Aus toten Böden wird fruchtbare Erde: Eine Familie entdeckt die regenerative Landwirtschaft

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Wie Sie ausgelaugte und nährstoffarme Böden in fruchtbares Ackerland verwandeln. Eine Farmerfamilie entdeckt den wahren Schatz der regenerativen Landwirtschaft.

Gabe Brown hatte nicht vor, die Welt zu verändern, als er in die Landwirtschaft ging. Doch nachdem eine Reihe von Missernten seine Lebensgrundlage bedroht hatte, begann er einschneidende Umstellungen vorzunehmen, die seine Familie und ihn einen verblüffenden neuen Weg erkunden ließen: die regenerative Landwirtschaft.

Das Buch „Aus toten Böden wird fruchtbare Erde“ erzählt eine Geschichte von Verzweiflung und Hoffnung, die Ihnen eine Fülle an revolutionären Lösungen bietet, wie man Boden aufbauen, unsere Ökosysteme heilen und gewinnbringend einen Familienbetrieb führen kann.

Brown ist zur Stimme und zum Gesicht der regenerativen Landwirtschaft auf der ganzen Welt geworden. Er inspiriert eine Bewegung, von der die Zukunft der Landwirtschaft umgestaltet und die Art und Weise verändert wird, wie Bauern, Konsumenten und Politiker über Nachhaltigkeit denken.

Die fünf Säulen der Bodengesundheit

Vom Wunsch getrieben, seinen Hof zu retten, begann Gabe Brown mit neuartigen Methoden zu experimentieren, von denen er gelesen und in Gesprächen mit innovationsfreudigen Forschern und Landwirten erfahren hatte. Während seine Familie und er um den Fortbestand der Farm kämpften, befanden sie sich bereits mitten auf einer fantastischen Reise zu einer neuen Form der Bewirtschaftung.

Brown verzichtete bald auf Herbizide, Insektizide und Kunstdünger, die in der konventionellen Landwirtschaft üblich sind. Er sattelte auf die pfluglose Landwirtschaft um, baute artenreiche Zwischenfruchtmischungen an und änderte seine Weidestrategie. So gelang es ihm, dem degenerierten Ökosystem seiner Farm wieder Leben einzuhauchen – vom erneuerten Boden aus bahnte sich die organismische Vielfalt den Weg nach oben, Pflanze für Pflanze und Tier für Tier – mit nahezu unglaublichen Ernteerfolgen.

In „Aus toten Böden wird fruchtbare Erde“ erzählt Gabe Brown die Geschichte dieser faszinierenden Entdeckungsreise und liefert gleichzeitig eine Fülle an zukunftsweisenden Lösungen für die dringlichste und schwierigste Herausforderung, der sich nicht nur die Landwirte, sondern auch jeder Gartenbesitzer in unserer Zeit stellen muss – die Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit.

»Wenn wir gesund bleiben oder werden möchten, brauchen wir gesunde Nahrung, die auf intakten, nicht auf toten Böden gewachsen ist. Dies ist nur mithilfe der Bodenlebewesen zu erreichen, keinesfalls mithilfe von Herbiziden und Kunstdünger.« (Selbstversorgung aus dem Hausgarten – „Gemeinsam nach vorne säen“)

Vorwort

Ich lernte Gabe Brown 2012 kennen, als ich ihn darum bat, einen Vortrag auf der Konferenz der Quivira Coalition zu halten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: »Wie können wir eine Ernährungsgrundlage für 9 Milliarden Menschen schaffen?« Das Thema war mir ein Jahr zuvor spontan eingefallen, als ich Colin Seis, Schafzüchter aus New South Wales (Australien), einen Besuch abstattete. Zwischen uns hatte sich gerade ein intensives Gespräch über Pasture Cropping entsponnen – eine neue Methode innerhalb der regenerativen Landwirtschaft, die von Colin und seinem Nachbarn Darryl Cluff entwickelt worden war.

Beim Pasture Cropping werden auf derselben Fläche 1-jährige Feldfrüchte und mehrjährige Weidepflanzen gemeinsam kultiviert. Im Verlauf der Unterhaltung wurde mir klar, dass Colins und Darryls Erfindung ein faszinierender Lösungsansatz für diese wachsende Herausforderung war – nämlich die schätzungsweise 9 Milliarden Menschen, die im Jahr 2050 auf unserem Planeten leben werden, auf eine umweltverträgliche Weise zu ernähren.

Pasture Cropping ist eine mögliche Lösung, dasselbe gilt aber auch für andere Methoden der regenerativen Landwirtschaft. Diese Form der Bewirtschaftung zielt nicht nur darauf ab, Nahrungsmittel zu produzieren, sondern ist auch darum bemüht, degenerierte Böden wieder fruchtbar zu machen. Die regenerative Landwirtschaft ist bestrebt, den Gesundheitszustand unserer Böden Schritt für Schritt zu verbessern und bedient sich dabei besonderer Methoden, um die Aktivität der Bodenorganismen zu fördern, den Kohlenstoffkreislauf anzukurbeln, die Vitalität von Pflanzen und Tieren zu steigern sowie die Qualität der Nahrung und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern – jedes einzelne dieser Ziele kann dazu beitragen, sehr viele Menschen mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen.

Zu den Methoden der regenerativen Landwirtschaft zählen Direktsaat, das heißt Verzicht auf Bodenbearbeitung, Anbau vielfältiger Zwischenfrüchte (Mischkultur), mehrgliedrige Fruchtfolge, Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, Einschränkung des Herbizideinsatzes und Vermeidung von Insektiziden und anderen Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie von Kunstdünger. All diese Maßnahmen sind zudem auf die Weidehaltung von Nutztieren abgestimmt. Wie Colin Seis auf seinem Betrieb demonstriert hat, kann sich die regenerative Landwirtschaft als durchaus rentabel erweisen.

Voller Begeisterung stellten wir uns vor, welches Potenzial in dieser Konferenz stecken könnte, und als ich Colin nach weiteren Führungspersönlichkeiten der Bewegung fragte, die als gute Redner infrage kämen, fiel zuallererst der Name »Gabe Brown«.

Wie die Teilnehmer der Quivira-Konferenz erfahren sollten, hatten Gabe und seine Frau Shelly Anfang der 90er-Jahre den Bauernhof ihrer Eltern in der Nähe von Bismarck, North Dakota, erworben und begonnen, auf konventionelle Weise Getreide anzubauen und Fleischrinder zu züchten. Das heißt: Intensive Bodenbearbeitung sowie massiver Einsatz von Herbiziden, Insektiziden und Kunstdünger waren eine Selbstverständlichkeit.

Doch schon 3 Jahre später wagten sie sich in die Grenzbereiche des konventionellen landwirtschaftlichen Produktionsmodells vor, indem sie das Pflügen einstellten, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Treibstoffkosten zu senken. Als in 4 aufeinanderfolgenden Jahren wegen widrigster Wetterbedingungen die Ernte ausblieb, wurde die finanzielle Lage zwar immer hoffnungsloser, es entstanden aber auch die Voraussetzungen, damit die Familie Brown eine unerwartete, mit großen Umwälzungen verbundene Reise antreten konnte, die sie von der industriellen zur regenerativen Landwirtschaft führte.

Mittlerweile bringt ihre über 2000 Hektar große Ranch eine bunte Palette an Feldfrüchten wie Mais und Weizen sowie Zwischenfrüchte hervor und wirft Gewinne ab, wie Gabe seinen Zuhörern erzählte. Während der gesamten Vegetationsperiode baut Gabe Zwischenfrüchte an, um bestimmte Interessen im Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu verfolgen, beispielsweise den Boden zu schützen. Auf der Brown’s Ranch trifft man auf ausschließlich mit Grünfutter aufgezogene Rinder und Lämmer, in Freilandhaltung weidende Legehennen, Masthähnchen, Schweine, Honig, Gemüse und Obst – alle Erzeugnisse werden direkt vermarktet.

Die Missstände, die konventionellen Landwirten das Leben schwer machen, beispielsweise Bodenverdichtung, Winderosion, Überschwemmungen, Krankheiten, Schädlinge, Unkraut, gewaltige Kosten für Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sowie niedrige Ernteerträge, erachtet Gabe als Symptome eines gestörten Ökosystems. Die Produktionsweise der Brown’s Ranch, die sich in 20 Jahren des Experimentierens und Verfeinerns herausgebildet hat, sieht eine Vielzahl an Methoden vor, um der Gefährdung der natürlichen Ressourcen entgegenzuwirken – besonderer Wert wird jedoch darauf gelegt, die Bodenlebewelt wiederherzustellen.

Gabes Vortrag auf der Konferenz der Quivira Coalition erwies sich als so inspirierend und erfolgreich, dass ich ihn 2014 mit seinem Sohn Paul einlud, einen Workshop zu leiten.

Eines der Themen ihres Workshops, das den Teilnehmern die Augen öffnete, war der bewusste Aufbau der Humusschicht. Wie bitte, lässt sich eine Humusschicht tatsächlich aufbauen? Herkömmlichen Ansichten zufolge dauert es Tausende Jahre, bis sich einige Zentimeter Oberboden bilden. Doch wie Gabe bemerkte, war es ihnen auf der Ranch gelungen, etliche Zentimeter Humus in lediglich 20 Jahren dazuzugewinnen, indem man sich die Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft zu eigen gemacht hatte. Sie entdeckten, dass das Zusammenwirken von Bodenmikroorganismen, Mykorrhizapilzen, Regenwürmern, organischem Material, Pflanzenwurzeln, Wasser, Sonnenlicht und »flüssigem Kohlenstoff«, den die Pflanzen mittels Photosynthese erzeugen, einen natürlichen Prozess in Gang setzt, der den verdichteten, nährstoffarmen Schmutz des industriellen Ackerlandes in fruchtbaren, luftigen Boden verwandelt.

Diese Umwandlung ließe sich ganz einfach erklären, erzählten Gabe und Paul im bis zum letzten Platz gefüllten Raum: mit der Kraft, die dem Leben innewohne. Wenn diese Kraft erst einmal entfesselt sei, entwickle sich das Leben unweigerlich weiter und brächte neues Leben hervor.

Es ist wenig überraschend, dass Gabe zu einem beliebten Redner wurde, der auf seinen zahlreichen Reisen für die regenerative Landwirtschaft eintritt. Allein im Winter 2016/2017 hielt er mehr als 100 Vorträge und sprach dabei vor über 23000 Zuhörern; von den 250000 Aufrufen seiner Website, um seine Präsentationen abzurufen, ganz zu schweigen. Sommer für Sommer strömen Hunderte Menschen auf die Brown’s Ranch, und auch die Homepage der Familie wird von unzähligen Interessierten besucht.

In den vergangenen Jahren berief sich eine Reihe von Dokumentarfilmen, die sich mit Nahrungsmitteln und Bodengesundheit beschäftigten, auf Gabe. Wie er glaubt, ist all das ein Beweis dafür, dass die regenerative Landwirtschaft auf immer breiteres Interesse stößt, ob unter Konsumenten oder alternativen Landwirten und sogar unter konventionellen Bauern, die Änderungen herbeiführen möchten.

Alles, was noch fehlte, war ein Buch. Die Autorenbetreuer bei Chelsea Green hatten Gabe dazu ermuntert, seine Erfahrungen zu Papier zu bringen. Er musste jedoch feststellen, dass es praktisch ein Ding der Unmöglichkeit war, ausreichend Zeit für das Projekt zu erübrigen. Ein zufälliges Gespräch mit Fern Marshall Bradley, Cheflektor bei Chelsea Green, sollte mich ins Spiel bringen.

Wir stimmten darin überein, dass ein Buch von Gabe ein wertvoller Beitrag wäre, um die Anliegen der regenerativen Landwirtschaft zu verdeutlichen. Und so fragte ich, ob ich auf irgendeine Weise dabei helfen könne, das Buch zu realisieren. Gabe war bereit, mit mir zusammenzuarbeiten, und so machten wir uns einige Monate später an die Arbeit. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, am Stil zu feilen. Ich fühlte mich geehrt, an diesem Projekt beteiligt zu sein, und bin heute noch genauso begeistert von den Leistungen der Familie Brown wie damals, als ich sie kennenlernen durfte.

In diesem Zeitalter extremer gesellschaftlicher Spaltung, der virtuellen Realitäten und der Missachtung von Tatsachen führt uns die Brown’s Ranch vor, dass es etwas gibt, das uns vereint – der Bedarf an intakten Böden. Nichts ist weniger virtuell als der Anbau von Nahrungsmitteln. Pixel kann man nicht essen. Unser Körper benötigt eine natürliche Ernährung, was bedeutet, dass wir die Landwirtschaft brauchen, die wieder- um auf Böden angewiesen ist. Wenn wir gesund bleiben oder werden möchten, brauchen wir gesunde Nahrung, die auf intakten, nicht auf toten Böden gewachsen ist.

Dies ist nur mithilfe der Bodenlebewesen zu erreichen, keinesfalls mithilfe von Herbiziden und Kunstdünger. Wenn wir nicht nur Gegensätze verbinden und stressresistent sein wollen, sondern auch unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen möchten, dann sollten wir schleunigst auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und uns von dort aus hinaufarbeiten: Pflanze um Pflanze und Tier um Tier.

Wie die Familie Brown beweist, ist dies möglich, sofern wir uns dazu entschließen.

Die beste Lehrerin

Unser Leben hängt von der Qualität des Bodens ab. Das Wissen um diese Wahrheit ist heute so tief in mir verwurzelt, dass ich kaum glauben kann, wie vieler Maßnahmen ich mich als junger Landwirt bediente, um dem Boden Schaden zuzufügen. Ich wusste es einfach nicht besser. Auf dem College wurde mir alles beigebracht, was es über das gängige, auf Massenproduktion ausgerichtete Bewirtschaftungssystem zu wissen gab.

Dieses System fußt auf den Ergebnissen einer reduktionistischen Wissenschaft, nicht darauf, wie reale Ökosysteme funktionieren. Die Geschichte der Brown’s Ranch handelt von der Umwandlung eines schwer angeschlagenen, kaum gewinnbringenden Betriebes, der dem industriellen Produktionsmodell entsprechend bewirtschaftet wurde, in ein intaktes, gewinnträchtiges landwirtschaftliches Unternehmen.

Auf unserer Reise wurden wir vor viele Herausforderungen ge- stellt; der Versuch war unser treuer Begleiter. Als fast genauso treu erwies sich der Irrtum, doch machte er gerne Platz für die Erfolge, die sich allmählich einstellten. Viele Lehrer durfte ich auf meiner Reise kennenlernen, darunter andere Landwirte, Forscher, Ökologen und nicht zuletzt meine Familie. Doch die beste Lehrerin von allen ist die Natur.

Die meisten Entscheidungen, die ich treffe, wenn ich meinen tagtäglichen Aufgaben auf meiner Farm nachgehe, stehen im Zeichen der Bodenregeneration und des Bodenschutzes. Dabei befolge ich fünf Prinzipien, die im Laufe der Zeitalter von der Natur hervorgebracht worden sind. Sie sind auf der ganzen Welt dieselben und haben überall dort Gültigkeit, wo die Sonne scheint und Pflanzen leben. Alle Gärtner und Landwirte dieser Welt, die diese Prinzipien anwenden, tun dies, um auch wirklich fruchtbaren, tiefgründigen Boden zu erhalten und die Wasserkreisläufe zu verbessern.

Die fünf Prinzipien der Bodengesundheit lauten:

1. Entlastung des Bodens: Reduzieren Sie die mechanische, chemische und physikalische Störung des Bodens. Bodenbearbeitung zerstört die Bodenstruktur. Sie nimmt das »Haus« immer wieder auseinander, welches die Natur errichtet, um das Edaphon (die Gesamtheit der im Boden lebenden Organismen) zu schützen, das für die natürliche Bodenfruchtbarkeit sorgt. Zur Bodenstruktur zählen Bodenkrümel und Poren (Hohlräume, die ein Versickern des Wassers ermöglichen). Bodenbearbeitung führt zu Bodenerosion, also zur Verschwendung einer wertvollen natürlichen Ressource. Kunstdünger, Herbizide, Insektizide und Fungizide wirken sich ebenfalls ausnahmslos negativ auf das Bodenleben aus.

2. Schutz der Erdoberfläche: Sorgen Sie dafür, dass der Boden stets bedeckt ist. Dabei handelt es sich um eine sehr wichtige Maßnahme, wenn man die Bodengesundheit wiederherstellen möchte. Unbedeckter Boden darf als Anomalie gelten – die Natur ist stets darum bemüht, den Boden bedeckt zu halten.

Wenn wir für eine natürliche »Panzerung« sorgen, schützen wir den Boden vor Erosion durch Wind und Wasser und sorgen gleichzeitig dafür, dass die größeren Lebewesen des Bodens und die Mikroorganismen mit Nahrung versorgt werden. Auch wirken wir so der Verdunstung von wertvollem Wasser und der Keimung von Unkrautsamen entgegen.

3. Erzeugung von Vielfalt: Streben Sie nach Vielfalt, das gilt sowohl für Pflanzen- als auch für Tierarten. Wo trifft man in der Natur auf Monokulturen? Nur dort, wo der Mensch sie hinge- stellt hat! Wenn ich meinen Blick über die naturbelassene Prärie schweifen lasse, fällt mir zuerst die unermessliche Vielfalt ins Auge. Gräser, andere krautige Pflanzen und Sträucher leben und gedeihen hier in gegenseitiger Harmonie. Stellen Sie sich vor, was jede dieser Arten zu bieten hat. Einige verfügen über flache Wurzeln, manche über tiefgründige, die einen über faserige Wurzelsysteme, die anderen über Pfahlwurzeln. Manche Pflanzen enthalten mehr Kohlenstoff, andere weniger, beispielsweise Leguminosen. Jede einzelne unter ihnen ist wichtig für die Bewahrung der Bodengesundheit. Die Vielfalt wirkt darauf hin, dass das Ökosystem seine natürlichen Aufgaben wahrnehmen kann.

4. Durchwurzelung des Bodens: Sorgen Sie dafür, dass sich Jahr für Jahr so lange wie nur möglich lebende Wurzeln im Boden befinden. Sie müssen nur einen Spaziergang im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze machen und werden beobachten können, dass sich die ersten Pflanzen ihren Weg durch den letzten Schnee bahnen. Wenn Sie dieselbe Route im späten Herbst oder frühen Winter beschreiten, werden Sie feststellen, dass manche Pflanzen noch immer grün sind und somit auch noch

so spät im Jahr über lebende Wurzeln verfügen. Diese aktiven Wurzeln ernähren die Bodenlebewesen, indem sie ihnen ihre Nahrungsquelle schlechthin bereitstellen: den Kohlenstoff. Die Bodenorganismen wiederum kurbeln die Nährstoffkreisläufe an, von denen die Pflanzen profitieren. In meiner Heimat im zentralen North Dakota treten die letzten Frühlingsfröste ungefähr Mitte Mai auf und die ersten Herbstfröste Mitte September. Einst habe ich geglaubt, dass diese 120 Tage die gesamte Vegetationszeit umfassten, die mir für den Anbau meiner Kulturen zur Verfügung stünde. Wie man sich irren kann. Jeden Herbst bauen wir nun 2-jährige Pflanzen an, die bis in den frühen Winter wachsen. Im Vorfrühling beenden sie ihre Winterruhe und führen den Bodenorganismen zu einer Zeit im Jahr Nahrung zu, in der das Ackerland früher brachlag.

5. Einbindung von Tieren: Ohne Tiere geht in der Natur gar nichts, so einfach ist das. Es hat viele Vorteile, Tiere in die land- wirtschaftlichen Prozesse einzubeziehen. Zu den größten Vorzügen zählt, dass die Beweidung die Pflanzen dazu stimuliert, mehr Kohlenstoff in den Boden zu befördern. Dadurch, dass die Bodenlebewesen Nahrung erhalten, werden die Stoffkreisläufe angeregt. Natürlich wirkt das auch effektiv dem Klimawandel entgegen, weil der Atmosphäre verstärkt Kohlenstoff entnommen wird, der in der Folge in den Boden gelangt. Wenn Sie auf Ihrem Bauernhof ein gesundes, funktionstüchtiges Ökosystem hervorbringen möchten, müssen Sie nicht nur einen Lebensraum für Ihre Nutztiere zur Verfügung stellen, sondern auch Habitate für Bestäuber, räuberische Insekten, Regenwürmer und Mikroorganismen. Die Vielfalt an Mikroorganismen ist wichtig, denn sie stellt sicher, dass dieses Ökosystem seine Auf- gaben auch erfüllen kann.

Auf diese fünf Prinzipien werde ich im weiteren Verlauf immer wieder zu sprechen kommen. Ihrer Bedeutung ist sogar ein eigenes, ausführliches Kapitel gewidmet (Kapitel 7). Sie durchdringen alle Tätigkeiten, die ich auf meiner Ranch verrichte. Ich hoffe, dass Sie diese Prinzipien nicht nur im Schlaf aufsagen können, wenn Sie das vorliegende Buch zu Ende gelesen haben, sondern auch, dass Sie selbst Nutzen daraus ziehen möchten, um Ihr Ökosystem zu regenerieren…

Literatur:

Frisches Gartengemüse auch im Winter: Anbau und Ernte 40 ausgewählter Kulturen

Der Selbstversorger: Mein Gartenjahr: Säen, pflanzen, ernten. Inkl. DVD und App zur Gartenpraxis: Storl zeigt, wie’s geht! (GU Garten Extra)

Meine kleine Farm: Anleitung für Selbstversorger

Quellen: PublicDomain/Kopp Verlag am 21.11.2020

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One thought on “Aus toten Böden wird fruchtbare Erde: Eine Familie entdeckt die regenerative Landwirtschaft

  1. … hab’ mal irgendwo gehört, daß man statt Pestiziden den Acker auch mit einem Laser bestrahlen kann, der vorher durch die toten Überreste eines Schädlings ging, woraufhin die Käferschar das Weite suchte… einen Laserpointer gibts für 5€, eine nervenstarke Person besorgt es dem Käfer. 😉

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