Operation Himmler: Unter "Falscher Flagge" in den Zweiten Weltkrieg (Videos)

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Operation Himmler (weniger oft bekannt als Operation Konserve) war ein 1939 unter „Falscher Flagge“ (False Flag) realisiertes Projekt von Nazi-Deutschland, um den Eindruck zu erwecken, das in Polen eine Aggression gegen Deutschland allgemein vorherrscht, was später von der Nazi-Propaganda instrumentalisiert wurde, um den Überfall auf Polen zu rechtfertigen. Operation Himmler war wohl der erste Akt des Zweiten Weltkriegs in Europa.

(Bild: Gliwice Funkturm heute. Es ist die höchste Holzkonstruktion in Europa)

Monate vor der Invasion 1939 haben deutsche Zeitungen und Politiker wie Adolf Hitler eine nationale und internationale Propaganda-Kampagne gegen polnische Behörden geführt. Die Kampagne: angebliche Organisation und Tolerierung der ethnische Säuberung der Volksdeutschen in Polen.

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Der Plan, nach seinem Urheber Heinrich Himmler benannt, wurde von Reinhard Heydrich betreut und von Heinrich Müller organisiert. Das Ziel dieser „False Flag“ Operation war es, den Anschein zu erwecken es gäbe eine polnische Aggressionen gegen Deutschland, die verwendet werden kann, um einen deutschen Angriff auf Polen zu rechtfertigen. Hitler kann auch gehofft haben, Polens Verbündete wie Frankreich und Großbritannien zu verwirren, um deren Kriegserklärung an Deutschland zu verzögern.

Es gab unterschiedliche Operationen, inklusive der inszenierten Angriffe:

  • die strategische Eisenbahn bei Jablunka, an der Grenze zwischen Polen und der Tschechoslowakei gelegen
  • der deutsche Radiosender Sender Gleiwitz (Gliwice)
  • die deutsche Zollstation am Hochlinden (heute Teil von Rybnik – Stodoły)
  • der Wald-Tankstelle in Pitschen

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(Fotografie 1939: Zeigt von links nach rechts: Franz Josef Huber, Arthur Nebe und die drei Männer für die Planung verantwortlich: Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und Heinrich Müller)

Der Spiegel 1963 – Operation Konserve: Fall Gleiwitz

Im Halbdunkel schleifen zwei Männer den Bewußtlosen zur Tür. Drei Schüsse fallen, der Bewußtlose stirbt. Während die Männer in der Dämmerung davonstaksen, erscheint im Hintergrund der Funkturm des Senders Gleiwitz. Und auf der Leinwand ist zu lesen: „43 Millionen Tote.“

Mit dieser Szene, der ein Kritiker des Westberliner „Tagesspiegel“ „besondere Eindringlichkeit“ bescheinigte, endet ein Film der sowjetzonalen Staatsfilmgesellschaft Defa: Er wurde bereits 1960 gedreht, aber erst vor kurzem – in Filmklub-Veranstaltungen – erstmals in der Bundesrepublik gezeigt: „Der Fall Gleiwitz“.

Thema des Films ist die Rekonstruktion eines Vorfalls, der – so notierten die „Viertel-jahrshefte für Zeitgeschichte“ – zwar „den Verlauf der Geschichte nicht beeinflußt“, aber dennoch „bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt“ hat: Am 31. August 1939 überfielen deutsche SS-Leute, als Polen verkleidet, den Sender Gleiwitz, verlasen vor dem Mikrophon einen fingierten Aufruf polnischer Aufständischer („Der Rundfunksender Gleiwitz ist in unserer Hand“) und lieferten damit den Nationalsozialisten einen Vor-wand für den Überfall auf Polen.

Anführer des SS-Kommandos, das den Handstreich nach Anweisungen des Gestapo-Chefs Heinrich Müller inszenierte,war der damalige SS-Sturmbannführer Helmut Naujocks. Er ist auch die Hauptfigur des Defa-Films, den die Drehbuch-Autoren – Wolfgang Kohlhaase und Günter Rücker – als „Versuch einer Dokumentation mit künstlerischen Mitteln“ gewertet wissen wollen.

Tatsächlich bescheinigten auch westdeutsche Kritiker dem Gleiwitz-Film, der von dem Regisseur Gerhard Klein mit Verfremdungs-Techniken und harten Bildschnitten à la Eisenstein inszeniert wurde, künstlerische Qualitäten. „Ein ausgezeichneter Film“, lobte etwa „Die Welt“, und der „Tagesspiegel“ fand: „Seit Staudtes ‚Untertan‘ … der optisch stärkste, seit Konrad Wolfs ‚Sterne‘ der geschlossenste und überzeugendste Film der Defa.“

Die Authentizität des Filmes freilich erwies sich in einigen Punkten als ebenso frag-würdig wie einst die NS-Berichterstattung über den Fall. Obwohl der Handstreich auf den schlesischen Sender nur eine von mehreren ähnlich inszenierten Grenzprovokationen war; wurde vornehmlich der Gleiwitz-Zwischenfall in der NS-Presse hochgespielt – in unterschiedlichen Versionen. Die „Oberschlesische Volksstimme“ meldete am 1. September 1939, es sei gelungen, „alle Aufständischen gefangen zu nehmen“. Dagegen hieß es im „Weißbuch“ des Auswärtigen Amts einige Zeit später: „Die Aufständischen wurden durch deutsche Grenzschutzbeamte vertrieben.“ Und während der „Völkische Beobachter“ von einem „polnischen Freiwilligenkorps oberschlesischer Aufständischer“ sprach, war in der NS-Monatsschrift „Das Archiv“ sechs Wochen später von einer „Beteiligung regulärer polnischer Soldaten“ die Rede.

Daß es reguläre deutsche SS-Leute waren, die den Gleiwitzer Sender überfielen, ist mittlerweile die einzige unbestrittene Erkenntnis der Historiker. Über den Ablauf des Handstreichs hingegen kursieren etliche Darstellungen, die einander in wesentlichen Punkten widersprechen.

Die jüngste Version lieferte der Weilburger Historiker Jürgen Runzheimer in einer Untersuchung, die Ende vergangenen Jahres in den „Vierteljahrsheften für Zeitge-schichte“ veröffentlicht wurde. Seine Arbeit stützt sich auf Mitteilungen eines „möglichst großen Kreises von Zeugen … der in der Lage war, aus direkter oder indirekter Zeugen-schaft Hinweise über den Vorfall zu geben“. Runzheimer rekonstruiert das Geschehen so:

Am Vorabend des Krieges, kurz vor 20 Uhr, betraten fünf Männer in Zivil den Sende-raum. Sie fesselten „dem gesamten Personal … die Hände mit einer dünnen Schnur“ und brachten die Gefangenen in den Keller. Dann wurden drei der Senderangestellten nach-einander wieder heraufgeholt, „geschlagen und mit Pistolen bedroht“; sie sollten den Eindringlingen „die technische Einrichtung (des Senders) erklären“.

Wesentlich glimpflicher verlief der Handstreich nach der Darstellung des Haupt-beteiligten Naujocks: „Es ist kein Mensch geprügelt worden“ (siehe Interview Seite 71). Das SS-Kommando habe – so Naujocks – in der Tat von den Angestellten des Senders erfahren, wo das Gewittermikrophon aufbewahrt wurde, mit dessen Hilfe man sich in eine laufende Sendung einschalten konnte. Aber: „Sie haben (es) uns gesagt“, längere Verhöre waren dazu „gar nicht nötig“.

Am umstrittensten jedoch ist die Frage, wie der Schlußakt des Gleiwitzer Hörspiels ausgegangen ist. Übereinstimmend meldete die NS-Presse, daß ein Toter am Tatort zurückgeblieben sei; er sollte offenbar als Corpus delicti den Eindruck vortäuschen, es seien Polen gewesen, die den Sender überfielen. Ungewiß ist, wer der Mann war und wer ihn tötete.

Die verblüffendste Identifikation nahm Historiker Runzheimer vor. Nach seiner Darstellung war der Tote ein SS-Mann, ein SD-Mann (Angehöriger des Sicherheits-dienstes) der Todesschütze.

Einer der Naujocks-Gehilfen sei – so Runzheimer – während des Handstreichs zur Bewachung des überwältigten Senderpersonals in den Keller kommandiert worden. Als dann der SS -Trupp, nach Verlesung des Aufrufs, abgezogen sei, habe man „in der Hast“ oder wahrscheinlich sogar mit Absicht den Posten im Keller „vergessen“. Als der Zurückgebliebene dann zu fliehen versuchte, habe „ein Angehöriger des SD, der auf der Tarnowitzer Straße (vor dem Sender) vorüberging“, ihn entdeckt und erschossen.

Diese Version des Zeitgeschichtsforschers beruht freilich auf vagen Quellen: Kronzeugnis der Untersuchung ist ein Bericht des – namentlich nicht genannten – ehemaligen Gleiwitz-Sendeleiters „N.“, den dieser im Jahre 1949 „aus der Erinnerung“ (Runzheimer) ver-fertigte.

Die Erinnerung des Zeugen N. wiederum gründet sich lediglich auf Erinnerungen anderer (inzwischen verstorbener oder verschollener) Zeugen: Denn N. war im Juni 1939, also drei Monate vor der Aktion, von Gleiwitz abberufen und nach Oppeln versetzt worden. Nur gesprächsweise hörte er bei einem „Besuch am (dem Überfall) folgenden Wochenende“ vom Betriebspersonal, was sich zugetragen hatte.

Um diese Schilderung der Geschehnisse aufrechtzuerhalten, mußte Runzheimer sich denn auch entschließen, nahezu allen Einlassungen des Hauptbeteiligten Naujocks „keinen Glauben (zu) schenken“. Dabei bleibt jedoch fraglich, warum ausgerechnet Naujocks eine Darstellung präsentiert, die ihn eher belasten muß. Das Opfer, sagt Naujocks, sei nicht etwa einer seiner Leute, sondern ein KZ-Häftling gewesen. Naujocks: „Meine Leute sind alle nach Hause gekommen.“

Bei seiner Vernehmung während der Nürnberger Prozesse hatte Naujocks zu Protokoll gegeben, Gestapo-Chef Müller habe für die Gleiwitz-Aktion und für andere, gleichzeitig inszenierte Grenzprovokationen „ungefähr zwölf oder dreizehn verurteilte Verbrecher“ bereitgestellt. Es habe sich um Personen gehandelt, „denen polnische Uniformen ange-zogen werden sollten und deren Leichen auf dem Schauplatz der Vorfälle liegengelassen werden sollten, um zu zeigen, daß sie im Laufe der Anschläge getötet worden seien“.

Daß diese „verurteilten Verbrecher“ KZ-Häftlinge waren, entnahmen Jahre später die Defa-Rechercheure einem bislang unveröffentlichten Bericht, den ehemalige Insassen des Konzentrationslagers Sachsenhausen für das sowjetzonale „Komitee der antifaschisti-schen Widerstandskämpfer“ verfertigten. Danach sollen „etwa am 25. August 1939“ vier Häftlinge aus Sachsenhausen „per Bahn und Pkw in das Gestapo-Gefängnis Breslau gebracht worden“ sein; zwei von ihnen kehrten nie zurück und wurden später „von der Lagerstärke als tot abgesetzt“.

Daß einer der KZ-Häftlinge bei der Gleiwitz-Aktion geopfert wurde, hält Naujocks für wahrscheinlich. Allerdings: „ich selbst habe damit gar nichts zu tun.“ Beauftragte des Gestapo-Chefs Müller hätten den Häftling zum vereinbarten Zeitpunkt zum Sender gebracht und ihn neben dem Eingang hingelegt. Naujocks: „Ich habe ihn mir angesehen … aber ich weiß nicht einmal, ob dieser Mann dort wirklich erschossen wurde.“

Die sowjetzonale Defa folgte bei der filmischen Aufbereitung des Gleiwitz -Handstreichs weder einer Fassung à la Runzheimer noch dem ehemaligen Kommandochef Naujocks. Der Film endet damit, daß der KZ-Häftling – laut Drehbuch das erste von 43 Millionen Opfern des Zweiten Weltkrieges – durch Injektion eines Medikaments bewußtlos gemacht und erschossen wird: von Naujocks.

Allerdings gestanden die Defa-Leute ein, daß sie sich bei dieser Version von „dramaturgischen Notwendigkeiten“ leiten ließen; wer den tödlichen Schuß abgab, war für sie „nicht weiter von Belang“ (Drehbuchautor Rücker). Doch wollten sie darstellen, daß Naujocks „einer der Spezialisten für ‚Dreckarbeiten‘ war“.

Das von der Defa angefertigte Naujocks-Konterfei als „nordischer Stiefelknecht“ (so die „Welt“) nahm auch der Hamburger Generalstaatsanwalt Buchholz in Augenschein. Nach der Vorführung leitete er gegen Naujocks ein Ermittlungsverfahren ein.

Video: Operation Himmler: Nazi’s false flag to legitimize the invasion of Poland

Video: Defa-Spielfilm „Der Fall Gleiwitz“. Der Fall Gleiwitz ist ein Spielfilm der DEFA aus dem Jahr 1961. Die Handlung wurde nach den Aussagen des SS-Mannes Naujocks vor britischen Vernehmungsbehörden und im Nürnberger Prozess minutiös rekonstruiert.

Nachtrag 13.08.2014:

Auf Youtube einen Monat nach unserer Artikelveröffentlichung gelöscht!

Hier die gesicherte Version auf Vimeo:

Anm. d. Red.: Alle Quellennachweise finden Sie im englischsprachigen Wikipedia-Artikel. Operation Himmler wird auch auf der Seite der renommierten Princeton Universität erwähnt. Deutschsprachig-wissenschaftliche Texte oder Auswertungen der Operation – kaum auffindbar, Geschichte soll vergessen und verdreht werden.

Quellen: PRAVDA TV/Wikipedia/SpiegelOnline/Princeton University vom 24.06.2014

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19 comments on “Operation Himmler: Unter "Falscher Flagge" in den Zweiten Weltkrieg (Videos)

  1. Einspruch: Die Situation der Volksdeutschen in Polen vor der Operation „Gleiwitz“ war tatsächlich verheerend. Die Menschen wurden von Polen diskriminiert, verfolgt und ermordet.
    Meine Urgroßelternm flohen lange vor Gleiwitz aus Posen aus eben diesen Gründen.
    Das Management der Kriegsankurbelung funktionierte wie heute noch immer und überall gleich.
    Die gleichen Täter die heute noch Kriege anzetteln, bereiteten auch 1939 das Feld für die Katastrophe. Und immer ging es um Gewinnmaximierung. Dumme, die den ersten Schuß abgeben, findet man überall.

  2. Auch diese Nachrichtenquelle gehört nun zu den nicht mehr ganz vertrauenswürdigen. Die Wahrheit kennt keine Guten und Bösen, denn die hats im Krieg noch nie gegeben.

  3. Warum werden immer wieder solche Themen in solchen Foren aus der Sichtweise der schwarz-weiß Aufarbeiter präsentiert. Wollt ihr provozieren, seit ihr instrumentalisiert, vielleicht beides?
    Wissenschaftsfreiheit, Forschungsfreiheit – ewige Kriterien.
    Fast Hundert Jahre waren wir die Bösen für den ersten Weltkrieg, letzte Rate 2010 und nichts kommt zurück.
    Ich mußte mich motivieren, um überhaupt zu reagieren.

  4. Achso.
    Das leidige Thema: wer hat angefangen?
    Jeder weiß es heute, es bringt nichts mehr die Wahrheit hinter den Massakern zu verstecken wie Katyn, es waren die Russen in diesem Fall wie so oft.
    Deutsche wurden überfallen, vertrieben, ermordet.
    Und der Führer zog los um sie zu retten und zu verteidigen.
    Kamarad Putin tut heute dasselbe auf der Krim und in der Ukraine.

  5. Nennt sich „False Flag Operationen“. Sehr altes und beliebtes Mittel WELTWEIT um Landsleute umzustimmen für Kreig!

    Nur mal am Rand bemerkt:
    Weshalb hat wohl Himmler und Co. das Templer-V auf seinem Arm (siehe obiges Bild)?!! Militärisches (Schein-) Rangabzeichen hin oder her………
    –> Der Fuchsbau geht noch tiefer wenn man sich mal mit denen Beschäftigt…….

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