
Nipah-Virus fordert in Indien neue Opfer. Asiatische Länder aktivieren Flughafenkontrollen wie zu Corona-Zeiten. Doch die wahre Gefahr lauert woanders.
In Indien sind erneut Infektionen mit dem gefährlichen Nipah-Virus aufgetreten. Zwei Krankenschwestern eines privaten Krankenhauses nahe Kolkata im Bundesstaat Westbengalen haben sich nachweislich mit dem Erreger infiziert, wie das indische Gesundheitsministerium bestätigte.
Eine der beiden Frauen befindet sich laut Narayan Swaroop Nigam, dem zuständigen Staatssekretär für Gesundheit in Westbengalen, in kritischem Zustand.
Die Behörden haben umgehend Quarantäne- und Überwachungsmaßnahmen eingeleitet. Bislang wurden 180 Personen getestet und 20 Hochrisikokontakte unter Quarantäne gestellt. Sämtliche Tests fielen negativ aus, wie Nigam gegenüber der Zeitung The Telegraph erklärte. Die Quarantäne soll 21 Tage andauern.
Thailand führt Kontrollen wie zu Corona-Zeiten ein
Mehrere asiatische Staaten haben auf den Ausbruch mit verschärften Einreisekontrollen reagiert. Thailands Behörde für Seuchenkontrolle teilte mit, dass an internationalen Flughäfen Maßnahmen zur Überwachung und Untersuchung von Reisenden aktiviert wurden – vergleichbar mit den Protokollen während der Corona-Pandemie.
Reisende mit Fieber oder Symptomen, die auf eine Nipah-Infektion hindeuten könnten, werden zusätzlich untersucht. Sie müssen ihre Reisehistorie und mögliche Expositionsrisiken offenlegen.
Der Generaldirektor der thailändischen Seuchenschutzbehörde warnte, das Virus könne neurologische Symptome verursachen und weise eine vergleichsweise hohe Sterblichkeitsrate auf. (Die Büchse der Pandora in der Pandemie: Was passiert, wenn die Wahrheit endlich ans Licht kommt?)
Hohe Sterblichkeit, keine zugelassene Therapie
Das Nipah-Virus gehört zu den gefährlichsten bekannten Erregern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Sterblichkeitsrate auf 40 bis 75 Prozent – abhängig von den lokalen Möglichkeiten zur Früherkennung und Behandlung.
Weder ein Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament stehen zur Verfügung. Die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung der Symptome.
Das Virus wird hauptsächlich durch Flughunde übertragen, die als natürliche Wirte gelten. Eine Ansteckung kann über direkten Kontakt mit infizierten Tieren, kontaminierte Lebensmittel wie angebissene Früchte oder rohen Palmensaft sowie durch engen Kontakt mit erkrankten Menschen erfolgen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel vier bis 14 Tage.
Erste Symptome ähneln einer Grippe: Fieber, Kopfschmerzen, Husten und Halsschmerzen. Im weiteren Verlauf kann eine Gehirnentzündung auftreten, die zu Verwirrtheit, Krampfanfällen und Koma führen kann. Selbst bei überstandener Infektion sind dauerhafte Folgen wie Persönlichkeitsveränderungen oder Epilepsie möglich.
Wiederkehrende Ausbrüche in Indien
Nipah-Infektionen treten in Indien seit 2001 wiederholt auf. Allein im Bundesstaat Kerala wurden seit 2018 neun Ausbrüche registriert.
Zwischen Mai und Juli 2025 meldeten die dortigen Behörden vier bestätigte Fälle mit zwei Todesfällen in den Distrikten Malappuram und Palakkad. Die WHO stuft das Risiko für die breitere Bevölkerung als niedrig ein, da die Ausbrüche bislang lokal begrenzt blieben.
Im aktuellen Fall in Westbengalen haben Wissenschaftler Fledermäuse im Zoo von Kolkata auf den Erreger untersucht. „Das Team hat Proben von Fledermäusen entnommen und dabei alle Protokolle eingehalten“, sagte Zoodirektorin Tripti Sah gegenüber der Zeitung The Hindu. Die Infektionsquelle ist noch nicht abschließend geklärt.
Was der Ausbruch für Deutschland bedeutet
Für Reisende aus Deutschland besteht nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) ein geringes Risiko. Das Institut stuft die Wahrscheinlichkeit eines importierten Falls nach Deutschland als sehr unwahrscheinlich ein.
Selbst bei einem Import sei eine Weiterverbreitung hierzulande sehr unwahrscheinlich, da strenge Isolations- und Kontaktverfolgungsmaßnahmen etabliert seien. Bislang wurde kein Nipah-Fall nach Deutschland eingeschleppt.
Das RKI empfiehlt Reisenden in betroffene Gebiete, Krankenhäuser zu meiden, keine möglicherweise von Fledermäusen verunreinigten Früchte oder Palmensäfte zu konsumieren und lokale Anordnungen strikt zu befolgen.
Das indische Gesundheitsministerium rät zudem, Früchte vor dem Verzehr gründlich zu waschen, Wasser abzukochen und Schutzkleidung beim Umgang mit Tieren zu tragen.
Neues Fledermausvirus in Bangladesch entdeckt, das das tödliche Nipah-Virus nachahmt: War ein Funktionsgewinn beteiligt?
Forscher haben Pteropine Orthoreoviren (PRVs), von Fledermäusen übertragene Viren, als Ursache schwerer Erkrankungen bei fünf Patienten in Bangladesch identifiziert, die rohen Dattelpalmensaft konsumiert hatten.
Bei den Patienten traten Symptome auf, die nahezu identisch mit denen einer Nipah-Virus-Infektion waren – darunter Fieber, Erbrechen, Atemnot und Enzephalitis –, jedoch fielen Nipah-Tests wiederholt negativ aus.
Mithilfe fortschrittlicher agnostischer Sequenzierungstechnologie wiesen Wissenschaftler das neuartige Virus in archivierten Patientenproben nach und konnten es erfolgreich kultivieren, wodurch eine aktive Infektion bestätigt wurde.
Einer der fünf Patienten verstarb später, und zwei weitere berichteten mehr als ein Jahr nach ihrer ersten Erkrankung über anhaltende neurologische und respiratorische Probleme.
Die Ergebnisse zeigen, dass roher Dattelpalmensaft nicht nur für das Nipah-Virus ein Übertragungsweg ist, sondern auch für andere Viren. Daher wird eine Ausweitung der Überwachungs- und Diagnoseprotokolle gefordert, um ein breiteres Spektrum an von Fledermäusen übertragenen Viren einzubeziehen.
Renommierte Biolabore wie das Wuhan Institute of Virology beherbergen umfangreiche Sammlungen von Fledermaus-Coronaviren und forschen an deren Potenzial, Menschen zu infizieren, was ernsthafte Fragen über mögliche künstlich hergestellte Viren aufwirft, die in die freie Natur gelangen könnten.
Die diagnostische Sackgasse und ein technologischer Durchbruch
Zwischen 2022 und 2023 wurden in Bangladesch fünf Patienten mit erschreckend ähnlichen Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert: hohes Fieber, Desorientierung, Atemnot und Anzeichen einer schweren Hirnentzündung. Aufgrund der Jahreszeit und des Konsums von rohem Dattelpalmensaft vermuteten die Ärzte stark das Nipah-Virus, einen Erreger, der seit 2001 in der Region tödliche Ausbrüche verursacht hat. Doch die Tests auf das Nipah-Virus fielen hartnäckig negativ aus.
Diese diagnostische Sackgasse ist ein beunruhigendes Szenario in der Medizin, wenn eine behandelbare Ursache unentdeckt bleibt oder, wie in diesem Fall, der Auslöser völlig unbekannt ist.
Die Antwort ergab sich nicht aus einem gezielten Test, sondern aus einer umfassenden forensischen Untersuchung der biologischen Proben der Patienten.
Das Forschungsteam, unter der Leitung von Wissenschaftlern des Zentrums für Infektion und Immunität der Columbia University und des Instituts für Epidemiologie, Krankheitskontrolle und -forschung (IEDCR) in Bangladesch, nutzte ein leistungsstarkes Verfahren namens VirCapSeq-VERT.
Diese Technologie funktioniert weniger wie ein einzelner Schlüssel, sondern eher wie ein Meisterschlosser, der nahezu alle bekannten Wirbeltierviren gleichzeitig nachweisen kann. Sie durchsucht das genetische Material einer Probe, extrahiert und sequenziert virale Fingerabdrücke mit einer Präzision, die Standardtests in nichts nachsteht.
In den Rachenabstrichen aller fünf Patienten identifizierte diese Methode Sequenzen, die zu Pteropine Orthoreoviren (PRVs) gehören, einer Gruppe segmentierter RNA-Viren, deren natürliches Reservoir Flughunde sind.
Von genetischen Hinweisen zu einem lebenden Krankheitserreger
Der Nachweis viralen Genmaterials ist der erste Schritt; der Beweis, dass es eine Krankheit verursacht, der zweite. Den Forschern gelang es, das Virus aus Patientenproben zu isolieren und in Zellkulturen zu vermehren. Dies bestätigte das Vorhandensein eines lebenden, sich vermehrenden Krankheitserregers und nicht nur harmloser genetischer Überreste.
Phylogenetische Analysen – eine Methode zur Erstellung viraler Stammbäume – zeigten, dass diese bangladeschischen PRVs eng mit Stämmen verwandt sind, die in Flughunden in ganz Südostasien und sogar in Australien und Afrika vorkommen. Die Analyse lieferte zudem Hinweise auf „Reassortment“, einen Prozess, bei dem segmentierte Viren genetische Segmente austauschen.
Diese virale Neukombination, ein häufiges Merkmal von Viren wie der Influenza, kann zu neuen Varianten mit verändertem Ausbreitungspotenzial und Schweregrad führen und stellt somit ein ständiges Risiko für neu auftretende Krankheiten dar.
Die klinischen Verläufe waren schwerwiegend. Während PRV-Infektionen in Malaysia und Indonesien typischerweise mit leichten Atemwegserkrankungen einhergehen, zeigten die Fälle in Bangladesch ein anderes Bild.
Bei vier Patienten wurde eine Enzephalitis diagnostiziert. Obwohl vier schließlich entlassen werden konnten, zeigten Nachuntersuchungen bleibende Schäden:
Zwei Überlebende berichteten über ein Jahr später noch von anhaltender Müdigkeit, Desorientierung und Mobilitätseinschränkungen.
Ein Patient, ein Kleinkind, erholte sich vollständig. Tragischerweise verstarb ein fünfter Patient mit einer Vorgeschichte chronischer Erkrankungen einige Monate nach der Einlieferung ins Krankenhaus an sich verschlechternden und unerklärlichen neurologischen Komplikationen.
Ein wiederkehrendes Thema in einer sich wandelnden Welt
Diese Entdeckung fügt sich in ein beunruhigendes und sich beschleunigendes Muster ein. Fledermäuse, als uralte und vielfältige Säugetiere, sind Reservoir für eine Vielzahl von Viren, von bekannten wie Tollwut bis hin zu neuartigen wie den SARS-verwandten Coronaviren.
Das Vordringen des Menschen in natürliche Lebensräume und bestimmte kulturelle Praktiken schaffen die Eintrittspforten für diese Viren in die menschliche Bevölkerung.
Der Verzehr von rohem Dattelpalmensaft ist eine dieser wirksamen Übertragungswege. Im Winter ernähren sich Fledermäuse von dem in offenen Gefäßen gesammelten Saft und verunreinigen ihn mit Speichel und Exkrementen.
Derselbe Übertragungsweg wurde 2001 eindeutig mit dem ersten Nipah-Ausbruch in Bangladesch in Verbindung gebracht. Die neue Forschung bestätigt, dass dieser Weg eine Hauptursache für die Verbreitung mehrerer Bedrohungen ist.
„Das Risiko einer Zoonoseübertragung durch den Konsum von rohem Dattelpalmensaft geht über das Nipah-Virus hinaus“, sagte der leitende Autor Dr. Nischay Mishra von der Columbia University. Seine Aussage unterstreicht ein zunehmend wichtiges Anliegen im Bereich der öffentlichen Gesundheit:
Die Überwachung muss über die üblichen Verdächtigen hinausgehen. Der Ko-Erstautor der Studie, Dr. Ariful Islam, ein Krankheitsökologe, merkte an, dass parallel laufende, noch unveröffentlichte Forschungsergebnisse bereits genetisch ähnliche PRVs in Fledermäusen identifiziert haben, die in der Nähe der menschlichen Fälle gefangen wurden.
Dies stellt eine klare Verbindung zum Reservoir her. „Wir arbeiten nun daran, die Übertragungsmechanismen von Fledermäusen auf Menschen und Haustiere zu verstehen“, sagte Islam und betonte damit die laufenden Bemühungen, die gesamte Ökologie dieser Viren zu erfassen.
Steckt da etwa ein Komplott hinter den Laborexperimenten?
Die Entdeckung eines neuartigen, gefährlichen, von Fledermäusen übertragenen Virus, das durch kontaminierten Dattelpalmensaft – einen bekannten Übertragungsweg für das tödliche Nipah-Virus – verbreitet wird, wirft dringende und beunruhigende Fragen auf, die über natürliche Übertragungsereignisse hinausgehen.
Angesichts der dokumentierten Fähigkeit von Laboren, Hybridviren zu erzeugen, wie beispielsweise die kürzlich vom NIH finanzierte Entwicklung von Fledermaus-Mensch-Influenza-Hybriden durch Gain-of-Function-Forschung, müssen wir uns fragen: Könnte das Auftreten solcher Krankheitserreger jemals menschengemacht sein?
Die anfängliche diagnostische Sackgasse in Bangladesch unterstreicht die Schwierigkeit, die Herkunft eines Virus zurückzuverfolgen, insbesondere wenn Anzeichen von Reassortierung vorliegen – ein Merkmal, das natürlich auftreten kann, aber auch im Fokus experimenteller Gain-of-Function-Virologie steht.
Dieser Bericht zwingt uns, uns mit einer Reihe kritischer, wenn auch beunruhigender Fragen auseinanderzusetzen:
Welche Auswirkungen hat die Forschung im Bereich der Biosicherheit und Ethik, wenn sie die Übertragbarkeit oder Virulenz von Fledermausviren erhöht, insbesondere wenn bekannt ist, dass solche Viren durch alltägliche Praktiken wie den Verzehr von Pflanzensaft auf andere Menschen übertragen werden?
Angesichts der Tatsache, dass Institutionen wie das Wuhan Institute of Virology umfangreiche Sammlungen von Fledermaus-Coronaviren beherbergen und Forschungen zu deren Potenzial für die Infektion von Menschen durchführen, welche globalen Kontrollmechanismen gibt es, um ein Szenario zu verhindern, in dem ein im Labor verändertes Virus – sei es durch einen Unfall oder eine absichtliche Freisetzung – in Fledermauspopulationen gelangen und anschließend über genau die hier beschriebenen Wege auf den Menschen überspringen könnte?
Wie können globale Überwachungsnetzwerke, deren Ausbau diese Studie zu Recht fordert, gleichzeitig vor natürlichen zoonotischen Bedrohungen schützen und gleichzeitig nach Anomalien Ausschau halten, die auf einen nicht-natürlichen Ursprung hindeuten könnten?
Der tragische Fall in Bangladesch ist eine deutliche Mahnung an unsere Verwundbarkeit gegenüber von Fledermäusen übertragenen Krankheitserregern, aber er muss auch als Katalysator für einen robusten und transparenten Dialog über den doppelten Nutzen der Virologie und die bestehenden Protokolle dienen, um sicherzustellen, dass das Streben nach Wissen nicht selbst zu einem Vektor für Katastrophen wird.
Die Auswirkungen auf die klinische Praxis und die öffentliche Gesundheit sind unmittelbar. „Neben der Nipah-Virus-Infektion verursacht nun auch eine neue Zoonose-Übertragung Atemwegs- und neurologische Komplikationen nach dem Verzehr von rohem Dattelpalmensaft“, erklärte Dr. Tahmina Shirin, Direktorin des IEDCR. Ihre Worte signalisieren einen notwendigen Kurswechsel.
In Regionen, in denen Dattelpalmensaft konsumiert wird, müssen die Diagnoseprotokolle für akute Enzephalitis und schwere Atemwegserkrankungen nun erweitert werden und Tests auf PRVs und andere von Fledermäusen übertragene Viren umfassen.
Quellen: PublicDomain/berliner-zeitung.de/naturalnews.com am 27.01.2026










