Kanada: Fracking löst bislang größtes Erdbeben aus – Oklahoma und Groningen: Zwei Erdgasfelder im Fokus (Video)

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In Kanada ist das stärkste bislang durch Fracking nachgewiesene Erdbeben registriert worden. Ende Januar bebte die Erde mit einer Stärke von 4,4 auf der Richterskala. Eine US-Behörde spricht von noch nie dagewesenen menschengemachten Erdbeben.

Es ist das vermutlich größte Erdbeben, das durch die umstrittene Fracking-Methode aufgezeichnet wurde. Nahe der Stadt Fox Creek im kanadischen Bundesstaat Alberta wurden Ende Januar mehrere Erdbeben durch Fracking gemessen, das größte hatte eine Stärke von 4,4 auf der Richterskala. Das berichtet die kanadische Nachrichtenseite thetyee.ca.

(Bild: Ein Bohrturm außerhalb von Fox Creek im kanadischen Bundesstaat Alberta)

Kanadische Wissenschaftler und Seismologen beobachten die Region rund 260 Kilometer nordwestlich von Edmonton schon seit einiger Zeit. Denn seit dort mehrere Fracking-Firmen wie Chevron Canada, ExxonMobile, Encana, Talisman und Apache vor etwa einem Jahr ihre Aktivitäten entlang einer Linie von zwei Kilometer langen Bohrlöchern intensivierten, treten immer wieder kleiner Erdbeben auf. Sogar ganze Erdbeben-Ketten sind zu beobachten. Und sie finden immer dann statt, wenn mit Fracking Gesteinsschichten tief unter der Erde aufgebrochen werden.

Viele Bürger in der Region sind besorgt, doch die lokalen Behörden reagieren passiv oder abwehrend. Denn Fox Creek mit seinen gerade einmal 2.000 Einwohnern lebt vom schmutzigen Geschäft mit Öl und Gas. Dennoch fordern Anwohner eine bessere Überwachung der Auswirkungen durch die Machenschaften der Konzerne, besonders was Luft, Wasser, Boden und die Gesundheit der Menschen in der Umgebung angeht.

US Geological Survey: „menschengemachte Erdbeben“

Daten des United States Geological Survey, einer Forschungsbehörde des US-Innenministeriums, zeigen eindeutig, dass die Fracking-Industrie für noch nie dagewesene menschengemachte Erdbeben verantwortlich ist. Die Wissenschaftler beziehen sich dabei besonders auf die östlichen und zentralen US-Bundesstaaten, in denen auch die größten Fracking-Aktivitäten stattfinden.

Erst Anfang Januar war bekannt geworden, dass Forscher der Miami University in Oxford (Ohio) ein relativ starkes und ungewöhnliches Erdbeben in einer Analyse zweifelsfrei auf Fracking zurückführen konnten. Dabei ist das Erdbeben aus dem März 2014 in Poland (Ohio) nicht auf neue Verwerfungen zurückzuführen. Vielmehr wurde durch das Fracking in der Region eine alte, bislang unbekannte Verwerfung wieder aktiviert. Insgesamt untersuchten die Forscher 77 Erdbeben mit den Stärken 1 bis 3 auf der Richterskala. Ein Vergleich der Beben mit den Frackingaktivitäten in der Region zeigte eine klare zeitliche und räumliche Übereinstimmung.

Oklahoma und Groningen – Zwei Erdgasfelder im Fokus

Es bleiben bisher zwei unendliche Geschichten, die Bewohner beider Regionen gleichauf verängstigen. In beiden Regionen bebt es seit Jahren, in einer mehr, in der anderen weniger. Aber sowohl Ursache als auch Effekte sind die gleichen: Erdgasförderung und hunderte beschädigte Häuser. Auch die Reaktionen sind an beiden Orten gleich: Der Wunsch der Betroffenen, endlich wieder ruhig leben zu können, ohne sich jeden Tag Sorgen um Leben und Eigentum zu machen.

In Oklahoma leben die Menschen in einer Region, die wie keine andere die seismischen Folgen der Erdgasförderung zu spüren bekommt. Aus einem Staat, der praktisch erdbebenfrei war, wurde binnen weniger Jahre der US Bundesstaat mit den meisten Erdbeben. Dreimal mehr als in Kalifornien wurden im Jahr 2014 registriert. Das Überwachungsnetz wurde so weit ausgebaut, das nun ähnlich wie im “Earthquake State” an der Westküste jede kleinste Bewegung erfasst wird.

Wie viele Häuser schon durch die Erdbeben – täglich bebt es mit Magnitude 3, besonders im Norden von Oklahoma – beschädigt wurden, ist unklar. Wie viele es noch werden, ebenfalls. Auch wenn niemand der Behauptung, Erdgas-/Erdölförderung und die Einlagerung von Brauchwasser in Gesteinsschichten ist die Ursache der Erdbeben, widersprechen würde. Der Beweis fehlt.

Studien über die Erdbeben, vor allem über das große (M5.7) im Jahr 2011, mit dem alles angefangen hat, wurden nie fertig gestellt. Manche sagen, die Öl und Gaskonzerne übten Druck auf die Forscher aus. Auch spezielle Erdbebenkomittees, die von den Behörden ins Leben gerufen wurden, um die Erdbeben zu untersuchen, sind stark von den Konzernen geprägt, während Anwohner und Betroffene nicht vertreten sind.

Bis auf Alfalfa Country, ein kleines Verwaltungsgebiet nahe der Grenze zu Kansas, das die Einlagerung von Brauchwasser an manchen Standorten untersagte, reagierte noch niemand auf die Erdbeben. Ein Ende der Geschichte ist somit noch nicht absehbar. Wohin der Spannungsbogen noch führt, diese Frage wird mehr diskutiert als je zuvor. Viele Seismologen sind sich einig: Ein weiteres großes Erdbeben wie 2011 kann jederzeit passieren. Andere sehen es noch pessimistischer: Alte Verwerfungen, die sich durch Oklahoma ziehen, haben das Potential für Beben bis Magnitude 7.

Sie sind seit Jahrmillionen inaktiv, aber das waren alle kleineren, die in den letzten Jahren ihr “Revival” erlebten, auch. Diese Bedrohung haben viele Bewohner erkannt, investieren nun in Erdbebenversicherungen. Darauf reagierten einige Versicherungen und schlossen (durch menschliche Aktivitäten) induzierte Erdbeben aus ihrem Service aus. Sollte die Ursache je zweifelsfrei geklärt werden, müssen die Erdöl- und Erdgaskonzerne für die Schäden aufkommen. Was diese im seit 2014 erdbebenbetroffensten Bundesstaat der USA natürlich ganz genau wissen.

Video:

Die Zeitung Tulsaworld stellt eine umfangreiche Sammlung über Artikel, Zeugenbefragungen und Interviews mit Seismologen, sowie tägliche Erdbebenupdates auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Groningen im Norden der Niederlande ist im Vergleich zu Oklahoma deutlich kleiner. Sowohl die Größe, als auch die Kapazität an Rohstoffen ist geringer. Entsprechend auch die Erdbeben. Es bebt zwar fast täglich, meist sind diese Erdbeben kleiner als Magnitude 2 und somit nicht oder nur sehr leicht spürbar. Dennoch: Seit Jahren bleibt es nicht bei diesen kleinen. Beben um Magnitude 3 treten alle paar Monate auf. Die sturmerprobten Häuser in einer Region ohne natürliche Erdbeben können diesen wenig entgegen setzen. Mit jedem Beben gehen bei den Betreibern der Erdgasfelder, die je zur Hälfte Shell und Exxon Mobile gehören, hunderte Schadensmeldung ein, die alle entschädigt wurden. Nicht auszudenken, was bei stärkeren Erdbeben, Magnitude 4 oder Magnitude 5, passieren könnte.

Um diesen Szenario zu entgehen, reagieren die Behörden. Nachdem bereits vergangenes Jahr die Fördermenge an Erdgas stark reguliert wurde, setzte man das Limit nun noch weiter nach unten. Von 42 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2014 soll es in den ersten 6 Monaten des Jahres 2015 auf 16 Milliarden herunter gehen. Danach wird entschieden, ob es weiter gesenkt wird, oder nicht.

Zudem wird in die Sicherheit der Gebäude investiert. Meldungen aus dem Jahr 2013 gaben an, dass 60% aller Häuser in Groningen schon Erdbebenschäden erlitten haben. Weitere sollen nicht hinzukommen. Neue Gebäude unterliegen nun Richtlinien, die Erdbebensicherheit garantieren sollen. Tausende bestehende Gebäude, allen voran öffentliche, werden nachgebessert.

Zwei Pläne, die die Sicherheit der Menschen gewährleisten sollen. Wie effektiv diese sind, wird die Zukunft zeigen. Klar ist: Größere Erdbeben würden sich nicht nur auf Groningen beschränken. Bereits jetzt treten einige der kleinen Erdbeben nur wenige Kilometer von Deutschland entfernt auf. Der Schwerpunkt liegt etwa 25 km von der Grenze entfernt, die nicht nur für Touristen und Einkäufer offen ist. Beben über Magnitude 4 würden auch Ostfriesland treffen. Beben über Magnitude 5 weite Teile von Niedersachsen, wo die sturmerprobten Häuser nicht den gängigen Erdbebenrichtlinien entsprechen.

Zwei Regionen, eine Ursache, zwei unterschiedliche Reaktionen. Während in einer die unendliche Geschichte in die nächste Runde geht, wird im zweiten an einem glücklichen Ende der Geschichte gearbeitet. Wann mit dem Kapitel abgeschlossen werden kann, wird die Zukunft zeigen.

Quellen: energiezukunft.eu/juskis-erdbebennews.de vom 11.02.2015

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