
Während Entwicklungsländer von ihrem hohen Anteil junger Menschen profitieren können, fehlt es ganz Deutschland schlicht an Nachwuchs. Nur in drei Ländern weltweit gibt es noch weniger Jugendliche.
Die Zahl der in Deutschland lebenden Bürger wird in den nächsten Jahrzehnten dramatisch abnehmen. Laut dem Statistischen Jahrbuch 2014 sollen im Jahr 2060 vermutlich zwischen 64,6 und 70,1 Millionen Menschen in der Bundesrepublik leben. Im Jahr 2012 gab es allerdings erstmals seit zehn Jahren wieder ein Plus auf 80,5 Millionen Einwohner.
Auch im in New York vorgelegten neuen Weltbevölkerungsbericht der UN deuten sich drastische Veränderungen der Bevölkerungsentwicklung an: Deutschland fehlen die jungen Menschen. Die Bundesrepublik liegt mit ihrem Anteil der Einwohner zwischen zehn und 24 Jahren mit 15 Prozent zwei Prozentpunkte unter dem Mittel der Industrienationen. Nur drei von etwa 200 Ländern haben dem Bericht zufolge noch weniger Jugendliche: Japan, Spanien und Slowenien mit jeweils 14 Prozent.
Für die Entwicklungsländer könnte ihr überdurchschnittlicher Jugendanteil nach Auffassung der Vereinten Nationen eine Chance sein. Wenn ein Land deutlich mehr junge Menschen als Alte oder kleine Kinder habe, könne das für die Volkswirtschaft eine „demografische Dividende“ bedeuten, heißt es. Noch nie habe es auf der Erde so viele Menschen im Alter zwischen zehn und 24 Jahren gegeben wie heute.
Noch nie so viele Jugendliche wie heute
„Der Rekord von 1,8 Milliarden jungen Menschen bedeutet eine gewaltige Gelegenheit, um die Zukunft zu gestalten“, sagte der Chef der UN-Bevölkerungsagentur UNFPA, Babatunde Osotimehim. „Junge Leute sind die Erfinder, Schöpfer, Erbauer und Lenker der Zukunft. Aber sie können nur gestalten, wenn sie Ausbildung, Gesundheit und Entscheidungsfreiheit haben.“
Vor allem die politischen Bedingungen sind wichtig
Es sei zu einfach, eine demografische Dividende in Geld umrechnen zu wollen. „Vor allem müssen die politischen Bedingungen geschaffen werden, um sie nutzen zu können.“ Weltweit gibt es 25 Prozent Menschen zwischen zehn und 25 Jahren und da heben vor allem Afrika (32) und arabische Staaten (29) den Schnitt.
Global liegt die Lebenserwartung bei 68 Jahren für Männer und 72 für Frauen. In Industrienationen sind es 74 und 81 Jahre und Deutschland liegt mit 78 und 83 Jahren noch einmal darüber. Spitzenreiter ist Hongkong, wo die Männer statistisch 80 und Frauen sogar 86 Jahre alt werden.
In den ärmsten Entwicklungsländern werden die Menschen hingegen nur etwa 60 Jahre alt (59/62). Acht Prozent der Mütter sind in Deutschland jünger als 20 Jahre – weltweit sind es 50 Prozent. Bei der Müttersterblichkeit steht die Bundesrepublik besonders gut da – im Vergleich zu den Nachbarn aber nicht an der Spitze. Von 100.000 Geburten verlaufen sieben für die Mutter tödlich. Weltweit sind es zwar 210, aber eine Reihe Länder ist besser als Deutschland, etwa Belgien (6), Bulgarien (5), Dänemark (5), Tschechien (5), Griechenland (5), Italien (4), Österreich (4), Polen (3) und Israel (2).
Für Deutschland weist der Bericht einen Bevölkerungsrückgang von 0,1 Prozent in den Jahren von 2010 bis 2015 aus. Damit ist Deutschland eines von nur 18 Ländern, deren Einwohnerzahl sinkt. Fast alle anderen wachsen, zum Teil kräftig. So stieg die Bevölkerungszahl von Niger um 3,9 und des Südsudans um 4 Prozent. In Katar, weltweiter Spitzenreiter, waren es sogar 5,9 Prozent. Das Wachstum ist in den Industrieländern deutlich geringer als in der Dritten Welt, liegt mit 0,3 Prozent aber dennoch im Plus. Der weltweite Durchschnitt beträgt 1,1 Prozent.
Entsprechend liegt auch die Fruchtbarkeitsrate deutlich unter dem Schnitt. In Deutschland liegt sie bei 1,4, im Schnitt bekommt eine deutsche Frau also 1,4 Kinder. In Industrieländern sind es 1,7 und weltweit sogar 2,5 Prozent. Getrieben wird die Statistik hier wieder von den ärmsten Ländern, in denen Frauen im Schnitt 4,2 Kinder bekommen.
Quellen: dpa/n24.de vom 18.11.2014
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