4 Szenarien, wie Europa Grönland vor Trump retten will

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Die EU hat begriffen, dass Trumps Ambitionen auf Grönland ernst gemeint sind. Politico hat mit europäischen NATO-Beamten gesprochen und konnte vier Szenarien herausarbeiten, wie die Europäer versuchen wollen, Grönland vor Trump zu retten.

Politico hat mit Beamten, Diplomaten, Experten und NATO-Insidern gesprochen und konnte so vier Szenarien herausarbeiten, wie die Europäer versuchen wollen, Grönland vor Trump zu retten. Ich übersetze hier den Politico-Artikel darüber. Von Thomas Röper

Beginn der Übersetzung:

Wie Europa Grönland vor Trump retten will

POLITICO sprach mit Beamten, Diplomaten, Experten und NATO-Insidern, um vier mögliche Strategien zur Abschreckung des US-Präsidenten herauszuarbeiten.

Falls die europäischen Regierungen bisher nicht bemerkt haben, dass die Drohungen Donald Trumps, Grönland zu annektieren, ernst gemeint sind, ist ihnen dies nun klar.

Politiker ignorieren die verschärfte Rhetorik des US-Präsidenten nicht länger und suchen händeringend nach einem Plan, ihn zu stoppen.

„Wir müssen auf eine direkte Konfrontation mit Trump vorbereitet sein“, sagte ein EU-Diplomat, der über die laufenden Gespräche informiert ist. „Er agiert aggressiv, und wir müssen uns vorbereiten.“

US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Mittwoch, er plane, nächste Woche mit dänischen Beamten über einen möglichen Erwerb Grönlands durch die USA zu sprechen. Das Weiße Haus teilte mit, Trump bevorzuge einen Erwerb des Territoriums durch Verhandlungen und ziehe auch einen Kauf der Insel in Betracht – aber eine militärische Übernahme sei möglich.

Während die diplomatischen Bemühungen in Europa intensiviert wurden, erklärte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot, er und seine Amtskollegen aus Deutschland und Polen hätten über eine gemeinsame europäische Antwort auf Trumps Drohungen gesprochen.

„Es geht um die Frage, wie Europa, die EU, gestärkt werden kann, um Bedrohungen und Angriffe auf seine Sicherheit und Interessen abzuwehren“, sagte Barrot vor Journalisten. „Grönland steht nicht zum Verkauf und es steht nicht zur Übernahme bereit … die Drohungen müssen also aufhören.“

POLITICO sprach mit Beamten, Diplomaten, Experten und NATO-Insidern, um herauszuarbeiten, wie Europa verhindern kann, dass der US-Präsident so weit geht und welche Optionen ihm zur Verfügung stehen, wenn er es tut. Ihnen wurde Anonymität zugesichert, um frei sprechen zu können.

„Alle sind fassungslos und sich nicht im Klaren darüber, welche Instrumente wir tatsächlich haben“, sagte ein ehemaliger dänischer Abgeordneter. „Niemand weiß so recht, was zu tun ist, denn die Amerikaner können tun, was immer sie wollen. Aber wir brauchen dringend Antworten auf diese Fragen. Sie können nicht drei, fünf oder sieben Jahre warten.“

Am Mittwoch legte POLITICO dar, welche Schritte Trump unternehmen könnte, um Grönland zu annektieren. Hier die andere Seite der Medaille: Was Europa tut, um ihn zu stoppen. (Kann der Streit um Grönland das Ende der NATO bedeuten?)

Option 1: Einen Kompromiss finden

Trump behauptet, Grönland sei für die Sicherheitsinteressen der USA von entscheidender Bedeutung und wirft Dänemark vor, nicht genug zu seinem Schutz vor den zunehmenden militärischen Aktivitäten Chinas und Russlands in der Arktis zu tun.

Eine Verhandlungslösung, die Trump einen Erfolg beschert und Dänemark und Grönland ein Gesicht wahren lässt, ist womöglich der schnellste Weg aus der Krise.

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Ein ehemaliger hochrangiger NATO-Beamter schlug vor, das Bündnis könne zwischen Grönland, Dänemark und den USA vermitteln, wie es das bereits bei den Streitigkeiten der NATO-Mitglieder Türkei und Griechenland getan hat.

Der US-amerikanische NATO-Botschafter Matthew Whitaker erklärte am Mittwoch, Trump und seine Berater hielten Grönland nicht für ausreichend gesichert. „Mit dem Abschmelzen des Eises und der Öffnung der Routen in der Arktis und im Hohen Norden … wird Grönland zu einem sehr ernsten Sicherheitsrisiko für das Festland der USA.“

Die NATO-Verbündeten erwägen neue Annäherungsversuche an Trump, um die Sicherheit Grönlands zu stärken, obwohl weit verbreitet die Ansicht herrscht, dass eine direkte Bedrohung durch russische und chinesische Schiffe für das Territorium übertrieben dargestellt wird.

Drei NATO-Diplomaten zufolge sollte das Bündnis unter anderem eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben für die Arktis, mehr Manöver in der Region und gegebenenfalls die Stationierung von Truppen zur Sicherung Grönlands und zur Beruhigung der USA in Erwägung ziehen.

Zwei der Diplomaten erklärten, das Bündnis solle auch offen für die Einrichtung eines „Arctic Sentry“-Programms sein, also die Verlegung militärischer Ressourcen in die Region, ähnlich den Initiativen „Eastern Sentry“ und „Baltic Sentry“.

„Alles, was getan werden kann“, um die Präsenz des Bündnisses in der Nähe Grönlands zu stärken und Trumps Forderungen zu erfüllen, „sollte maximal ausgeschöpft werden“, sagte einer der oben genannten NATO-Diplomaten.

Trump begründet sein Interesse an Grönland unter anderem mit dessen riesigen Mineralienvorkommen und potenziellen Öl- und Gasreserven. Doch Grönland ist aus gutem Grund weitgehend unerschlossen: Die Gewinnung von Bodenschätzen aus dem unwirtlichen Terrain ist schwierig und sehr kostspielig, wodurch sie weniger wettbewerbsfähig sind als chinesische Importe.

Dänemarks Gesandte berichten, sie hätten jahrelang versucht, für Investitionen auf Grönland zu werben, doch ihre europäischen Partner seien nicht aufgeschlossen gewesen, allerdings sieht ein mit der Angelegenheit vertrauter EU-Diplomat Anzeichen für einen Meinungsumschwung.

Option 2: Grönland eine Tonne Cash geben

Die Trump-Regierung unterstützt die grönländische Unabhängigkeitsbewegung nachdrücklich. Ihr Versprechen: Verlässt das arktische Territorium das Königreich Dänemark und schließt einen Deal mit den USA, wird es mit amerikanischem Cash überschwemmt.

Trump hat zwar wiederholt den Einsatz militärischer Gewalt zur Eroberung Grönlands nicht ausgeschlossen, aber gleichzeitig betont, dass er eine freiwillige Einigung wünscht.

Die EU und Dänemark versuchen, die Grönländer davon zu überzeugen, dass sie ihnen ein besseres Angebot machen können.

Brüssel plant, seine Ausgaben für Grönland ab 2028 im Rahmen langfristiger Haushaltspläne, die nach Trumps Gebietsansprüchen auf das dänische Territorium erstellt wurden, mehr als zu verdoppeln. Dies geht aus einem im September veröffentlichten Entwurf der EU-Kommission hervor.

Nach den Plänen, die noch Verhandlungsgegenstand zwischen den Mitgliedstaaten sind, würde die EU ihre Ausgaben für Grönland für den siebenjährigen Zeitraum ab 2028 auf 530 Millionen Euro nahezu verdoppeln.

Dies käme zu den Zahlungen Dänemarks an Grönland im Rahmen des Abkommens mit dem autonomen Gebiet hinzu.

Grönland könnte laut demselben Dokument außerdem zusätzliche 44 Millionen Euro an EU-Fördergeldern für mit der EU verbundene, abgelegene Gebiete beantragen.

Die dänische und europäische Unterstützung konzentriert sich derzeit hauptsächlich auf Sozialleistungen, Gesundheitswesen, Bildung und den ökologischen Wandel des Gebiets. Mit den neuen Ausgabenplänen würde dieser Fokus auf die Entwicklung der Rohstoffgewinnung auf der Insel ausgeweitet.

„Sehr viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, die Infrastruktur in Grönland ist veraltet, und unsere Ressourcen werden hauptsächlich ohne nennenswerten Gewinn für Grönland, aber zum Vorteil dänischer Unternehmen abgebaut“, sagte Kuno Fencker, ein grönländischer Oppositionspolitiker, der sich für die Unabhängigkeit Grönlands einsetzt.

Ein attraktives Angebot von Dänemark und der EU könnte ausreichen, um die Grönländer von einer Übernahme durch die USA abzubringen.

Option 3: Wirtschaftliche Vergeltung

Seit Trumps erster Amtszeit „gab es viele Bemühungen, darüber nachzudenken, wie wir die Sicherheit Europas, der nordischen Länder und der Arktis gewährleisten können, ohne dass die USA aktiv beteiligt sind“, sagte Thomas Crosbie, ein US-amerikanischer Militärexperte am Königlich Dänischen Verteidigungskolleg, das die dänischen Streitkräfte ausbildet.

„Das ist schwierig, aber möglich. Ich weiß aber nicht, ob irgendjemand ernsthaft darüber nachgedacht hat, die europäische Sicherheit gegen Amerika zu gewährleisten. Das ist einfach verrückt“, sagte Crosbie.

Die EU hat über ein starkes politisches Instrument, mit dem sie Trump abschrecken könnte: das Anti-Zwangs-Instrument, die „Handelsbazooka“, die nach Trumps erster Amtszeit geschaffen wurde und die es der EU ermöglicht, gegen Diskriminierung im Handel vorzugehen.

Die EU drohte mit dessen Einsatz, nachdem Trump Zölle gegen den Block verhängt hatte, zog die Drohung jedoch im Juli zurück, nachdem beide Seiten eine Einigung erzielt hatten.

Da die USA weiterhin Zölle auf EU-Produkte erheben, könnte Brüssel wieder zu drastischen Maßnahmen greifen.

„Unsere Exporte in die USA belaufen sich auf etwas über 600 Milliarden Euro und bei rund einem Drittel dieser Waren haben wir einen Marktanteil von über 50 Prozent. Es ist völlig klar, dass wir hier die Macht haben“, sagte Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments.

Doch nachdem all ihre harten Worte beim letzten Mal nichts gezählt haben, müsste Trump der EU erst einmal glauben, dass sie es ernst meint.

Option 4: Bodentruppen

Sollten die USA beschließen, Grönland militärisch zu erobern, könnten die Europäer wenig dagegen tun.

„Sie werden die Amerikaner nicht präventiv angreifen, bevor diese Grönland beanspruchen, denn das wäre vor einem Kriegsakt“, sagte Crosbie, der dänische Militärausbilder. „Aber was die Reaktion auf den ersten Schritt angeht, kommt es wirklich darauf an. Wenn die Amerikaner nur eine sehr kleine Gruppe haben, könnte man versuchen, diese Leute festzunehmen, da es sich um eine Straftat handeln würde.“

Anders sieht es aus, wenn die USA mit voller Härte vorgehen.

Rechtlich gesehen wäre Dänemark möglicherweise gezwungen, militärisch zu reagieren. Gemäß einem Befehl von 1952 müssen die Truppen im Falle eines Angriffs auf dänisches Territorium „unverzüglich den Kampf aufnehmen, ohne auf Befehle zu warten oder diese einzuholen“.

Die europäischen Länder sollten – falls Dänemark dies beantragt – die Möglichkeit eines Truppeneinsatzes auf Grönland in Erwägung ziehen, um die potenziellen Kosten eines US-Militäreinsatzes zu erhöhen, sagte ein EU-Diplomat. Er bekräftigte damit Vorschläge, Berlin und Paris könnten Streitkräfte entsenden, um eine mögliche Invasion abzuschrecken.

Obwohl diese Streitkräfte einer US-Invasion wahrscheinlich nicht standhalten könnten, würden sie eine abschreckende Wirkung haben.

„Man könnte eine Art Stolperdrahteffekt erzeugen, indem sich Gruppen von Menschen physisch in den Weg stellen, ähnlich wie auf dem Tiananmen-Platz. Dies würde das US-Militär möglicherweise zwingen, Gewalt anzuwenden“ oder zurückzuweichen, sagte Crosbie.

Diese Strategie sei jedoch mit hohen Kosten verbunden, sagte er. „Dies ist völlig unerforschtes Terrain, und es ist durchaus möglich, dass bei dem Versuch, den amerikanischen Anspruch auf Grönland zurückzuweisen, Menschenleben verloren gehen.“

Ende der Übersetzung

Quellen: PublicDomain/anti-spiegel.ru am 11.01.2026

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