⚡ đŸ”„ Überspannung grillt GerĂ€te: 360 Volt statt 230 Volt zerstören Heizungen und Wallboxen

Drei schwere Netzstörungen in nur vier Monaten haben Heizungen, Wallboxen und KĂŒhlschrĂ€nke zerstört. Betroffen waren zwischen Juli und Oktober Haushalte in Aspach-Rietenau, im MĂŒnsinger Ortsteil Apfelstetten und im Westen Schleswig-Holsteins. Die SchĂ€den gehen in die Hunderttausende. Viele GeschĂ€digte fĂŒrchten jetzt, auf ihren Kosten sitzenzubleiben.

Ein Knall, grelles Licht – und dann Stille

Los ging es Mitte Juli in Rietenau. Bei Arbeiten am Stromnetz kam es zu einer technischen Störung. Anwohner berichten von einem Knall und Lampen, die plötzlich grell aufflackerten. Danach liefen Heizungssteuerungen und KĂŒchengerĂ€te nicht mehr.

Nach SchÀtzungen der Einwohner waren mehrere Dutzend Haushalte betroffen. In einem Haus verschmorte die Steuerplatine der Heizung. Auch eine kommunale WÀrmepumpe im BrunnengÀssle ging kaputt.

Drei Monate spĂ€ter wird vor allem gestritten. Viele Betroffene halten die Angebote des Netzbetreibers Syna fĂŒr viel zu niedrig, obwohl es teils um Reparaturen von mehreren Tausend Euro geht. Syna verweise auf seinen Haftpflichtversicherer, heißt es. Mehrere Anwohner ĂŒberlegen deshalb, vor Gericht zu ziehen. Sogar die Gemeinde hat um eine Kulanzlösung gebeten.

Apfelstetten: 600.000 Euro Schaden an einem Tag

Am 21. August traf es Apfelstetten. Ein Defekt in einer Umspannstation von Netze BW ließ die Spannung massiv steigen. Statt 230 Volt maßen Anwohner zeitweise rund 360 Volt an ihren Steckdosen. Das ist ein Plus von mehr als 50 Prozent.

Mindestens 50 der 209 Haushalte meldeten SchĂ€den: Heizungssteuerungen, Photovoltaikanlagen, Wallboxen, KĂŒhl- und GefriergerĂ€te. Anfang September schĂ€tzten die GeschĂ€digten den Gesamtschaden auf mindestens 600.000 Euro. Ein einzelner EigentĂŒmer rechnete allein mit rund 40.000 Euro.

Netze BW spricht von einem sehr seltenen Ereignis und verweist auf vorhandene Schutztechnik. Jede Forderung werde einzeln geprĂŒft. Die Beweislast liegt damit beim BĂŒrger, der jeden Schaden selbst belegen muss.

Schleswig-Holstein: Ein Reetdachhaus brennt nieder

Am 18. Oktober kam die dritte Störung. Ein Kurzschluss im 110.000-Volt-Netz von SH Netz löste eine Überspannung aus, mehrere Umspannwerke schalteten ab. Bis zu 40.000 Haushalte saßen zeitweise im Dunkeln. In Friedrichstadt fing ein Überspannungsableiter Feuer.

Am schlimmsten traf es Bunsoh im Kreis Dithmarschen. Dort brannte ein Stromkasten in einem Reetdachhaus, das GebÀude ist zerstört. Der Schaden wird auf rund 500.000 Euro geschÀtzt.

Wie es genau zu dem Brand kam und wer haften muss, ist noch offen. Allein in Albersdorf könnten ersten SchÀtzungen zufolge 100 bis 150 Haushalte SchÀden erlitten haben.

Weniger SchadensfÀlle, aber jeder einzelne wird teurer

Werden solche Störungen hĂ€ufiger? Das lĂ€sst sich nicht sagen. Die Bundesnetzagentur zĂ€hlt nur StromausfĂ€lle von mehr als drei Minuten, fĂŒr 2024 waren es 164.645.

Kurze Spannungsspitzen, die GerĂ€te zerstören, werden bundesweit nicht eigens erfasst. Bei einem so wichtigen Thema ist das eine erstaunliche LĂŒcke.

Zahlen gibt es nur von den Versicherern. Laut ihrem Gesamtverband meldeten Hausrat- und WohngebĂ€udeversicherer 2025 rund 180.000 Blitz- und ÜberspannungsschĂ€den, 2024 waren es noch etwa 220.000. Die EntschĂ€digungen lagen bei 310 Millionen Euro.

Der Durchschnittsschaden stieg um rund elf Prozent auf den Rekordwert von etwa 1.760 Euro. Diese Zahlen betreffen aber vor allem SchÀden nach BlitzeinschlÀgen.

Als Grund fĂŒr die teureren SchĂ€den nennt der Verband die immer aufwendigere Technik in den HĂ€usern. Hier liegt eine bittere Ironie:

Mit Förderprogrammen und Vorgaben schiebt die Politik BĂŒrger zu WĂ€rmepumpe, Solaranlage und Wallbox. Doch wer so aufrĂŒstet, hat bei einer Netzstörung auch mehr zu verlieren.

Recht auf Schadenersatz – mit Haken

Der Bundesgerichtshof hat schon 2014 entschieden, dass Netzbetreiber nach dem Produkthaftungsgesetz auch ohne eigenes Verschulden haften können. GeschĂ€digte mĂŒssen die Voraussetzungen aber selbst beweisen. Bei SachschĂ€den zahlen sie außerdem 500 Euro selbst. Andere Rechtsgrundlagen können mehr Ersatz ermöglichen.

Ein Trend lÀsst sich aus den drei FÀllen noch nicht ablesen. Sie zeigen aber, wie teuer eine einzige Störung werden kann. Wer Strom zuverlÀssig bezahlt, darf auch ein zuverlÀssiges Netz erwarten. Und wenn etwas schiefgeht, sollte er schnell und vollstÀndig entschÀdigt werden.

Quellen: PublicDomain/kettner-edelmetalle.de am 05.10.2026

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