🇩🇪 🇷🇺 Wie Baerbock und Liz Truss: Warum Wadephul sich beim Treffen mit Lawrow blamiert hat

Außenminister Wadephul hat während der UN-Generalversammlung überraschend um ein Treffen mit dem russischen Außenminister Lawrow gebeten, das dieser gewährt hat. Allerdings hat Wadephul dann nichts gesagt, was man nicht ohnehin in den Medien hört. Wozu so ein Treffen? Von Thomas Röper

In New York fand die UN-Generalversammlung statt und der deutsche Außenminister Wadephul hat bei der Gelegenheit überraschend um ein Treffen mit dem russischen Außenminister Lawrow gebeten. Lawrow hat das Treffen gewährt und damit haben zum ersten Mal seit Anfang 2022 wieder ein russischer und ein deutscher Außenminister miteinander gesprochen.

Wadephul hat sich dabei jedoch in wahrsten Sinne des Wortes “zur Baerbock” gemacht, was deutlich wird, wenn man sich an das Treffen von Baerbock mit Lawrow erinnert.

Die „Koryphäen“ der westlichen Außenpolitik

Bei dem letzten Treffen eines russischen mit einem deutschen Außenminister im Januar 2022 hat die deutsche Außenministerin Baerbock in Moskau einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Öffentlichkeit ist ihr Besuch vor allem deshalb im Gedächtnis geblieben, weil sie bei dem Pressetermin in Moskau nach der ausufernden Zensur in Deutschland gefragt wurde und darauf antwortete, die „Fressefreiheit“ sei in Deutschland gegeben.

Was damals genau hinter den Kulissen passiert ist, ist nicht bekannt, aber wer, wie ich, die Gelegenheit hatte, mit führenden Mitarbeitern des russischen Außenministeriums zu sprechen, der hat erlebt, dass die Liste der Witze über Baerbock dort sehr lang ist. Die Dame scheint ihre intellektuellen Fähigkeiten bei ihrem Moskau-Besuch hinlänglich präsentiert zu haben.

Gleiches gilt für Liz Truss, die damals britische Außenministerin war und Lawrow im Februar 2022, nur zwei Wochen nach Baerbock besucht hat. Die war auf das Treffen mit Lawrow so schlecht vorbereitet, dass sie von der britischen Botschafterin unterbrochen und korrigiert werden musste, weil sie so einen Unsinn erzählte.

Was diese beiden „Koryphäen“ der westlichen Außenpolitik außerdem noch verbindet, war die Tatsache, dass keine der beiden Damen zu den Gesprächen mit Lawrow etwas mitgebracht hatte, was sie nicht ohnehin täglich in den Medien verkündet haben.

Genau das ist das Problem: Außenminister treffen sich, um hinter verschlossenen Türen offener zu reden, als vor der Presse. Welchen Sinn machen Treffen von Außenministern, wenn diese dabei nur herunterbeten, was der Gesprächspartner ohnehin seit Wochen, Monaten oder Jahren in den Zeitungen lesen kann?

Und genau in diese Tradition hat sich Wadephul nun eingereiht und gezeigt, dass er intellektuell in einer Reihe mit Baerbock und Truss steht, denn bei dem kurzen Treffen mit Lawrow, um das Wadephul gebeten hatte, hat der nicht einmal frei gesprochen oder über etwas verhandelt, sondern stattdessen einen Zettel hervorgeholt, von dem er eine vorbereitete Erklärung abgelesen hat, in der er die üblichen Vorwürfe gegen Russland wiederholte, die er ohnehin jeden Tag vor den Kameras der Medien herunterbetet.

Wadephul bleibt der Tradition treu

Die Erwartungshaltung an das Treffen dürfte bei Lawrow ohnehin gering gewesen sein, denn Wadephul hat ja bereits, als er sich unbeobachtet glaubte, erklärt, Russland sei und bleibe immer der Feind. Das wurde in Russland sehr aufmerksam registriert.

Trotzdem hätte es ja sein können, dass Wadephul quasi im Auftrag der EU irgendeine interessante Mitteilung für Russland haben könnte. Aber dem war nicht so.

Was Wadephul Lawrow bei dem nur 20-minütigen Treffen gesagt hat, konnte man kurz danach im Spiegel nachlesen, der darüber unter Berufung auf „Kreise der deutschen Delegation“ berichtete. Und das war tatsächlich nichts anderes, als das, was man aus den Medien täglich hört.

Demnach hat Wadephul Lawrow aufgefordert, „den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen“, denn Vorfälle wie der angebliche Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen Anfang August würden „das von Russland ohnehin bereits schwer beschädigte bilaterale Verhältnis zu Deutschland weiter beeinträchtigen“.

Die Möglichkeit der Rückkehr zu einem konstruktiveren Verhältnis bestehe „jederzeit“, das setze jedoch die ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung voraus, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden.

Besonders wichtig scheint Wadephul gewesen zu sein, ukrainische Getreideexporte über das Schwarze Meer zu ermöglichen, die derzeit unterbrochen sind, nachdem Russland als Reaktion auf die ukrainischen Angriffe auf Handelsschiffe mit Ziel Russland den einzig verbliebenen ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa mit Raketenangriffen außer Betrieb gesetzt hat.

Im übrigen, so Wadephul laut Spiegel, sei Russland in einer untragbaren Lage, weil die russische Wirtschaft immer weiter zusammenbreche. Es müsse seine „Aggression“ beenden, seine Truppen zurückziehen und einem dauerhaften Waffenstillstand zustimmen.

Was Lawrow darüber gesagt hat

Bei seiner Pressekonferenz bei der UNO hat die dpa Lawrow nach dem Treffen mit Wadephul gefragt und Lawrows Erklärung bestätigt, was der Spiegel über das Treffen berichtet hat. Allerdings ist es sehr interessant, wie Lawrow das formuliert hat, weshalb ich die Frage und Lawrows Antwort komplett übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Frage: Sie haben sich gerade mit dem deutschen Außenminister Wadephul getroffen und er hat Sie angeblich um eine „Deeskalation“ gebeten, insbesondere im Hinblick auf die hybriden Angriffe. Was haben Sie ihm geantwortet? Und können Sie aus Ihrer Sicht darlegen, in welchem ​​Stadium sich die deutsch-russischen Beziehungen derzeit befinden?

Lawrow: Ich empfehle Ihnen, meine Rede vor dem UN-Sicherheitsrat von vor drei Tagen zu lesen. Ich habe sie gerade in der Antwort auf die erste Frage kurz zusammengefasst. Ich hoffe, Ihnen ist auch die Vorgeschichte dessen aufgefallen, was derzeit geschieht. Unser Gewissen ist absolut rein.

Im Gegensatz zum Gewissen derer, die im Februar 2014 die Vereinbarungen unterzeichnet und garantiert haben, die im Februar 2015 das Minsker Abkommen unterzeichnet haben und die im Dezember 2019 die Pariser Vereinbarungen unterzeichnet haben, vor allem natürlich Deutschland und Frankreich.

Und weder Deutschland noch Frankreich haben auch nur eine dieser Vereinbarungen umgesetzt, obwohl die Minsker Dokumente einstimmig vom UN-Sicherheitsrat gebilligt wurden, jenem Gremium, dessen Mitglied Deutschland so beharrlich – ich würde sogar sagen, aufdringlich – zu werden versucht, obwohl es keinerlei Chancen hat.

Was den deutschen Außenminister Wadephul betrifft, so hat er erst im letzten Moment, gestern oder vorgestern, um das Treffen gebeten. Wir hatten heute Morgen vor der Rede vor der Generalversammlung ein Zeitfenster. Wir weigern uns nie, uns jeden unserer Kollegen anzuhören, einschließlich derer, die Russland aller erdenklichen Sünden bezichtigen. Das hat der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, durch sein persönliches Beispiel vielfach bewiesen. Wir sind immer bereit zuzuhören.

Als ich mich mit dem deutschen Außenminister Wadephul traf, bat ich ihn, sein Anliegen darzulegen. Er holte Notizen hervor und verlas einen Text, der exakt das wiedergab, was deutsche Spitzenpolitiker täglich öffentlich und offiziell erklären. Genau das teilte ich ihm auch mit. Seinen Ausführungen konnte ich nichts Neues entnehmen.

Der Subtext war etwa, er sei zu uns gekommen, habe sich zu dem Kontakt „herabgelassen“, und wir sollten uns als Gegenleistung für diese Geste des guten Willens an der Ukraine-Front kompromissbereit zeigen und eine Einigung für die Schwarzmeerregion sicherstellen, damit Tanker und Frachter dort ungehindert verkehren können, und fügte hinzu, dass sich auch Kollegen aus Indien, Ägypten und der Türkei diesbezüglich an Russland wenden.

Das stimmt, sie wenden sich an uns, und wir sprechen mit ihnen über das Thema. Doch unsere Antwort ist denkbar einfach: Wir bitten darum, auch nur einen einzigen Fall zu nennen, in dem Handelsschiffe, die in ihrem Interesse operieren, Ziel russischer Angriffe wurden. Damit endet das Gespräch. Solche Fälle gibt es nicht!

Sämtliche Schäden, die der Handelsschifffahrt zugefügt werden, sind die Folge ukrainischer Terrorangriffe, nicht nur im Schwarzen Meer, sondern auch im Kaspischen Meer. Es gibt das sogenannte Kaspische Pipeline-Konsortium. Dessen Hauptanteilseigner ist zwar Kasachstan, doch auch Chevron und ExxonMobil halten Anteile.

Die Ukraine hat mehrfach die Infrastruktur dieses Konsortiums angegriffen. Vor etwa anderthalb Monaten trafen sie einen Tanker, der Chevron gehört. Ich habe mit US-Außenminister Rubio gesprochen und ihm gesagt, wir müssten irgendwie erfahren, was die Amerikaner darüber denken. Angeblich haben sie bereits „Signale ausgesendet“.

Auch der deutsche Außenminister Wadephul hat darüber, die Situation der Schifffahrt im Schwarzen Meer, gesprochen. Ich habe ihm alles erklärt.

Wenn sich unsere Kollegen an uns wenden, schlage ich ihnen daher den Abschluss bilateraler Vereinbarungen vor: Russland und Ägypten, Russland und die Türkei, Russland und Indien. Darin garantieren wir, dass wir, so wie wir ihre Schiffe in der Vergangenheit nicht ins Visier genommen haben, dies auch in Zukunft niemals tun werden. Mit den Ukrainern hingegen muss man gesondert sprechen, und zwar wohl nicht mehr in der Sprache der Bitten, sondern in der der Forderungen.

Übrigens hat mir Wadephul auch vorgeworfen, dass in Leipzig irgendeine herrenlose, abgestürzte Drohne gefunden wurde und sie sofort behaupteten, sie stamme aus Russland, das sei „highly likely“, also höchstwahrscheinlich. Daraufhin wurde unser Generalkonsulat in Bonn rausgeworfen, obwohl dieses Konsulat unter anderem unsere Beteiligung an der Arbeit der in Bonn ansässigen internationalen Organisationen sicherstellte.

Als die Hauptstadt der Bundesrepublik nach Berlin verlegt wurde, blieb in Bonn eine riesige Anzahl von Räumlichkeiten zurück, für die es keine Verwendung mehr gab. Damals, das war noch in den 1990er Jahren, wurden mit unserer Unterstützung Vereinbarungen getroffen, die Sekretariate des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen und des Übereinkommens zur Bekämpfung der Wüstenbildung sowie die Hauptsitze zahlreicher anderer Organisationen dorthin zu verlegen.

Die Deutschen wissen sehr genau, dass in unserem Generalkonsulat in Bonn Mitarbeiter tätig waren, die sich nicht mit konsularischen Angelegenheiten befassten, sondern die Beteiligung Russlands an der Arbeit dieser internationalen Strukturen koordinierten.

Für jede dieser Einrichtungen hat Deutschland ein Gastlandabkommen unterzeichnet, in dem es sich verpflichtet hat, alles zu tun, um das ordnungsgemäße Funktionieren dieser Sekretariate sowie angemessene Bedingungen für die Vertreter der Mitgliedsstaaten bei diesen Stellen zu gewährleisten.

Das haben sie wohl vergessen. Sie vergessen vieles, einschließlich Tatsache, dass es auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik keinerlei NATO-Infrastruktur geben darf. All das ist vergessen.

Der deutsche Außenminister Wadephul sagte, es sei sehr wichtig die „Schwarzmeer-Initiative“ zu realisieren. Da war noch irgendwas…

Aber ich habe im Vergleich zu dem, was Berlin täglich öffentlich erklärt, nichts Neues gehört. Ich habe ihm ehrlich gesagt, dass ich dachte, er hätte etwas Interessantes oder Ungewöhnliches. Sie hätten auch einfach anrufen und sagen können: „Lesen Sie die offiziellen Erklärungen.“ Ich habe mir die Ausführungen zu diesem Thema nun noch einmal angehört.

Ende der Übersetzung

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Quellen: PublicDomain/anti-spiegel.ru am 28.09.2026

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One thought on “🇩🇪 🇷🇺 Wie Baerbock und Liz Truss: Warum Wadephul sich beim Treffen mit Lawrow blamiert hat”

  1. Lawrow:“Das haben sie wohl vergessen. Sie vergessen vieles, einschließlich Tatsache, dass es auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik keinerlei NATO-Infrastruktur geben darf. All das ist vergessen.“
    Lawrow: „Als die Hauptstadt der Bundesrepublik nach Berlin verlegt wurde, blieb in Bonn eine riesige Anzahl von Räumlichkeiten zurück, für die es keine Verwendung mehr gab. Damals, das war noch in den 1990er Jahren, wurden mit unserer Unterstützung Vereinbarungen getroffen, die Sekretariate des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen und des Übereinkommens zur Bekämpfung der Wüstenbildung sowie die Hauptsitze zahlreicher anderer Organisationen dorthin zu verlegen.“

    Man lies es genau-die Hauptstadt der Bundesrepublik nach Berlin verlegt(Hätte es eine Wiedervereinigung gegeben, hätte er , die Hauptstadt Deutschlands nach Berlin verlegt, gesagt.

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