Fledermäuse: Probleme bei der Futtersuche

Mehr als die Hälfte der über 1.000 Fledermausarten weltweit sind vom Aussterben bedroht. Als Hauptursache galt bisher die Zerstörung ihrer Lebensräume, wie etwa die Abholzung der Wälder. Britische Wissenschaftler wiesen nun auf eine neue Gefahr für Fledermäuse hin: die Erderwärmung. Das meldete die BBC am Freitag.

Einer aktuellen Studie der Zeitschrift „Mammal Review“ zufolge leiden die Fledermäuse schon lange unter den steigenden Temperaturen. Die Auswirkungen seien bereits „alarmierend“, so die Autoren der Studie. Für die Zukunft seien allerdings noch schwerwiegendere Folgen zu erwarten, so die Forscher der Queens University in Belfast.

Gestörter Winterschlaf

So müssten die Tiere etwa weitere Strecken als bisher zur nächsten Wasserstelle zurücklegen, was besonders für säugende Fledermausweibchen ein Problem darstelle. Fledermäuse seien anfälliger für Dehydration als andere Säugetiere ähnlicher Größe, da Wasser über ihre großen Flügelflächen schnell verdampft. Auch für jene Fleder-mausarten, die Insekten während des Fluges fangen, werde die Futtersuche erschwert. Laut der Studie sind 38 der 47 Fledermausarten, die in Europa und Nordamerika heimisch sind, davon betroffen.

Auch der Winterschlaf und die Winterstarre der Fledermäuse würden durch wärmeres Wetter stark beeinträchtigt. Die Tieren erwachen laut der Studie früher und können so weniger Energie speichern, so die Wissenschaftler. Elf Fledermausarten in Europa und Nordamerika, die ihren Winterschlaf in Höhlen oder auf Bäumen abhalten, sind davon betroffen.

Auch extreme Hitzewellen oder Dürren in immer kürzeren Abständen würden lokale Fledermauspopulationen komplett auslöschen. So sind etwa in Australien laut der Studie aufgrund langer Hitzewellen 30.000 Flughunde – eine Säugetierfamilie aus der Ordnung der Fledertiere – gestorben.

„Faszinierende Säugetiere“

Fledermäuse sind laut UNO-Umweltprogramm UNEP ein wichtiger Bestandteil der Ökosysteme in aller Welt. Viele Fledermausarten spielen eine wichtige Rolle für das Ökosystem – sie bestäuben Blüten von Pflanzen und verbreiten deren Samen. Sie bekämen im Gegensatz zu Tigern und Elefanten allerdings nur wenig positive Aufmerksamkeit.

Gefährdet sind Fledermäuse vor allem durch die Zerstörung ihrer Lebensräume. 2010 riefen die Vereinten Nationen das Jahr der Fledermaus aus. Fledermäuse seien „faszinierende Säugetiere“, die eine „unverzichtbare Rolle beim Erhalt unserer Umwelt spielen“, hieß es damals vom Eurobats-Sekretariat (Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen) der UNEP.

Wien ist Heimat für 20 Fledermausarten

Wien ist mit seinen vielfältigen Lebensräumen und Schutzgebieten eine der fledermausreichsten Großstädte Europas. Im Frühjahr vergangenen Jahres hat die Wiener Umweltschutzabteilung eine von ihr in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht, die von der „Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich“ (KFFÖ) durchgeführt wurde und dem Fledermausbestand in Wien ein sehr gutes Zeugnis ausstellt.

20 der 28 in Österreich vorkommenden Fledermausarten wurden in Wien nachgewiesen. Für einige dieser Arten wie etwa Abendsegler, Große und Kleine Bartfledermaus, Graues Langohr oder Mopsfledermaus führt die Wiener Umweltschutzabteilung im Rahmen ihres Programmes Netzwerk Natur ein Schutzprogramm durch.

Quellen: orf.at/news.gino-richarz.de vom 26.08.2012

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