
Spielzeug zu horrenden Preisen mit dubiosen Beschreibungen: Derzeit sorgen Anzeigen auf der Secondhand-Plattform Vinted für Aufregung.
„Weibliche Dinosaurierfigur. Neugeborenes, 9.000 Euro, Figur in sehr gutem Zustand, unbenutzt, vor einem Jahr gekauft.“
„Vier Kuscheltiere. Frühchen. 12.500 Euro. Sortiert nach Alter.“
Anzeigen wie diese sind in den vergangenen Tagen immer wieder auf der Secondhand-Plattform Vinted aufgetaucht – und sorgen für große Aufregung.
In den sozialen Medien gehen die Wogen hoch, auch unter Teenagern sind diese Inserate derzeit das Gesprächsthema Nr. 1. Hinter den dubiosen Inseraten sollen zum Verkauf angebotene Kinder stecken, viele vermuten dahinter einen Ring von Menschenhändlern.
So schnell die Inserate veröffentlicht werden, so schnell verschwinden sie auch wieder von der Bildfläche – und neue in dieser Form tauchen auf. Wenn besorgte Nutzerinnen und Nutzer die Inhalte melden, also Vinted auffordern, die Inhalte zu überprüfen, lautet die Antwort in vielen Fällen:
„Unserer Meinung nach gibt es keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass xxx gegen unsere Community-Richtlinien verstößt. Wir sind uns bewusst, dass diese Entscheidung vielleicht nicht ganz deinen Erwartungen entspricht. Du hast aber die Möglichkeit, xxx zu blockieren.“

Die Polizei ermittelt
Das geht vielen, die in den Foren kommentieren, zu wenig weit. Sie schlagen vor, dass die Polizei ermitteln und eingreifen solle. Das passiert mittlerweile, etwa in Deutschland. So sind unter anderem die Polizei Berlin, die Polizei Konstanz oder das Hessische Landeskriminalamt mit der Thematik befasst. (Musk fordert nach Massen-Missbrauch „Nürnberger Prozesse“ und „Hinrichtung“ für britische Pädophilenringe)

„Könnten Fake-Anzeigen sein“
Die Behörden zeigen in einem Statement Verständnis für die Ängste und Reaktionen bei einem so emotionalen Thema, warnen aber davor, Gerüchte zu verbreiten:
„Nach aktuellen Erkenntnissen deutet vieles darauf hin, dass es sich hierbei um Fake-Anzeigen handelt.“ Dennoch gelte: Die Polizei lasse in solchen sensiblen Bereichen keinerlei Spielraum für Spekulationen.
Die Texte zu den Fotos sind verstörend.
Hinweise werden geprüft, um jegliche Gefahr oder Straftat auszuschließen.
Mit Verspätung reagiert auch die Online-Plattform selbst.
„Kein Beweis für Kinderhandel“
Aus der Vinted-Zentrale heißt es: „Wir nehmen dieses Thema extrem ernst und fordern jeden, der auf eine solche Anzeige stößt, dazu auf, diese sofort zu melden, damit wir sie prüfen und Maßnahmen ergreifen können.
Es gibt zudem wichtige, oft verwirrende Unterschiede zwischen den aktuell kursierenden, bewusst verstörenden Anzeigen, einer verwirrend unüberlegten Anzeige oder konkreten Beweisen für Kinderhandel – und Letztere liegen hier nicht vor. Ein unabhängiger aktueller Faktencheck kam zum selben Ergebnis.“
Vinted schreibt auf Anfrage, dass das Unternehmen keinerlei Beweise gefunden habe, die diese Angebote mit Kinderhandel in Verbindung bringen.

„Bei einigen Angeboten bezieht sich die Altersangabe auf die Zielgruppe, für die das Spielzeug gedacht ist – ganz ähnlich wie die Alterskennzeichnung auf der Verpackung eines Spielzeugs – und nicht auf ein Kind“, so Vinted.Die Altersangabe werde über alle Kategorien hinweg genutzt, nicht nur bei Kleidung, teilt das Unternehmen mit. Die hohen Preise spiegelten in einigen Fällen entweder einen realen Sammlerwert oder Verhandlungstaktiken wider.
„In anderen Fällen handelt es sich leider schlicht um Trolling und gezielte Falschmeldungen, die darauf ausgelegt sind, viral zu gehen.“ Bei verdächtigen Anzeigen greife Vinted ein, „sowohl durch unsere eigenen Erkennungstools als auch durch Meldungen unserer Mitglieder“.
Ob es sich bei den kursierenden Screenshots der vermeintlichen Anzeigen möglicherweise um Fakes handelt, lässt sich nicht endgültig belegen. Eine Suche auf der Plattform gezielt nach Kinderspielzeug für mehrere Tausend Euro stimmt nicht mit den Objekten überein, die auf den Screenshots viraler Postings zu sehen sind. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie nicht echt sein können.

Denkbar ist beispielsweise, dass sie in der Zwischenzeit gelöscht worden sind – vom Nutzer selbst oder der Plattform.
Auch die Polizei Hessen teilt mit, dass derzeit nicht abschließend bewertet werden kann, ob sämtliche kursierende Screenshots authentische Inserate auf der Plattform Vinted zeigen. Auch könnten keine Angaben zur Anzahl konkret überprüfter Anzeigen oder Accounts derzeit gemacht werden.
Virale Vinted-Anzeigen lösen französische Ermittlungen wegen Kinderhandelsvorwürfen aus
Hinter den viralen Angeboten für Plüschtiere, die eine polizeiliche Untersuchung, Panik auf TikTok und eine heftige Debatte darüber auslösten, ob die Vorwürfe des Menschenhandels auf Vinted real sind, verbirgt sich etwas.
In einer weit verbreiteten Anzeige wurde ein Stofftier für 4.200 € angeboten, begleitet von der Beschreibung: „12 Jahre / 152. Neu, mit Etikett… Vor wenigen Sekunden hochgeladen.“
https://www.tiktok.com/@child_of_the_moon0/photo/7655029171546098966?is_from_webapp=1&sender_device=pc
Laut El Mundo America hat die Polizei die Einträge an PHAROS, Frankreichs nationale Plattform zur Meldung illegaler Online-Inhalte, weitergeleitet, um zu prüfen, ob strafbare Handlungen vorliegen.
Die Ermittlungen finden vor dem Hintergrund zunehmender Online-Diskussionen statt, in denen TikTok-Nutzer die Einträge analysieren und andere dazu aufrufen, verdächtige Beiträge zu melden, anstatt sie einfach zu teilen.
Die Situation weckt auch Erinnerungen an einen der berüchtigtsten Internet-Skandale um einen Online-Marktplatz. 2020 geriet Wayfair ins Zentrum einer viralen Verschwörungstheorie, die behauptete, das Unternehmen würde heimlich Kinderhandel betreiben – durch den Verkauf von sündhaft teuren Aufbewahrungsschränken und Kissen, die die Vornamen vermisster Kinder trugen.

Faktenchecker mahnen die Öffentlichkeit außerdem dazu, im Fall Vinted keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Die Faktencheck-Organisation Mimikama merkte an, dass es unwahrscheinlich sei, dass „kriminelle Organisationen eine Anzeige auf einer großen Gebrauchtwarenplattform schalten würden, da dies extrem riskant wäre“.
Gleichzeitig räumen Experten ein, dass Online-Marktplätze auch auf andere Weise missbraucht werden können. Wie Mimikama erklärte, können digitale Plattformen „missbraucht werden, um Kontakte herzustellen, Betrug zu begehen oder verdeckt zu kommunizieren“, weshalb es angebracht sei, dass die Behörden verdächtige Aktivitäten untersuchen, ohne dabei unbegründete Schlussfolgerungen zu ziehen.
In einer Stellungnahme gegenüber The Tab erklärte der Kommunikationsmanager von Vinted: „Wir haben die aktuell online geteilten Angebote eingehend geprüft und keine glaubwürdigen Hinweise auf einen Zusammenhang mit Kinderhandel gefunden.
Zu diesem Schluss kam auch eine unabhängige Überprüfung ähnlicher Behauptungen. Sollten diese Angebote absichtlich gefälscht sein, um diese Diskussion anzuheizen, entfernen wir sie umgehend und ergreifen Maßnahmen gegen die entsprechenden Konten, bis hin zur Sperrung.“

Vinted, eine der weltweit größten Peer-to-Peer-Wiederverkaufs-Apps, ermöglicht es Nutzern, gebrauchte Kleidung, Schuhe, Accessoires, Elektronik und Haushaltswaren zu kaufen und zu verkaufen. Integrierte Zahlungs-, Versand- und Direktnachrichtenfunktionen stehen zur Verfügung.
Quellen: PublicDomain/complex.com am 27.06.2026
