Umstrittene Spanien-Hilfe: „Drogenabhängige werden nicht durch noch mehr Drogen geheilt“

Das europäische Hilfsprogramm für Spaniens Banken sorgt für Feierstimmung an den Börsen. Experten und Politiker warnen dagegen vor falscher Euphorie. Sie halten die Rettungsaktion für den falschen Weg.

Am Ende war der Schritt nicht wirklich überraschend. Dass Spanien wegen seines maroden Finanzsektors unter den Euro-Rettungsschirm flüchtet, war nach Überzeugung vieler politischer Beobachter nur eine Frage der Zeit.

Dass die Finanzhilfen ausgerechnet zur Rekapitalisierung der angeschlagenen Banken ausgerechnet jetzt gewährt werden, hat aber wohl auch damit zu tun, dass am Wochenende in Griechenland erneut gewählt wird und man fürchtet, ein Linksrutsch könnte neue Schockwellen auslösen und Krisenländer wie eben Spanien erst recht zum Kippen bringen. Insofern rechneten auch die Marktteilnehmer damit, dass Europa der Regierung in Madrid Hilfsmilliarden bereitstellt.

Die Euro-Finanzminister haben sich dazu bereit erklärt, bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Nach der Hilfszusage stiegen die Aktienkurse heute weltweit. Börsianer warnten aber, dass die aktuelle Erholung vor allem auf das Konto von Käufen derjenigen Investoren gehe, die auf weiter fallende Kurse gewettet hatten. Das ist nicht der einzige Wermutstropfen inmitten der Euphorie. Ökonomen und Politiker warnen schon davor, die falschen Schlüsse aus der Spanien-Aktion zu ziehen.

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz qualifizierte das Banken-Hilfsprogramm gar „Voodoo-Ökonomie“ ab. „Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung“, sagte Stiglitz der Nachrichtenagentur Reuters. Dies könne nicht funktionieren. Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben. Man muss sich dem zugrundeliegenden Problem stellen, und das ist: das Wachstum zu fördern“, sagte der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton.  „Deutschland hält daran fest, dass die Stärkung durch Haushaltsdisziplin kommt, aber das ist ein komplett falsche Diagnose“, warnte Stiglitz. Der Preis, den Deutschland für einen Zerfall des Euro zahlen müsse, sei höher als der Preis für die Rettung der Gemeinschafts-währung.

Mehr im Text und ein kurzes Video im unteren Link

Quellen: Reuters/Handelsblatt vom 11.06.2012

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