Hindernisse gibt es bei den Arbeiten am AKW Fukushima heute genau so, wie im März 2011. Allerdings gehören längst auch Vorbehalte von Bürgern und Bürokratie zu den Themen.
Nachdem die vollständige Gefrierung der Küstenseite des Eiswalls im Oktober als großer Erfolg begrüßt worden war, müssen Regierung und Betreiberfirma auf Anordnung der Aufsichtsbehörde NRA nun genau hinschauen.
Die Experten der NRA wollen sich nicht mit den Messergebnissen der Bodenthermometer zufrieden geben, sondern fordern Bodenproben, die eine vollständige Gefrierung der Schichten nachweisen sollen, sowie eine Einschätzung der Effektivität.


Noch in diesem Monat soll auf dem Gelände südlich von Reaktor 4 eine mehrere Meter tiefe Grabung erfolgen. Der Ort der Prüfung wurde wegen seiner vergleichsweise geringen Umgebungsradioaktivität gewählt.
Im Laufe des Monats sollen dann auch die Experten einer Regierungs-Taskforce die Durchführung der Arbeiten vor Ort begutachten. Sollte die Beurteilung positiv ausfallen, könnte auch die ausstehende Genehmigung zur Gefrierung der Landseite erfolgen.
TEPCO ist an einem Erfolg des Eiswallprojekts interessiert, da man hofft, durch die unterirdische Grundwasserbarriere in Verbindung mit Pumpen noch 2018 einen Großteil radioaktiver Abwässer aus den Reaktorgebäuden entfernen zu können.
Kontrollen an Überlandleitungen am AKW Fukushima Daini
Nach den jahrzehntelangen Wartungsmängeln an Überlandleitungen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, die im September 2016 aufgedeckt worden waren, folgten auch Untersuchungen am AKW Fukushima Daini.
Während die Masten des ersten Kraftwerks an etwa 50 Stellen verschiedene Schäden aufwiesen, konnten an den Stahlstrukturen der Leitungen auf dem Gelände von Fukushima Daini keine Auffälligkeiten nachgewiesen werden.
Allerdings gibt es auch in diesem Fall sei den 1970ern keinerlei Wartungsplan, der Inspektionen und Reparaturen umfassen würde. Man überließ die Masten der Elektrizitätsleitungen einfach ihrem Schicksal.
Der Vorsitzende der Atomaufsichtsbehörde warf TEPCO aufgrund der Versäumnis, ein anhaltend mangelndes Sicherheitsbewusstsein vor. Das Unternehmen entschuldigte sich und erklärte, Berichte über die Mängel im Sicherheitsmanagement vorzulegen.
Außerdem soll anhand der Mängelberichte ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden.
Da bei den Versäumnissen teilweise geltende Gesetze gebrochen wurden, muss das Unternehmen auch mit einer Anklage rechnen.

Extrem hohe radioaktive Ablagerungen in mehreren Autowaschanlagen
In Abwasserbehältern von Autowaschanlagen in der Präfektur Fukushima sammeln sich offenbar radioaktiv kontaminierte Ablagerungen an, die mehr als das siebenfache über dem gesetzlichen Grenzwert von 8.000 Becquerel pro Kilogramm liegen.
Das geht aus Aussagen und Dokumenten der Automobilindustrie hervor, die japanischen Medienvertretern vorliegen. Demnach wurde an mehreren Waschanlagen der Präfektur Fukushima starke radioaktive Belastungen in dem abgespülten Material nachgewiesen.
Zu den höchsten Belastungen zählt eine Konzentration von 57.400 Becquerel pro Kilogramm, was den zulässigen Höchstwert gleich mehrfach überschreitet.
Die radioaktive Kontamination ist vermutlich auf Ruß und Asche zurückzuführen, die unmittelbar nach dem radioaktiven Fallout der Kraftwerkskatastrophe an den Fahrzeugen hafteten, bevor sie in die Waschanlage gebracht wurden.
An etwa 1.700 Tankstellen mit Waschanlage nähert sich die Kapazität in den Lagertanks dem Ende. Um ein Überlaufen zu verhindern, schöpfen einige Anlagen den Schlamm per Hand ab, was zu Besorgnis über Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten führte.
Die Gesamtmenge an kontaminiertem Material dürfte bei mehreren tausend Tonnen liegen.
Den mit dem Aufbau der Behälter beauftragten Firmen sei das Problem zwar bekannt gewesen, jedoch habe man es nicht öffentlich gemacht, da man Einbußen bei den Kundenzahlen befürchtete.
Mehrere Verbände aus dem Automobilbereich hatten sich deswegen bereits an die Regierung und den Kraftwerksbetreiber TEPCO gewandt.
Doch sowohl das Umweltministerium, als auch das Unternehmen gaben jetzt zu, die Bedenken der Verbände bislang ignoriert zu haben.
Als Ursache für die fehlende Beachtung werden geltende Dekontaminationsgesetze genannt, die lediglich bei Klärschlamm und Verbrennungsasche eine Meldung der Strahlungswerte an Behörden vorschreiben, nicht jedoch bei anderen Abfällen.
Experten fordern jetzt, dass das Material offiziell als radioaktiver Abfall deklariert wird, so dass die Regierung für die sachgemäße Entsorgung verantwortlich ist.

(Tsunami-Hinweisschild)
Pannen bei Übung vor erstem Welt-Tsunami-Tag
Anlässlich des neuen „Welt-Tsunami-Tags“, der am vergangenen Samstag erstmals stattfand, ereignete sich am Freitag zuvorr ein präfekturübergreifender Test des Warnsystems „J-Alert“ statt – und offenbarte an mindestens acht Standorten technische Probleme.
Zu den betroffenen Gebieten gehört auch die Ortschaft Kaneyama in der Präfektur Fukushima.
Dort war die Radio/Funkdurchsage des Katastrophenschutzzentrums nicht zu hören. Ähnliche Probleme gab es in der Stadt Okayama, in der gleichnamigen Präfektur.
Dagegen erfolgte in Nonoichi (Präf. Ishikawa) die automatische Verbreitung der Katastrophenwarnung per E-Mail nicht wie vorgesehen.
Zu den acht betroffenen Standorten gehören außerdem Minamiboso (Präf. Chiba), Takatsuki (Präf. Osaka), Mimasaka (Präf. Okayama), Ama (Präf. Shimane) und das Dorf Uken (Präf. Kagoshima).
Die betroffenen Gemeinden wollen nun jeweils die genaue Ursache für das Versagen des Warnsystems ermitteln und beheben. Über die Probleme berichteten Kyodo und Präfekturmedien.

Kernschmelzen-Meldung wurde angeblich durch NISA untersagt
Am Mittwoch veröffentlichte TEPCO neue Informationen über den Umgang mit der Möglichkeit einer Kernschmelze während der Akutphase der Krise am AKW Fukushima Daiichi. Dabei wird erneut die Zurückhaltung von Informationen deutlich.
Demnach informierte das Unternehmen die damalige Aufsichtsbehörde NISA im April oder Mai 2011 auf eine Anfrage der Behörde mit der Einschätzung, dass es an mindestens einem Reaktor zur Kernschmelze gekommen war.
Nachdem jedoch keine Analyseergebnisse über den tatsächlichen Zustand der Reaktorkerne vorlagen, stellte die NISA in Frage, ob eine solche Einschätzung, ohne jede faktische Grundlage, tatsächlich veröffentlicht werden sollte (Fukushima und die Erdbeben-Lüge: Das japanische 9/11 heißt 3/11).
Daraufhin sei das Unternehmen angewiesen worden, den Begriff der Kernschmelze zu vermeiden. In dem entsprechenden Dokument bestätigt ein Angestellter durch eine Aussage die Anordnung.
Weitere Informationen über den Mitarbeiter der NISA und den TEPCO-Angestellten, die an diesem Austausch beteiligt waren, wollte der Kraftwerksbetreiber nicht freigeben, da dies zur Identifikation von Einzelpersonen führen könne.
Literatur:
Verschlusssache Tschernobyl: Die geheimen Dokumente aus dem Kreml von Alla Jaroschinskaja
Katastrophenalarm!: Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? von Stefan Engel
Fukushima 360º – Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011: 44 Foto-Reportagen von Alexander Neureuter von Alexander Neureuter
Video-Vortrag:
Quellen: PublicDomain/konjunktion.info/spreadnews.de am 09.11.2016
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