
Obdachlosigkeit ist zu einem weltweiten Problem geworden. Aufgrund von Armut und fehlenden bezahlbaren Wohnraum verlieren immer mehr Menschen ihre Bleibe.
In den USA planen Lobbyisten mit Unterstützung von Milliardären und das US-Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung eine Politik voranzutreiben, die Armut bestraft, anstatt sie zu bekämpfen, um Wohnungslose Menschen in Internierungslager zu stecken. Eric Tars vom National Homelessnes Law Center erklärt, was wirklich hinter den Plänen steckt. Von Frank Schwede
Wer keine Bleibe hat, verliert am Ende alles. Arbeit, Freunde, Familie und nicht zuletzt seine Selbstachtung. Doch leider geschieht dies heute häufiger, als man glaubt.
In den USA könnte es künftig noch schlimmer kommen, nämlich dann, wenn Obdachlosigkeit zur Straftat erklärt wird. Soweit darf es nicht kommen.
Allein in Deutschland hat sich die Zahl Wohnungsloser stark erhöht. Laut einer Hochrechnung des Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) lag die Zahl der Wohungslosen im Jahr 2024 bei insgesamt 1.029.000 Menschen.
Diese Zahl beinhaltet sowohl Menschen, die auf der Straße leben (56.000) als auch solche, die in Notunterkünften oder bei Verwandten untergekommen sind. Betroffen sind auch sehr viele Kinder und Jugendliche (264.000), die meistens mit ihren Eltern in Notunterkünften leben.
In den Vereinigten Staaten liegt die Zahl obdachloser Menschen mit 771.480 deutlich unter den in Deutschland registrierten Fälle, dennoch waren es laut Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung (HUD) 18 Prozent mehr als im Vorjahr..
Hauptursache für den Anstieg ist ein Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Weitere Ursachen sind laut HUD die Auswirkungen von Naturkatastrophen wie Hurrikans, Waldbränden und Überschwemmungen sowie die Herausforderungen durch die Aufnahme von Migranten. (Demokraten flippen aus, weil Trump ihr „aufrührerisches Verhalten mit Hinrichtung bestrafen will“, da sie mit dem Tiefen Staat kooperieren)
In dem Bericht heißt es in dem Zusammenhang, dass Migration besonders dazu beigetragen habe, dass deutlich mehr Familien als obdachlos gelten, besonders in Großstädten wie Denver oder New York, wo sie auch Hilfe in Notunterkünften suchen.
Allein im Stadtviertel Skid Row in Los Angeles leben zehntausende Obdachlose und täglich wächst die Zahl. Auch in Los Angeles fehlt bezahlbarer Wohnraum. Die Programme der Stadt reichen nicht aus.
Allein 150.000 Kinder und Jugendliche leben laut HUD ohne ein Dach über den Kopf. Das seien 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Kinder unter 18 Jahren waren im Vergleich 2023 demnach die am stärksten gewachsene Gruppe an Obdachlosen.
Lobbyisten planen mit Unterstützung von Milliardären und dem US-Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, künftig Armut zu bestrafen, anstatt sie zu bekämpfen. Unter anderem sind riesige Zeltlager für mehr als 1300 Menschen geplant, weit außerhalb der Innenstädte im Nirgendwo. Ohne öffentlichen Nahverkehr.
Eric Tars vom National Homelessnes Law Center sagt, dass unter anderem auch geplant sei, einige dieser Wohneinheiten in Arbeitslager umzufunktionieren. Was für Tars nach Zwangsarbeit klingt. Er sagt:
„Es klingt immer noch übertrieben, zu behaupten, Trump plane, Menschen in Internierungslager zu stecken. Obwohl er genau mit diesem Versprechen Wahlkampf gemacht und unverblümt gesagt hat. Genau das meint er – wann wachen die Leute endlich auf.
Wir müssen also damit rechnen, dass es Internierungslager für Menschen geben wird, die sich die Miete nicht leisten können. Wenn wir jetzt nicht dagegen ankämpfen, wird es so kommen.
Ich weiß, es klingt wie aus einem James Bond-Film – aber es ist die Realität. Auch wenn sie es nicht Lager nennen, sondern Lösung. Die schreckliche Wahrheit ist, sie planen Obdachlose in riesige Zeltstädte zusammenzutreiben, teilweise mit verschlossenen Türen, Wachpersonal und Zwangsarbeit.“
Vor allem in Metropolen wie Los Angeles und San Francisco ist die Obdachlosigkeit zu einem Problem geworden. Hier gehören Obdachlose am Straßenrand längst zum gewohnten Alltagsbild, was bei Reichen auf Unmut stößt. Tars:
„Milliardäre geben Milliarden von Dollar aus, um Obdachlose zu kriminalisieren. Gemeinden haben über 300 Gesetze verabschiedet, die es, nachdem Trump grünes Licht gab, ermöglichen, Obdachlose zu verhaften und so viele wie möglich zwangseinzuweisen.
Trump setzte das durch, indem er in Washington D.C. die Nationalgarde einsetzte, um Obdachlose unter den Brücken loszuwerden. Sie haben das Wohnungsbauministerium (HUD) instrumentalisiert, um sagen zu können, sie erhalten keine Fördermittel, wenn ihre Gemeinde dieses Gesetz nicht aktiv umsetzt.“
Ein Grund, weshalb Obdachlose kriminalisiert werden ist, dass sich unter Obdachlosen viele Sexualstraftäter befinden. Und Obdachlosigkeit erhöht laut Statistik die Wahrscheinlichkeit, dass jemand rückfällig wird.
Doch es gibt zu wenige Unterkünfte und schon gar keine für Sexualstraftäter. Weil in den meisten Einrichtungen für Obdachlose auch viele Frauen und Kinder leben, ist es ihnen gesetzlich verboten, Sexualstraftäter aufzunehmen. Und noch ein wichtiger Punkt kommt nach Worten von Tars hinzu:
„Dass viele Städte und Gemeinden vorschreiben, dass obdachlose Sexualstraftäter nicht in einem Umkreis von einer halben Meile um eine Schule oder Kindertagesstätte untergebracht werden dürfen. Und das macht im Grunde genommen die ganze Stadt oder Gemeinde zu einer Tabuzone.
Für Menschen in Miami und Miami Beach gibt es buchstäblich keinen Ort wo sie wohnen können. Der einzig Ort, an dem sie sich aufhalten konnten,. ist unter der Brücke zwischen dem Festland und der Insel.
Ja, es gibt keine Unterkunft für sie. Und jetzt sehen wir diese Drohung, dass Menschen nicht einmal aus dem Gefängnis entlassen würden, wenn sie keine Wohnung haben.“
Wenn die Notdurft zur Not wird
Das bedeutet für viele Betroffene, wenn sie keine Wohnung finden, unbefristete Haft selbst nach Verbüßung der Haftstrafe. Egal, welche Straftat sie begangen haben, weil Obdachlosigkeit nicht die geeignete Lösung für sie ist.
Doch auch für nicht straffällig gewordene Obdachlose hat sich die Situation zunehmend verschärft, weil in vielen Städten und Gemeinden in der Nacht die öffentlichen Toilettenanlagen geschlossen werden. Eric Tars berichtet vom Fall einer betroffenen Obdachlosen:
„Eine Frau namens Amber Jack Minsky hat mir einen Brief geschrieben, in dem sie mir mitgeteilt hat, dass sie obdachlos sei, ich glaube in Fort Lauderdale, und dass alle Toilettenanlagen in der Nacht absichtlich geschlossen würden, damit Obdachlose sie nicht benutzen können.
Deshalb hatte sie versucht, nicht so viel zu trinken, um übermäßigen Harndrang zu vermeiden. Dadurch bekam sie eine Harnweginfektion. Und so musste sie, immer wenn sie nachts mal musste, hinter einen Busch gehen.
Nachdem sie dabei erwischt wurde, wurde sie nicht nur wegen Urinierens in der Öffentlichkeit angeklagt, sondern auch wegen exhibitionistischer Handlung, was ein Sexualverbrechen ist. Und das steht nun bis zum Rest ihres Lebens in ihrer Akte.“
Für Eric Tars steht fest, dass der US Präsident bewusst Angst vor Sexualstraftätern in der Öffentlichkeit schürt, was seinen Worten dabei oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass, wie im Fall Amber Jack Minsky, oft Menschen als Sexualstraftäter verurteilt werden, weil sie für ihre Notdurft einfach nicht die Möglichkeit hatten, eine öffentliche Toilette zu benutzen. Tars:
„Es geht darum, dass sie das, was hier geschieht, zu nutzen, um die Öffentlichkeit einzuschüchtern, um ihre Agenda durchzusetzen. Und die Formulierung in Trumps Präsidialerlass ist durchweg extrem entmenschlichend, dieselbe Sprache, die er gegenüber Menschen ohne Papiere verwendet, um Angst zu schüren, um es dann so aussehen zu lassen, als sei es in Ordnung, Menschen ohne Bleibe zu kriminalisieren und sie in Internierungslager zu stecken, genau wie er Menschen ohne Papiere in das Alligator-Alcatraz steckt.“
Künftig sollen in den USA die Bedingungen für Menschen mit Behinderung verbessert werden, doch die Finanzierung entsprechender Programme ist an Bedingungen geknüpft, erklärt Eric Tars:
„Um die Gelder zu erhalten, mussten die Verantwortlichen bestätigen, dass ihre Gemeinden Obdachlosigkeit, Hausbesetzung und Suchterkrankungen unter Strafe stellen, dass sie mit der Einwanderungsbehörde ICE kooperieren würden, und dass sie die binäre Geschlechtsordnung nicht leugnen würden.“
Mit der Nationalgarde gegen Obdachlose vorgehen
Mit der drastischen Zunahme von Obdachlosigkeit wächst natürlich der Frust auf die US Regierung und damit auch auf Donald Trump, der noch vor der Wahl sehr viel versprochen, aber bis heute wenig davon gehalten hat.
Als Trump die Nationalgarde nach Washington schickte, sagte er, „natürlich geben wir den Menschen die Möglichkeit, in Notunterkünfte zu gehen.“ Allerdings hat er keine Mittel dafür bereitgestellt.
Der wahre Grund, warum so viele Menschen in Washington D.C obdachlos sind, ist, dass es zu wenige Unterkünfte in der Stadt gibt, erklärt Eric Tars. Und nicht nur das, der Kongress hält die Mittel für Washington zurück, sodass nicht einmal alle eine Unterkunft bereitstellen können, die es sollten und könnten. Tars:
„Dabei könnte Trump Millionen bereitstellen, statt Nationalgardisten von außerhalb in Städte zu schicken und in Hotels unterzubringen. Aber irgendwie finden wir keine Mittel, um diese Menschen in Wohnungen unterzubringen, damit sie nicht auf der Straße landen.“
Leider sieht es nach Worten von Eric Tars so aus, dass dieses Kriminalisierungsmodell landesweit Schule macht und kopiert wird. Doch das Beängstigende steht laut Tars in einer Zeile, die kaum jemand liest oder richtig verstanden hat:
„Trump will eine ständige Nationalgarde nach eigenem Ermessen aufstellen, die er überall hinschicken kann, wo er Verbrechensbekämpfung für nötig hält. Aber in diesem Fall bedeutet Kriminalität einfach nur obdachlos zu sein.
Und ja, das fing an in Washington D.C. Und wir sehen es jetzt in Chicago und Portland, Memphis – aber es könnte bald überall passieren.“
Eric Tars erklärt, dass das Problem nicht neu sei. Seit Jahren werden die Menschen von Politikern und Medien darauf konditioniert, dass Städte und Obdachlose gefährlich seien. Tars:
„Und jetzt manifestiert sich die Konditionierung in diesen autoritären Ansätzen. Und wissen sie, wenn sie nach Portland fahren, ist mehr als 99 Prozent der Stadt in Ordnung. In Chicago und Los Angeles ist das nicht anders.“
Sie nutzen Lügen, um ihre Agenda voranzutreiben
Vieles, was man in den sozialen Medien sieht und liest, entspricht nach Worten von Eric Tars nicht unbedingt der Realität. Aber sie nutzen all die Lügend aus, um damit ihre Agenda voranzutreiben.
Eine weitere Gefahr besteht laut Tars darin, dass gleichzeitig die Mittel für den Wohnungsbau gekürzt werden. Eric Tars zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft: Er erklärt:
„Möglicherweise werden 170.000 Menschen aus den dauerhaft betreuten Wohnanlagen geworfen, die zu den am schwersten von den von den Straßen zu holenden Menschen gehören.
Und dann werden sie wieder auf die Straße gesetzt. Und am zweiten Tag landen sie wieder im Gefängnis oder in einem Internierungslager, weil Gefängnisaufenthalte sehr teuer sind. Ich habe erfahren, dass allein Los Angeles durch diese neue HUD-Vorschrift 400 Millionen Dollar Fördermittel verlieren könnte. Das ist so drastisch und wäre verheerend.“
Eric Tars erklärt, dass allein Los Angeles nach jeder Mieterhöhung um 100 Dollar die Zahl der Obdachlosen um neun Prozent steigt. Dennoch haben im vergangenen Jahr dank der Hilfe gemeinnütziger Organisationen, von denen immer behauptet wird, sie würden die Gelder nur verschwenden, rund 27. 000 Menschen eine neue Bleibe gefunden. Tars:
„Wenn man die Wohnungskrise nicht löst, wenn man den Mangel an bezahlbarem Wohnraum nicht behebt, wird die Zahl obdachloser Menschen weiter steigen. Ihr Endziel ist nicht Gefängnis. Gefängnisse sind teuer. Sie wollen noch mehr. Eine riesige Zahl an Zeltlagern im Alcatraz-Stil.
In Utah gibt es ein Pilotprojekt, wo der Gouverneur gesagt hat, wir werden Trumps Erlass voll unterstützen.“
Ein erstes großes Zeltlager für 1300 Obdachlose ist sieben Meilen außerhalb von Chicago geplant. Was Eric Tars am meisten Sorge bereitet, ist, dass einige dieser Anlagen künftig als eine Art Arbeitslager dienen könnte. Tars:
„Wir haben einige dieser Gesetzentwürfe auf Landesebene gesehen, die in Louisiana und West Virginia ebenfalls eine Art Zwangsarbeit beinhalten, wodurch alle schlecht bezahlten Arbeitskräfte aus dem Land vertrieben werden. Sie rechnen durch das Einwanderungsgesetz mit einem Rückgang an Arbeitskräften – und das müssen sie irgendwie kompensieren. Also sollen wieder Arbeitslager eingeführt werden.“
Tars sagt, dass sie einfach ein Verbrechen erfinden, dass automatisch jeder als kriminell erklärt wird, der keine Arbeit hat. Damit hätten sie jeden, den sie brauchen. Ein Modell, das leider auch in anderen Ländern wie Deutschland künftig Schule machen könnte.
Video:
Politiker nennen es „Hilfe“. In Wirklichkeit ähnelt es eher Zwangsarbeit und Internierungslagern für Obdachlose. In dieser Folge spreche ich mit Eric Tars vom National Homelessness Law Center, um zu ergründen, wie Lobbyisten mit Unterstützung von Milliardären und das US-Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung (HUD) eine Politik vorantreiben, die Armut bestraft, anstatt sie zu bekämpfen.
Von der Kürzung staatlicher Fördermittel bis hin zum Druck auf Gemeinden, Obdachlosigkeit zu kriminalisieren – Eric erklärt, wie sich Amerikas Reaktion auf Obdachlosigkeit zu einer Menschenrechtskrise entwickelt und was nötig ist, um sie zu stoppen. Das ist keine Fiktion. Es ist bereits Realität.
Quellen: PublicDomain/theinteldrop.org am 23.11.2025













