Dabei kam sie zu dem Schluss, dass Kinder immer mehr verlernen, mit Frustration und Langeweile umzugehen. Dadurch, dass Eltern immer mehr versuchen ihre Kinder mit Smartphones und Co. bei Laune zu halten und abzulenken, lernen die Kinder es immer weniger, sich mit Gefühlen abseits der Ablenkung auseinander zusetzten.
Zu jener Zeit als Smartphones omnipräsent wurden, also ungefähr ab dem Jahr 2011, begannen die Zahlen der psychischen Probleme in die Höhe zu schnellen. Das soll laut dem Generationenforscher Jean Twenge kein Zufall sein. In ihrem Buch „iGen“ befasst sie sich mit den Zusammenhängen und den möglichen Auswirkungen auf die Zukunft.
„Genauso wie das Spielen eines Klaviers Übung erfordert, so brauchen auch unsere sozialen Fähigkeiten Training“, erklärt sie. Die Smartphone-Generationen trainieren ihre soziale Kompetenz im Vergleich zu den Vorgenerationen immer weniger. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese im entscheidenden Moment nicht richtig einsetzten können (Warum Ihr Smartphone nicht Ihr Wecker sein sollte – Effektive Möglichkeiten, sich vor Elektrosmog zu schützen).

Die langfristigen Folgen
Die langfristigen Konsequenzen der Dauernutzung der neuen Technologien: Schlafprobleme, die Neigung zu Gefühlsausbrüchen, Wutanfälle, Stimmungsschwankungen und der Verlust der Fähigkeit, Aufgaben zu Ende zu bringen. Oftmals werden diese Symptome bei Kindern fehlinterpretiert und als Lernschwäche, ADHS oder bipolare Störung diagnostiziert. Mittlerweile gibt es dafür aber einen Fachausdruck: „Electronic Screen Syndrome“.
Die Psychiaterin und Autorin Victoria Dunckley sagt dazu:
„Das Endergebnis ist eine falsch regulierte Gehirnfunktion. Das Kind kann seine Stimmung nicht kontrollieren, hat keine Stresstoleranz und bekommt keinen qualitativ hochwertigen Schlaf mehr.“
Weiters kritisiert Dunckley auch interaktive elektronische Lernspiele, die sie als ebenso problematisch ansieht, wie nicht-interaktive Zeit vor dem Bildschirm (Mikrowellensyndrom seit 1932 bekannt: Elektromagnetische Wellen Gefahr für die Gesundheit (Video)).
Die Verantwortung der Eltern
Der erste Maßnahme für Eltern Verantwortung zu übernehmen, ist laut Erzieherin Erika Christakis die eigene Zeit, die Eltern mit Smartphone und Co. verbringen, einzuschränken.
Eltern scheinen bei der Kindererziehung immer mehr abgelenkt zu sein und schneller die Geduld zu verlieren. Eine Studie aus dem Jahr 2014 fand zudem Zusammenhänge zwischen der steigenden Nutzung von Smartphones der Eltern und häufigeren Verletzungen von Kindern zwischen 0 und 5 Jahren.
Besorgniserregende Ergebnisse liefern auch Studien, die sich mit der Sprachentwicklung von Kleinkindern beschäftigten: Je abgelenkter ihre Mütter durch Smartphones waren, desto weniger neue Wörter konnten ihre Kinder am Tag erlernen.
„Wir scheinen in das schlimmste Erziehungsmodell hineingestolpert zu sein“, stellt Erika Christakis fest, „Eltern sind physisch anwesend, was die Autonomie der Kinder einschränkt, aber gleichzeitig geistig nur sporadisch anwesend.“
Zudem würden Kinder das Verhalten der Eltern imitieren. Wenn man selbst viel Zeit vor Bildschirmen verbringt, wird es um ein Vielfaches schwieriger Limits für Kinder zu setzten (Smart Meter – Gesetzlich verordnete Mikrowellenbestrahlung).



Tipps, um die Zeit vor Bildschirmen zu reduzieren:
- Inkludieren der ganzen Familie. Einer der wichtigsten Tipps ist laut Experten, die ganze Familie in die Reduzierung einzubeziehen. So werden klare Regeln geschaffen und Ausnahmen vermieden
- Die Zeit vor dem Bildschirm sinnvoll nutzen. Kinder brauchen immer öfter den Computer für Hausaufgaben oder Eltern selbst haben noch Arbeit aus dem Büro zu erledigen. Auch gemeinsame Filmabende oder ähnliche Aktivitäten, die mit Aufmerksamkeit gemacht werden sind besser, als nebenbei den Fernseher oder Videos laufen zu lassen. Zeit vor dem Bildschirm nur aus Langeweile ohne Beweggrund für die Nutzung sollte vermieden werden.
- Möbel verstellen. Viele Wohnzimmer sind so ausgerichtet, dass der Fernseher im Mittelpunkt steht. Experten raten zum Beispiel den Tisch zum Mittelpunkt zu machen, wo sich Kinder mit anderen Aktivitäten beschäftigen können. Zudem dürfen Eltern sich nicht der Illusion hingeben, dass Kinder ständig unterhalten werden müssen. Langeweile und die Notwendigkeit, die eigene Fantasie einzusetzen, ist wichtig für die Entwicklung von Kindern.
- Klare Limits setzten. Abmachungen zur Reduzierung der Zeit vor Bildschirmen sollten mit den Kindern klar abgesprochen und dann auch eingehalten werden. Es kann dabei auch hilfreich sein, in manchen Räumen keine technischen Geräte zu erlauben.
- Keine Zeit vor dem Bildschirm nach dem Aufstehen. Gerade für kleine Kinder sollten die ersten Stunden nach dem Aufwachen frei von technischen Geräten sein. Fernsehen beim Frühstück oder ähnliches stört die Konzentration bei nachfolgenden Spielaktivitäten.
Erfahrungen zeigen jedoch, dass eine limitierte Zeit vor dem Bildschirm – zum Beispiel 20 Minuten täglich – schwieriger einzuhalten sei als ein komplettes Verbot am Wochenende oder einem bestimmten Wochentag. Mit den folgenden Tipps soll eine völlig bildschirmfreie Zeit in der Familie gelingen („Deutschland verdummt“ – Psychiater hält heutige Kinder später nicht für arbeitsfähig)
„Resetten“ der reizüberfluteten Kindergehirne – Tipps für eine völlig bildschirmfreie Zeit:
Planen und Besprechen. Es ist wichtig, die geplante bildschirmfreie Ziet mit der ganzen Familie zu besprechen. In ihrem Buch „Reset your childs brain“ beschreibt die auf Kinder die unter Smartphone-Sucht leiden, spezialisierte Psychiaterin Dunckely, ein „Reset“-Programm.
Das ganze Programm dauert vier Wochen und gibt dem Kindergehirn die Chance zur Ruhe zu kommen. Die erste Woche soll dem Planen und Besprechen dienen, um sich den Problemen, die durch exzessive Nutzung der neuen Technologien verursacht wird, bewusst zu werden.
Lustige Ersatz-Aktivitäten planen. Das Reset-Programm soll nicht als Bestrafung, sondern als spannendes Experiment angesehen werden. Zudem wirken sich gemeinsame Aktivitäten, bei denen Kinder die volle Aufmerksamkeit der Eltern erhalten, positiv auf das Zentralnervensystem der Kinder aus.
Aus den Augen aus dem Sinn. Dunckley empfiehlt die elektronischen Geräte mit zur Arbeit zu nehmen und sie dort in einer Lade zu verstauen. So kommen die Kinder nicht in Versuchung, die Geräte zuhause zu suchen, um sie im Geheimen zu verwenden.
„Vergessen Sie nicht, dass der Frontallappen des Gehirns bei Kindern noch nicht vollständig ausgeprägt ist. Daher kann auch bei vertrauenswürdigen Kindern, die versprechen nicht mit dem Smartphone zu spielen und es auch wirklich so meinen, die Impulskontrolle versagen, wenn sie dann das Smartphone sehen.“, erinnert Dunckley.
Auseinandersetzung mit Frustration. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Eltern in ihrem Vorhaben auf Widerstand stoßen. Kleine Kinder werden weinen, ältere Kinder werden streiten oder sogar drohen. Manchmal sind sie zuerst damit einverstanden, geraten dann aber in Panik, wenn es soweit ist.
„Man muss auch die Perspektive der Kinder verstehen, denen etwas genommen wird, wovon sie denken, dass sie es unbedingt in ihrem Leben brauchen und die nicht wissen, wie sie die Leere des Verlustes füllen können. Ein verständnisvoller Umgang ist daher angebracht.“, sagt Dunckley.



Der Mehrwert der bildschirmfreien Zeit
Die erste Woche ohne Smartphone und Co. wird wahrscheinlich schwer werden.
Allerdings sobald das Gehirn der Kinder wieder bekommt, was es für die Entwicklung braucht, ändert sich die Situation. Ausreichend Energie, gute Durchblutung und Nährstoffe gelangen wieder zum Frontallappen des Gehirns und verbessern das Nervensystem.
Wenn die Kinder den positiven Effekt wahrnehmen, wird die Situation laut Dunckley wieder harmonisiert.
Die Ruhepause von Bildschirmen ermöglicht es den Kindern, ihrer Fantasie wieder freien Lauf zu lassen und ihre Kreativität besser zu entwickeln. Bei Kindern aller Altersgruppen wurde durch das „Reset“- Programm von Dunckley eine Verbesserung deer Stimmung und weniger ausgeprägte oder weniger häufige mentale Zusammenbrüche festgestellt.
Aus biologischer Sicht wird das Gehirn von der konstanten Reizüberflutung befreit. Die Folgen sind mehr Energie und eine gesteigerte Aufmerksamkeit.
Eltern wollen das Beste für ihre Kinder – und kleine Veränderungen können große Auswirkungen auf das Leben der Kinder haben.
„Wenn die Eltern es sehr beängstigend finden, für eine bestimmte Zeit vollständig auf neue Technologien zu verzichten, profitieren sie selbst wahrscheinlich ebenso von der Maßnahme“, ist Dunckley überzeugt.
Literatur:
Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft
Gesund ohne E-Smog: Neue Strategien zum Schutz vor der lautlosen Gefahr
Mobilfunk die verkaufte Gesundheit: Von technischer Information zur biologischen Desinformation. Warum Handys krank machen
Digitale Erschöpfung: Wie wir die Kontrolle über unser Leben wiedergewinnen
Quellen: PublicDomain/epochtimes.de am 21.10.2019
