
Was sich derzeit im Nahen Osten abspielt, lässt selbst hartgesottene Geopolitik-Beobachter erschaudern. Russland hat in einer dramatischen Stellungnahme vor nichts Geringerem als dem Ausbruch eines Dritten Weltkriegs gewarnt und fordert eine sofortige Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Lage eskaliert in einem Tempo, das an die dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts erinnert.
Russland schlägt Alarm – und trifft damit einen Nerv
Nach den gemeinsamen US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran hat das russische Außenministerium ein sofortiges Ende der militärischen Operationen gefordert. Die Situation müsse, so die Erklärung aus Moskau, „auf den Weg einer politischen und diplomatischen Lösung zurückgeführt werden“.
Man sei bereit, Bemühungen um friedliche Lösungen auf der Grundlage des Völkerrechts und gegenseitigen Respekts zu unterstützen. Klingt diplomatisch. Doch hinter den wohlgesetzten Worten verbirgt sich blankes Entsetzen über eine Eskalationsspirale, die niemand mehr kontrollieren kann.
Leonid Slutsky, Vorsitzender des Internationalen Ausschusses der russischen Staatsduma, wurde deutlich konkreter. Er bezeichnete den Angriff als vorsätzliche Aggression mit „äußerst negativen Folgen für die gesamte Region“ und forderte die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Sein Kernsatz dürfte in den Geschichtsbüchern nachhallen:
„Die Weltgemeinschaft muss ein Szenario verhindern, das den Ausbruch eines dritten Weltkriegs riskieren könnte.“
Wer solche Worte als bloße Propaganda abtut, verkennt den Ernst der Lage. Denn auch Peking teilt diese Einschätzung – und das sollte jeden aufhorchen lassen. (Die Prophezeiungen von Alois Irlmaier: Bereits erfüllte Vorzeichen des Dritten Weltkriegs)

Peking sieht den Beginn eines umfassenden Konflikts
Sun Degang, Direktor des Zentrums für Nahoststudien an der renommierten Fudan-Universität in Shanghai, erklärte gegenüber der staatlichen Zeitung China Daily, der israelisch-amerikanische Angriff könne den Beginn eines umfassenden Konflikts markieren.
Besonders brisant: Der Iran habe diesmal eine deutlich größere Entschlossenheit zur Vergeltung als in der Vergangenheit. Eine Mobilisierung sämtlicher militärischer Kapazitäten sei wahrscheinlich.
Tatsächlich hat der Iran bereits reagiert. Rauch stieg über Manama in Bahrain auf, nachdem Teheran als Vergeltung einen Raketenangriff auf das Hauptquartier der US-Marine-5. Flotte durchführte.
Ein Angriff auf eine amerikanische Militärbasis – das ist eine völlig neue Qualität der Eskalation. Hier wird nicht mehr mit Proxys gekämpft, hier stehen sich Großmächte direkt gegenüber.
Teheran hat vorgesorgt
Bemerkenswert ist die Analyse des chinesischen Experten zur inneren Stabilität des Iran. Demnach habe das Regime unter Oberster Führer Ali Khamenei umfassende Notfallpläne entwickelt – einschließlich Regelungen für eine kollektive Führung und designierte Nachfolger im Krisenfall.
Die Vorbereitungen seien deutlich umfangreicher als im Vorjahr, was darauf hindeute, dass Führungs-, Kontroll-, Geheimdienst- und Verteidigungssysteme kurzfristig nicht wesentlich beeinträchtigt würden. Ein Regime Change, wie ihn Washington und Jerusalem offenbar anstreben, dürfte damit erheblich schwieriger werden als erhofft.

Russland und China stehen militärisch an Irans Seite
Was die Situation zusätzlich explosiv macht: Sowohl Russland als auch China unterstützen den Iran nicht nur diplomatisch, sondern auch militärisch. Luftabwehrsysteme, Radartechnologie und Satellitenaufklärung sollen bereits geliefert worden sein. Wie effektiv diese Unterstützung im Ernstfall tatsächlich ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Doch allein die Tatsache, dass die beiden größten geopolitischen Rivalen der USA offen auf der Seite Teherans stehen, verwandelt einen regionalen Konflikt in ein globales Pulverfass.
Man muss kein Militärstratege sein, um zu erkennen, wohin diese Entwicklung führen könnte. Die Staaten des Nahen Ostens – insbesondere die an den Iran angrenzenden – priorisieren zwar ihre eigene Stabilität und zögern, in den Konflikt hineingezogen zu werden. Doch wie lange kann diese Zurückhaltung angesichts von Raketenangriffen auf US-Militärbasen in der Region noch Bestand haben?
So reagieren deutsche Politiker auf den Iran-Angriff
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Der israelisch-amerikanische Angriff auf den Iran hat auch in Deutschland vielfältige Reaktionen ausgelöst. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter etwa lobte den Angriff:
„Der sorgfältig geplante Militärschlag hat eine klare Berechtigung“, schrieb der stellvertretende außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion auf dem Kurznachrichtendienst X. Laut dem Politiker hintergehe Teheran das Atomabkommen, strebe nach der Atombombe und wolle Israel vernichten.

Hinzu käme der „Terror des Mullah-Regimes“ gegen das eigene Volk. „Ein Systemwechsel ist auch in unserem Interesse.“
Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour (Grüne) betonte, in diesen Stunden seien seine Gedanken „bei den Menschen in Iran, bei all jenen, die sich angesichts von ständiger Angst, Unterdrückung und wirtschaftlicher Not nichts sehnlicher wünschen als einfach nur Freiheit“.
Bereits am Freitag hatte er in einem Interview mit dem Nachrichtenportal T-Online gefordert, den Druck auf Teheran zu erhöhen und dessen islamistische Führung zu isolieren.
Linke und BSW bezeichnen den Angriff als Völkerrechtsbruch
Linkspartei-Chefin Ines Schwerdtner kritisierte dagegen den Militärschlag. „Die Angriffe Israels und der USA auf den Iran sind völkerrechtswidrig“, schrieb sie auf X.
Sie erfolgten demnach „inmitten von Verhandlungen“ und stürzten die ganze Region „in den Krieg und die Eskalation“. Darunter litten „die Menschen, die gerade erst gegen Folter und Hinrichtung des Regimes protestierten“. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner sprach von einer „besorgniserregenden Entwicklung im Nahen Osten“.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht bezeichnete den Angriff als „schweren Völkerrechtsbruch“. „Völkerrechtsbruch und droht die ganze Region ins Chaos zu stürzen.
Offenkundig geht es den USA nicht um Demokratie, sondern um einen geopolitisch motivierten Regime-Change“, schrieb sie. Die Bundesregierung müsse den Militärschlag klar verurteilen, alles andere „wäre Doppelmoral und völlig unverantwortlich“.
AfD warnt vor „möglichen Flüchtlingsbewegungen“
Der AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Markus Frohnmaier betonte, ein Iran ohne das „Mullah-Regime“ wäre „ein Gewinn“ für die Menschen. Gleichwohl warnte der außenpolitische Fraktionssprecher vor einer militärischen Eskalation, die das Land in einen „Bürgerkrieg“ stürzen könne.

„Viele Iraner wünschen sich keine Intervention von außen, sondern wollen die Herrschaft der Mullahs aus eigener Kraft überwinden.“
Der außenpolitische Sprecher forderte die Bundesregierung dazu auf, „alle notwendigen Vorkehrungen“ zur Anschlagvorbeugung zu treffen und dafür zu sorgen, daß „mögliche Flüchtlingsbewegungen“ nicht zu einer „unkontrollierten Migration“ nach Deutschland führten.
AfD-Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla riefen unterdessen alle Kriegsseiten zur Zurückhaltung auf. „Das Völkerrecht sowie das humanitäre Völkerrecht müssen uneingeschränkt eingehalten werden. Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muß beendet werden.“
Die Geschichte lehrt uns, dass große Kriege selten geplant beginnen. Sie entstehen durch Fehlkalkulationen, durch Eskalationsspiralen, die niemand mehr aufhalten kann, durch das fatale Zusammenspiel von Bündnisverpflichtungen und nationalem Prestige.

Die Parallelen zum Sommer 1914 sind beunruhigend. Damals wie heute glaubte jede Seite, die Situation unter Kontrolle zu haben. Damals wie heute irrten sie sich.
Für den deutschen Bürger bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Unsicherheit. Unsicherheit an den Finanzmärkten, Unsicherheit bei der Energieversorgung, Unsicherheit über die Zukunft der globalen Ordnung.
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Quellen: PublicDomain/kettner-edelmetalle.de/JUNGE FREIHEIT am 01.03.2026
