
Seit dem 26. Mai 2026 steht ein neuer Rekordwert auf der Schweizer Sperrliste für Online-Geldspiele: 3398 Domains sind für Internetnutzer im Land nicht mehr direkt erreichbar. Die Liste wächst seit Jahren kontinuierlich, mit jeder Aktualisierung kommen neue Namen hinzu.
Wer regelmässig im Netz surft, ist dieser Sperre wahrscheinlich schon einmal begegnet, ohne es zu merken. Hinter der trockenen Zahl steckt ein Konflikt, der die Schweizer Geldspielpolitik seit Jahren begleitet: Wie streng lässt sich ein nationaler Markt gegenüber einem globalen Internet abschotten? Die Antwort der Behörden fällt eindeutig aus. Die Praxis der Spieler sieht oft anders aus.
Was das Geldspielgesetz eigentlich verbietet
Grundlage der Sperrliste ist das Geldspielgesetz (BGS), das seit 2019 in Kraft ist und in der Schweiz gelegentlich auch als Glücksspielgesetz bezeichnet wird. Es legt fest, wer im Land überhaupt ein Online Casino betreiben darf, und die Antwort fällt eng aus:
Nur Betreiber physischer Schweizer Spielbanken können beim Bundesrat eine Erweiterung ihrer Konzession beantragen. Ausländische Anbieter ohne Sitz oder Bewilligung in der Schweiz fallen automatisch aus diesem System heraus, ganz gleich, wie seriös sie andernorts reguliert sind. Für sie gilt: kein legaler Zugang zum Schweizer Markt, keine Werbung, keine Vermittlung an Schweizer Spieler.
Damit diese Regel nicht nur auf dem Papier existiert, veröffentlicht die Eidgenössische Spielbankenkommission laufend eine Liste nicht bewilligter Online-Geldspielangebote, die Internetanbieter im Land technisch sperren müssen. Wer dennoch auf einer gesperrten Seite spielt, macht sich nach geltendem Recht nicht strafbar.
Einen Rechtsweg oder Spielerschutz nach Schweizer Standard gibt es für ihn aber ebenso wenig. Wie stark diese Praxis inzwischen greift, zeigt die aktuelle Zahl: Mitte 2026 stehen 3398 Domains auf der Liste, mehr als je zuvor.
Warum ausländische Casinos trotzdem gefragt bleiben
Dass die Liste so stark wächst, hat einen einfachen Grund: Neue Anbieter tauchen schneller auf, als Behörden sie sperren können. Eine Analyse von SRF zeigt, dass ausländische Online-Casinos trotz des offiziellen Verbots weiterhin erfolgreich Kundschaft in der Schweiz anziehen.
DNS-Sperren lassen sich mit einem VPN oder einem alternativen DNS-Server in wenigen Sekunden umgehen, technisch versierte Nutzer merken die Blockade oft gar nicht erst. Für viele Spieler bleibt schlicht die Frage offen, welche der zahllosen Adressen überhaupt vertrauenswürdig sind.
Aus diesem Informationsbedarf ist im Netz eine ganze Nische entstanden. Neben Foren und Erfahrungsberichten haben sich spezialisierte Vergleichsportale etabliert, die sich mit Online-Casinos aus dem Ausland beschäftigen und Lizenzen, Auszahlungsquoten sowie Zahlungsmethoden einzelner Anbieter gegenüberstellen.
Wer sich vor einer Anmeldung informieren will, findet dort zumindest einen groben Überblick über die Anbieterlandschaft. Die fehlende Schweizer Aufsicht ersetzt das freilich nicht. Ob ein Anbieter seriös arbeitet, muss jeder Spieler letztlich selbst einschätzen — und genau diese Einschätzung hängt entscheidend davon ab, welche Lizenz im Kleingedruckten überhaupt steht.
Was eine ausländische Lizenz überhaupt bedeutet
„Ausländisch lizenziert“ ist kein einheitliches Gütesiegel, sondern ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Aufsichtsniveaus. Die maltesische MGA gilt in der Branche als vergleichsweise streng: Sie verlangt regelmässige Audits, getrennte Spielerkonten und ein funktionierendes Beschwerdeverfahren.
Die Gibraltar Gambling Commission bewegt sich auf ähnlichem Niveau und beaufsichtigt seit Jahren einen grossen Teil der europäischen Online-Casino-Branche. Deutlich lockerer fällt eine Curacao-Lizenz aus. Sie war lange die günstigste und am leichtesten zu bekommende Zulassung im Gambling-Markt, mit entsprechend dünner laufender Kontrolle. Am unteren Ende der Skala stehen Jurisdiktionen wie Anjouan, wo eine Lizenz oft kaum mehr als eine Registriergebühr voraussetzt.
Für Schweizer Spieler ändert das am rechtlichen Grundproblem nichts. Ein Anbieter mit MGA-Lizenz bleibt ohne Schweizer Bewilligung genauso auf der Sperrliste wie einer aus Curaçao oder Anjouan.
Der Unterschied liegt allein darin, wie viel Schutz im Streitfall überhaupt vorhanden ist, wenn eine Auszahlung ausbleibt oder ein Konto ohne Erklärung gesperrt wird. Diese Unterscheidung dürfte an Bedeutung gewinnen, je mehr Domains auf der Liste landen und je mehr Spieler sich trotzdem für ein Angebot von dort entscheiden.
Zwischen Sperrliste und Spielerrealität
Die Schweiz hält an ihrem restriktiven Modell fest, während die Zahl gesperrter Angebote weiter steigt. Wer sich für die europäische Regulierungslandschaft rund um digitale Angebote generell interessiert, findet dazu auch einen Überblick auf uamr.de, der zeigt, wie unterschiedlich einzelne Länder mit grenzüberschreitenden Online-Diensten umgehen. An der Sperrliste selbst wird das kaum etwas ändern.
Quellen: PublicDomain am 04.09.2026
