Kriegsspiele und Kampfregeln: Die Weltordnung im Stolpern und die Folgen davon

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Obwohl Präsident Barack Obama sich als Förderer einer neuen internationalen Weltordnung rund um die Nato und bestimmte in Entwicklung befindliche Militärbündnisse wie die Gemeinsamen Arabischen Streitkräfte präsentiert, bewirken die öffentlichen wie die geheimen Militäroperationen der Vereinigten Staaten ganz das Gegenteil – eine wachsende, invasive Unordnung. Der syrische Erkenntnistheoretiker Imad Fawzi Shueibi analysiert dieses Paradoxon unter dem Blickwinkel der Straussschen Theorie des „kreativen Chaos“, wofür Daesh (ISIS) das beste Beispiel ist (WSJ enthüllt US-Pläne für „Militärputsch“ in Syrien – „Der IS ist US-Schöpfung“).

Im Intervall zwischen zwei Weltordnungen findet sich ein Weltkrieg und eine Übergangsperiode, gefolgt von international fester gefügter Herrschaft.

Der Westen formte 1648 nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden eine Weltordnung. Der Westfälische Frieden legte vier grundlegende Prinzipien fest:
- 1. Die absolute Souveränität der Nationalstaaten und das fundamentale Recht zu politischer Selbstbestimmung.
- 2. Die rechtliche Gleichstellung der Nationalstaaten: Der kleinste Staat ist, unabhängig von seiner Schwäche oder Stärke, von Reichtum oder Armut, dem größten gleichwertig.
- 3. Die internationale Einhaltung der Verträge und die Bildung eines „Verbindlichen Völkerrechts“.
- 4. Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.

Danach wurde eine neue Weltordnung errichtet. Sie wurde „Der hundertjährige Frieden“ (1813 – 1914) genannt und schuf die internationalen Spielregeln: Kriegsspiele, Friedensspiele und die Kampfregeln.

Der Beginn des Ersten Weltkrieges war ein Hinweis auf das Ende der vorherigen internationalen Ordnung und den Beginn einer neuen; mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Ende des Völkerbundes wurde eine neue Weltordnung errichtet.

Die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg endete mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Eine Übergangsphase begann, in der die Amerikaner alles, was mit der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun hatte, als überholt betrachteten, zum Beispiel die Souveränität, den Grundsatz des Westfälischen Friedens. So wurde der Westfälische Frieden „zusammengefaltet“ abgeschafft, ebenso das Recht zum Widerstand wie im Fall Frankreichs gegen die deutsche Besetzung. Die Dinge wendeten sich auf die Art, dass der Grundsatz der Souveränität durch das „Recht zur humanitären Intervention“ ersetzt wurde und das Recht auf Widerstand – sogar als „Terrorismus“ etikettiert – durch Verhandlungen.

Diese Entwicklung verstärkte sich noch im Zusammenhang mit dem Einsturz der Tradecentre-Türme am 11. September 2001, als die Neo-Cons die Theorien ihrer Meister Leo Strauss und Alan Bloom auf die Bildung einer neuen unipolaren Weltordnung zuspitzten [1]. Diese Ausrichtung erforderte eine Einsatzarena, der Nahe Osten wurde dazu. Sie begannen im Irak und schritten fort zum Libanon, so dass der Domino-Effekt in Gang kam. Ihr Hauptanliegen war es allerdings, Syrien in die Hand zu bekommen.

Mit dieser Veränderung begann das Stadium der Nichtpolarität.

Das zwanzigste Jahrhundert begann multipolar, wurde rasch bipolar und mit dem Ende des Kalten Krieges wendete sich die Weltordnung zur unipolaren, das heißt zu einer Weltordnung, in der nur eine Supermacht herrschte. Das Moment der Unipolarität hat die Welt seit dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion sehr schnell kennengelernt, es war aber nur ein „Moment“ in der Geschichte. Die Dinge entwickelten sich weiter bis zur nichtpolaren Welt, in der Macht über verschiedene Mächte verteilt ist.

Wäre die Welt multipolar, so könnte sie kooperativ sein und Harmonie zwischen alle ihre Mächte bringen, die nach – wenn auch wenigen – festen Regeln arbeiten könnten, Verstöße dagegen würden Bestrafung nach sich ziehen. Diese Ordnung könnte auch von Wettbewerb geprägt sein und eine Machtbalance zum Angelpunkt haben. Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, könnte es durch Anstrengungen angepasst werden. Der Fall der Nichtpolarität lässt hingegen keinen Spielraum für Kooperation, vielmehr führt er ins Chaos.

Heute gibt es mehr Mächte als Staaten, doch sind nur wenige ihrer Pole keine Nationalstaaten. In solch einer Ordnung verlieren die Nationalstaaten ihr Machtmonopol. Die Staaten stehen vor der Herausforderung von oben, von der Spitze her und von regionalen und internationalen Organisationen und zusätzlich vor der Herausforderung von unten sowie durch Milizen, Fremde, Gesellschaften und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs).

Es ist eine unvermeidliche Folge der Globalisierung, dass die Welt von heute nichtpolar ist. Die Menge, die Geschwindigkeit und die Bedeutung der Ströme über die Grenzen hinweg sind in fast jeder Hinsicht durch die Globalisierung stark angewachsen (Mittels NGOs zur »Neuen Weltordnung«: Gelenkte Massenproteste, Lobbyismus und politische Beeinflussung).

Bei der Gegenwart vieler offensichtlich machtvoller Parteien, die ihren Einfluss geltend machen wollen, wäre es schwierig, starke Erwiderungen zu geben, weil die Welt in einem weitreichenden Chaos treibt.

Je mehr Nichtpolarität existiert, um so mehr Nichtpolarität wird sie erzeugen. Heute die Welt im Zustand der Nichtpolarität sich selbst zu überlassen, macht die Zukunft noch schwieriger. Die Ausbreitung der Unordnung wird dazu führen, dass Systeme mit mehr als einer Partei sich in Richtung stärkerer Unberechenbarkeit bewegen.

Die Risiken des internationalen Chaos

Ein Maßstab für die Leistungsfähigkeit und die Wirksamkeit jedweder internationalen Führung ist die Fähigkeit der größeren Länder, zunächst die Regeln für die internationale Ordnung zu setzen, dann die Rolle des Regulators der internationalen Kämpfe anzunehmen und deren Vorkommen mit höchster Effizienz und geringsten Kosten zu kontrollieren oder sogar zu verhindern. Die Erfahrungen aus zweieinhalb Jahrzehnten enthüllen jedoch ein wahres Fiasko in der Wirksamkeit der internationalen Führung, was gleichbedeuend ist mit der Nichtexistenz von „Ordnung“, vielmehr mit einer international chaotischen Situation. So ist kein Platz für einen beherrschenden Pol und es gibt auch kein System, das die Aufteilung der Welt in zwei Pole erlauben würde, noch ist Erfahrung oder Gelegenheit vorhanden, eine multipolare Welt anzunehmen.

Diese international chaotische Situation bedeutet die Fortdauer von heftigen Kämpfen an Orten, die wie der Nahe Osten als Gebiet für Einflusstestballons benutzt wurden oder die durch eine dritte Partei als ganze Region zur Kampfarena gemacht werden.

Dieser Kampf wird nicht aufhören, bis die internationalen Mächte zu einer Einigung kommen. Das Auftauchen von ISIS (Daesh) verlangt jedoch die Anpassung der Auseinandersetzung und der Kampfregeln, worüber gegenwärtig Unklarheit herrscht (IS, al-Kaida, Taliban – alle „unsere Jungs“?).

Die wissenschaftliche Dimension des Chaos

Die Idee beginnt mit dem Wort „Chaos“ selbst, dessen Fremdartigkeit und Ungewöhnlichkeit unerheblich ist, solange es das Geheimnis hinter allen Missgeschicken und Katastrophen birgt, die die ganze Welt treffen und noch zu erwarten sind.

Dieses Konzept beruft sich auf den „Schmetterlingseffekt“, durch den ein winziges Ereignis den Lauf der Geschichte verändern kann. Genau das wird durch das Chaos bewirkt; es hat begonnen, das Erscheinungsbild der Geschichte zu verändern und etwas zu erschaffen, was die Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gekannt hat.

Theoretiker in den Vereinigten Staaten haben gegenwärtig das Wort „Chaos“ bewusst ausgewählt, um die überwältigende und alles mitreißende Anarchie auszudrücken [2]. Sie haben das Wort „kreativ“ hinzugefügt, um die Konnotation, das mitschwingende Bedeutungsumfeld, zu erweitern. Auf diese Art haben sie einen neuen Schmetterlingseffekt geschaffen, der die Ursache sein kann für eine große Katastrophe, welche die ganze Menschheit trifft.

„Chaos“ ist nicht gleichbedeutend mit „Unordnung“, wenn der letztere Begriff etwas meint, das wieder in die Ordnung zurückgebracht werden kann. Im „Chaos“ gibt es keine Möglichkeit, was auch immer einzurichten oder in Ordnung zu bringen. Es ist das in der Bibel erwähnte „Stadium der frühen Existenz“, aus dem das ganze Universum hervorgekommen ist. Ohne die Hand Gottes wäre diese Welt nicht geordnet – oder nicht weitgehend geordnet – worden. In der Genesis wurde das so ausgedrückt: „Und die Erde war wüst und leer, und Dunkelheit war über der Tiefe“.

Es war ein wirkliches Chaos, bevor die Hand des Schöpfers oder Demiurgen es in Ordnung brachte.

Ganz einfach: Es dreht sich darum, die ganze Welt in ein Chaos zu verwandeln, das von keiner Macht reorganisiert werden kann außer von den Vereinigten Staaten.

Eine seltsame Theorie, nicht wahr?

Aber sie ist wirklich so.

Einige Amerikaner hätten die Welt gern in Unordnung und die Vereinigten Staaten als einzigen Organisator, ohne zu berücksichtigen, welche Gefahren diese Situation für die ganze Welt einschließlich der USA mit sich bringt.

Sie behaupten, dies sei die wahre Natur der Welt und diese Vorstellung käme aus dem Kosmos und dem Dasein an sich.

Begann die Welt nicht mit einem organisierten Fleck, der den Urknall produzierte, welcher bis heute zum Entstehen von Galaxien führt – das heißt, jede Minute wird eine neue Galaxie geboren? (Plasma-Kosmologie: Das Mainstream Universum vs. das Elektrische Universum (Video))

In der Makrophysik sieht alles hoch organisiert aus, wie wir wissen, aber in der Mikrophysik finden wir es komplett zerstreut und in totalem Chaos. Das ist eine der Paradoxien der modernen Wissenschaften, besonders in der Quantenphysik (Quanten Äther: Die Raumenergie wird nutzbar – Wege zur Energiewandlung im 21. Jahrhundert).

Um es anders und genauer auszudrücken, ist den oben genannten Theoretikern zufolge das Dasein ursprünglich ein Chaos, denn es beginnt an einem Punkt, der als Gipfel der Organisation betrachtet wird und von wo der Urknall seinen Ausgangspunkt nimmt, dann wendet es sich in allgemeines Chaos. Um sich mit diesem Universum in Übereinstimmung zu bringen, sollte die Erde völlig unorganisiert sein. Nur die USA werden sich großer Geordnetheit erfreuen – wie der Urknall – während die übrigen irdischen Existenzen eine Hierarchie des Chaos bilden, d.h. manche sind ziemlich chaotisch, andere weniger und wieder andere sind überwältigend chaotisch.

Für manche Amerikaner ist der biologische Aspekt der Chaostheorie im Leben selbst begründet.

Wird ein Kind nicht physisch und physiologisch gesund geboren, wächst im Laufe der Jahre heran und zeigt schließlich Anzeichen des Greisenalters? Dann entwickelt sein Körper Krebs, eine Art durch das Gehirn kontrolliertes inneres Chaos; wenn das Gehirn die Kontrolle verliert, werden die Krebszellen destruktiv. Sie zerstören das Gehirn und fallen in den ganzen Körper ein; das endet mit dem Tod entweder durch eine Krankheit, die in der Vergangenheit keine Wirkung hatte, oder durch einen Herzinfarkt, der nicht entstanden wäre, wenn der Körper völlig in Ordnung gewesen wäre. Dies ist das tödliche Chaos. Aids zum Beispiel ist eine vernichtende Krankheit, die eine Immunitätsschwäche anzeigt. Sie ist ein offenkundiger Hinweis darauf, dass das Immunsystem zusammenbrechen kann und wird in sich nicht als Ordnung verstanden.

Die Entropie

Die Erfinder der Chaostheorie und Befürworter ihrer Verbreitung über die ganze Welt sehen einen physischen Aspekt dieser Theorie, die Entropie.

Diese Vorstellung stammt aus dem zweiten Gesetz der Theorie der Thermodynamik, welches besagt, das jede Veränderung, die sich selbsttätig in einem System ereignet, von einer Zunahme seiner Entropie begleitet ist, das heißt von einer Zunahme des Grades an Chaos, das in ihm stattfindet. Sich zu verändern bedeutet also, Ordnungsverlust oder das Eintreten von Chaos zu erleiden.

Hier sollte die Frage gestellt werden, wie es mit den Menschen und der Menschheit steht.

Die Theoretiker in den Vereinigten Staaten geben an, sie würden dem keine Aufmerksamkeit widmen solange alle Menschen nichts als Werkzeuge sind, und dies sei natürlicherweise der Fall.

Wenn man ihnen vorhält, die Menschen würden sterben, antworten sie, dass sie früher oder später sterben werden, warum also nicht auf chaotische Weise. Sind nicht Tausende von Menschen gestorben seit den frühen Zeiten? Sind sie nicht an Krankheiten gestorben, in welchem Fall die Natur sie als Werkzeuge des Todes bezeichnet.

Gab es nicht ein entsetzliches Massaker während des Zweiten Weltkrieges, das den Tod von etwa 80 Millionen Menschen und etwa 128 Millionen Verwundete und Verstümmelte zur Folge hatte? Warum sollte man sich dann über das Chaos verwundern?

Merkwürdig ist in dieser Hinsicht die Einrichtung der Vereinten Nationen, die versuchen, die Welt in eine Ordnung zu bringen und ihre chaotische Natur abzuschwächen (Hinter den Kulissen der Vereinten Nationen: Wer wirklich das Sagen hat).

Wenn man entsetzt diese Unbestimmtheit thematisiert, werden sie antworten, dass niemand nachzählt, wieviele Menschen in Kriegen getötet werden. Die Gefallenenliste ist nur geschätzt. Die Menschen sterben im Krieg, weil sie dazu bestimmt sind, so wie sie dazu bestimmt sind, auf natürliche Weise zu sterben. Die Physik stellt das so dar.

Dies ist nicht nur Kaltblütigkeit, sondern auch Kaltherzigkeit.

Die Amerikaner würden sagen, die Physik zeige, dass das Chaos die Norm sei, während Stabilität und Ordnung die Ausnahme sind und die Thermodynamik würde die Beweise dafür liefern.

Jedes geschlossene System neigt dazu, sich selbsttätig bei Zunahme seiner Entropie oder seines Chaos zu verändern oder zu transformieren, bis es einen Zustand von gleicher Verteilung des Chaos in allen Punkten erreicht, also gleiche Temperatur, Dichte sowie andere Aspekte, die das Wasser aufweist, wenn man kaltes und warmes Wasser mischt. Ein Gleichgewicht durch Verbreitung des Chaos in alle Richtungen zu erreichen wird wahrscheinlich eine Weile dauern.

Auf diese Weise erschaffen die Amerikaner Chaos und andere greifen es auf und wenden es an. Die anderen empfangen es nur, um es zu reflektieren, wodurch die ganze Welt in einen bösartigen Kreislauf ohne erkennbaren Anfang und Ende verwandelt wird und ohne Wissen, wer ihn in Gang gesetzt hat („Neue Weltordnung“: Zukunftsplan oder Verschwörungstheorie? (Videos)).

Die Nichtpolarität

Nichtpolarität ist die Ausnahme, die zur Norm werden könnte. Aber sie beinhaltet wirkliche Gefahren.

Sie könnte zu bewaffneten regionalen Konflikten führen, die – dauerhaft und lebensfähig – nicht kontrolliert werden können und sich schnell von einem Ort zum anderen ausbreiten ohne Regulierungsmöglichkeiten. So könnte sie beherrscht werden von Regeln unvorhergesehener Realitäten, dem Schmetterlingseffekt, dem Dominoeffekt und dem Chaos.

Nichtpolarität könnte der Anreiz für eine Supermacht sein, militärische Risiken an einem geografisch entfernten Ort einzugehen in der Hoffnung, das Stadium der Nichtpolarität dauerhaft in ein Stadium der Multipolarität oder der Unipolarität „nur für eine Zeit lang“ einzugehen. Sie könnte auch zu einem Weltkrieg antreiben oder zur Koexistenz mit dem Terrorismus als unvermeidlicher Realität. Ein Beispiel dafür ist die Koexistenz mit den Taliban und die Öffnung von Botschaften für sie. So könnte auch eine Koexistenz mit Daesh entstehen.

In der Nichtpolarität ist eine Art internationales Fluidum enthalten, das den Weg zur Koexistenz mit dem, was als Terrorismus galt, öffnen und ihn als Status quo betrachten könnte.

Der Zustand des Mangels an Sicherheit ist jetzt das Optimum für unsere Vorhersagen, was in Zukunft zu erwarten ist.

Fragmentierung und Zerfall

Was zur Zeit im Nahen Osten stattfindet, ist nicht Zerfall, sondern Fragmentierung, wenn man die starken Unterschiede zwischen beiden Konzepten berücksichtigt. Was in der Region stattfindet, ist „Fragmentierung“, solange es aufgrund des Krieges keine zusammenhängende Einheit zwischen den Beteiligten jedweder Länder gibt (Das Schweigen der Angela Merkel: Wird Deutschland zum Komplizen des IS? und Bundestag begeht schwere Straftat: Hohe Haftstrafen drohen laut Grundgesetz für Syrienangriff). Es gibt nicht einmal eine internationale Verständigung oder den Willen, sie zu verweigern. Noch gibt es einige Supermächte, die sich weigern, die Geopolitik zu verändern und die nicht in ein neues Jalta eingewilligt haben.

Neue Aufteilungen oder Länder werden deshalb kurzfristig nicht erscheinen, solange sich die internationale Bühne nicht verändert oder Verordnungen die Oberhand über die Fragmentierung gewinnen und neue Funktionseinheiten auftauchen. Diese neuen Gebilde könnten in Abwesenheit eines lokalen oder regionalen Willens, sie zu verhindern, erscheinen oder wenn ein Staat mit internationalem Fluidum abseits gehalten wird oder unfähig ist, eine Entscheidung durchzusetzen oder die Verständigung über eine neue Geopolitik zu erreichen (USA bestätigen: IS-Öl fließt in Türkei – Waffen aus aller Welt machen IS-Gräuel möglich).

Der Hauptkessel, aus dem das gegenwärtige Chaos herausbricht, ist der Nahe Osten. Ein Vergleich von dem, was zur Zeit in der Region geschieht, mit den Ereignissen des Ersten Weltkrieg oder des Kalten Krieges wäre nicht richtig. Das Geschehen ähnelt dem des Dreißigjährigen Krieges, dieses lange andauernden Konflikts, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Zerstörung großer Teile Europas zur Folge hatte.

Wenn man die Situation jener Zeit betrachtet, so lernt man, dass in den kommenden Jahren wahrscheinlich verschiedene schwache Staaten unfähig sein werden, weite Gebiete ihrer Territorien unter Kontrolle zu behalten, und dass verschiedene Milizen und Terroristengruppen daran arbeiten werden, ihren Einfluss zu erhöhen – ganz abgesehen von Bürgerkriegen und Kriegen zwischen Ländern. Religionsbezogene und gesellschaftliche Identitäten werden einen Platz finden und sogar die Bedeutung der nationalen Identitäten übertreffen. Lokale Akteure werden sich, angetrieben von großen Rohstoffvorkommen, weiterhin in die inneren Angelegenheiten ihrer Nachbarländer einmischen. Auswärtige Akteure werden hingegen entweder unfähig oder nicht bereit sein, die Region stabil werden zu lassen.

Auf diese Art kann das Böse leicht schlimmer werden, insofern die Vereinigten Staaten zögerlich sind oder unfähig, klüger zu werden oder auf wirklich fruchtbarere Möglichkeiten zuzugreifen. Es gibt nicht die eine und ausschließliche Lösung für ein Problem, weil die Natur der Herausforderungen sich von einer Region zur anderen und von einer Streitfrage zur anderen unterscheidet.

In der Tat können Lösungen jeder Art im günstigsten Fall nur verwaltet, aber nicht erlangt werden.

Der Nahe Osten bewegt sich in Richtung Zerfall und Fragmentierung und der Kalifenstaat mag Realität werden, Verhandlungen und Anerkennungen könnten folgen. Dies kann auch zu anderen islamischen Kalifaten führen und den Archetyp, das Urbild aktivieren und man mag feststellen, dass die wohlhabenden Staaten der Brennpunkt und das lange gehegte Verlangen dieses wachsenden und sich vervielfältigenden Kalifats sind.

Der Archetyp

Der Archetyp sind all die unbewussten Vorstellungen der menschlichen Anfänge, d.h. er ist alles, was Individuen oder Gruppen unbewusst erhalten, seien es mythische oder halb-mythische Symbole historischer Individuen oder Gemeinschaften. Er ist gekennzeichnet durch geistiges und erleuchtetes Dasein und weit entfernt von Schädlichem oder Materialistischem. Es wird versucht, diese Konzeption des Archetyps heute wiederherzustellen, obwohl sie der Vergangenheit angehört und es keinen Weg gibt, ihre Gültigkeit zu testen.

Diejenigen, die den Archetyp unbewusst repräsentieren und ihn erwecken und in ihrer gegenwärtigen Wirklichkeit widerspiegeln, lesen nicht in der Geschichte. Wenn sie zufälligerweise lesen, dann nur das, was die archetypischen Bilder verstärkt, um sie wiederzuerwecken, nicht um sie zu zerstören. Diese Menschen leben die Vergangenheit in der Gegenwart und denken sich die entzückendsten Bilder aus.

Mit dem Archetyp wird Segen und psychologisches Gleichgewicht im Unterbewusstsein erzeugt. Individuen oder Gruppen erreichen damit eine Balance in der irdischen Welt und wenden sie in eine Welt der Engel. So entstehen Fluchten aus der Realität hin zu dem, was herbeigewünscht wird „durch die mythische Schilderung“.

Der Archetyp besteht aus dem Substrat, mit dem sich alle Menschen verbunden haben, auf dem Einzelne „innerhalb und durch diese Konstruktion“ ihre zukünftigen Erfahrungen aufbauen können. Er ist die Leidenschaft, die den Gedanken in die Verwirklichung lenkt. Deshalb wird Nachdruck darauf gelegt, ihn mit der physischen Welt zu verbinden.

In diesem Sinne wird der Islamische Staat (IS) der Archetyp, von dem aus die blinde mitreißende Anarchie, die die USA erfunden haben, ausbricht. Das Spiel, nach einem Platz für den Islamischen Staat zu suchen, wird der Region langjähriges Leiden an Chaos und Unruhe bescheren und wird sich auf viele Teile der Welt auswirken. Es wird begleitet sein von der Erniedrigung des Ansehens des Islams und der Araber; die Folgen werden wirklich entsetzlich sein.

Diese Welt ist wahrhaft gefährlich, weil sie eine Bedrohung der Nationen darstellt. Ihre Folgen werden jeden Ort auf dem Globus erreichen, wenn dieser Wahnsinn nicht aufhört. Das erfordert die Einrichtung einer internationalen Ordnung, die die Auswirkungen der Nichtpolarität kontrollieren kann und sie an den Grenzen der nihilistischen Theorie, die Chaos als Ordnung betrachtet, stoppt.

Literatur:

Die Weltbeherrscher: Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA von Armin Wertz

Der direkte Weg in den Dritten Weltkrieg von Peter Orzechowski

Wiederkehr der Hasardeure: Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure 1914 und heute von Wolfgang Effenberger

Countdown Weltkrieg 3.0 von Stephan Berndt

[1] „Paul Wolfowitz, die Seele des Pentagon“, von Paul Labarique, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 31. Oktober 2004; „Die Neokonservativen Und Die Politik Des «Konstructiven Chaos»“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Klaus von Raussendorff, Voltaire Netzwerk, 4. August 2006.

[2] Anarchie bedeutet im Freedictionary.com „Abwesenehit jeder Form von politischer Autorität / Politische Unordnung und Verworrenheit/Aufruhr“.

Quellen: PublicDomain/voltairenet.org am 09.04.2015

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