
Im April 2026 löste US-Präsident Donald Trump heftige Reaktionen aus, als er auf Truth Socieal ein KI-generiertes Bild postete, das ihn in einem weißen Gewand als Jesus beim Heilen eines Mannes zeigt.
Nicht nur der Präsident selbst, auch viele seiner Anhänger sehen Trump in der Rolle des Messias, der gerade im Nahe Osten einen heiligen Krieg führt. Ein gefährliches Spiel, wenn Politik und Religion untrennbar erscheinen, wie die finstere Story von „Dune Messiah“ zeigt. Ein Essay von Frank Schwede
Wenn Kino auf Wirklichkeit trifft, kann´s ganz schön ungemütlich werden, weil viele dann erkennen müssen, dass sie im „falschen Film“ sind. Hollywood ist ja bekannt dafür, politischen Sprengstoff so geschickt wie möglich in Block Buster zu verpacken, dass nur wenige erkennen, dass das große Kino von der Realität längst eingeholt wurde.
Meistens handelt es sich bei Science Fiction Klassikern um Romanverfilmungen – so auch die Dune-Reihe aus der Feder des US-amerikanischen Science Fiction-Autors Frank Herbert.
Die „Wirklichkeit“ des Romans zeigt die zerstörerischen realpolitischen und psychologischen Konsequenzen blinder Messias-Verehrung. Geschichten beziehen bekanntlich Jetztzustände mit ein, sodass sie sich stets aktualisieren und ihren Inhalt an die jeweiligen gesellschaftlichen Umstände anpassen.
Mit seinen Dune-Romanen gilt Frank Herbert als ein Vertreter der New Wave. Ursprünglich als zwei Fortsetzungsgeschichten in John W. Campells Magazin „Analog Science Fiction“ veröffentlicht, dient die Dune-Serie als ein Beispiel, in welchem Religion in der Science Fiction als ein Novum behandelt wird.
Dune handelt von dem Adelshaus der Astreides, das seine Wurzeln auf den antik-griechischen Helden Agamemnon zurückführt. In der fernen Zukunft des 101. Jahrhunderts haben die Menschen über den Einfluss vornehmlich ostasiatischer, selbstdisziplinierender, meditativer Religionen übermenschliche Fähigkeiten entwickelt.
Im Butlerian Jihad wurden vor zehntausend Jahren alle Computer und denkenden Menschen vernichtet – ein Ereignis, das im Gebot der Orange Catholic Bible, der Heiligen Schrift in „Dune“ festgehalten ist.
Dieses religiöse Verbot führt im Laufe der menschlichen Evolution dazu, dass sich Institutionen ausbilden, die Supermenschen züchten und trainieren.
Zwei dieser Schulen sind die Mentats (menschliche Supercomputer) und die jesuitenähnliche Schwesternschaft der Bene Gesserits, die über präzise, subtile verbale und körperliche Signale menschliches Verhalten manipulieren und Gedanken lesen können.

Autoritäten immer hinterfragen
Zusätzlich stattet Herbert „Dune“ mit einer eigens erdachten Religionsgeschichte aus, in der der Zen-Buddhismus und der sunnitische Islam zu einer ethnischen Religion des Wüstenvolks der Fremen verwachsen – gerade scheinen der Katholizismus und der Islam scheinen eine unheilige Ehe einzugehen, nimmt man die Zeichen, die Papst Leo XIV. sendet, ernst.
Zu diesen Fremen gelangt Paul Atreides, gemeinsam mit seiner Mutter Bene Gesserit Jessica, nach der Ermordung seines Vaters, dem Herzog Leto. Paul ist über seine Mutter Teil des Zuchtprogramms der Schwesternschaft, die sich erhofft, einen messiasgleichen, männlichen Bene Gesserit zu züchten.
Um seinen Vater zu rächen und die Kontrolle über Arrakis wieder zu erlangen, nimmt Paul die Rolle des Fremen-Messias an und löst damit den Jihad, den Heiligen Krieg der Fremen aus, der ihm nicht nur die Herrschaft über Dune wiederbringt, sondern ihn auch letztlich zum Kaiser des Universums aufsteigen lässt.
Pauls Aufstieg führt zu einem blutigen Kreuzzug, der am Ende von ihm nicht mehr kontrolliert werden kann. Der Roman ist eine deutliche Warnung, Autorität immer zu hinterfragen und sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein, anstatt sich blind einem Führer zu unterwerfen.
Kritiker wie der US-amerikanische Autor und Fernsehmoderator Jay Dyer sehen in der Dune-Reihe erschreckende Parallelen zur gegenwärtigen politischen und religiösen Weltlage, die völlig aus Kontrolle zu sein scheint, weil Politik und Religion der Öffentlichkeit gerade ihre hässliche Fratze offenbaren.
So wird beispielsweise US-Präsident Donald Trump seit seiner ersten Amtszeit von einem Großteil der Amerikaner als Messias verehrt, der die Welt vom Bösen befreit und die Menschheit in das lange vorhergesagte „Goldene Zeitalter“ führt.
Erst im April 2026 löste der US-Präsident heftige Reaktionen aus, als der auf Truth Socieal nach einem heftigen Disput mit Papst Leo XIV. ein KI-generiertes Bild postete, das ihn in einem weißen Gewand als Jesus beim Heilen eines Mannes zeigt.
Nach massiver Kritik wegen Blasphemie – selbst aus dem christlich-konservativen Lager – löschte er den Beitrag und gab an, die Aufnahme habe ihn als Arzt dargestellt.
Von der Kritik unberührt, provozierte er mit einem neuen Jesus-Post. Auf seiner Plattform veröffentlichte er eine von einem anderen Internetnutzer generierte Aufnahme, die ihn diesmal Seite an Seite mit Jesus zeigt, der ihn umarmt.
Donald Trump ist nicht der Erste, der sich auf der politische Bühne zum Heiland stilisiert. Vor ihm taten das schon andere, wenn vielleicht auch nicht so offensichtlich – doch letztlich fühlt sich jeder Politiker in der Rolle des Erlösers pudelwohl. Besonders vor einer Wahl.

Ein Geschäft der Täuschung
Darum geht es doch in der Politik, den Wählern mit gefüllten Weinkrügen auf der Bühne gegenübertreten, in denen sich nach der Wahl nur noch Wasser befindet.
Nicht nur Jay Dyer, mittlerweile auch viele andere Kritiker, sind längst zu dem Schluss gekommen, dass Religion und Politik samt Wahlen die größte Täuschung in der Geschichte der Menschheit sind, weil sie nichts anderes sind als Brot und Spiele.
Frank Herbert war mehr als nur ein gewöhnlicher Science-Fiction-Autor. Nebenbei war er auch als Journalist und zeitweise als Redenschreiber für republikanische Politiker tätig.
Diese politische Arbeit gab ihm tiefe Einblicke in Machtstrukturen, Rhetorik und Manipulation, die er später in seinen Science Fiction Roman nutzte, wobei er erkannt haben muss, dass nichts in der Politik echt ist, sondern alles bloß Kulisse.
Auch in den meisten Religionen geht es nicht anders zu als in der Politik, weil auch sie nur Teil eines gigantischen unsichtbaren Machtapparats sind, von dem nicht mal ein Drittel der Weltbevölkerung etwas ahnt, geschweige etwas weiß.
Die Dune-Reihe entstand über einen Zeitraum von sechs Jahren ab 1959 und wurde im Dezember 1963 bis Mai 1965 als Fortsetzungsreihe veröffentlicht. Die erweiterte Buchfassung erschien im Juni 1965.
Das war zu einer Zeit, als der überwiegende Teil der US-amerikanischen Bevölkerung die Worte ihrer Politik glaubte. Zwischen 1959 und 1965 wurde das Land von drei verschiedenen Präsidenten regiert:
Dwight D. Eisenhower, John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson. Jeder machte Politik auf seine Art. John F. Kennedy, der sich den unsichtbaren Kräften nicht unterordnen wollte, bezahlte das mit seinem Leben.
Geändert hat sich an der Politik bis heute nichts. Sie funktioniert noch immer nach denselben schmutzigen Spielregeln, nur, dass viele Dinge, die noch vor mehr als dreißig Jahren unterm Teppich gehalten werden konnten, im Zeitalter des Internets schnell ihre Runde machen, was immer mehr Menschen die Augen für die Wirklichkeit öffnet.
Frank Herbert mag das, was er hinter verschlossenen Türen mitbekommen hat, schockiert haben. Er wusste, dass Präsidenten keine Heilsbringer sind, sondern knallharte Hunde, die ihrem Herrn gehorchen, der aus dem Dunkeln die Befehle erteilt.
Herbert wusste, dass Verräter aus dem Weg geräumt werden, weshalb er sich entschloss, sein Wissen als Science Fiction zu veröffentlichen. Romane, die wie George Orwells „1984“ auf geradezu erschreckende Weise die Wirklichkeit zeigen, in der sich die Menschheit schon eine ganze Weile befindet.

Gibt es überhaupt eine Fiktion?
Die Handlung von „Dune Messiah“ setzt 12 Jahre nach dem Vorgänger an. Der Dschihad tobt auf unzähligen Welten und Milliarden verlorener Leben. Paul, der nun als gottgleicher Imperator des Universums verehrt wird, sitzt auf dem Thron von Arrakis.
Durch seine besonderen Fähigkeiten sieht er unzählige mögliche Pfade für die Zukunft – doch fast alle führen in den Untergang der Menschheit. Einzig der sogenannte „Goldene Pfad“ kann dies angeblich verhindern – die Rede dürfte hier vom sogenannten „Goldenen Zeitalter“ sein.
Im Zentrum der Handlung steht ein Komplott gegen Paul – auch hier treffen Fiction und Wirklichkeit wieder aufeinander, nämlich beim mehrfachen Versuch, Donald Trump als Präsident zu verhindern.
Die mächtigen Häuser, der Imperator Shaddam IV., die Gilde der Navigatoren, die Bene Gesserit und Prinzessin Irulan fürchten die zunehmende Macht von Paul und schmieden heimliche Pläne, um ihn zu stürzen – worin wir die Demokraten im Weißen Haus erkennen können.
Ihr Ziel ist es, den „Goldenen Pfad“ zu verhindern, den sie selbst als Bedrohung für die Menschheit und ihre eigenen Interessen empfinden. Eines der zentralen Elemente des Komplotts ist Hayt, eine wiederbelebte Version des ermordeten Duncan Idaho, der alte Mentor und Freund von Paul. Dieser soll das Vertrauen des neuen Herrschers gewinnen, um ihn anschließend zu vernichten.
Viele Zuschauer sehen in Paul vor allem eins: einen strahlenden Helden, der wie im wirklichen Leben das Böse bekämpft. Eine Rolle, die die MAGA-Bewegung und viele andere US Amerikaner Donald Trump zuschreiben.
Sie glauben, dass er dem sogenannten Tiefen Staat das Handwerk legt und die Menschheit ins „Goldene Zeitalter“ führt, wofür es laut Maja-Kalender sowieso längst an der Zeit ist.
Doch weit gefehlt: die Wirklichkeit hat mittlerweile auch einen Donald Trump längst eingeholt und lässt ihn mächtig alt aussehen vor seinen Anhängern und der Weltöffentlichkeit.
Nur auf Telegram spielt Trump noch den Helden, in dieser Nische ist das wahre Leben offenbar noch nicht angekommen, dort glaubt man noch immer an ein Wunder. Die Frage, die sich spätestens an dieser Stelle stellen sollte: Gibt es überhaupt eine Fiktion oder leben wir tatsächlich im Moment, wo Vergangenheit Gegenwart und Zukunft eins sind?
„Dune Messiah“ ist eine eher zutiefst pessimistische Betrachtung von Heldentum und Führerrolle und sollte auch dem letzten Mohikaner die Augen öffnen, dass es auf der politischen Bühne keinen Messias gibt und auch nie geben wird, weil Politik und Religion eine Welt der Täuschung sind – und auch immer bleiben werden.

Frank Herbert wollte mit seiner Geschichte laut eigener Aussage die Gefahren der blinden Verehrung eines vermeintlichen „Messias“ aufzeigen. Gleichzeitig warnte er davor, Macht und Verantwortung für das eigene Schicksal in die Hände eines Einzelnen zu legen – selbst wenn er scheinbar göttliche Fähigkeiten zu besitzen scheint.
Die Botschaft von „Dune Messiah“ ist, dass jeder „Goldene Pfad“, jede scheinbar unumgängliche Lösung einen hohen Preis haben kann. Herbert kritisierte die Verführbarkeit durch Religion und die damit verbundene Gefahr, dass ein religiöser Führer zur Gallionsfigur eines gnadenlosen Dschihad wird, wie er sich aktuell im Nahen Osten abspielt – vor allen Augen der Öffentlichkeit. Lauter kann die Wirklichkeit nicht mehr schreien…
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