Michael Wolski sieht darin den Grund, weshalb US Konzerne plötzlich so ein Interesse an der DDR gezeigt haben und schon Mitte der 1980er Jahre in Ostberlin ihre Büros eröffneten. Für Wolski steht klar fest, dass US Konzerne auf die Wiedervereinigung vorbereitet sein wollten.
Fest steht auch, dass der Mauerfall ohne helfende Hände im Hintergrund so nicht hätte stattfinden können. Und hier kommt die Rolle der Sonderbotschafter ins Spiel. Einer von ihnen war Wladimir Semjonowitsch Semjonow.
Im Mai 1986 wurde Semjonow zum Berater Schewardnadses ernannt und zum Sonderbotschafter berufen. Sein Wohnsitz war Köln. 40 Kilometer von der damaligen Bundeshauptstadt Bonn entfernt. Offiziell hat sich Semjonow zur Ruhe gesetzt. Also als Pensionär gelebt. Hinter vorgehaltener Hand aber munkelte man bald, dass es Geheimgespräche gab. Dass Semjonow Schlüsselfunktionen inne hatte.
Am Stammtisch würde man jetzt sagen, dass er ein ausgekochtes Schlitzohr war. Der Name Semjonow zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der DDR. Auf sein Konto geht die Enteignung der Bauern in der Sowjetzone, die Luftblockade Westberlins. Er half bei der Gründung der DDR, indem er als sowjetischer Hochkommissar den Volksaufstand vom 17. Juni niederschlug.
Last but not least verfasste Semjonow Nikita Chruschtschows Berlin-Memorandum an die Westmächte und heckte, als diese nicht darauf reagierten, den Mauerbau aus. Wen also sollte es noch wundern, wenn Semjonow zum krönenden Abschluss seiner Karriere nicht auch den Fall der Berliner Mauer mit orchestriert hat. Wolski:
„Nach der Weisheit der Bibel Hiob 1;21 „Der HERR hat´s gegeben, der HERR hat´s genommen“ konnte auch in dieser irdischen Angelegenheit nur die Herrin des Mauerbaus – die UdSSR – den Mauerfall herbeiführen.“
Den ersten Versuch, die DDR abzuschaffen, hatte Josef Stalin bereits 1952 unternommen. Stalin war für ein neutrales Deutschland. Dafür stand er ein. Und dafür hätte er die DDR geopfert.
Ein Jahr später kam es in Berlin zum Arbeiteraufstand. Der 17. Juni. Hinter den Kulissen tobte ein Kampf zwischen KGB und Roter Armee nach Stalins Tod. Ein Erbfolgekrieg, wie Wolski schreibt. Immerhin wollte KGB-Chef Berija die DDR für zehn Millionen Dollar verschachern. Die Reparationsleistung der DDR gegen Cash tauschen. Wolski:
„Es sollte ein neutrales, vereinigtes Deutschland entstehen. Die sowjetische Armee wollte das hingegen nicht, weil die Uranerzgewinnung für die Atombombe zum damaligen Zeitpunkt nur in der DDR sofort und in ausreichendem Maß möglich war.
Das Uran brauchten sie für den atomaren Rüstungswettlauf mit den USA. Ohne DDR wäre das für die Sowjetunion nicht mehr möglich gewesen. Die sowjetischen Urangruben waren erst ab 1956 in ausreichender Qualität einsatzbereit. Berija wurde Ende Juni 1953 verhaftet und erschossen. Die DDR blieb Vasall der Sowjetunion.“


Wenn das Imperium wackelt
Doch spätestens 1968 hat die Sowjetunion mit den Ereignissen in der Tschechoslowakei gemerkt, dass das Imperium wackelt. Schließlich hat sich die UdSSR 1980 mit dem Afghanistankrieg übernommen, was dazu geführt hat, dass die Konflikte in Polen sichtbar wurden. Wolski
„Schon 1983 war man sich in Washington einig darüber, dass die Sowjetunion ihr Imperium in Europa bald verlierend wird, weil sie es nach 1945 nicht geschafft hatte, dass diese Länder ohne Moskauer Hilfe effektiv wirtschaften. Das war ja nicht machbar, da Moskau alles bestimmte. Dazu gibt es im Stasi-Archiv eine Mitteilung einer KGB-Quelle in Washington die auch Honecker erhielt.
Offenbar schätzte man das in Moskau genauso ein und das muss, nachdem Breschnew, Andropow und Tschernenko kurz nacheinander gestorben waren, dazu geführt haben, dass die Entscheider im März 1985 den damals 54-jährigen Gorbatschow an die Spitze von Partei und Staat stellten.
Sein Ziel war es offensichtlich, nicht nur den Sozialismus abzuschaffen, sondern auch die Herrschaft über die osteuropäischen Länder zu beenden, welche in den Alliertenbeschlüssen von 1945 in Jalta und Potsdam der Sowjetunion als Einflussbereich zugesprochen worden waren.“
Es mag zwar so aussehen, dass der Mauerfall der Perestroika geschuldet war, was schließlich dazu geführt hat, dass auch die Sowjetunion und der gesamte Kommunismus sich im Wohlgefallen aufgelöst haben. Doch der Anschein könnte täuschen.
Einiges spricht dafür, dass das „große Ende“ nicht unbedingt im Sinne Gorbatschows gewesen ist. Allein schon die Tatsache, dass Gorbatschow offenbar in einem Akt der Verzweiflung versucht hat, Georgien und Litauen mit Waffengewalt von ihrer angestrebten Unabhängigkeit abzuhalten.
Doch letztlich war auch das Imperium Sowjetunion nicht mehr zu retten. Alles hat seine Zeit. Und ist die erstmal abgelaufen, ist am Ende nichts mehr zu retten. Und wie sich die aktuelle politische Lage abzeichnet, stehen die Vereinigten Staaten möglicherweise heute vor einer ähnlichen Situation. Alles sieht danach aus, dass nun auch für die USA die Zeit gekommen ist, adieu zu sagen.
Das SED-Politbüro hätte einer Wiedervereinigung niemals zugestimmt. Doch die DDR war pleite und wurde nur noch durch die Sowjetunion am Leben erhalten. Erich Honecker und Genossen hielten bis zur letzten Stunde an ihrer Macht fest.
Ein ähnliches Trauerspiel erlebt gegenwärtig die Bundesrepublik. Die wie auch die DDR noch immer unter US-Kuratel steht. Die DDR-Führung war mit KGB-Leuten durchsetzt. Für Moskau ging es um Kontrolle und um Wissensvorlauf bei aktuellen politischen Entscheidungen.
Was wird passieren, wenn es in Kürze in den Vereinigten Staaten zu tiefgreifenden Veränderungen kommt? Wie auch immer die aussehen mögen. Es wird sie geben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Das System liegt im Koma
Vieles spricht gegenwärtig für die Vermutung, dass es noch in diesem Jahr auch in der Bundesrepublik zu tiefgreifenden Veränderungen kommen wird, die möglicherweise in Verbindung mit den USA stehen. Niemand weiß es. Eine Tatsache steht aber jetzt schon fest: das alte System ist tot.
1989 war die Welt Zeuge einer ersten kleinen Welle der Übergangsepoche, in der wir uns gegenwärtig befinden. Günther Lachmann schreibt in seinem Werk Verfallssymptome – Wenn eine Gesellschaft ihren inneren Kompass verliert, dass das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene europäische Sozialmodell mit dem Ideal einer Marktwirtschaft am zerbrechen ist.
Das ist eine nicht mehr von der Hand zu weisende Tatsache. Das System, wie wir es immer gerne zu nennen pflegen, wird inzwischen nur noch durch die Geldmaschine der Zentralbanken künstlich am Leben erhalten. Das aber macht auf Dauer keinen Sinn. Einen bereits hirntoten Komapatienten kann man nicht auf Dauer durch Maschinen am Leben erhalten.
Aber genau das geschieht gegenwärtig mit unserer Wirtschaft. Sie wird mithilfe der Geldmaschine künstlich am Leben erhalten.
Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Ein totes Pferd kann man nicht mehr reiten.“ Der soziale Abstieg einer breiten Bevölkerungsschicht ist schon seit langem zu beobachten. Corona als Brandbeschleuniger fördert diesen Prozess. Die Wahrheit ist, dass die von der Politik hochgepriesene soziale Demokratie spätestens seit dem Mauerfall an den globalen Kapitalismus verkauft wurde. Den hohen Preis hierfür zahlen der Mittelstand und die Armen.
Was wir gerade erleben ist ein Déjà-vu – ausgelöst durch den Tsunami der Übergangsepoche. Die Geschichte wiederholt sich ein zweites Mal. Nun auf der anderen Seite. Die USA und auch Europa werden fallen. Die Bundesrepublik, die durch zwei Weltkriege der Spaltpilz auf dem europäischen Kontinent ist, wird auch diesmal eine zentrale Rolle spielen.
Die USA werden sich aus dem Jalta-Vertrag zurückziehen und ihre Rolle als Mündel abgeben, weil es möglicherweise die USA in ihrer bisherigen Form bald nicht mehr geben wird. Der ehemalige US Präsident Donald Trump hat den Truppenabzug aus Deutschland schon im vergangenen Jahr beschlossen, weil er das Drehbuch bereits kennt.
So, wie auch Michael Gorbatschow das Drehbuch 1989 bereits kannte. Die Vereinigung Deutschlands war die Voraussetzung für den Rückzug aus dem Gebiet Osteuropas in Verbindung mit der Auflösung des Warschauer Pakts. Was in Jalta unter sowjetischer Kontrolle gekommen war.

Die Rolle Angela Merkels als Trümmerfrau
Der Protest wütender Bürger im vergangenen Sommer könnte gewissermaßen der Startschuss für den Zerfall der alten Bundesrepublik sein. Die konzeptlose Berliner Politik erinnert an die Zustände der DDR kurz vor dem Mauerfall. Sie ist ein deutliches Indiz dafür, dass Angela Merkel heute dort steht, wo Erich Honecker 1989 stand. Vor den Trümmern einer untergehenden Republik.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass die USA gegenwärtig einen großen Kollaps erleben, alles greift wie Zahnräder ineinander über. Wolski schreibt, dass Ereignisse, die offiziell als zufällig oder spontan bezeichnet werden, oft politisch so geplant sind.
Gegenwärtig ist hinter den Kulissen sehr viel in Bewegung, wovon die die Öffentlichkeit noch nichts weiß. Schon im vergangenen Jahr war davon die Rede, dass Deutschland bald seine Souveränität zurückerhalten wird. Dass kann aber nur durch die Siegermächte geschehen.
Russlands Präsident Wladimir Putin ist bereit zu Gesprächen. Die Zukunft liegt also in den Händen der Siegermächte und in erster Linie in den Händen der USA, deren Ziehkind die Bundesrepublik nun mal ist.
Jetzt, wo Joe Biden tatsächlich zum neuen Präsidenten vereidigt wurde, stehen die Chancen auf eine Wiederherstellung der Souveränität Deutschlands schlecht, denn ohne die USA wäre das nicht möglich. Wolski schreibt im Zusammenhang mit dem Mauerfall dazu einen sehr schönen Satz:
„Was die Sowjetunion gab, konnte auch nur die Sowjetunion wieder nehmen.“
Das trifft auch auf die Frage der Souveränität Deutschlands zu. Was die Siegermächte gaben, können auch nur die Siegermächte wieder nehmen. Für viele Deutsche mag nach dem Mauerfall wieder alles in Butter gewesen sein, wie der Volksmund so schön sagt. Doch dem ist nicht so.
Die langen Schatten des Zweiten Weltkriegs werden erst verblasst sein, wenn Deutschland seine völlige Souveränität zurückerlangt hat. Erst dann ist der Zweite Weltkrieg wirklich beendet.
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Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 02.02.2021
