Vernichteten Kannibalen die Anasazi-Zivilisation?

Es ist eines der größten prähistorischen Rätsel: Was veranlasste das Volk der Anasazi, eine der höchst-entwickelten Zivilisationen in Nordamerika, Mitte des 12. Jahrhunderts ihre wundervollen Stein-Siedlungen aufzugeben? Was brachte Familien dazu fortzugehen, anscheinend in großer Hast, wobei sie das Essen auf den Feuerstellen brutzelnd und Sandalen an Haken hängend zurückließen?

Im Chaco Canyon, einer kahlen Landschaft im nordwestlichen New Mexico, beherrscht von brütend [heißen] roten Mesas, liegen Hinweise in einer Ansammlung von Hunderten von Räumen begraben, verstreut zwischen den Überresten typischer Cibola-Töpfereien und exquisitem Schmuck: Knochen. Zertrümmerte Menschen-Knochen mit Spuren, die systematisches Schneiden und Schaben nahe legen, was zur Annahme führt, dass Gruppen von Menschen getötet und geschlachtet wurden, wobei das Fleisch sorgfältig an den Sehnen abgeschnitten und geröstet wurde.

Lange Knochen waren gespalten und gekocht worden, um das Mark zu extrahieren. Schädel, deren Dächer man wie Deckel entfernt, auf Herde gelegt und gekocht hat. Die Gehirne waren entfernt worden.

Wissenschaftler haben lange über die Bedeutung dieser Artefakte gerätselt. Nun wurde schließlich zumindest eine, Gänsehaut verursachende, Erklärung von dem Anthropologen Christy Turner vorgestellt.

Mit der Veröffentlichung von „Man Corn: Cannibalism and Violence in the Prehistoric American Southwest„, in diesem Frühjahr, das er mit seiner verstorbenen Frau, der Anthropologin Jacqueline Turner, zusammen verfasste, hat er es geschafft, die Native Americans zu verärgern, Wissenschaftler zu nerven, New-Age-Leute zu erschrecken und einen faszinierenden theoretischen Einblick in den Kollaps einer großen Zivilisation anzubieten.

„Ich bin der Typ, der die Anasazi mies machte“, sagt Turner sarkastisch. Das Buch konterkariert die traditionelle Betrachtung der Anasazi als friedliche Ackerbauern, deren moderne Abkömmlinge die hoch spirituellen Hopi, Zuñi und Pueblo-Völker sind. Zuvor waren die Knochen-Haufen verschiedentlich als Werk sich bekriegender Clans, Überbleibsel der Tötung von Hexen und/oder Teil ritueller Tötungs-Praktiken erklärt worden.

Aber Turner behauptet, dass eine „Bande von Schlägern“ – Tolteken, für die Kannibalismus Teil ihrer religiösen Praktiken war – aus Zentral-Mexiko in den Chaco Canyon gelangte. Diese Invasoren setzten Kannibalismus ein, um die ahnungslosen Anasazi zu überwältigen und die Bevölkerung über einen Zeitraum von 200 Jahren hinweg bis zur Unterwerfung zu terrorisieren.

Turner sagt, dass das sorgsam aufgebaute Sozial-System dieser Kultur zu zerfallen begann. Schließlich flüchteten die Anasazi vor den sie unterdrückenden Kult-Anhängern und suchten Unterschlupf in entlegenen Canyons. Als dann wieder ein Teil dieser Kultur in Erscheinung trat, stellte man fest, dass diese Pueblo-Leute hochentwickelte Siedlungen bauten, die in den Steilwänden der Felsen hingen.

Generationen von Wissenschaftlern haben postuliert, dass solche verlassenen Ortschaften – weit entfernt vom Wasser gelegen – Zeichen für eine Furcht vor einer schlimmen Bedrohung waren. Turner nimmt an, dass die Anasazi diese defensiven Positionen wegen eines schrecklichen Gegners bezogen – das Böse, das ihr eigenes Volk infiltriert hatte.

Turners Theorie wurde von amerikanischen Indianern und von Wissenschaftlern attackiert, die sagen, er habe eine zusammenhanglose Kollektion von Fundstücken zu einer ihm genehmen Theorie zusammengeschustert. Während er auf seinem [eigentlichen Forschungs-] Feld respektiert wird, wurde Turners Erklärung für den Kannibalismus mit Skepsis aufgenommen.

Doch trotz seiner provokativen Hypothese, gesteht Turner ein, er habe das Rätsel vom Chaco noch nicht völlig gelöst: Wer baute diese großartigen Gebäude, wofür wurden sie verwendet, und wohin gingen all diese Leute?

Turner, ein Professor für Anthropologie an der Arizona State University, hatte sich, schon lange bevor er die Kannibalismus-Debatte aufnahm, einen internationalen Ruf in forensischer Zahn-Kunde erworben. Bei der Sichtung einer Kiste mit menschlichen Überresten, die 1967 bei Polacca Wash entdeckt wurden, im heutigen Hopi-Indianer-Reservat des nordöstlichen Arizona, stieß er plötzlich auf etwas Seltsames, was er für die Überreste einer Mahlzeit hielt. Die Kiste führte zu dem Aufsatz „A Massacre at Hopi“, den er gemeinsam mit Nancy Morris verfasste. Turners Präsentation und die Reaktion darauf leiteten eine 30 Jahre dauernde Kontroverse und Verächtlich-Machung ein (Indianer-Legenden: Die Büffelfrau der Lakota und der Schöpfungsmythos der Hopi (Video)).

 

Bei der Präsentation seines Original-Papiers, sagte Turner, dass die Kiste die Überreste von 30 Personen enthielt, die „grässlich verstümmelt“ worden waren und deren Köpfe Anzeichen für die Entfernung des Fleisches und für eine Röstung aufwiesen. Die Antwort seiner Kollegen, sagte Turner, „war weniger eine Reaktion als vielmehr Schweigen.“ Er schlussfolgerte, dass es sich bei Polacca Wash nachweislich um die Stätte handle, die in den Legenden der Hopi als „Der Mound des Todes“ [orig: „death mound“; d. Ü.] bezeichnet wird.

Anthropologen zufolge, waren die Menschen in einem bestimmten Dorf dafür bekannt [sic!; d. Red.], verbotene Hexerei zu praktizieren. Nahe gelegene Dörfer attackierten die Renegaten-Gruppe, verbrannten die meisten Männer und nahmen Frauen und Kinder gefangen. In den darauf folgenden Wirren wurden die Frauen und Kinder gefoltert und zerstückelt.

Abgesehen von den wissenschaftlichen Zweifeln an Turners Ergebnissen, schockierte die Wissenschaftler die Vorstellung, dass die Hopi – unter Gelehrten als weise und freundliche Astronomen hochgehalten, die in einer erleuchteten Gesellschaft lebten – fähig gewesen sein könnten, Mitglieder ihres eigenen Clans zu töten und zu verspeisen.

(Auch die urbane Anasazi-Siedlung von Casa Rinconada im Chaco Canyon wurde von ihren Bewohnern ohne offensichtlichen Grund verlassen)

Anthropologen räumen ein, dass sich jede Theorie, welche die Pueblo-Indianer in einem negativen Licht darzustellen scheint, schwer zu verkaufen sei: „Unser Verständnis der Anasazi erscheint als exakte Parallele zu dem, was wir vor Jahren über die Maya dachten – diese hochentwickelte Gesellschaft, die wunderschöne Dinge schuf, und bei der wir nun realisieren, dass sie kein Ort des Friedens war“, sagte David Wilcox, Kurator des Museum of Northern Arizona.

„Wir befinden uns in einer Periode, in der alles, was ‚Native American‘ ist, als spirituell, sensitiv und wunderbar [betrachtet wird]. Wir möchten halt daran glauben, dass alle bösen Dinge von den Europäern mitgebracht wurden, und dass zuvor alles ganz Wahrheit, Schönheit und Liebe war. Sorry, aber so war das nicht. Das waren komplexe Gesellschaften. Wir alle sind zu solchen Dingen fähig.“

 

Turner hat seine Kannibalismus-Theorie im Laufe der Jahre weiterentwickelt, wobei er auf sieben Identifikations-Merkmale hinweist, die auf Knochen-Ansammlungen zutreffen müssen, bevor Kannibalismus vorausgesetzt werden kann. Darunter sind Schnitt-Spuren, die anzeigen, dass das Fleisch akribisch von den Knochen getrennt wurde, und in kleinere Stücke zerbrochene Knochen, die Anzeichen von ‚Kochtopf-Politur‘ [orig: „pot polish“; d. Ü.] aufweisen, wobei ihre Enden durch das Umrühren in einem Topf geglättet wurden.

In seinem Buch erklärt er, er habe mindestens 38 Anasazi-Stätten identifiziert, wo Kannibalismus stattfand. Dieser Kannibalismus war, wie er sagt, ein Mittel zur politischen Kontrolle im Chaco und eine Einschüchterungs-Technik, um potentielle Angreifer abzuschrecken. Der Buchtitel „Man Corn“ stellt die Übersetzung eines Azteken-Wortes dar, das ein heiliges Mahl aus Menschenfleisch beschreibt, das zusammen mit Korn gekocht wurde.

(Neben ihren Siedlungs-Ruinen sind solche Felsbilder die einzigen Spuren, welche heute noch von der verschollenen Kultur der Anasazi Zeugnis ablegen)

Debra Martin, eine Professorin für biologische Anthropologie am Hampshire College in Massachusetts, stimmt damit überein, dass sich im prähistorischen Südwesten schrecklich gewalttätige Episoden ereigneten, aber sie argumentiert, dass Turners Schlussfolgerungen zu kurz gegriffen sind.

„Wieso meint Christy, dass es ein Zeichen für Kannibalismus ist, wenn Knochen zerschnitten und das Fleisch gekocht wird?“, sagte sie. „Warum kann dies nicht auch die Tötung von Hexen indizieren? Warum kann dies nicht eine rituelle Beerdigungs-Praktik gewesen sein?“ Die Crux jeglicher Debatte über Kannibalismus ist die Beweisführung bei fehlenden Zeugnissen aus erster Hand, dass Menschenfleisch konsumiert wurde.

Nun, da gibt es vielleicht eine Methode. Vor sieben Jahren grub ein Team von Archäologen, das am Sleeping Ute Mountain in Colorado arbeitete, eine Anasazi-Stätte aus. Unter Leitung von Brian Billman entdeckten die Wissenschaftler verschiedene Anzeichen für den von Turner vermuteten Kannibalismus.

In der Nähe der Überreste von fünf Leuten, deren Körper gekocht worden zu sein schienen, befand sich ein Stein-Werkzeug von der Art, die zum schlachten von Großwild verwendet wurde. Später wurde bei Labor-Tests menschliches Blut an den Gerätschaften gefunden.

 

Billman entdeckte noch einen weiteren aufschlussreichen Gegenstand, einen Koproliten – ein Stück menschlicher Fäkalien – im Zentrum einer Feuerstelle. Er schlussfolgerte, dass jemand sich, nachdem das Feuer erloschen war, über den Herd gehockt und Kot gelassen hat. Der Koprolit ist für das Kannibalismus-Rätsel zu einem Schlüssel-Fragment geworden. Er wurde auf das Vorkommen von menschlichem Protein untersucht, was den Verzehr von Menschenfleisch anzeigen würde. Die Resultate sollen noch in diesem Jahr [1998; d. Red.] veröffentlicht werden.

Bezüglich der Kernfrage – warum die Anasazi aus dem Chaco Canyon verschwanden – scheinen die Wissenschaftler zumindest eine Erklärung auszuschließen, die sich in der Religion der Hopi findet.

Bei ihrer Erklärung gibt es kein Rätsel um das Verschwinden aus dem Chaco: Wie die Christen, die daran glauben, dass sie in die Glückseligkeit entschweben werden, glauben die Hopi, dass die Anasazi schlichtweg diese Welt verließen als der [Große] Geist sie rief […]

Literatur:

Rückkehr zur Lebensweisheit der Lakota von Joseph M. Marshall

DIE ANUNNAKI. Vergessene Schöpfer der Menschheit von Gerald R. Clark

DIE HERRSCHAFT DER ANUNNAKI. Manipulatoren der Menschheit für die Neue Weltordnung von Jan Erik Sigdel

Quellen: PublicDomain/atlantisforschung.de am 27.02.2017

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