
Der Kalte Krieg war geprägt von abenteuerlichen Plänen und gewagten Entscheidungen – doch keine war so kühn, wie der Versuch, den Weltraum mit Atomwaffen zu beschießen. Die Tests wurden unter dem Codenamen „Operation Fisbowl“ durchgeführt. Die Folge war eine Kettenreaktion, die niemand vollständig vorhersehen könnte, die so alarmierend war, dass diese leichtsinnigen Tests kurz darauf weltweit verboten wurden. Von Frank Schwede
„Operation Fisbowl“ war eine Serie von fünf Höhenkernwaffentests, die von den USA von Juni bis November 1962 im Rahmen des tmosphärischen Testprogramms „Operation Dominic“ durchgeführt wurden.
Die Detonationen fanden in Höhen zwischen 24 und 400 Kilometern über Johnston Island im Pazifischen Ozean statt. Bei den Tests wurden Thor-Raketen eingesetzt, um W50-Sprengkopf-Nutzlasten in die Exosphäre und Magnetosphäre zu befördern, was zu Sprengkräften zwischen 0,2 und 1,4 Megatonnen führte.
Ziel der Experimente war es, die Auswirkungen von Explosionen in großer Höhe auf Funkverbindungen, Radar und Satelliten zu testen, einschließlich der Bildung künstlicher Strahlungsgürtel und Polarlichter.
Viele Experten stellten sich außerdem die Frage, ob eine Atomexplosion in der oberen Atmosphäre als provisorischer Schutzschild gegen anfliegende Raketen dienen könnte.
Im unerbittlichen Wettstreit des Kalten Krieges kommt eine weitere Tatsache hinzu, dass auch die UdSSR mit Atomtests in großer Höhe experimentierte. Um ihre technologische und militärische Stärke und Überlegenheit zu beweisen, mussten die USA den Sowjets natürlich zuvorkommen.
Der bekannteste Test, Starfish Prime am 9. Juli 1962 beinhaltete eine 1,4 Megatonnen-Detonation in 400 Kilometern Höhe, die hochenergetische Elektronen in das Erdmagnetfeld freisetzte und anhaltende Strahlengürtel erzeugte, die mindestens ein Drittel der betriebsbereiten Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn beschädigte oder komplett zerstörten und Spannungsspitzen verursachten, die zu Ausfällen der Straßenbeleuchtung und Telefonunterbrechungen auf Hawaii führten, dass über 1400 Kilometer entfernt liegt.
Anders als bei einer herkömmlichen Atomexplosion erzeugt eine Detonation in dieser Höhe keinen klassischen Feuerball, keine Pilzwolke und keine Druckwelle. Aufgrund der Tatsache, dass die Atmosphäre extrem dünn ist, fehlt schlichtweg das Medium, in dem sich die Phänomene bilden können.
Stattdessen setzte die Bombe ihre Energie in Form intensiver Strahlung und Hochgeschwindigkeitsplasma frei und erzeugte so eine seltsam stille, sich langsam ausdehnende Lichtkugel. (Flacherdler in Panik: Erdkrümmung entdeckt (keine NASA)! Dogcam Strato-Ballon-Flug analysiert (Video))

Mehr als nur ein harmloses Lichtspektakel
Innerhalb weniger Sekunden nach der Detonation von Starfish Prime war der Himmel über dem Pazifik von einem unnatürlichen Leuchten erfüllt, insbesondere von sich kräuselnden, künstlichen Polarlichtern, und von einer gespenstischen Stille. Im Militärberichtet ist zu lesen:
„Die durch den Ausbruch verursachten sichtbaren Phänomene waren weit verbreitet und ziemlich intensiv, ein sehr großes Gebiet des Pazifiks wurde von den Polarlichtern erleuchtet.
Auf Johnston Island waren keine Geräusche zu hören, die eindeutig der Detonation zugeordnet werden konnten. Von der Explosion wurden starke elektromagnetische Signale sowie signifikante Störungen des Magnetfelds beobachtet.
Ein strahlend weißer Blitz durchfuhr die Wolken und verwandelte sich rasch in eine sich ausdehnende grüne Kugel aus Licht, die sich bis in den klaren Himmel über der Bewölkung erstreckte.
Von ihrer Oberfläche ragten große weiße Finger hervor, die Cirrostratuswolken ähnelten und in weiten Bögen bis zu 40 Grad über den Horizont aufstiegen, sich dann zu den Polen hin absenkten und innerhalb von Sekunden verschwanden, um von spektakulären konzentrischen, Cirrus-ähnlichen Ringen ersetzt zu werden, die sich mit enormer Anfangsgeschwindigkeit von der Explosion ausbreiteten und schließlich zum Stillstand kamen, als der äußerste Ring 50 Grad über dem Horizont stand. Sie verschwanden nicht, sondern verharrten in einem Zustand der Stille.“

Doch es war mehr als nur ein harmloses Lichtspektakel. Der Schauer hochenergetischer Partikel verursachte erhebliche Schäden auf ganz Hawaii, legte Straßenlaternen lahm, störte Telefonnetze und löste in Honolulu Alarm aus.
Dieses Ereignis lieferte einen direkten kausalen Beweis für die Ausbreitung elektromagnetischer Impulse (EMP) über interkontinentale Distanzen und verdeutlichte die Anfälligkeit ungeschützter elektrischer Infrastruktur und Weltraumanlagen gegenüber nuklearen Explosionen in großer Höhe.
Zusammen mit einem ähnlichen Höhentest der Sowjetunion im Oktober 1962 wird geschätzt, dass ein Drittel der Satelliten im Orbit durch die Strahlungswellen zerstört wurde.
Darunter befand sich auch der weltweit erste kommerzielle Kommunikations-Satellit AT&TS Telstar 1, der genau einen Tag nach Starfish Prime gestartet wurde. Im Februar 1963 stellte er seinen Betrieb ein. Der Grund: Die gesamte Elektronik war irreparabel geschädigt.
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Das Ausmaß des Schadens durch die Höhentests ist umso erschreckender, wenn man bedenkt, dass sich zu der Zeit nur 22 Satelliten im Orbit befanden – heute sind mehr als 15.000 und die Zahl wächst weiter rasant.
Sollte sich ein Ereignis wie „Operation Fishbowl“ wiederholen, wären die Folgen katastrophal. GPS und andere Navigationssysteme fielen aus, Finanzsysteme, die auf Satellitendaten angewiesen sind, brächen zusammen.


War sich die Wissenschaft der Folgen bewusst?
Weitere Tests, wie Kingfish (1. November, 400 Kilotonnen in 95 Kilometern Höhe) und Checkmate (19. Oktober, geringe Sprengkraft in 147 Kilometern Höhe), führten darüber hinaus zu ionosphärische Störungen und Wechselwirkungen von Betastrahlung mit der Atomsphäre.
„Operation Fishbowl“ war ein Codename. Einer unter vielen. Militäroperationen waren während des Kalten Krieges geprägt von ungewöhnlichen Namen. Was hatte es mit der Bezeichnung Fishbowl tatsächlich auf sich? Ein Fishbowl ist ein Aquarium, ein in sich abgeschlossener Raum, den man von außen betrachten kann.
Die Wissenschaft versuchte durch die Experimente wichtige Erkenntnisse zu erlangen. Was sie nicht wusste, waren die fatalen Folgen. Forschende wussten nämlich nicht, was die Tests tatsächlich bewirken würden.
Sie hatten Modelle, Vorhersagen und Simulationen – und sie wussten, dass es einen elektromagnetischen Impuls geben würde. Der kam nicht überraschend – doch er erreichte Systeme, die er eigentlich nicht hätte erreichen sollen.
Alarmsysteme wurden ausgelöst, Kommunikationssysteme fielen aus, Telefonleitungen waren gestört – hinzu kommt die Tatsache, dass einige der Systeme so konstruiert waren, dass sie nuklearen Störungen eigentlich hätten standhalten sollen – trotzdem haben sie am Ende versagt.
Für Wissenschaftler stellte sich die Frage: Was geschah dort oben wirklich? Der EMP-Effekt war stärker als vorhergesehen. Über dem Pazifik bildeten sich Polarlichter, die sich über den Nachthimmel an Orten erstreckten, wo man sie eigentlich nicht erwartet.
Hawaii. Neuseeland. Samoa – Orte, die Tausende von Kilometern voneinander entfernt liegen. Alle sahen dasselbe Farbspektakel: Grüne, rote und violette Lichtwellen, die sich durch die obere Atmosphäre bewegten – und das zum Teil über Wochen.

Polarlichter treten für gewöhnlich nur in der Nähe der Pole auf. Das heißt, dieses Ereignis künstlich erzeugt, weil die Detonation gewaltige Mengen an geladenen Teilchen freisetzte.
Anstatt dass sie in den Weltraum entweichen, wurden sie vom Erdmagnetfeld an Ort und Stelle gehalten, wodurch etwas völlig Neues und Unerwartetes entstand: Künstliche Strahlungsgürtel mit weitreichenden Folgen für die relativ junge Satelliten-Technologie.
Das heißt, ein Test zur Erforschung des Weltraums führte dazu, dass genau die Technologie beschädigt wurde, von der man erwartet hatte, dass sie geschützt sei, was zu der Frage führt: Womit interagierte die Explosion, um all das auszulösen, denn es handelte sich in diesem Fall nicht nur um Energie, die sich durch einen leeren Raum bewegte?
Das war eine Reaktion, die von der Wissenschaft offenbar nicht ganz verstanden wurde. Die Magnetosphäre ist im Wesentlichen ein Schutzschirm, der unseren Planeten umgibt, um geladene Teilchen aus dem Weltraum abzuhalten.
Die Kuppel beschossen?`
Das Magnetfeld ist dynamisch und fließend. Als die Teilchen der Explosion in das Feld eindrangen, wurden sie wie erwartet gestoppt, begannen sich zu bewegen, spiralförmig um die Erde kreisend, erzeugten bei der Kollision mit Atomen in der oberen Atmosphäre jene künstlichen Polarlichter.
Auch der EMP, der durch die Wechselwirkung der geladenen Teilchen mit dem Erdmagnetfeld entstand, wurde durch die schnelle Bewegung der Teilchen erzeugt.

Entscheidend ist, dass Wissenschaftler die Grundlagen dieser Prozesse zwar kannten – doch Theorie und Praxis sind bekanntlich oft weit voneinander entfernt. in manchen Fällen weicht die Praxis von der Theorie so weit ab, dass sie ein besorgniserregendes Ausmaß annimmt. Wie in diesem Fall.
Die Strahlung hielt länger an als erwartet, der EMP reichte weiter und auch die Schäden an den Satelliten waren schwerwiegender als vermutet. Da auch sowjetische Höhenforschungstest zu ähnlichen Ergebnisse kamen, war dies kein einmaliges Ereignis. Was also führte zu diesen verheerenden Folgen?
Eine der am häufigsten diskutierten Theorien kommt aus der Community der Flache-Erde-Bewegung. Deren Theorie basiert bekanntlich auf eine sehr einfache Idee, dass die Erde kein offenes, sondern ein geschlossenes System ist; eine Struktur, die oft als Kuppel oder Firmament beschrieben wird.
Im Rahmen dieser Theorie betrachtet, sieht die „Operation Fishbowl“ ganz anders aus. Statt eines rein wissenschaftlichen Tests wird nach dieser Theorie daraus ein Versuch, die Kuppel zu erreichen oder zu durchbrechen.
Die Detonation in 400 Kilometern Höhe wird von Flacherdlern also nicht als Explosion im offenen Weltraum interpretiert, sondern als Einschlag– also als etwas, das auf Widerstand trifft.
Selbstverständlich bewegt sich diese Theorie außerhalb der etablierten Wissenschaft, weil es keinerlei Beweise für eine physische Kuppel gibt. Trotzdem ist sie eine der meisten diskutierten Theorien zu diesem Ereignis im Internet.
Auch der Codename „Operation Fishbowl“ bekommt in diesem Zusammenhang eine völlig andere Bedeutung – betrachtet man den Weltraum als eine abgeschlossene Umgebung.
Um klarzustellen: Die Kuppel-Theorie ist eine Überzeugung einer Gemeinschaft mit Mitgliedern, die versucht, etwas zu erklären, für das die Wissenschaft ihrer Ansicht nach keine überzeugende Erklärung liefert.
Die gute Nachricht ist, dass die Welt aus den Fehlern der „Operation Fisbowl“ gelernt hat. Die gravierenden Folgen der Höhentests trugen dazu bei, die USA und die UdSSR an den Verhandlungstisch zu setzen, um den Atomteststopp-Vertrag zu unterzeichnen, der im August 1963 vereinbart wurde und Atomexplosionen in der Atmosphäre, unter Wasser und im Weltraum verbietet.
Mehr über die Innere und Flache Erde lesen Sie in „DUMBs 2“ und über die Eiswand in „Antarktis: Hinter der Eiswand“.
Video:
Wir untersuchen die Theorien, die aus diesem Ereignis hervorgegangen sind … darunter Interpretationen im Zusammenhang mit der Theorie der flachen Erde, der Idee eines Firmaments oder einer Kuppel sowie der Frage, ob die Operation Fishbowl von manchen als Versuch gesehen wurde, eine Grenze zu überschreiten.
Nicht als Schlussfolgerungen, sondern als Perspektiven, die sich um eine ungelöste Frage ranken. Denn wenn reale Ereignisse nicht vollständig den Erwartungen entsprechen, suchen die Menschen nach Antworten an anderen Orten.
Dieses Video trennt das, was wir wissen, von den Vermutungen und von den noch offenen Fragen.
Denn was auch immer 1962 geschah … wir haben es nie wiederholt.
Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 24.04.2026
