Russische Marine vor Syrien: Nicht nur ein Manöver

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Die Ende der vergangenen Woche im Schwarzen Meer und im Mittelmeer begonnene Übung der russischen Marine hat ihre aktive Phase erreicht. Aber allein die Tatsache, dass Russland Kriegsschiffe vor der syrischen Küste positioniert, spricht für sich.

Laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums sind an dem Manöver unter anderem der Raketenkreuzer „Moskwa“, der große U-Boot-Zerstörer „Seweromorsk“, (Bild) die Wachschiffe „Smetliwy“ und „Jaroslaw Mudry“, die großen Landungsschiffe „Saratow“, „Asow“, „Kaliningrad“ und „Alexander Schabalin“, mehrere Versorgungs-schiffe sowie die Luftwaffe, Luftlande- und Luftabwehrkräfte beteiligt.

Der Umfang der Übung lässt keine Zweifel aufkommen: Der Kreml verfolgt die Situation im Nahen Osten mit großer Aufmerksamkeit.

„Der stellvertretende Generalstabschef, Alexander Postnikow, fliegt in das Gebiet der Übung, um die aktive Phase zu leiten. Der Vizechef des Marine-Hauptstabs, Konter-admiral Leonid Suchanow, befindet sich bereits vor Ort“, teilte Generalstabschef Valeri Gerassimow vor kurzem mit. „Die wichtigsten Ziele des Manövers sind die Verbesserung des Betriebs und des Zusammenwirkens der Flotten in fernen Meeresgebieten. Das ist die erste derartig umfassende Flottenübung.“

Mit der Stationierung der russischen Seestreitkräfte im östlichen Mittelmeerraum sollen mehrere Aufgaben gelöst werden.

Zunächst ist es wichtig, dass die russische Marine überhaupt wieder etwas im Mittelmeer unternimmt. Zu Sowjetzeiten waren solche Übungen regelmäßig, doch seit 1991 wurden sie zunehmend seltener und waren mit größer werdenden Schwierigkeiten verbunden. In den letzten Jahren demonstriert Moskau jedoch wieder deutlich, dass es nach wie vor Interessen im Mittelmeerraum und um das Horn von Afrika hat.

Außerdem ist das neue Manöver eine gute Gelegenheit, das komplette Führungssystem in einem fernen Meeresgebiet zu checken. Der Übungsstab befindet sich an Bord des Raketenkreuzers „Moskwa“. An dem Manöver sind aber auch Kräfte beteiligt, die im Schwarzen Meer geblieben sind.

Dennoch gibt es einen Umstand, der berücksichtigt werden sollte. Das syrische Küsten-gebiet könnte zur letzten Bastion von Präsident Baschar al-Assad werden. Wenn die im Süden des Landes liegende Hauptstadt Damaskus verlorengeht, müsste sich Assad in seinen Heimatort im Küstengebiet zurückziehen.

Hier leben auch mehrere religiöse Minderheiten wie Alawiten, Schiiten und Christen. Die Rebellen sind überwiegend Sunniten. Damit entstehen auf der einen Seite wichtige Voraussetzungen für die Bildung eines alawitischen Kleinstaates (de facto hatte er schon früher bestanden – das von Alawiten besiedelte Gebiet um Latakia genoss damals große autonome Rechte). Auf der anderen Seite könnte hier die Geschichte des Staates Syrien ein Ende finden, wenn sich die Situation weiterhin nachteilig für Assad entwickeln sollte.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die russische Armee einen ausländischen Politiker aus einer brenzligen Lage rettet. Im September 1993 konnte sich der damalige georgische Präsident Eduard Schewardnadse nur dank der Hilfe der russischen Schwarzmeerflotte aus dem belagerten Suchumi absetzen. Möglicherweise erwägt Moskau ein ähnliches Szenario für die syrische Führung.

Theoretisch ist es möglich (zudem ist es offiziell deklariert), dass sich die an dem Manöver im Schwarz- und Mittelmeerraum beteiligten Kräfte auch an der Evakuierung russischen Staatsbürger aus Syrien beteiligen.

Die sowjetische Marine hatte solche Operationen dreimal vorgenommen: 1977 mussten Sowjet-Bürger aus Mogadischu (Somalia) und 1986 aus Aden (Jemen) gebracht werden. 1978 mussten Marineinfanteristen in Äthiopien sogar Angriffe der Insurgenten abwehren.

Mit der Operation ihrer Seestreitkräfte vor der Küste Syriens demonstriert die russische Führung, dass sie es sehr ernst meint. Besonders pikant wird die Situation wegen der jüngsten französischen Intervention in Mali.

Denn im Grunde können wohl nur wenige kompetente Menschenrechtler den feinen Unterschied zwischen den Tuareg-Extremisten aus Azawad und den Tyrannei-Gegnern aus den Vororten von Damaskus erkennen – selbst wenn die Ereignisse in Mali und Syrien unterschiedliche Gründe und Mechanismen haben.

Quelle: Ria Novosti vom 23.01.2013

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