Die Atlantis-Lokalisierungen und skurrile Hypothesen bezüglich Antarktis (Video)

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Der Kontinent Antarktika hat seinen Namen vom altgriechischen antarktikos (ἀνταρκτικός), was ‚der Arktis gegenüberliegend‘ bedeutet. Die Vorstellung einer antarktischen Zivilisation wurde bereits 1888 inhaltlicher Bestandteil eines posthum publizierten Romans mit dem Titel A Strange Manuscript Found in a Copper Cylinder des kanadischen Autors James De Mille.

Teil der Atlantis-Debatte wurde Antarktika schon 1923, als René-Maurice Gattefossé verfocht, Atlantis habe im Atlantischen Ozean gelegen und sei kulturell durch eine noch ältere Zivilisation beeinflusst worden, die in Antarktika gelegen habe.

Im selben Jahr publizierte ein anderer Franzose, Dominique Sévriat, einen Roman vor der Kulisse eines antarktischen Atlantis. H. P. Lovecraft verfasste 1931 eine Kurzgeschichte At the Mountains of Madness, in der er ebenfalls eine Verbindung von Atlantis und Antarktika heranzog.

Zudem wurden in Bezug auf Antarktika zahlreiche andere exotische Behauptungen aufgestellt, einschließlich der Behauptung, dass es eine UFO-Basis sei und dass dort in einer Neuschwabenland genannten Region eine Zufluchtsstätte für Hitler errichtet worden sei.

Der früheste Vorschlag, Antarktika sei die Örtlichkeit von Atlantis gewesen, stammt jedenfalls von Roberto Rengifo, einem chilenischen Professor, der zudem 1920 anregte, Antarktika sei die ursprüngliche Heimat des modernen Menschen gewesen, bis eine katastrophische Polverschiebung eine Migration gen Norden nach Amerika und schließlich weltweit erzwang! R.V. Eissmann zufolge machte Arthur Posnansky etwa zur selben Zeit einen ähnlichen Vorschlag.

Dann musste ein halbes Jahrhundert vergehen, bis Antarktika durch Flavio Barbiero in seinem [nur] auf Italienisch erschienenen Buch Una civiltà sotto ghiaccio als vermutliche Lokalität von Atlantis propagiert wurde.

Zwanzig Jahre später veröffentlichten Rand und Rose Flem-Ath mit Hilfe einer gut gestalteten Webseite eine ähnliche Theorie, die in der englischsprachigen Welt weitreichende Verbreitung erfuhr. Nachfolgend verfasste Rand Flem-Ath zusammen mit Colin Wilson ein weiteres Buch (The Atlantis Blueprint), das der Theorie weitere Huntergrund-Materialien hinzufügte.

Später hat Colin Wilson dann seine Unterstützung für Antarktika beendet, als er letztendlich die Vorstellung für unhaltbar hielt, ein dort gelegenes Atlantis habe Krieg gegen das 5000 Kilometer entfernte Athen geführt.(Die Legenden von Lemuria, Atlantis und Mu und was sie uns über die Sehnsucht nach einer besseren Welt verraten)

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Danach befürwortete er Robert Sarmasts Vorstellung von Zypern als Örtlichkeit von Atlantis. Andrew Collins ist ein weiterer Autor, der sich ursprünglich von der Antarktika-Hypothese angezogen fühlte, optierte aber schließlich für Kuba als Lokalität von Atlantis. [8] Im Jahr 2007 unterstützte David Stewart Jnr., ein prominenter mormonischer Autor, Flem-Aths Theorie in einem Artikel auf seiner Webseite Scripture History.

Die Antarktis-Theorie ist abhängig von der Akzeptanz einer Anzahl heiß debattierter Grundlagen, zu denen die Erdkrustenverschiebung (Polverlagerung), der Untergang von Atlantis um 10.000 v.Chr., Posnanskys Datierung von Tiahuanaco, und eine entsprechende Interpretation der Piri Reis Karte gehören. Der verstorbene Roberto Solarion produzierte diesbezüglich sogar seine eigene Polverschiebungs-Theorie des Polar Axial Displacement, die er via Webseite darstellte.

Ein drei Kilometer langer Eis-Bohrkern, der kürzlich in Antarktika geborgen wurde, hat eine fortlaufende Datenreihe aufgezeigt, die 740.000 Jahre zurückreicht. Dies deutet anscheinend darauf hin, dass die Region während dieses Zeitraums nie unbedeckt von einer Eiskappe war, was Flem-Aths Theorie widerspricht, dass Antarktika einst Platos Atlantis gewesen sei. Dieses Argument wird in Appendix Nr. 6 von The Atlantis Blueprint angegriffen.

Ein anderer Autor, der dagegen behauptet, dass die antarktische Eisdecke nicht älter als 6000 Jahre alt sei, ist der australische Archäologe Peter ‚Mungo‘ Jupp.

Seine zentrale Annahme lautet, dass Eis-Bohrkerndaten fehlinterpretiert wurden, da von der falschen Vermutung ausgegangen wird, es habe sich eine Schicht pro Jahr gebildet, während es Evidenzen dafür gibt, dass jährlich mehrere Schichten entstanden sind.

Er steigt nicht direkt in die Atlantis-Debatte ein, doch die von ihm zur Stützung seiner These angeführten Evidenzen sind jedoch geeignet, den ‚Atlantis-in-Antarktika‘-Standpunkt zu unterstützen.(Lemuria: Ein Blick auf den anderen versunkenen Kontinent)

 

Die deutschen Autoren Fritz Nestke und Thomas Riemer haben 1989 mit ihrem Buch ‚Atlantis – Ein Kontinent tau(ch)t auf ebenfalls die Vorstellung eines ‚Atlantis-in-Antarktika‘ befürwortet. Patrick Geryl und Gino Ratinckx prophezeiten für das Jahr 2012 eine katastrophische Pol-Wende und sind sich ’sicher‘, dass eine frühere Pol-Verschiebung dafür sorgte, dass Atlantis heute unter dem Eis des Südpols liege.

Der umstrittene Nigel Appleby brachte in seinem Buch Hall of the Gods die Ansicht zum Ausdruck, dass es eine vormalige weltweite Zivilisation gegeben habe und „dass ein Großteil dieser Zivilisation praktisch intakt unter dem Eis der Antarktis verblieben ist.“ Wenn auch nicht in direkter Verbindung mit der Atlantis-Debatte hat uns der inzwischen verstorbene französische-Marine-Angehörige Robert Argod mit einem faszinierenden Buch ausgestattet, welches die Vorstellung stützt, dass die Polynesier aus Antarktika stammen und ihr Einfluss auch weiter entfernt zu finden sei.

Der französische Science Fiction-Autor René Barjavel verwendete die antarktische Atlantis-Lokalisierung 1988 in seimem Roman La Nuit des temps. Argumente gegen die Vorstellung von ‚Atlantis in Antarktika von Paul V. Heinrich  sind im Internet zu finden.

Diejenigen, die noch immer die Verwegenheit besitzen, das Konzept eines antarktischen Atlantis zu unterstützen, werden die hier abgebildete, kürzlich (im März 2013) im Scientific American veröffentlichte Darstellung einer eisfreien Antarktika interessant finden. Ebenfalls im Jahr 2013 erfolgte die Publikation von The Three Ages of Atlantis von Marin, Minella und Schievenin, in welchem die Existenz dreier Atlantiden vorgeschlagen wird, wobei das ursprüngliche Atlantis auf Antarktika gelegen habe und vor 15.000 Jahren zerstört worden sei!

Etwa zur selben Zeit gab es auch einen Medien-Bericht, der die Entdeckung von drei Pyramiden in Antarktika behauptete. (Abb. 7) Natürlich hielt die Story einer genauen Überprüfung nicht stand und die Geschichte löste sich in Luft auf.

2015 publizierte Britt Du Fournet einen umfangreichen Blog, in dem sie die ‚im Angebot befindlichen‘ Atlantis-Theorien bespricht. In ihrer Schlussfolgerung hält die antarktische Lokalisierung für am glaubwürdigsten.(Atlantis: Als der Mensch das kollektive Bewusstsein verlor)

2015 schlossen sich zwei französische Forscher, Jean Seimple und Fabien Pardo dem ‚Atlantis in Antarktika‘-Club an und regen uns mit der noch bizarreren Vorstellung auf, dass ein antarktisches Atlantis ‚deutlich‘ in den Merkmalen und Dimensionen der Großen Pyramide angezeigt wird. Ein anderer überspannter Vorschlag ist, dass Atlantis = Aztlán = Antarktika sei.

Im Juni 2016 wurde ein anonym publizierter Artikel im Internet ‚recycelt‘, der ebenfalls die Vorstellung eines Atlantis in Antarktika unterstützt. Er kommt mit den üblichen zweifelhaften ‚Beweisen‘ – den Karten des Piri Reis und Orontius Finaeus’, feinkörnigen Sedimenten und alten Wäldern – daher, zusammen mit einem großen Haufen Spekulationen.

Die Lieferanten dieses Unsinns wissen, dass sie schon lange tot sein werden, bevor, wenn überhaupt, die Eiskappe schmilzt, und die Irrationalität ihrer Behauptungen schließlich ans Licht kommt. Abgesehen davon, steht eine antarktische Lokalisierung ernsthaft im Widerspruch mit Platos Beschreibung von Atlantis steht, [dessen Machtbereich] sich von Libyen (Nordafrika) bis ins zentrale Italien erstreckte.

Der PsyOp-Theoretiker und Esoteriker David Wilcock (und der Blender Corey Goode) haben es fertig gebracht, die ‚Atlantis in Antarktika‘-Story mit seiner verdrehten Idee zu verweben, dass die Welt von einer geheimen Verbindung aus bösartigen Aliens und menschlichen Mitverschwörern kontrolliert wird.(Seltsame Enthüllungen über den Pseudo-„Whistleblower“ Corey Goode (Videos))

Die britische Boulevardzeitung The Daily Star und viele andere offerierten im Dezember 2016 eine weitere Wiederverwertung der ‚Atlantis in Antarktika‘-Theorie in einem jämmerlichen Versuch, ihr neues Leben einzuhauchen. Insbesondere eine Webseite demonstriert ihren Mangel an Recherche, indem sie diese Theorie mit ihrem annähernd 100-jährigen Stammbaum als „neueste“ Atlantis-Örtlichkeit darstellt.

Weitere Behauptungen [dieser Qualität] tauchten im Mai 2017 auf, als es hieß, dass „einige Wissenschaftler meinen, sie haben Atlantis gefunden, und es befinde sich unter Antarktika. Sie haben eine Reihe gigantischer Strukturen entdeckt, die unter der südpolaren Eiskappe begraben sind.“

Dieser jüngste mediale Wirbel um Antarktika und Atlantis ist von um Aufmerksamkeit heischenden ‚Forschern‘ wie Joseph P. Farrell ausgeschlachtet worden, der noch weiter ging und dies mit fliegenden Untertassen, Edgar Cayce und der Ermordung von Kennedy verbindet. Farrell hat Patristik studiert, das Studium der frühen Kirchenväter, und Meiner Meinung nach hätte er bei diesem Thema bleiben sollen.

Wie ich bereits oben angedeutet habe, so scheint es mir, dass diejenigen, welche die törichte Vorstellung eines antarktischen Atlantis promoten, dies in dem Wissen tun, dass die dortige Eiskappe wohl kaum innerhalb ihrer Lebenszeit verschwinden wird, was Evidenzen für oder gegen diese These enthüllen könnte.

Indes ist das schlagendste Argument gegen diese polare Lokalisierung die [damit verbundene] unsinnige Vorstellung, dass eine dort ansässige Zivilisation einen Angriff gegen das 5000 Meilen entfernte Athen und / oder Ägypten in Gang gesetzt habe.

Es war diese Erkenntnis, die den verstorbenen Colin Wilson, wenn auch spät, dazu bewog, ihr seine Unterstützung zu entziehen.

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Video:

Quellen: PublicDomain/atlantisforschung.de am 10.05.2022

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