Obwohl Visa und MasterCard ihren Betrieb in Russland eingestellt haben, nutzen die Russen weiterhin das Zahlungssystem der Zentralbank, das die sofortige und provisionsfreie Überweisung beliebiger Geldbeträge nur mit der Handynummer als Identifikation ermöglicht.
Russlands Hauptstädte sind den europäischen Metropolen bei Zahlungen mit QR-Code und Gesichtserkennung inzwischen voraus und das mobile Internet in Russland bleibt das billigste und schnellste in Europa.
Lebensmittelgeschäfte bieten das gleiche Warensortiment wie vor dem Krieg, darunter französischen Wein und italienische Delikatessen. Außerdem ist die Lieferung von Lebensmitteln und Waren an die Haustür durch autonome Bots Alltag.
(Geben Sie bei YouTube mal „Russian Supermarket“ ein, dann finden Sie unzählige Videos auch auf Englisch, die zeigen, wie russische Supermärkte – auch auf „dem platten Land“ – ausgestattet sind)
Natürlich sind die Auswirkungen des Krieges in den wohlhabendsten Gegenden Russlands noch immer spürbar. So haben die massive Auswanderung von 2022 und die wachsende Zahl der zum Militärdienst mobilisierten Menschen zu einem Mangel an Arbeitskräften geführt.
Doch weder in Moskau noch in St. Petersburg ist die Zahl der in den Krieg geschickten Soldaten allzu hoch, da sich die Stadtbewohner selbst durch Rekordprämien für Freiwillige nicht verführen lassen. Gleichzeitig treibt die boomende Nachfrage die Löhne in die Höhe.
(Das habe ich immer wieder berichtet: Die Löhne in Russland steigen stark, die Kaufkraft wächst, den Menschen geht es wirtschaftlich heute besser als vor 2022)


Mehr noch, die Stellenangebote waren in den letzten Monaten so verlockend, dass viele Russen, die das Land zu Beginn des Krieges verlassen haben, nun zurückkehren, nachdem es ihnen nicht gelungen war, sich in die europäischen Gesellschaften zu integrieren.
Westliche Berühmtheiten wie der Entwicklungsökonom Jeffrey Sachs sind sogar die Stars glamouröser internationaler Veranstaltungen wie des jüngsten BRICS Urban Future Forum, das Dutzende Bürgermeister großer Städte aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten anzog. (Laut russischen Angaben ist die Mehrheit derer, die Russland 2022 verlassen haben, inzwischen zurückgekehrt.
Und viele von denen sind aus dem Westen sehr desillusioniert nach Hause gekommen, weil sie erleben mussten, dass das Leben im Westen entgegen den auch in Russland üblichen Klischees inzwischen schlechter ist als in Russland)
Natürlich waren die russischen Metropolen schon immer anders als der Rest des Landes. Aber heutzutage kann man ihre Entwicklung beobachten, um zu verstehen, warum die Russen es schaffen, wohlhabender zu werden, während ihr Land mit seinem nächsten Nachbarn im Krieg ist.
Wie ich vor 15 Jahren in Le Monde argumentierte, wurde die russische postkommunistische Gesellschaft extrem individualisiert und konzentrierte sich, wie der verstorbene polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman zu sagen pflegte, auf persönliche Lösungen systemischer Widersprüche.
Diese Menschen sind nicht so sehr beunruhigt, sondern eher erfreut über den Exodus der liberalen Russen, und sie begrüßen die positiven wirtschaftlichen Veränderungen, die sie in ihrem täglichen Leben erleben.

(Das habe ich von sehr vielen Russen gehört: Sie haben sich darüber, dass die vom westlichen Liberalismus „Infizierten“ in den Westen gegangen sind, sehr gefreut und sich gewünscht, dass die gerne im Westen bleiben sollen, anstatt in Russland den Unsinn von Political Correctness, Wokeness, Gender, LGBT und was da sonst noch alles propagiert wird, zu verbreiten)
Dieser wirtschaftliche Fortschritt, der teilweise durch die Konfrontationspolitik des Westens verursacht wurde, hat die Anti-Putin-Stimmung im Land viel stärker untergraben als jeder andere Faktor.
Bislang überwiegt er die Einschränkung der politischen Freiheiten im Land in den letzten Jahren, denn diese Freiheiten werden von wenigen beansprucht, aber der wirtschaftliche Wohlstand ist für alle spürbar.
(Kein pro-westlicher Propagandist kann einen Artikel schreiben, ohne zu behaupten, dass die politischen Freiheiten in Russland eingeschränkt seien. Allerdings lebt dieser Autor von The Hill in Moskau und darf von dort auch weiterhin seine pro-westlichen Artikel schreiben, ohne deshalb in Russland etwas befürchten zu müssen)
Der Versuch des Westens, Russland seit 2022 wirtschaftlich zu untergraben, hat also, zumindest bisher, das gegenteilige Ergebnis hervorgebracht. (Dem ist nichts hinzuzufügen)
Ende der Übersetzung
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Quellen: PublicDomain/anti-spiegel.ru am 05.10.2024
