
Unsere Erde sieht nicht so aus, wie sie dargestellt wird. Die meisten Weltkarten stellen die Größenverhältnisse falsch dar. Äquator-nahe Nationen wirken in nördlichen Regionen aufgeblasen wie ein Luftballon.
Andersherum schrumpfen vermeintlich riesige Landmassen am Äquator zu überschaubaren Flächen zusammen. Warum ist das so – und wie könnte man es besser machen? Von Frank Schwede
Dank der Weltkarte haben wir eine Vorstellung, wie riesig unsere Meere sind und welche Form die Kontinente haben. Wir wissen, wo auf der Welt ein Land ist, wie groß es ist und wie weit von einem anderen entfernt.
Könnte man meinen, bis man die dargestellte Größe der Länder mit Fläche in Quadratkilometern vergleicht. Zum Beispiel Südamerika. In der Wirklichkeit ist das Land zweimal so groß wie Europa.
Grönland müsste um das 14-fache kleiner sein als Afrika und um das Dreifache kleiner als Australien. Alaska erscheint dreimal größer als Mexiko, obwohl beide Länder gleich groß sind.
Ein anderes Beispiel ist Russland. Auf den meisten Karten sieht es so aus, als würde Afrika locker in Russland hineinpassen. Vergleicht man aber die tatsächliche Größe, stellt man etwas Merkwürdiges fest.
Russland hat eine Fläche von gut 17 Millionen Quadratkilometer. Und Afrika? Ist mit seinen rund 30 Millionen Quadratkilometern fast doppelt so groß. Also passt nicht die Fläche Afrikas in Russland, sondern umgekehrt – weil: Die Fläche Russlands lässt sich locker in Afrika unterbringen. Fast zweimal sogar. Warum dieser Größenunterschied?
Ein wichtiger Grund ist: Es gibt nicht nur eine Darstellung der Welt, sondern mehr als 200 unterschiedliche Varianten und jede sieht ein wenig anders aus. Das hat Vor- und Nachteile. Keine kann die Welt genau abbilden.
Besonders eine Karte prägt unser Bild der Welt: Sie begegnet uns noch in vielen Apps und im Internet. Sie heißt Mercator-Projektion, benannt nach ihrem Schöpfer Gerardus Mercator.
Im Jahr 1568 brachte er sein erstes Kartenwerk heraus, die sogenannte Mercator-Projektion, die noch heute in den meisten Schulen das gängige Standardmodell unter den Kartenwerken ist. (Mysteriöse Landkarte: Hereford Mappa Mundi: Legendäre Städte, monströse Rassen und seltsame mittelalterliche Bestien (Video))
Mercator stellte die Welt als abgerollten Zylinder dar. Der Vorteil: Eine gerade eingezeichnete Linie entsprach auch in der Natur einem geraden Kurs. Aber die sogenannte Winkeltreue geht eben nicht ohne große Ungenauigkeit in der Fläche.
Gerade die Industriestaaten und andere mächtige Länder werden noch mächtiger dargestellt, als sie wirklich sind. Die äquatornahen Staaten in Subsahara-Afrika behalten ihre tatsächliche Größe.
Da Mercator den Äquator etwas nach unten verschob, ist die Karte zwar winkelgetreu, doch die Größe der Landmassen wird verzerrt dargestellt, je näher man den Polen kommt.
Mercator musste einige Dinge ganz schön falsch darstellen
„Ad usum navigantum“ hat Mercator gleich oben auf sein Werk in lateinischer Sprache geschrieben. Das heißt übersetzt: „Zum Nutzen der Seefahrt“. Sein Kartenwerk ermöglichte Seefahrern, auf dem offenen Meer mit dem Kompass zu navigieren, um auf der anderen Seite des Meeres auch wirklich an der auf der Karte gezeigten Stelle anzukommen.
Damit das problemlos funktionierte, musste Mercator einige Dinge ganz schön falsch darstellen. Er zeichnete alle Länder am Äquator in der richtigen Größe. Aber Mercator wollte, dass Seefahrer auch die Länder nördlich und südlich des Äquators mit dem Kompass anpeilen konnten.
Weil aber die Erdkugel nach oben und unten immer weniger Umfang hat, musste er die Länder mehr und mehr in die Breite ziehen, je weiter sie im Norden oder im Süden liegen. Das hatte schließlich Folgen, die wir bis heute sehen können.
Angesichts der politischen Bedeutung der USA in der Weltpolitik wird oft die geografische Größe der Vereinigten Staaten überschätzt. Wären die USA ein Nachbar von Australien, würde jeder sehen können, dass die beiden Länder fast gleichgroß sind.
Viele Menschen wundern sich vielleicht, wie eine scheinbar kleine Nation wie Japan zu einer solch wichtigen Wirtschaftsmacht aufsteigen konnte. Doch wer die Umrisse des asiatischen Landes nach Europa schiebt, erkennt: Die Inseln im Stillen Ozean würden sich über mehrere europäische Länder erstrecken.
Grönland scheint eine schier endlose Eislandschaft zu sein. Auf der Weltkarte nimmt es weit mehr Platz ein als beispielsweise die USA. Doch etliche Breitengrade südlicher zeigt sich, wie falsch die klassische Abbildung ist. Seine Fläche entspricht der von wenigen kleinerer Staaten in Afrika.
Auch die räumliche Größe der Russischen Föderation wird aufgrund ihrer nördlichen Lage häufig falsch eingeschätzt. Im direkten Vergleich zu Brasilien zeigt sich aber: Auch die Weite Sibiriens ist überschaubar.
Trotzdem ist die Mercator-Projektion noch heute für viele ganz selbstverständlich. Warum konnte sich eine so verzerrte Weltsicht über Generationen halten, obwohl es schon eine ganze Reihe Alternativen gibt?
Der Historiker Arno Peters war im Jahr 1973 der Überzeugung, dass diese Darstellung der Welt nur einen Grund haben kann, weil sich Länder in Europa und Nordamerika wichtig machen wollen.
„Schließlich erscheinen doch beide Kontinente auf der Karte größer, als sie in Wahrheit sind, was zur Folge hat, dass sie andere Nationen unbedeutender erscheinen lassen“, schlussfolgerte Peters.
Er empfand das als schreiende Ungerechtigkeit, dass er in den Siebzigerjahren ein eigenes Kartenwerk entwickelte: Die Peters-Projektion. Auf dieser Karte sieht man, wie große die Länder und Kontinente wirklich im Verhältnis zueinander sind.

Verwendung der Peters-Projektion für eine Satellitenbildkarte
Merkwürdig in die Länge gezogen
Die Projektion hat nur einen Schönheitsfehler: Die Kontinente haben nicht mehr ihre richtige Form, stattdessen erscheinen sie merkwürdig in die Länge gezogen. Trotzdem nutzen noch heute viele Hilfsorganisationen die Peters-Projektion für ihre Broschüren und Internetseiten, weil es ihnen wichtig erscheint, die Länder und Kontinente ihrer Größe so zu zeigen, wie sie wirklich sind.
Kritik kam unter anderem vom britischen Kartenhistoriker Matthew Edney und von der Deutschen Gesellschaft für Kartographie. Da Peters kein Kartograph, sondern Historiker und Filmemacher war, sahen gelernte Kartographen ihn als Außenseiter, der in ihrem Fachgebiet aus rein ideologischen Gründen „wilderte“.
Die Peters-Projektion war nahezu identisch mit einer Karte aus den 1850-er Jahren des schottischen Kartographen James Gall, woraufhin Peters Kartenwerk in Gall-Peters-Projektion umbenannt wurde.
Liberale Organisationen wie die Vereinten Nationen befürworten die Peters-Projektion, während konservative Organisationen noch heute an der Traditionellen Mercator-Projektion festhalten.
Die Debatte um die Peters-Projektion wurde im Jahr 2000 im Rahmen der Erfolgsserie „The West Wing“, in der eine gemeinnützige Organisation dem Weißen Haus vorschlug, an jeder öffentlichen Schule in den USA die traditionelle Mercator-Projektion durch die Peters-Projektion zu ersetzen, neu entfacht.
Mittlerweile hat National Geographic die Mercator-Projektion durch die Robinson-Projektion ersetzt, ein Kartenentwurf, der 1961 von dem US Kartographen Arthur H. Robinson entwickelt wurde.
Seine Projektion stellt im eigentlichen Sinne keine Projektion dar und basiert auch nicht wie andere Kartenentwürfe, beispielsweise die Mercator-Projektion, auf einer geschlossenen mathematischen Formel, sondern auf einer Tabelle von Referenzpunkten, die empirisch ermittelt wurden.
Der Vorteil der Robinson-Projektion ist, dass sie sehr natürlich ist. Sie weist nur im Bereich der Pole relativ große Abweichungen in Winkel und Fläche auf, die mit dem Abstand vom Zentralmeridian zunehmen.
Google Maps, die heute wohl mit Abstand beliebteste Karte der Welt, verwendet weiterhin eine modifizierte Version der Mercator-Projektion. Das heißt, Google verwendet noch immer eine Kartenprojektion, die bald ein halbes Jahrtausend alt und trotzdem offenbar auch unter jungen Menschen noch immer angesagt ist.
Die Welt, wie sie sich selbst sieht
In diesem Jahr forderte die Afrikanische Union offiziell die Welt auf, die Mercator-Projektion aufzugeben und eine Projektion einzuführen, die die wahre Größe der Kontinente zeigt. Farah Ndiaye, Mitbegründerin von „Speak Up Afrika“, sagt, die Mercator-Projektion stelle ihren Kontinent unfair dar. Das habe Afrikas Identität und Stolz geschadet.
Die Kampagne „Correct the Map“ fordert Institutionen wie die Weltbank und die Vereinten Nationen dazu auf, die „Equal Earth-Projektion “ zu übernehmen, eine pseudozylindrische Weltkarten-Projektion, die 2018 von Bojan Savric, Bernhard Jenny und Tom Patterson erfunden wurde.
Sie ist durch die weithin benutzte Robinson-Projektion beeinflusst. Anders als diese behält die Equal-Earth-Projektion die relativen Flächengrößen. Die Größenverhältnisse dieser Projektion sind leicht umzusetzen und schnell zu bewerten. Ein Sprecher der Weltbank erklärt, dass sie die Equal-Earth-Projektion bereits verwenden und die Mercator-Projektion schrittweise abschaffen werden.
Die Mercator-Projektion mag zwar geholfen haben, Seefahrer bei der Weltumseglung auf den richtigen Kurs zu bringen, aber sie hat unser Weltbild völlig durcheinandergebracht – und das bis heute.
Sie ließ mächtige Nationen größer und alle anderen kleiner erscheinen. Nicht nur auf dem Papier, sondern auch in unserer Wahrnehmung. Und genau das ist das Problem: Sie zeigt nämlich nicht nur die Welt – sie zeigt auch, wie die Welt sich selbst sieht.
Mehr über Landkarten lesen Sie im Buch „Die Schlammflut-Hypothese“.
Video:
Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 29.11.2025











Urbi et Orbi, der Stadt und dem Erdkreis! Nicht dem Erdball!
Wie kugelrund ist die Erde wirklich? Erathosthenes lebte 275-195 vChr. und war Direktor der Bibliothek in Alexandria, Mathematiker und Geograph. Er soll die Möglichkeit der Erdumseglung bewiesen haben und bestimmte den Erdumfang. Seine Daten für den Erdumgang werden bis heute verwendet.
Die Sache ist, die „Wissenschaftler“ kannten keine Optik. Man kann an den Leuchttürmen in der Nordsee leicht nachweisen, daß sie auch in 35 km Entfernung vollständig sichtbar sind.
Die Berechnung der Kugel findet man seltsamerweise nicht im Netz, auch nicht bei den Flacherdlern?
Hier mal eine einfache Berechnung für einen Viertelkreis:
hcos = 6371,22 – cos( km x 360 / 40030,1376 ) x 6371,22
„hcos“ ist die Tiefe vom Standort des Betrachters. Vorstellen kann man sich eine Tangente, von der es senkrecht heruntergeht zum Punkt, den man berechnen will. Schließlich kann man nicht um die Kurve gucken.
Um zu prüfen, ob die Berechnung stimmt, gibt man den Viertelkreis = 40030,1376/4 km ein und erhält die Tiefe 6371,22 km. Also, ein Ort in ungefähr 10.000 km Entfernung liegt 6371,22 km unter unseren Füßen.
Eine Stadt, die 100 km entfernt ist, steht 785 m unter dem Horizont. Ein Leuchtturm, der 35 km entfernt ist, steht 96 m unter dem Horizont. Warum kann man den bei klarer Sicht sehen?
Ich glaube, daß die antiken Gelehrten in Alexandria einfach die Cheopspyramide, eines der sieben Weltwunder, zum Maßstab genommen haben und den Kugelumfang mittels Verhältnisgleichung „ermittelt“ haben. Da wurde nicht getüftelt und gesegelt, sondern gerechnet.
Die Kugelerde ist ein Sandkorn und man sollte sich festhalten, damit bei den 100.000 km/h um die Sonne nicht runter fällt.
Noch eine zweckmäßige Berechnung, weil uns die Erdölvorkommen oft unerschöpflich gepriesen werden:
Man frackt nicht sein Land kaputt, oder fördert Ölsande, wenn es genug Öl gibt. Man schaue die Bilder in Kanada des Ölsande-Abbaus.
Die haben da eine Einöde geschaffen, die ist so groß wie England. Und das mit Stillschweigen unserer erleuchteten Umweltschutzfreunde!
Mein Verdacht ist, daß „Klimawandel“ nur der Arbeitstitel für „Öl ist alle“ ist.
Jährlich werden derzeit 34 Mrd. Barrel Rohöl gefördert, das sind 5,4 Kubikkilometer! Länge x Breite x Höhe!Konservativ veranschlagt, dürfte der Erdölverbrauch in den 120 Jahren Förderung bei 26 Kubikkilometern liegen.
Zum Vergleich per Augenschein: der Linienflugverkehr ist in einer Höhe von 10-12 km!