Herkules“, der heutigen Straße von Gibraltar, lag, also vor den Toren Spaniens.

Laut Platon wurden die Bewohner der Insel von den Göttern für ihre Gier nach immer mehr Macht und Reichtum bestraft. 9600 v. Chr. soll es schließlich zum legendären Untergang gekommen sein. Schuld daran war der Überlieferung nach eine gewaltige Naturkatastrophe.
Ein starkes Erdbeben wühlte die See auf und Atlantis wurde völlig überflutet. Glaubt man Platons Beschreibung war das Inselparadies riesig, größer als Libyen und Asien zusammen. Nach heutigen Vorstellungen entspricht das etwa der Fläche Nordafrikas ohne Ägypten und einigen Teilen Vorderasiens.
Platon beschreibt auch, dass sich eine prachtvolle Stadt auf der Hauptinsel befunden hat. Sie war das Herz des mächtigen Inselreichs. Die Stadtmitte war durch eine ringförmige Mauer umschlossen und so besonders gut geschützt.
Weiter außen lagen die Wohnbezirke der Wachen, Krieger und normalen Bürger. Drei weitere ringförmige Mauern umschlossen die gesamte Stadt und schützten sie vor Feinden.
Laut Platon wurden zwei der außen liegenden Kanäle als Hafen genutzt, so hatte Atlantis einen Kriegshafen und einen Handelshafen. Ob es Atlantis tatsächlich gegeben hat, kann bis heute niemand sagen.
Das Rätselraten begann schon in der Antike und es dauert bis heute an. Die meisten Wissenschaftler gehen von der Vermutung aus, dass es Atlantis nur in der Fantasie von Platon gab.

Dennoch gibt es immer wieder Zweifel an der Theorie. Normalerweise hat es Platon immer sehr deutlich gemacht, welche seiner Geschichten seiner Vorstellung entsprungen sind und bei welchen es sich um tatsächliche Begebenheiten handelte.
Bei seiner Schilderung des versunkenen Kontinents war Platon leider nicht so deutlich. An keiner Stelle bezeichnete er Atlantis klar als Mythos. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass er den Inselstaat sehr detailliert beschreibt – so, als habe er ihm persönlich einen Besuch abgestattet.
Darum glauben auch heute noch sehr viele Menschen daran, dass es Atlantis wirklich gab oder dass die Geschichte zumindest einen wahren Kern beziehungsweise ein historisches Vorbild hat.
Die Hand von Irulegi
Dass viel Basken glauben, dass ihre Vorfahren einst auf dem versunkenen Inselparadies lebten, mag viele Gründe haben. Ein wichtiger ist, dass der Inselstaat tatsächlich vor der spanischen Küste gelegen haben könnte.
Während der letzten Eiszeit war der Golf von Biskaya keine Bucht. Der Meeresspiegel lag rund 120 Meter tiefer, das Gebiet zwischen Spanien und Frankreich war trockenes Land.

Flusstäler erstreckten sich kilometerweit über die heutige Küstenlinie hinaus. Menschen konnten über das Land gehen, wo sich heute offenes Wasser befindet. Dann schmolz das Eis und der Meeresspiegel stieg über Jahrtausende hinweg an.
Der Anstieg erfolgte schubweise, und während des stärksten Schubs stieg der Meeresspiegel innerhalb kurzer Zeit um 15 Meter an. Die Menschen sahen zu, wie das Land im Wasser versank – erst die Wälder, dann die Täler.
Baskische Fischer haben im Laufe vieler Jahre Werkzeuge, Waffen und andere Gegenstände gefunden, die möglicherweise aus den Dörfern stammen, die mitsamt dem Land versanken. Niemand kann bis heute mit Gewissheit sagen, zu welcher Zivilisation die Menschen dieser Dörfer gehörten – Atlantis war es ganz sicher nicht.
2001 fanden Archäologen auf dem Berg Irulegi eine Bronzehand aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. mit der ältesten bisher bekannten Inschrift in baskischer Sprache. „Sorioneku“ (des Glücks).
Es wird vermutet, dass die Hand an der Eingangstür eines Hauses als rituelles Objekt zum Schutz aufgehängt gewesen sein könnte. Die Hand wurde aus Bronzeblech gefertigt, das aus 53,19 Prozent aus Zinn, 40,87 Prozent aus Kupfer und 2,16 Prozent aus Blei besteht.

Die Ähnlichkeit zwischen dem ersten Wort – sorioneku – und dem baskischen Wort zorioneko (Glück, gutes Omen) ist frappierend. Der Rest der Inschrift ist bisher nicht entziffert worden. Den Forschenden zufolge handelt es sich bei der Inschrift um den umfangreichsten antiken Text in baskischer Sprache, der bisher bekannt ist.
Da die baskische Sprache mit keiner anderen auf der Welt verwandt ist, lieferte die Hand neue Erkenntnisse über ihre Herkunft. In dem Gebiet rund um den Fundort hat zu der Zeit, als die Hand entstanden sein könnte, der Vaskonen-Stamm gelebt.
Diese Bevölkerungsgruppe gilt als Vorfahr der heutigen Basken, was sich vor allem in der Namensvererbung zeigt. Von den Vaskonen wurden bisher allerdings kaum Schriftproben gefunden, was zu der Annahme führte, dass sie die Schrift noch nicht beherrschten.
Die Erkenntnisse über die Bronzehand widerlegen diese These eindeutig. Auf der Hand konnten einige Wörter identifiziert werden, die auf eine eigene Sprache schließen lassen. Es ist demnach nicht möglich, den ganzen Text zu übersetzen – doch lassen sich einige Parallelen zum heutigen Baskisch schließen.
Fast alle Sprachen Europas, vom Irischen bis zum Russischen, gehören zu einem einzigen großen Stammbaum. Das Baskische hingegen nicht; es hat nirgendwo Verwandte.
Sprachwissenschaftler haben versucht, Verbindungen zu afrikanischen oder indianischen Sprachen und sogar zum antiken Sumerischen herzustellen – doch nichts davon ließ sich belegen. Es ist eine Sprache, die scheinbar aus dem Nichts entstanden ist.

Die Basken sprechen eine Sprache, die mit keiner anderen verwandt ist. Sie erzählen eine Geschichte über eine uralte Insel, die im Meer versank. Es ist eine großartige Geschichte, aber ist sie wahr? Die Geschichte beginnt bei Platon, und genau das ist das größte Problem.
Die meisten Forscher glauben, dass Platon Atlantis als Warnung vor Macht und Hochmut erfunden hat. Selbst wenn Atlantis ein realer Ort wäre, liegen bis heute keine physischen Beweise vor.
Es gibt keine Ruinen, keine Artefakte. Also keine Beweise für die Überreste einer fortschrittlichen Zivilisation auf dem Meeresgrund. Aber es gibt zahlreiche Hinweise auf Siedlungen unter Wasser.
Es wurden Werkzeuge, Keramiken, Gold und sogar Wein auf dem Meeresgrund gefunden. Aber es handelt sich dabei durchweg um Funde aus der Stein-, Eisen- und Bronzezeit.

Fazit: Die baskische Legende von Atlantis ist wahrscheinlich gar nicht baskisch. Sie lässt sich nirgendwo nachweisen. Bevor die moderne Welt begann sich für die Legende von Atlantis zu interessieren.
Es sieht aus wie etwas, dass sich Fans von Atlantis ausgedacht haben. Die Basken mögen nicht die Nachkommen von Atlantis sein, aber sie könnten Kinder der Flut sein, denn als das Wasser kam, wurden sie in die Berge verbannt.
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Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 02.09.2026
