Mietpreisbremse befeuert Landflucht

mietpreisbremse

Neues Gesetz schafft massive Fehlanreize und nimmt der Provinz einen ihrer letzten Trümpfe.

Während die Politik wegen der steigenden Mieten in den Großstädten inzwischen einen regen Aktionismus entfacht hat, ist beim Problem Landflucht und der drohenden Verödung ganzer Regionen bisher kein Konzept erkennbar. Tatsächlich hängen beide Probleme aber eng zusammen.

(Bild: Schlange bei Wohnungsbesichtigung in München: Hohe Mieten in den Städten machen das Land attraktiv)

„Knappheit und steigende Mieten in den Großstädten sind die Kehrseite von Schrumpfung und zunehmendem Leerstand in der Fläche“, so das Fazit, welches das auf Immobilienfragen spezialisierte Empirica-Institut in einer Untersuchung zieht. Inhalt der Studie war unter anderem das Phänomen, dass es vor allem die Jugend immer stärker in einige wenige attraktive Städte zieht, während viele Regionen flächendeckend zunehmend von Wohnungsleerstand und Überalterung der Bevölkerung geprägt sind.

Als die entscheidende Antriebskraft bei dieser Entwicklung gilt die größere Auswahl an Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in Metropolen wie München, Hamburg und Berlin. Daneben werden regelmäßig bessere Einkaufsmöglichkeiten, das Angebot von Bus- oder Bahnverbindungen, die Nähe zum Arbeitsplatz und die bessere medizinische Versorgung als Pluspunkte genannt.

Die Liste der Argumente, die für einen Umzug in eine Großstadt sprechen, macht deutlich, wie schwierig es sein wird, die langfristige Verödung ganzer Landstriche in Deutschland zu stoppen. Nach Berechnungen des Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) werden Landflucht und niedrige Geburtenraten viele Gegenden künftig regelrecht ausbluten lassen. Unabhängig von der Himmelsrichtung werden fast alle Teile Deutschlands von dieser Entwicklung betroffen sein. Als Folge drohen bis zum Jahr 2030, fast überall Arbeitsplätze zu verschwinden, so die Warnung der Hamburger Wirtschaftsforscher.

Für Probleme des ländlichen Raums wie klamme Kassen, Ärztemangel, Abwanderung und Immobilienleerstand, die drastisch zunehmen werden, ist bisher kaum ein plausibles Konzept der Politik erkennbar. Verschärfend kommt hinzu, dass auch das politische Personal in den Regionen mit den anstehenden Problemen bisher ziemlich alleingelassen wird. Während große Städte auf einen professionellen Verwaltungsapparat zurückgreifen können, sind auf dem Land Gemeinderäte und Bürgermeister meist ehrenamtlich tätig und auf sich allein gestellt.

Angesichts des ganzen Bündels an Problemen könnte sich gerade die inzwischen be-schlossene Mietpreisbremse als fataler zusätzlicher Fehlanreiz entpuppen, der die Sogwirkung von Großstädten noch weiter verstärkt. Zu befürchten ist, dass die Miet-preisbremse – wie fast jeder staatliche Eingriff – nicht den gewünschten Effekt haben wird und obendrein neue Probleme schafft. Bisher wenig thematisiert wird etwa, dass das staatliche Festsetzen von Mietpreisen sinnvolle Marktregeln aushebelt. Angebot und Nachfrage würden nämlich dafür sorgen, dass auch Mittelzentren und Ortschaften in der breiten Fläche gegenüber großen Metropolen wieder Attraktivität zurückgewinnen können – durch niedrige Mieten und günstige Immobilienpreise. Indem staatlicherseits dafür gesorgt wird, dass Mieten in großen Metropolen deutlich unter dem Marktwert angeboten werden müssen, wird der „Provinz“ allerdings ein wichtiger Trumpf wieder aus der Hand genommen.

Durch den noch künstlich verstärkten Anreiz zur Ansiedlung in Großstädten droht obendrein eine Verschärfung des Problems Wohnungsmangel, dem mit Steuergeldern zu Leibe gerückt wird. Paradoxerweise herrscht in der Fläche künftig aber immer stärker Wohnungsleerstand, muss in Dörfern und Kleinstädten Infrastruktur kostspielig zurückgebaut werden. Zu befürchten ist, dass auch ein anderes Phänomen zunehmen wird, das in der Öffentlichkeit bisher wenig wahrgenommen wird. Die Zahl der sogenannten „Auspendler“ – Arbeitnehmer, die in Metropolen wohnen, und ins Umland pendeln – hat in den letzten Jahren extrem stark zugenommen.

Reiner Braun vom Vorstand des Forschungsinstituts Empirica plädiert vor dem Hinter-grund dieser gravierenden Probleme dafür, statt auf das Instrument Mietpreisbremse besser auf einen Umbau der Pendlerpauschale zu setzen, der das Pendeln attraktiver machen würde. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass eine Stärkung der „Provinz“ wahrscheinlich das beste Rezept gegen überbordende Mieten in den Metropolen ist.

Allerdings könnte sich nicht nur die Mietpreisbremse am Ende als Irrweg erweisen. Zu hinterfragen ist ebenso, welchen Sinn es macht, per sozialem Wohnungsbau massiv neuen Wohnraum zu errichten. Aufgrund der ungebrochenen demografischen Entwicklung werden langfristig nämlich auch größere Städte ein Schrumpfen der Haushaltszahlen und ein Nachlassen der Wohnungsnachfrage zu spüren bekommen. Die staatliche Wohnungs-bauförderung von heute fördert somit den Leerstand der Zukunft. Letztendlich könnte sich die rechtzeitige Aufwertung des ländlichen Raums als die deutlich preiswertere und nachhaltigere Lösungen erweisen.

Quelle: preussische-allgemeine.de vom 11.08.2014

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3 comments on “Mietpreisbremse befeuert Landflucht

  1. “Beim Problem Landflucht und der drohenden Verödung ganzer Regionen bisher kein Konzept erkennbar!”
    Doch eure Sichtweise ist nur verkehrt! Es sollen möglichst viele auf engen Raum gepfercht werden ! Durch die Multikulti Städte kommt es ganz schnell zu den gewünschten Ausnahmezuständen die gewünscht sind! So werden wohl wieder tausende geopfert werden ohne das die sich nach außen hin die Finger schmutzig machen! Auf dem Land haben die noch zusammenhalt der ist unerwünscht !
    Was dafür der Auslöser sein wird wissen nur die, entweder Finanzsystem zusammenbruch oder Krieg oder beides!
    Und danach können die sich wieder als Retter feiern lassen.
    Wer den Überblick behällt ist klar im vorteil……………………………………………….

  2. Naja…. “zusammenhalt” würde ich das nicht nennen.
    Ich wohne in er Kleinstadt.
    Wehe du passt da nicht ins Schema, oder hast ne andere Meinung, oder verlierst deinen “Status”.
    Zusammenhalt gibts in 99,9 % der Fälle nirgendwo mehr.
    Alles nur gespielt.

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