Russland: Milliarden-Wunder beim Öl-Export

Russland profitiert massiv von den Folgen des Iran-Kriegs. +40 % bei den Staatseinnahmen im April gegenüber März. Eine Analyse.

Im April legten die Öl- und Gaseinnahmen für Russland stärker zu als erwartet. Ausschlaggebend waren jedoch nicht höhere Exporte, sondern vor allem gestiegene Preise. Selbst China reduzierte seine Importe.

Preisschock treibt für Russland Einnahmen für Öl und Gas

Die April-Zahlen des russischen Finanzministeriums enthalten eine Überraschung: Die Staatseinnahmen aus Öl und Gas legten gegenüber März um fast 40 Prozent zu, während die Exporterlöse nach Berechnungen des Thinktanks CREA um nicht einmal 20 Prozent stiegen.

Insgesamt beliefen sich die Einnahmen für Russland im April auf 855,6 Milliarden Rubel (ca. 9,7 Milliarden Euro), nach 617 Milliarden Rubel (ca. 7,0 Milliarden Euro) im März.

Zugleich gingen die russischen Exporte von Rohöl um 4,3 Prozent und von Gas um 6,5 Prozent zurück, während die Kohleausfuhren um 9,1 Prozent zulegten. Ausgeglichen wurde der Rückgang beim Rohöl vor allem durch höhere Lieferungen raffinierter Ölprodukte.

Die weitere Analyse der Daten zeigt, dass auch die Käufe der Volksrepublik russischer fossiler Brennstoffe nachließen. Laut den Daten von CREA beliefen sich die Importe Chinas aus Russland im April akkumuliert auf 17.000 kt, nach 17.800 kt im März. Dabei stieg der Preis pro Tonne von 341 Euro auf 387 Euro.

Die Zukäufe Indiens blieben im vergangenen Monat praktisch unverändert, allerdings sprang der Preis pro Tonne von 290 auf 370 Euro.

Staat schröpft Öl-Konzerne über das Steuersystem

Gleichzeitig nahmen auch die Subventionen für die heimische Mineralölindustrie zu und betrugen 222,5 Milliarden Rubel (etwa 2,6 Milliarden Euro), während die Unternehmen dem Staat im März noch 15 Milliarden Rubel (etwa 177 Millionen Euro) zurückzahlen mussten.

Der starke Anstieg der Staatseinnahmen erklärt sich vor allem durch das progressive Steuersystem auf Mineralöl, das an die Weltmarktpreise gekoppelt ist:

Mit jedem Preisanstieg erhöht sich auch der Steuersatz in Russland. Der Referenzpreis für Brent lag im April bei 117 US-Dollar pro Barrel, während Urals mit 114 US-Dollar nur leicht darunter lag.

Der Discount, den die Einkäufer in den vergangenen Jahren erhalten haben, ist also praktisch nicht mehr existent. Zeitweise lagen die Preise für Urals sogar über denen von Brent.

Allerdings liegt der Profit bei Urals weiterhin deutlich unter dem von Brent, denn die Subventionen verteuern Fracht und Versicherung deutlich.

Damit wird auch klar, dass trotz gestiegener Preise die russischen Produzenten von Öl und Gas die Zeche für die gestiegenen Einnahmen zahlen.

Ihre Exporte fallen, während sie selbst zumindest mengenmäßig weniger ausführen. Die ukrainischen Angriffe sorgen dafür, dass immer öfter und immer mehr Raffinerien, Verladehäfen und Infrastruktur in Russland ausfallen und repariert werden müssen.

Zwar gelingt es den russischen Unternehmen, die Schäden erstaunlich schnell zu reparieren, allerdings steigen die Kosten dafür permanent, da die Ersatzteile in der Regel nur im Ausland zu beziehen sind und, wie die Finnische Zentralbank gezeigt hat, die Preise dafür seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine stark gestiegen sind.

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Die positive Einnahmeentwicklung darf auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zuflüsse aus den fossilen Brennstoffen in diesem Jahr deutlich unter den Planungen des Finanzministeriums lagen.

Insgesamt lag das Defizit in den ersten vier Monaten bei 548,7 Milliarden Rubel (etwa 6,2 Milliarden Euro), was rund 20 Prozent unter den Erwartungen für diesen Zeitraum lag.

Gefährliche Abhängigkeit von externen Preisschocks

Das eigentlich Überraschende an den April-Zahlen ist nicht, dass Russland von den gestiegenen Preisen für Kohle, Gas und Öl profitiert.

Überraschend ist vielmehr, wie stark der Staat mittlerweile abschöpft, obwohl die reale Produktions- und Exportentwicklung diese Dynamik eigentlich gar nicht mehr hergibt.

Während die Mengen stagnieren oder teilweise sogar sinken, steigen die fiskalischen Einnahmen überproportional an. Kurzfristig funktioniert dieses Modell noch, weil hohe Weltmarktpreise die strukturellen Schäden überdecken.

Gleichzeitig erodiert jedoch unter dem Druck der Sanktionen und der zunehmenden ukrainischen Angriffe auf Raffinerien, Verladehäfen und Infrastruktur schrittweise die Substanz des Systems.

Russland bewegt sich damit immer stärker in Richtung einer Iranisierung seiner Rohstoffökonomie, bei der nicht mehr Wachstum oder steigende Produktion die Staatsfinanzen stabilisieren, sondern externe Preisschocks und geopolitische Krisen.

Genau darin liegt die eigentliche Aussage der April-Daten. Die guten Zahlen zeigen keine nachhaltige Stabilisierung, sondern verdecken eine tieferliegende strukturelle Krise.

Quellen: PublicDomain/finanzmarktwelt.de am 20.05.2026

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