Nach Angaben eines Passagiers handelte es sich um zwei sogenannte Relief- beziehungsweise Ersatzpiloten, die für einen späteren Flug vorgesehen gewesen seien.
Flydubai selbst erklärte, das Flugzeug sei von einer eigenen, diensthabenden Crew, die als Passagiere mitreiste, gesichert und anschließend nach Tabuk geflogen worden.
Was wie ein kaum vorstellbarer Zufall erscheint, hat allerdings eine banale mögliche Erklärung: Fluggesellschaften transportieren Besatzungen regelmäßig als Passagiere von einem Einsatzort zum nächsten.
Denn ohne diese Piloten hätte die Geschichte womöglich ein vollkommen anderes Ende genommen.
Damit nicht genug.
Unter den Passagieren befand sich medizinisch geschultes Personal. Berichtet wird unter anderem über den israelischen Zahnarzt Shota Musayev, der bei der Versorgung des schwer verletzten Kapitäns half. Andere Passagiere unterstützten ebenfalls die Verletzten.
Auch hier gilt allerdings: Bei rund 170 Menschen an Bord ist die Anwesenheit eines Arztes, Zahnarztes oder anderen medizinisch ausgebildeten Passagiers für sich genommen kein außergewöhnlicher Beweis für irgendetwas.
In der Gesamtschau wirkt die Ereigniskette dennoch spektakulär:
Ein Pilot wird schwer verletzt.
Die Maschine geht in einen rasanten Sinkflug.
Passagiere gelangen ins Cockpit.
Der mutmaßliche Angreifer wird überwältigt.
Eine zusätzliche Flydubai-Crew befindet sich an Bord und übernimmt das Flugzeug.
Medizinisch geschulte Passagiere kümmern sich um Verletzte.
Und schließlich landet die Boeing sicher in Saudi-Arabien.

Aber wie kam überhaupt ein Messer ins Cockpit?
Eine der naheliegendsten Fragen ist bislang ebenfalls nicht abschließend beantwortet:
Welche Waffe wurde verwendet – und wie gelangte sie ins Cockpit?
Reuters berichtet unter Berufung auf israelische Stellen von einem Messerangriff. Doch Identität, Tatwaffe und Motiv waren unmittelbar nach dem Ereignis nicht abschließend öffentlich dokumentiert. Der mutmaßliche Angreifer wurde von den saudischen Behörden festgenommen und verhört.
Sollte sich bestätigen, dass tatsächlich ein Messer oder eine vergleichbare Waffe eingesetzt wurde, stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Sicherheitskontrollen für das Cockpitpersonal.
Gerade Flüge nach Israel unterliegen besonderen Sicherheitsvorkehrungen.
Das Problem ist grundsätzlich bekannt: Verstärkte Cockpittüren schützen vor einem Angreifer, der in das Cockpit hineinwill. Befindet sich die Bedrohung jedoch bereits im Cockpit, kann genau diese Sicherheitsbarriere die Intervention von außen erschweren.
Der Germanwings-Absturz von 2015 machte dieses Dilemma auf tragische Weise deutlich.

Terroranschlag – oder ist diese Bewertung noch zu früh?
Israels Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete das Geschehen bereits als versuchten jihadistischen Terroranschlag.
Netanyahu formulierte zunächst etwas vorsichtiger. Nach seiner Darstellung habe einer der Piloten den anderen niedergestochen und offenbar versucht, die Maschine zum Absturz zu bringen. Die Hintergründe müssten jedoch untersucht werden.
Genau hier muss journalistisch sauber getrennt werden.
Dass es einen gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit gab, dass das Flugzeug dramatisch an Höhe verlor und dass ein Pilot festgenommen wurde, ist inzwischen breit dokumentiert.
Warum es geschah, ist eine andere Frage.
Ein persönlicher Konflikt?
Eine psychische Ausnahmesituation?
Politischer oder religiöser Extremismus?
Ein gezielter Anschlag auf einen Flug nach Israel?
Solange die saudischen und emiratischen Ermittlungen keine belastbaren Erkenntnisse zum Motiv vorlegen, bleiben solche Erklärungen Hypothesen.
Dann erscheint Netanyahu auf der Bühne
Nach der Rettung bekam das Ereignis sehr schnell eine politische Dimension.
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu traf den israelischen Passagier Yaniv Hayoun, der nach den bisherigen Berichten entscheidend an der Überwältigung des Angreifers beteiligt gewesen sein soll.
Die Bilder waren eindrucksvoll: Netanyahu umarmt den Mann und würdigt ihn öffentlich als Helden. Der israelische Sender i24NEWS zitierte Netanyahu bei diesem Treffen sogar mit dem Vergleich, ohne dessen Eingreifen hätte es ein weiteres „9/11“ geben können.

Das alles geschieht in einer politisch hochsensiblen Phase.
Israel befindet sich vor der für den 27. Oktober 2026 angesetzten Parlamentswahl. Entsprechend schnell wurde auch darüber gestritten, ob das Ereignis politisch instrumentalisiert werde.
Oppositionsführer Yair Lapid erhob genau diesen Vorwurf.
Er widersprach insbesondere Versuchen aus Netanyahus politischem Umfeld, den Zwischenfall mit früheren Sicherheitswarnungen in Verbindung zu bringen. Die betreffende Warnung habe bereits seit längerer Zeit bestanden und nichts mit Flugzeugen oder einem vergleichbaren Szenario zu tun gehabt, erklärte Lapid.
Damit ist allerdings ebenfalls noch nichts über die Ursache des Vorfalls gesagt.
Politische Verwertung eines Ereignisses und Inszenierung des Ereignisses selbst sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Eine »False Flag«?
Im Internet liegt bei einer derart ungewöhnlichen Verkettung von Ereignissen schnell der Verdacht einer sogenannten False-Flag-Operation nahe – also einer gezielten Inszenierung, bei der die tatsächlichen Urheber oder Motive verschleiert werden.
Doch dafür gibt es bislang keinen belastbaren Beleg.
Die Anwesenheit zusätzlicher Piloten lässt sich grundsätzlich mit normalen Crew-Transfers erklären. Medizinisches Personal unter rund 170 Passagieren ist nicht außergewöhnlich. Dass Politiker nach einer spektakulären Rettungsaktion die beteiligten Personen öffentlich empfangen, ist ebenfalls kein Nachweis einer vorherigen Inszenierung.
Selbst eine mögliche politische Ausschlachtung des Vorfalls wäre kein Beweis dafür, dass dieser geplant wurde.
Dennoch wäre es ebenso voreilig, sämtliche offenen Fragen einfach abzuhaken.

Diese Fragen müssen beantwortet werden
Entscheidend werden jetzt die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung sein:
Was geschah unmittelbar vor der Auseinandersetzung im Cockpit?
Wer griff wen zuerst an?
Welche Waffe wurde benutzt und woher stammte sie?
Wer öffnete die Cockpittür?
Warum befand sich die zusätzliche Flydubai-Crew an Bord?
Wer steuerte die Maschine während des dramatischen Sinkflugs?
Was zeigen Cockpit Voice Recorder und Flight Data Recorder?
Und vor allem: Welches Motiv hatte der mutmaßliche Täter?
Erst die Auswertung der technischen Daten, der Cockpitaufzeichnungen, der Sicherheitskameras am Flughafen, der Crew-Unterlagen und der Vernehmungen kann aus den zahlreichen Einzelberichten ein belastbares Gesamtbild ergeben.
Bis dahin sollte man zwei Fehler vermeiden:

Eine Terrorversion vorschnell als erwiesene Tatsache darzustellen – aber ebenso, aus einer Reihe ungewöhnlicher Umstände bereits eine False-Flag-Operation abzuleiten.
Was auf Flug FZ1073 tatsächlich geschah, ist schon ohne Spekulation außergewöhnlich genug.
Und die entscheidenden Antworten stehen noch aus.
Quellen: PublicDomain/guidograndt.de am 01.10.2026
