In Tokios U- und S-Bahnen spricht man nicht, es gehört sich nicht. In überfüllten Zügen während des Berufsverkehrs schon gar nicht. Manche Leute dösen, das gilt als rücksichtsvoll, weil man keinen stört.
Und andererseits nicht „merkt“, wenn Alte oder Behinderte sitzen möchten. Die meisten anderen tippen auf ihren Smartphones. Doch kaum jemand liest ein e-Buch oder elektronische Zeitungen. Die meisten Leute spielen Games, einige sehen Filme oder lesen Manga. Andere konsumieren offen Pornografie. Der Sitznachbar schaut ja nicht hin, zumindest sollte er es nicht. Zugleich bieten die Smartphones, wie schon die 3G-Handys, stets aktualisierte Fahrpläne, Wettermeldungen, Erdbebenwarnungen und Promi-Klatsch.
Politisch hat die dichte Vernetzung in Japan keine Relevanz.
Bis vor zwei Jahren war Online-Wahlkampf in Japan verboten. Seine Zulassung sollte die Jungen mobilisieren, aber das Interesse war minimal. In Japan gibt es, obwohl die Infrastruktur vorhanden wäre, auch kaum Firmenangestellte, die von zu Hause arbeiten. Man will die Kontrolle. Japans Pendler sind so in ihre Smartphones vertieft, dass sie auf den Bahnsteigen zusammenprallen. Das habe es in Japan früher nie gegeben, schreibt Katsumi Tokuda.
Die Professorin der Uni Tsukuba untersucht, wie sich Technologien auf die Gesellschaft auswirken. Die Bahn warnt, Leute fallen von den Bahnsteigen auf die Gleise, weil sie in ihre Smartphones vertieft seien. 2012 waren es bereits 3500, ein Mann kam dabei ums Leben. Heute sind es mehr.
Wenn die 9-jährige Yumi ins Bett geht, darf sie vor dem Schlafen auf dem Tablet noch Manga-Filmchen sehen. Anstelle einer Gute-Nacht-Geschichte. Dann schläft das Kind mit Musik vom Tablet ein. Das blaue Licht sei ungesund, es störe den Schlaf vor allem der Kinder, warnen die Ärzte. Deshalb hat seine Mutter nun einen Blaufilter auf den Bildschirm geklebt. Yumi ohne Elektronik ins Bett gehen zu lassen, fällt ihr gar nicht ein.
Das Schulamt der Stadt Kariya in der Präfektur Aichi führt im April eine Sperrstunde ein. 13 000 Schulkinder dürfen künftig nach 21 Uhr keine Mobilgeräte mehr benützen, auch zu Hause nicht. Die Lehrerschaft und die Polizei haben das Verbot vorgeschlagen, begründet wurde es mit Cyber-Bullying. Eine Strafandrohung gibt es nicht, dafür fehlt die Rechtsgrundlage, aber in Japan genügt oft schon der soziale Druck, Vorschriften durchzusetzen.
In Südkorea ist es anders
Südkorea ist noch vernetzter als Japan. Etwa 90 Prozent aller Haushalte haben Breitband-Internet. 80 Prozent aller Südkoreaner ein Smartphone. Das ist Regierungsprogramm. Drei Smartphone-Hersteller stammen aus Südkorea, der Branchenführer Samsung, LG und Pantech. Das Land ist auch einer der größten App-Hersteller, vor allem für Gaming. Kritiker werfen der Regierung vor, zugunsten der IT-Industrie habe sie die Gesellschaft zu Versuchskaninchen gemacht.
Anders als in Japan ist es in Südkorea.
Hier tippen in der U-Bahn von Seoul auch die Rentner auf Bildschirmen herum. Gleichwohl ist es den Zügen laut. Ältere Koreanerinnen scheinen das Multi-Tasking von Surfen und Plaudern perfekt zu beherrschen. Was in Japan „Line“ ist, ist in Südkorea „Kakao“, die soziale App des Webportals Daum. Sie ist auf 94 Prozent aller südkoreanischen Smartphones installiert.
Der Südkoreaner an sich verbringt viereinhalb Stunden täglich auf seinem Smartphone, so eine Studie der Regierung. Neun Prozent aller Südkoreaner und ein Viertel der Teenager gelten als akut Smartphone-suchtgefährdet. Die Regierung hat 140 Internet- und Video-Game-Suchtzentren eingerichtet. IT-süchtige Kinder müssen in militärisch geführte Entziehungslager.
Jüngst haben einige unbekannte, mittelmäßige Internate in der koreanischen Provinz mit absoluten Verboten für Mobilgeräte Schlagzeilen gemacht. Und gleichzeitig das Schulgeld massiv erhöht. Seither werden sie mit Bewerbungen überschwemmt. Die Leistungen der Schüler schnellen nach oben, wenn sie Smartphone-abstinent lernen. Dennoch drängt die Regierung alle Schulen und Unis, den Unterricht zu digitalisieren. Einerseits gilt das als „modern“, die USA machen es, andererseits hilft der Staat seiner Vorzeige-Industrie, Geräte zu verkaufen.
Soldaten, die zwei Bücher pro Monat lesen, erhalten ein paar Urlaubstage mehr
Brian Myers ist Professor an der Dongseo-Universität in Busan, der zweitgrößten Stadt Südkoreas, Literaturkritiker und ein renommierter Nordkorea-Experte. In den 14 Jahren, seit er in Korea lehrt, hat er dramatische Veränderungen beobachtet. „Die koreanische Roman ist nur etwas mehr als hundert Jahre alt, es gibt nur fünf bis sechs Klassiker. Als ich hier anfing, hatten die Studenten zwei drei dieser Bücher gelesen, vor sieben Jahren kannten sie wenigstens noch einige Titel. Heute haben sie keine Ahnung. Und werden nicht einmal verlegen.“ Er kenne keinen Professor der Geisteswissenschaften, so Myers, der mehr positive als negative Auswirkungen der neuen Technologien beobachte.
„Weil die Leute immer weniger lesen, wählen die Verlage für Bücher immer größere Schriften.“ Viele Studenten, so Myers, seien kaum mehr in der Lage, korrektes Koreanisch zu schreiben. Sicher sei das nicht nur in Korea so, er habe internationale Studenten, die ihre eigene Literatur auch nicht kennten. Aber dem Kollektivsinn der Koreaner entspreche das ständige In-Kontakt-Bleiben eher als die einsame Tätigkeit des Lesens. Außerdem haben die Koreaner in den letzten Jahrzehnten gelernt, immer das Neueste zu wollen. Das wurde für die IT-Industrie gezielt gefördert. Heute adaptieren die Koreaner neue Technologien schneller als jedes andere Volk. Südkorea ist nicht anders, sondern den Anderen voraus. Myers war kürzlich in Nordkorea. „Dort kann man – trotz Restriktionen – noch ein tiefes seriöses Gespräch führen. Im Süden ist das kaum mehr möglich.“
Wie in Japan vereinzeln auch viele Südkoreaner online.
Dagegen gibt es Abhilfe – online: Wer allein isst, kann per Webcam einen Partner finden. Am liebsten die 34 Jahre alte Park Seo Yeon, die ein Geschäft daraus gemacht hat, als „Diva“ täglich vor der Webcam zu essen. Ihre gastronomischen Voyeure, bis zu 3000 gleichzeitig, bezahlen sie dafür. Park nimmt etwa 8000 Euro im Monat ein.
Koreas Uni-Bibliotheken verwaisen.
Versuche, die Studenten mit Bonuspunkten in die Büchereien zu locken, sind gescheitert. Anders in der Armee, die Smartphones verboten hat. In Südkorea herrscht Wehrpflicht. Neuerdings erhalten Soldaten, die zwei Bücher pro Monat lesen, ein paar Urlaubstage mehr.
Die Aufmerksamkeitsspanne der jungen Südkoreaner nimmt stetig ab. Sie schreiben nicht einmal mehr E-Mails, nur Kurzmeldungen. „Theoretisch müssten die Studenten, wenn sie ständig auf dem Internet sind, wenigstens besser Englisch können als früher“, seufzt Myers. Doch das sei nicht der Fall. Wer sich ans Englische wage, tue dies im Internet-Slang: „R U k“, für „are you okay“, alles klar?
Vor 13 Jahren stellten das Internet und die Kurznachrichtendienste Südkoreas Politik auf den Kopf. Dank der Mobilisierung der Jungen durch „OhmyNews“, eine damals neue Webzeitung, gewann der Oppositionskandidat Roh Moo Hyun, ein Menschenrechtler, die Präsidentschaftwahl.
Inzwischen hat sich „OhmyNews“ als oppositionelle Stimme etabliert, aber die jüngste Wählergeneration interessiert das nicht. Seine Studenten läsen höchstens noch die Schlagzeilen der Webportale, sagt Myers. „Sie konsumieren K-Pop, spielen Games und vor allem schicken sie sich ständig gegenseitig Fotos und sagen sich, wo sie gerade sind. Viel Inhalt wird da nicht transportiert.“ Südkoreas Regierung passt sich der schleichenden Re-Analphabetisierung an. Sie publiziert, was wichtig ist, inzwischen in Comic-Form.
„Aber eine post-alphabetische Gesellschaft ist so instabil wie eine analphatische“, warnt Myers. Und zur Demokratie taugt sie nicht.
Quellen: AP/sueddeutsche.de vom 28.02.2015
Weitere Artikel:
Bundesamt warnt Schulen vor WLAN-Netzen – Drahtlos-Netzwerke in Kitas in Frankreich verboten
Verbietet euren Kindern Smartphones! 10 wissenschaftliche Gründe
Gesundheit: Strahlengefahr weit unterschätzt (Video)
Smartphone, Handymasten, WLAN & Co.: Das unsichtbare Glühen (Video)
Nur aufs Smartphone geachtet: Mann verpasst Erlebnis seines Lebens
Computer, Tablets und Smartphones als Schlaffresser
Leben vor dem Bildschirm
Bildung: Siegeszug der Dummheit – Die menschliche Intelligenz geht rasant zurück
Steve Jobs verbot seinen Kindern das iPad
“FOMO”: Digitale Demenz und unser gefährliches Experiment (Video)
Kämpfer gegen den Elektrosmog bei Groß und Klein
Fernsehen macht Kindern oft Angst (Videos)
Prävention Mobilfunkstrahlung: Blick auf dunkle Seite des Handys
Das Ende der Konversation
Eine unerträgliche Geschichte der Zeit
Rückversicherer stuft Mobilfunkstrahlung als höchstes Risiko ein
Schlaf: E-Books und Co. stören die innere Uhr
WhatsApp mit Lesebestätigung: Sie Nutzersklaven
Bildung: Siegeszug der Dummheit – Die menschliche Intelligenz geht rasant zurück
Handy-Strahlung total egal? Das Design ist wichtiger
Generation Y und Maybe: Die Jugendlichen von heute wirken wie Zombies
Volkskrankheit Analphabetismus als Bildungsziel
Mobilfunk, Elektrosmog, Handy-Strahlung – die verschwiegene Gefahr (Videos)
Gesundheitsgefährdung durch windradgenerierten Infraschall
Hirntumor-Risiko steigt durch Handystrahlung
Spätfolgen für Kinder: Drahtlose Geräte verursachen Krebs und Gehirnschäden
Schulen verbieten Handys auf dem Pausenhof
Apple iPhone, Samsung, HTC & Co.: Hirntumor-Risiko steigt durch Smartphones
Selbst schwacher Elektrosmog stört Orientierung von Zugvögeln
“Look Up” – gemeinsam vereinsamen mit der “Generation Smartphone” (Video)
«Smartphone-Zombies» leben gefährlich
Hybriden der Zukunft: Kreuzungen von Mensch und Tier
Künstliche Intelligenz
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Smartphones schädigen Kinder an Geist und Körper
Finger weg, giftig! Gesundheitsgefährdende Stoffe in Tastatur, Maus, Handy…
Mysterium am Bahnhof: Ein Mann starrt ins Leere
Idiotenkiste: Wie Fernsehen uns alle in Zombies verwandelt (Videos)
Paare gucken Streitverhalten aus TV-Serien ab – Hoher TV-Konsum fördert unsoziales Verhalten
Unsoziale Netzwerke: Geht unser Nachwuchs daran kaputt?
Das unheimliche Mikrowellen-Experiment
Busen und Handy sind inkompatibel – Mobilfunkgeräte verursachen Brustkrebs
Krebs und Tumore durch Handy-Strahlung: Forscher finden alarmierende Spuren im Speichel
Naturschützer warnen vor der Gefahr des Mobilfunks
Studie bringt mehr als 7000 Krebstote mit Strahlung von Handymasten in Verbindung
Mobilfunkstrahlung: Pflanzen keimen nicht in Nähe von Netzwerk-Routern
Organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen – wie Patienten und Verbraucher betrogen werden
Gesundheit: Mobilfunk und Medien – Funkstille über Strahlungsschäden
Zaubergesang: Frequenzen zur Wetter- und Gedankenkontrolle
Gesundheitliche Beschwerden – Smartphones unter der Schulbank
Urlaubsziele für Allergiker & elektrosensible Menschen: Auszeit von der Triefnase & Strahlung
Glauben Sie immer noch nicht an HAARP? Dann sind Sie Konspirationstheoretiker/in! (Video)
Opfer von Mobilfunkstrahlung? Pfarrer in Ruhestand begeht Selbstmord
Handystrahlung: Erhöhte Mutationswerte im Labortest – Belgien verbietet Verkauf & Werbung an unter 7-jährige
LTE führt zu Anstieg von Mobilfunkstrahlung
Mobilfunkantenne – Angst vor Strahlen
Meinungsmache: Rothschild Presse in Deutschland seit 1849 (Videos)
Mobilfunk, ein “Trojanisches Pferd” im Körper
Die Folgen von Mobilfunk, Zerstörung des Erbguts, Wirkung auf Organismus von Mensch und Tier
Mobilfunk während Schwangerschaft kann zu Verhaltensstörungen des Nachwuchses führen
Sieg vor Gericht: Handy ist für Tumor verantwortlich
Mikrowelle: Unerkannte Gefahr für Nahrung und Haushalt
Bevölkerungskontrolle: Die Machenschaften der Pharmalobby – Von den IG Farben der Nazis zur EU und den USA
Massen-Hypnose durch Kino und Fernsehen (Video)
Das HAARP-Projekt (Videos)
Was Putin verschweigt, sagt sein Berater: Deutschland steht unter US-Okkupation (Video)
