Das russische Fernsehen über den Ölpreiskrieg und die Aussichten für die Weltwirtschaft

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise sind noch nicht wirklich absehbar. Hinzu kommen die Turbulenzen an den Börsen und beim Ölpreis. Eine kleine Bestandsaufnahme.

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ auch einen Blick auf die Weltwirtschaft, die Börsen und den Ölpreis geworfen. Im Gegensatz zu westlichen Ländern, die nun massiv Schulden aufnehmen müssen, um Hilfsprogramme zu finanzieren, verfügt Russland jedoch über hohe Reserven und wird lange ohne neue Schulden auskommen können. Von Thomas Röper

Trotzdem ist man natürlich auch in Russland besorgt. Das russische Fernsehen hat die Situation am Sonntag in einem Beitrag, den ich übersetzt habe, zusammengefasst.

Beginn der Übersetzung:

Das Coronavirus geht auf grausamste Weise mit der Weltwirtschaft um. Russland ist ein Teil der Welt. Es ist auch für uns nicht einfach. Wir haben große Reserven, aber die Situation ist trotzdem sehr schwierig. Viele haben die schwierigen Zeiten schon selbst zu spüren bekommen. Wie kommt Russland mit dem Doppelschlag von von Coronaviren und fallenden Ölpreisen zurecht? (Ökonom erwartet schlimmeren Finanzcrash als 2008 – Weltwirtschaft wird von einem Angebots-und Nachfrageschock heimgesucht).

Der Flughafen in Barcelona, über den jedes Jahr 50 Millionen Menschen kommen, ist praktisch leer. Militärische Einheiten führen eine totale Desinfektion durch.

Am Flughafen Fiumicino in Rom wurde eines der drei Passagierterminals wegen Flugausfällen komplett geschlossen.

„Swiss Airlines“ hält die Hälfte ihrer Flotte am Boden und reduzierte die Personalstunden, Gehaltskürzungen inklusive.

Und die deutsche Lufthansa hat den Flugbetrieb fast vollständig eingestellt. Von den 763 Flugzeugen stehen 700 am Boden. Das Unternehmen gibt zu, dass die Branche ohne staatliche Unterstützung nicht überleben wird, wenn sich die Pandemie hinzieht.

„Diese Krise trifft uns sehr hart. In den kommenden Monaten werden wir unser Geschäft nicht normal führen können“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

„Leider müssen wir das Personal um 10.000 Mitarbeiter kürzen, das sind 90 Prozent unseres Personals“, sagte SAS-Direktor Rickard Gustafson.

Und hier verlassen die Mitarbeiter des tschechischen Skodawerkes ihren Arbeitsplatz. Das Unternehmen stellte die gesamte Produktion ein, nachdem mehrere Mitarbeiter infiziert sind.

In europäischen Autowerken gibt es Probleme mit Bauteilen und die Nachfrage nach Autos ist gesunken.

„Wir erwarten sehr ernste Folgen für unsere Wirtschaft. Es ist äußerst wichtig, den freien Warenverkehr innerhalb der EU zu erhalten. Unsere Automobilindustrie ist auf Lieferungen aus anderen EU-Ländern angewiesen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Es ist schwer für alle. Der Bauwirtschaft steht still. Hotels schließen. IKEA hat alle Filialen in den Vereinigten Staaten und teilweise in Europa geschlossen. Durch die Quarantäne ist die Gastronomie ruiniert.

 

Sogar irische Fischer fahren nicht mehr aufs Meer. Sie haben Fisch und Garnelen an Restaurants in Italien, Spanien und Frankreich geliefert.

Die italienische Regierung stellt bis auf die lebensnotwendigen alle Produktionstätigkeiten ein. Das ist die schlimmste Krise, die das Land seit dem Zweiten Weltkrieg durchgemacht hat. Rom stellt 25 Milliarden Euro für Familien und Unternehmen bereit.

„Alle Selbständigen erhalten im März einen Scheck über 600 Euro. Wir verlängern auch den Elternurlaub und werden Gutscheine für Kindermädchen ausstellen“, sagte der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri.

Als Trump die Möglichkeit einer Rezession in den Vereinigten Staaten eingestand, fielen die amerikanischen Börsen um mehr als 10 Prozent. Und das Öl stand schon unter der 25-Dollar-Marke pro Barrel.

„Das ist nicht dramatisch. Ich gehe davon aus, dass sich der Preis bis Ende des Jahres irgendwo auf 50 bis 60 Dollar erholen kann. Denn die Frackingproduktion beginnt zu sinken“, sagte Igor Setschin, der Chef von Rosneft.

Im Ölkrieg zwischen Moskau und Riad tritt der Dritte immer deutlicher auf. Laut dem Wall Street Journal hat sich die US-Ölindustrie bei der Trump-Administration gemeldet. Um ihre Frackingprojekte zu retten, denkt Washington darüber nach, Russland mit einem neuen Sanktionspaket zu neutralisieren und die Saudis zu zwingen, die Produktion zu drosseln, wie es in der OPEC der Fall war.

„OPEC-Plus hat natürlich durch Produktionskürzungen zum Ausgleich des Marktes beigetragen, aber ob das eine große Wirkung hatte, ist die Frage, weil die USA gleichzeitig die Produktion hochgefahren haben und sie weltweit der größte Ölproduzent geworden sind und ihre Exporte nach Europa um das sechsfache erhöht haben. Nach Indien haben sie ihre Exporte verzehnfacht. Der erste amerikanische Tanker kam auch in Polen an“, sagte Setschin.

Aufgrund des „viralen“ Nachfragerückgangs und der niedrigen Ölpreise wird der russische Haushalt 3 Billionen Rubel (ca. 33 Milliarden Euro) weniger erhalten. Die vorhandenen Reserven werden helfen, die globale Quarantäne zu überleben.

„Wir haben mehr genügend Kraft, um alle unsere Verpflichtungen, nicht nur die sozialen, für mehr als nur ein Jahr zu finanzieren. Bei den aktuellen Preisen auf dem Ölmarkt haben wir genug Reserven für sechs Jahre“, sagte der russische Finanzminister Anton Siluanow.

Die russische Zentralbank hat beschlossen, den Leitzins nicht zu ändern, um keinen zusätzlichen Druck auf den Rubel auszuüben und Preiserhöhungen zu vermeiden. Die Pandemie wird die russische Wirtschaft sicherlich verlangsamen, aber sobald das Virus zurückgeht, wird die Erholung beginnen.

„Das Tempo dürfte im zweiten Quartal dieses Jahres niedriger ausfallen, als im ersten Quartal, aber über das Jahr wird es unserer Meinung nach im positiven Bereich bleiben. Wir gehen immer noch davon aus, dass es im dritten Quartal eine Stabilisierung geben wird, auch unter Berücksichtigung der Maßnahmen der Regierung und der Zentralbank“, sagte die Chefin der russischen Zentralbank Elvira Nabiullina.

Zu diesen Maßnahmen gehören verbilligte Darlehen und ein Moratorium für Betriebsprüfungen bei kleinen und mittleren Unternehmen. Aber gleichzeitig wird der Arbeitsmarkt genau beobachtet (Coronavirus in Russland: Aktuelle Lage und welche Maßnahmen die russische Regierung ergreift (Videos)).

 

„Heute können und müssen wir eine Vielzahl von flexiblen Formen der Beschäftigung für die Menschen nutzen: reduzierte Arbeitstage oder Homeoffice, was auch im Einklang mit den Empfehlungen der Ärzte ist. Wir werden separat überwachen, wie der Übergang auf Heimarbeit abläuft. Aber Entlassungen sollten gerade in der gegenwärtigen, nicht ganz einfachen, Situation die letzte Maßnahme sein. Wir werden wöchentlich die Situation bei den Lohnzahlungen überwachen“, sagte Ministerpräsident Michail Mischustin.

Um die Wirtschaft und die Bürger zu unterstützen, richtet die Regierung einen Anti-Krisen-Fonds ein. 300 Milliarden Rubel (ca. 3,3 Milliarden Euro) sind bereitgestellt.

Ende der Übersetzung

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“



Literatur:

Die Angst der Eliten: Wer fürchtet die Demokratie?

Wehrt Euch, Bürger!: Wie die Europäische Zentralbank unser Geld zerstört

Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen: Der Weg in die totale Kontrolle

Wer regiert das Geld?: Banken, Demokratie und Täuschung

Quellen: PublicDomain/anti-spiegel.ru am 26.03.2020

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