Arktische Eismassen haben sich halbiert – Petermann-Eisberg driftet

Neuer Negativrekord im Norden: Noch nie seit Beginn der Satellitenmessungen war das Meereis in der Arktis so stark geschrumpft wie in diesen Tagen. Forscher warnen vor einem „neuen Klimazustand“ – und Extremwinter in Europa.

Die Eisschollen auf dem Ozean über dem Nordpol sind auf die kleinste Fläche seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1973 geschrumpft. Das berichten Forscher mehrerer Institute. Derzeit bedecke das auf dem Wasser treibende Eis in der Arktis ein Gebiet von rund 3,4 Millionen Quadratkilometern, was der Ausdehnung von Indien entspricht.

Wissenschaftler warnen, die Schmelze könne die Erwärmung der Luft beschleunigen und damit auch das Tauen der Gletscher in Grönland und den Anstieg des Meeresspiegels. Zugleich werden am Nordpol Routen für Schifffahrt und Fördergebiete für Rohstoffe frei.

Von den siebziger Jahren an bis zur Jahrtausendwende war das sommerliche Meereis in der Arktis zur Jahreszeit seiner geringsten Ausdehnung Mitte September im Durch-schnitt doppelt so groß wie jetzt. Die kleinste, je gemessene Meereisfläche am Nordpol sei vermutlich am 16. September erreicht worden und seither konstant klein geblieben, berichtet der Umweltphysiker Georg Heygster von der Universität Bremen.

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„Jetzt geht es an die Substanz“

Von nun an wird zwar kühlere Witterung das Meereis bis zum Frühjahr wieder wachsen lassen. Doch auch die maximale jährliche Ausdehnung im Frühjahr hat sich deutlich verringert. „Nicht nur die Fläche, auch die Dicke der Eisschollen hat abgenommen“, berichtet Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Im Sommer taue mittlerweile jedes Jahr mehr Eis, als im Winter wieder hinzukomme, ergänzt Peter Wadhams von der Cambridge University in Großbritannien: „Das System kollabiert.“

Vor 30 Jahren war die Frostdecke durchschnittlich dreieinhalb Meter dick, heute sind es noch gerade mal knapp zwei Meter. Die Dicke des Eises ist allerdings schwierig zu messen, Satellitendaten halfen bislang kaum weiter – Forscher sind auf Stichproben vor Ort angewiesen. „Doch klar ist: Jetzt geht es an die Substanz“, sagt Lars Kaleschke von der Universität Hamburg.

„Die Daten zeigen, dass sich der Rückgang in den vergangenen 40 Jahren stetig beschleunigt hat“, ergänzt Heygster. Dieses Jahr zertrümmerte zudem ein ungewöhnlicher Sturmwirbel Anfang August eine erhebliche Menge Meereis – das Eis schmolz in jenen Tagen so rapide wie noch nie seit Beginn der Messungen.

Historisch gab es zwar bereits ähnliche Zeiten: In den dreißiger Jahren etwa war die Arktis wohl ähnlich warm wie heute. Und im sogenannten Holozänen Klimaoptimum vor 5000 bis 8000 Jahren bedeckte noch mit weitaus weniger Eis den Nordpol; damals war es in der Arktis etwa drei Grad wärmer.

Strengere Winter in Europa

Doch diesmal sei der Schwund teils vom Menschen verursacht, der mit Treibhausgasen das Klima aufheize, sagt Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. „Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Klimazustand“, meint Notz. Eine Kettenreaktion werde vermutlich dazu führen, dass die Arktisschmelze die Klimaerwärmung be-schleunige, sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Wo bislang Meereis die Sonnenstrahlen reflektiert hat, nimmt nun der Ozean die Wärme auf – und das Meer wärme allmählich die Luft. Vor allem im benachbarten Grönland drohe sich dadurch das Tauwetter zu verstärken, warnt Levermann. Schneller schmelzende Gletscher würden den Meeresspiegel weiter heben. Auch das Wetter in Europa könnte sich ändern: Eine wärmere Arktis sorge vermehrt für strenge Winter, sagt Rüdiger Gerdes.

Schon machen neue Warnungen die Runde: Bereits im Sommer 2016 könnte die Arktis eisfrei sein, meint der renommierte Eisforscher Wadhams. Sein Bremer Kollege Heygster rechnet in zehn bis 15 Jahren mit einer eisfreien Arktis im Sommer. Und Notz glaubt, die sommerlichen Schollen könnten bis Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein.

Bereits diesen Sommer sei das Meer am Nordpol für die Schifffahrt im Sommer gut passierbar, ergänzt Gerdes: Man könne mit einem Frachter von der Beringstraße ins Europäische Nordmeer kommen, ohne in russische Gewässer einzufahren. „Für praktische Zwecke“, sagt Gerdes, „ist die Arktis schon jetzt eisfrei“.

„Jetzt geht es an die Substanz“

Ein riesiger Eisberg driftet weiter die Meeresstraße zwischen Grönland und Kanada entlang – und zerfällt dabei in mehr und mehr kleinere Einzelteile, die stetig ihrem Ende entgegentreiben.

Abgebrochen war er Mitte Juli vom Petermann-Gletscher im Norden Grönlands – an einem Riss, den Forscher schon seit Jahren beobachtet hatten. Die Fließgeschwindigkeit des Petermann-Gletschers hat sich nach Angaben des National Snow and Ice Data Center der USA zuletzt um 10 bis 20 Prozent erhöht.

120 Quadratkilometer war der riesige Eisberg damals groß, nun befindet er sich auf Südkurs, es brechen neue Fragmente ab und schwimmen schneller als das große Stück ihrer Schmelze entgegen.

Quellen: PRAVDA-TV/NASA/NSICDC/SpiegelOnline vom 20.09.2012

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