
Chris Brönimann spricht Klartext. In einem Interview mit der NZZ vom 11. Juni 2026 rechnet er, der lange als berühmteste Schweizer Transfrau galt, mit Transgenderbehandlungen ab. Er weiss, wovon er spricht:
Von „sechzehn chirurgischen Eingriffen“ an sich selbst berichtet er und zieht die erschütternde Bilanz: „Mein versehrter Körper ist ein Mahnmal dafür, wie die Transmedizin Grenzen überschreitet.“ Von Ursula Baumgartner
Eine Flucht sei die Geschlechtsanpassung gewesen, sagt Brönimann heute. Eine Flucht vor dem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Beim Kongress „Zukunft+Werte“ von Zukunft CH im Oktober 2025 berichtete er, er habe sich lediglich nach Liebe, Zuneigung und Bestätigung gesehnt, nach jemandem, der ihn einfach mal in den Arm genommen und ihn bestärkt hätte.
Durch äussere Veränderungen wollte er seine inneren Probleme lösen. Im NZZ-Interview erzählt er: „Ich glaubte: Sich in der eigenen Haut unwohl zu fühlen, bedeutet automatisch, im falschen Körper zu sein.“
Intakte Sexualität „wurde irreversibel ausgelöscht“
Und so ging er den Weg, den so viele andere auch gehen: den der Transition, also des Versuchs, aus dem eigenen Körper einen Körper des anderen Geschlechts zu machen.
Er nahm Testosteronblocker, dann folgte eine gegengeschlechtliche Therapie mit weiblichen Hormonen. Als junger Patient wollte er „von den Risiken nichts wissen. Ich blendete die Gefahren aus, weil ich an ein perfektes Ergebnis glaubte.“
Doch dieses blieb aus. Durch die „hormonelle Kastration“ verlor er seine Sexualfunktion vollständig. Und auch durch die anschliessenden operativen Genitalveränderungen gewann er sie nicht wieder, im Gegenteil: Die künstlich geschaffenen Geschlechtsorgane waren „von Anfang an taub für jegliche Empfindung“.
Er habe dauerhaft unter Schmerzen gelitten und „körperliche Intimität war anatomisch unmöglich“. Brönimanns Resümee lautet: „Meine intakte körperliche Sexualität wurde irreversibel ausgelöscht.“
Durch das Absetzen der weiblichen Hormone, die er über Jahrzehnte einnahm, leide er derzeit unter Wechseljahresbeschwerden. All diese Probleme möchte er anderen Menschen ersparen.
Darum plädiert er für Offenheit und Ermutigung: „Es wäre so wichtig, jungen verunsicherten Menschen zu vermitteln: Du fühlst dich jetzt unwohl und unstimmig, aber deswegen ist dein Körper nicht falsch.“

Selbstdiagnosen statt sorgfältiger Abklärung
Über die Folgen von Transgenderbehandlungen werde immer noch zu wenig gesprochen. Und ein positives Ergebnis sei nicht immer sicher: „Niemand weiss, wie eine chirurgische Geschlechtsangleichung ausgeht.“ Ein weiteres Problem bestehe darin, dass viele Transmediziner „selbst aktivistisch unterwegs“
seien. So hinterfragten sie die Selbstdiagnosen junger Patienten kaum. „Aber das wäre ihre Pflicht.“ Denn: „Wenn die Diagnose ein anderes psychisches Leiden offenbart, braucht es eine Behandlung, die genau dort ansetzt – und nicht das chirurgische Skalpell oder gegengeschlechtliche Hormone.“
Auch ihm hätte dieses Wissen und eine solche Aufklärung damals geholfen. In einer Phase der Haltlosigkeit und inneren Verlorenheit, in der er „nicht gewusst“ habe, „dass ich gut bin, so wie ich bin“, traf er auf eine „Transfrau“, die ihm von einer „Geschlechtsanpassung“ erzählte.
Dies sei Musik in seinen Ohren gewesen, sagte Brönimann im Gespräch mit Zukunft CH. Und so habe auch er sich zu einer solchen Behandlung entschlossen.
Transition: Schneller Hinweg, schwieriger Rückweg
Der Weg in die Transition war schnell eingeschlagen. „Doch wer den Weg abbrechen oder rückgängig machen will, stösst auf Desinteresse.“ Ja, mehr noch: Wer in den Medien ein falsches Wort sage, riskiere schnell, einen „Shitstorm“ auszulösen.
Dabei sagte ihm eine Ärztin, sie erwarte „in den nächsten Jahren eine Welle von Betroffenen, die ihren Entscheid bereuten“. So sei seine Erfahrung doch besonders wertvoll: Menschen wie er könnten schliesslich mit ihrer Lebensgeschichte von vorneherein zu „weniger Fehlbehandlungen beitragen“.
Der Körper als „Wunderwerk der Natur“
Der Schutz junger Menschen vor einer Geschlechtsumwandlung ist ihm heute ein Herzensanliegen. „Jungen Menschen muss bewusst sein, dass ihr Handeln irreversible Konsequenzen hat.“ Sein eigener Körper, so Brönimann, „trägt die Spuren meiner Reise mit allen sichtbaren und unsichtbaren Versehrungen“.

Es sei „schmerzhaft, sich einzugestehen, dass man nicht das erreicht hat, was man sich erhoffte“. Zwar möchte er seinem „vergangenen Ich mit Respekt und Wertschätzung begegnen“, doch er warnt deutlich, dass die Transmedizin ihre Versprechen nur „bei wenigen Transmenschen“ einlöse.
So appelliert er an junge Menschen, Probleme nicht über Veränderungen am Körper lösen zu wollen, „diesem Wunderwerk der Natur“.
Die Vorstellung, jemand könne „im falschen Körper geboren“ sein, lehnt er ab. Stattdessen ermutigt er junge Menschen zu einem positiven Selbstbild: „Es gibt dich nur einmal. Du bist perfekt.“
Quellen: PublicDomain/zukunft-ch.ch am 04.07.2026
