Ärzte fordern dringende medizinische Behandlung, um Julian Assanges Leben zu retten (Video)

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Mehr als 65 renommierte Ärzte aus dem Vereinigten Königreich und zahlreichen weiteren Ländern fordern in einem offenen Brief dringende Maßnahmen, um das Leben des inhaftierten WikiLeaks-Gründers und Journalisten Julian Assange zu schützen.

Die Ärzte warnen davor, dass es womöglich schwerwiegende Folgen haben wird, wenn Assange nicht aus dem Gefängnis Belmarsh in ein Universitätsklinikum verlegt wird, wo er von einem erfahrenen medizinischen Team untersucht und behandelt werden könnte.

„Wenn eine so dringende Begutachtung und Behandlung nicht stattfindet“, schreiben sie, „haben wir angesichts der derzeit verfügbaren Anzeichen echte Bedenken, dass Herr Assange im Gefängnis sterben könnte. Die medizinische Situation ist daher dringend. Es gilt keine Zeit zu verlieren.“

Das Schreiben ist an die britische Innenministerin Priti Patel gerichtet, eine Kopie ging an die Schatteninnenministerin der Labour Party, Diane Abbott.

Diese außergewöhnliche Aktion der Ärzte inmitten des britischen Wahlkampfs trifft sich mit dem zunehmenden Widerstand der Bevölkerung gegen die gnadenlose Verfolgung von Assange. Dem in Australien geborenen Journalisten droht die Überstellung an die Vereinigten Staaten und eine 175-jährigen Haftstrafe, weil er Kriegsverbrechen der USA im Irak und in Afghanistan aufgedeckt hat.

Die Initiative zu dem offenen Brief ging von Dr. Stephen Frost aus. Der Spezialist für diagnostische Radiologie begann Ende Oktober, gemeinsam mit Kollegen an dem Schreiben zu arbeiten. Sein Entschluss, aktiv zu werden, wurde durch den Bericht ausgelöst, in dem der ehemalige britische Diplomat Craig Murray Assanges Erscheinen vor dem Westminster Magistrates Court am 21. Oktober beschrieb.

„Ich war schockiert“, erklärte Frost. „Als Arzt wurde mir plötzlich klar, dass es viel schlimmer war, als ich gedacht hatte, und dass ich etwas tun musste.“

Die Unterzeichner erklären ihre Unterstützung für die Befunde des UN-Sonderberichterstatters für Folter, Nils Melzer. Melzer hatte Assange am 9. Mai in Begleitung von zwei medizinischen Experten im Belmarsh-Gefängnis besucht. Sein Team kam zu dem Schluss, dass der WikiLeaks-Gründer nach fast zehn Jahren von willkürlichem Arrest und staatlicher Verfolgung an den Folgen einer langjährigen „seelischen Folter“ litt.

Am 1. November warnte Melzer, dass es Assange das Leben kosten könnte, wenn er weiterhin Willkür und Misshandlung ausgesetzt ist.

Frost bezeichnete Melzers Intervention als entscheidend. „Er tat furchtlos seine Arbeit und wurde nicht beachtet. Aber er war ein Experte auf seinem Gebiet, und wir respektierten seine Einschätzung. Man spürt es, wenn jemand die Wahrheit sagt.“ (Soll Julian Assange außergerichtlich eliminiert werden?)

 

Der offene Brief wurde von erfahrenen Ärzten aus zahlreichen Ländern unterzeichnet. Sie kommen aus dem Vereinigten Königreich sowie aus Schweden, den USA, Australien, Deutschland, Italien und Sri Lanka. Unter ihnen sind führende Psychiater, klinische Psychologen, Neurologen, Chirurgen und Allgemeinmediziner.

„Ärzte haben die berufliche Pflicht, mutmaßliche Folterungen, von denen sie Kenntnis erlangen, zu melden, wo immer sie auftreten“, schreiben die Unterzeichner. „Diese Berufspflicht gilt absolut und muss unabhängig vom Risiko für die berichtenden Ärzte erfüllt werden.“

In dem Brief ist im Einzelnen aufgeführt, in welcher zeitlichen Abfolge sich die Gesundheit Assanges in der ecuadorianischen Botschaft verschlechterte, weil ihm die britische Regierung wiederholt eine Behandlung im Krankenhaus verweigerte. Im Dezember 2015 stellte die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierung fest, dass „sich der Gesundheitszustand von Herrn Assange derart verschlechtert haben könnte, dass alles, was über eine leichte Erkrankung hinausgeht, seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde“.

Die Chronologie von Assanges Erkrankungen endet mit der aktuellen akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustands in Belmarsh. Die Unterzeichner bekunden ihre „ernsthaften Bedenken“ bezüglich Assanges Fähigkeit, an dem geplanten Prozess im Februar 2020 teilzunehmen. Am 24. Februar 2020 sollen wochenlange Anhörungen über eine Auslieferung an die USA beginnen, obwohl sich Assange momentan nach wie vor auf der Krankenstation des Belmarsh-Gefängnisses befindet, die von den Häftlingen als „Höllenstation“ bezeichnet wird.

In einem Nachtrag zum offenen Brief wird auf ein „Klima der Angst und Einschüchterung im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung von Herrn Assange“ hingewiesen. Ein Experte für Psychologie habe beklagt, „dass es viele Schwierigkeiten gegeben habe, Ärzte zu finden, die bereit waren, Herrn Assange in der Botschaft zu untersuchen“. Die Unterzeichner kommen zu dem Schluss: „Dass sich all dies seit vielen Jahren im Herzen von London abspielt, erfüllt viele von uns mit großer Traurigkeit und Scham.“

Mit ihrem offenen Brief machen die Ärzte klar, dass sie sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Sie nehmen ihre berufliche Pflicht ernst und haben Stellung bezogen, um das Leben von Julian Assange zu schützen.

Erklärungen der Unterzeichner

Dr. Stephen Frost, Spezialist für diagnostische Radiologie (Stockholm, Schweden): „Vorrangig müssen wir das Leben von Julian Assange retten, und dann müssen wir seine Gesundheit schützen, zumindest, soweit dies möglich ist. Dann können wir alle darüber diskutieren, wie es dazu gekommen ist, dass nicht weniger als fünf Staaten – Großbritannien, die USA, Australien, Schweden und Ecuador – sich offenbar bewusst und grausam gegen einen Menschen verschworen haben.

Wir stimmen der Einschätzung von Nils Melzer, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, zu, dass Julian Assange ausgerechnet im Zentrum Londons „seelisch gefoltert“ wurde. Wir überlassen es anderen, genau zu ermitteln, wie und warum dies zugelassen wurde.

Menschen auf der ganzen Welt erwarten, dass das Vereinigte Königreich das Richtige tut, wenn auch mit Verspätung. Wenn die britische Regierung die Warnungen der Ärzte missachtet und ihr derzeitiges rücksichtsloses, gefährliches und grausames Verhalten fortsetzt, werden Menschen aus der ganzen Welt zu Recht fordern, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir sagen, dass eine medizinische Notlage besteht, die beendet werden muss. Es gilt keine Zeit zu verlieren. Die Folter muss JETZT aufhören.“

Dr. Sue Wareham, Allgemeinmedizinerin im Ruhestand mit der Ehrenauszeichnung OAM (Australien): „Julian Assange hat, wie andere Häftlinge auch, ein Recht auf eine angemessene Gesundheitsversorgung, die ihm jedoch – nach den Erkenntnissen mehrerer erfahrener Beobachter – verweigert wird. Das ist völlig inakzeptabel und ein Hohn auf jede Gerechtigkeit oder auf ein ordentliches Verfahren. Es ist unerlässlich, dass seine körperlichen und seelischen Erkrankungen umfassend und rechtzeitig medizinisch behandelt werden.

Viele Australier sind beunruhigt darüber, dass unsere Regierung Julian Assange offenbar im Stich lässt, was angesichts der Verschlechterung seines Gesundheitszustands umso beschämender ist. Es scheint, dass die Regierung mutmaßliche Kriegsverbrechen, zu deren Aufdeckung Assange beigetragen hat, lieber vertuschen als untersuchen möchte.

Vor ein Gericht gehören diejenigen, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden oder die daran beteiligt waren, und nicht diejenigen, die Beweise dafür lieferten. Da die australische und andere Regierungen über die katastrophalen Kriege und andere Schandtaten lügen, an denen sich unsere Nation beteiligt, und die ‚nationale Sicherheit‘ als Standard-Vorwand für staatliche Geheimhaltung vorschieben, verlassen sich einfache Bürger zunehmend auf Whistleblower, um die Wahrheiten zu erfahren, auf die die Öffentlichkeit ein Recht hat. Whistleblower gehören geschützt und nicht bestraft.“

Professor Andrew Samuels, Professor für analytische Psychologie, University of Essex (seit Kurzem im Ruhestand); ehemaliger Vorsitzender des UK Council for Psychotherapy (2009-2012) (UK): „Psychotherapeuten wie ich, die mit Menschen arbeiten, die politisch traumatisiert wurden, wissen sehr gut, dass eine kollektive, staatliche, diffamierende, verletzende, isolierende Schädigung der persönlichen Würde – ebenso wie körperliche Folter – das Selbstvertrauen und das körperliche Wohlbefinden untergraben.

Man stelle sich vor, wie es für Assange ist, zu glauben, dass er von aller Welt als böser Mensch betrachtet wird, der aus der Menschheit ausgestoßen wurde. Allein das Wissen, dass ihm im Gegenteil eine informierte und fundierte Unterstützung und Verständnis von psychologischen Fachkräften und anderen zuteilwird, wirkt an sich schon therapeutisch.“

Dr. Lissa Johnson, klinische Psychologin (Australien): „Die Lage ist so, dass nicht nur die gesundheitlichen Folgen der Haftbedingungen von Assange schwerwiegende Fragen aufwerfen, sondern auch seine gesundheitliche Tauglichkeit, vor Gericht zu stehen und seine Verteidigung in die Hand zu nehmen, infrage steht. Daher ist eine unabhängige fachärztliche Begutachtung erforderlich, um festzustellen, ob Julian Assange gesundheitlich zu diesem anhängigen Gerichtsverfahren fähig ist.

Die britische Regierung muss entsprechend ihrer Verpflichtung auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit die dringende Warnung von medizinischen Fachkräften aus der ganzen Welt beachten und Julian Assange in ein entsprechend spezialisiertes und kompetentes Krankenhaus verlegen, bevor es zu spät ist.

Die Unterzeichner dieses offenen Briefes lassen sich nicht zum Schweigen bringen und beziehen offen Stellung aufseiten der zahlreichen renommierten Vertreter der Medizin und der Menschenrechte, die wiederholt und dringend gefordert haben, die gefährliche medizinische Vernachlässigung von Julian Assange zu beenden.“ (UN-Sonderberichterstatter beklagt Folter: Assange vor Gericht)

Literatur:

Propaganda als Machtinstrument: Fakten, Fakes und Strategien. Eine Gebrauchsanleitung

Bewußtseins- und Gedankenkontrolle

Die Macht um acht: Der Faktor Tagesschau (Neue Kleine Bibliothek)

Die Gefallsüchtigen: Gegen Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik

Video:

Am 15. Oktober hatte der UN-Sonderberichterstatter über Folter öffentlich erklärt, dass Julian Assange von den USA und Großbritannien psychologisch gefoltert wird. Seit Wochen gibt die Bundesregierung vor, keine Kenntnis zu haben.

Quellen: PublicDomain/wsws.org am 26.11.2019

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