
Der Silberpreis steht am Freitag erneut unter massivem Druck. Nach einem historischen Kurseinbruch, extremer Volatilität und akuten Liquiditätsengpässen suchen Investoren nach Orientierung.
Während Gold vergleichsweise stabiler bleibt, zeigt Silber einmal mehr seine Anfälligkeit für heftige Preisschwankungen. Der jüngste Absturz wirft grundlegende Fragen zur Marktstruktur, zu spekulativen Übertreibungen und zur kurzfristigen Stabilität auf.
Silberpreis im Kaskaden-Absturz
Der Silberpreis setzte seinen Absturz fort, nachdem er bereits am Donnerstag um rund 20 % eingebrochen war. Wie Bloomberg berichtet, führte ein akuter Mangel an Liquidität zu extremen Kursschwankungen in einem Markt, der bislang keinen belastbaren Boden finden konnte.
Im frühen asiatischen Handel fiel der Spotpreis für Silber zeitweise auf nur noch 64 US-Dollar je Unze. Damit liegt der Preis 47 Prozent unter dem Rekordhoch vom 29. Januar bei 121 Dollar und hat sämtliche Gewinne der spektakulären Rally des Vormonats wieder ausgelöscht. Ein gewiefter Trader setzte mit einer Rekord-Shortposition auf fallende Kurse – und wurde nun dafür belohnt.
Auch Gold geriet zum zweiten Tag in Folge unter Verkaufsdruck und fiel zeitweise 4.654 Dollar. Damit notiert der Goldpreis knapp 17 % unter seinem jüngst markierten Rekodhoch.
Silber war historisch schon immer deutlich volatiler als Gold. Ursache dafür sind die geringere Marktgröße und die vergleichsweise schwache Liquidität. Die jüngsten Bewegungen stechen jedoch selbst im historischen Vergleich heraus: Es handelt sich um die stärksten und schnellsten Ausschläge seit 1980. Verstärkt wurden sie durch spekulative Dynamik sowie dünne Handelsvolumina im außerbörslichen Handel.
Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, verweist auf einen sich selbst verstärkenden Effekt: Steigt die Volatilität, weiten Market Maker ihre Spreads aus und reduzieren den Einsatz ihrer Bilanzen.
Genau in dem Moment, in dem Liquidität am dringendsten benötigt wird, zieht sie sich zurück. Ohne eine gewisse Rückkehr zur Ordnung bestehe die Gefahr, dass sich die Volatilität weiter selbst antreibt. („Gold-Zentralbank“ – Tether kauft gigantische Mengen auf für Bunker)
Spekulation und Marktmechanik
Der seit mehreren Jahren anhaltende Bullenmarkt für Edelmetalle hatte sich im vergangenen Monat deutlich beschleunigt. Auslöser waren steigende geopolitische Risiken, wachsende Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed sowie spekulative Käufe, insbesondere aus China.
Bis Ende Januar bauten Investoren erhebliche Positionen in Edelmetallen auf. Viele setzten dabei auf gehebelte börsengehandelte Produkte sowie auf Call-Optionen. Diese aggressive Positionierung erwies sich jedoch als fragil. Ende vergangener Woche kam die Rally abrupt zum Stillstand: Silber verzeichnete am 30. Januar den größten Tagesverlust seiner Geschichte, während Gold den stärksten Einbruch seit 2013 erlitt. Seitdem prägt extreme Unsicherheit und Volatilität das Marktgeschehen.
Der deutlich liquidere Goldmarkt hat diese Turbulenzen bislang besser verkraftet als Silber. Zahlreiche Banken und Vermögensverwalter bekräftigten in dieser Woche ihre langfristig positive Einschätzung für Gold. Ein Fondsmanager von Fidelity International, der seine Positionen noch vor dem Crash verkauft hatte, erklärte, wieder kaufbereit zu sein. Die Deutsche Bank hält sogar an ihrer Prognose fest, dass Gold langfristig auf 6.000 US-Dollar je Unze steigen könnte.
Am Spotmarkt erholten sich die Edelmetalle nach ihren erneuten Einbruch. Der Silberpreis legte zuletzt um 2,4 Prozent auf 72,56 US-Dollar je Unze (Stand: 4:10 Uhr Ortszeit London). Gold stieg um 0,9 Prozent auf 4.823,27 US-Dollar nach. Auch Platin und Palladium verzeichneten Verluste. Der Bloomberg Dollar Spot Index, ein Maß für die Stärke des US-Währungsraums, legte um 0,1 Prozent zu und liegt auf Wochensicht 0,8 Prozent im Plus.
Kurzfristig bleibt der Silberpreis von Unsicherheit, dünner Liquidität und hoher Nervosität geprägt. Ob sich eine nachhaltige Stabilisierung einstellt, hängt maßgeblich davon ab, ob spekulative Positionen weiter abgebaut werden und ob sich das Marktumfeld insgesamt beruhigt. Bis dahin dürfte Silber anfällig für weitere extreme Ausschläge bleiben.
Bitcoin im freien Fall: Krypto-Crash drückt Kurs auf 60.000 Dollar
Der Krypto-Crash setzt sich ungebremst fort. Bitcoin fiel im asiatischen Handel bis auf die Marke von 60.000 US-Dollar. Nach dem spekulativen Höhenflug bis auf rund 126.000 US-Dollar infolge von Donald Trumps Wahlsieg sind damit sämtliche Kursgewinne vollständig ausgelöscht.
Die Verkaufswelle erfasst den gesamten Kryptomarkt: Hebelpositionen werden in großem Stil aufgelöst, während Anleger zugleich Kryptowährungs-ETFs abstoßen und das Risiko weiter reduzieren.
Bitcoin fällt auf 60.000 Dollar
Laut einem Bericht von Bloomberg ist Bitcoin unter die Schwelle von 60.000 US-Dollar gefallen, da sich der Abbau gehebelter Positionen und die zunehmende Volatilität an den Finanzmärkten zu einer breiten Verkaufswelle verdichtet haben. Damit sind sämtliche Kursgewinne ausgelöscht, die seit der Wahl von Präsident Donald Trump entstanden waren und eine spekulative Rally im Kryptomarkt ausgelöst hatten.
In den frühen Handelsstunden am Freitag in Asien fiel der BTC-Kurs zeitweise um bis zu 4,8 Prozent auf 60.033 US-Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Oktober 2024. Seit dem Allzeithoch vor rund vier Monaten hat Bitcoin über die Hälfte seines Wertes verloren. Der Ausverkauf erfasste nicht nur andere Kryptowährungen, sondern auch Spot ETFs sowie Unternehmen wie Strategy, die große Bitcoin-Bestände halten.
Der aktuelle Einbruch markiert eine abrupte Kehrtwende nach dem steilen Kursanstieg im vergangenen Jahr. Damals hatte die Rückkehr eines kryptofreundlichen Republikaners ins Weiße Haus Investoren in Scharen in digitale Vermögenswerte und die neu entstandenen Wall-Street-Produkte rund um Bitcoin getrieben. Erste Risse zeigten sich jedoch bereits vor Monaten, als steigende geopolitische Spannungen die globalen Finanzmärkte erschütterten und die Risikobereitschaft deutlich nachließ. Von Mitte Januar an setzte ein beschleunigter Kursverfall ein, der durch Fondsliquidationen, Rückgaben von ETF-Anteilen und den Abbau gehebelter Wetten zusätzlich verstärkt wurde.
„Die Angst und Unsicherheit am Kryptomarkt sind unübersehbar“, sagte Chris Newhouse, Leiter Business Development bei Ergonia. „Solange es keine überzeugungsgetriebenen Käufer gibt, die gegen den Verkaufsdruckhalten, verstärkt jede Welle von ETF-Abflüssen und Zwangsliquidationen den Abwärtstrend.“ Dies erhöhe die Intensität jeder weiteren Abwärtsbewegung und halte die organische Nachfrage weiter an der Seitenlinie.
Parallelen zum Krypto-Crash 2022
Der aktuelle Rückgang erinnert in vielerlei Hinsicht an das Jahr 2022, als Bitcoin nach der Pandemie-Rally infolge der geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank Fed stark einbrach. Auch diesmal bleiben die Auswirkungen nicht auf die Kryptowährungen selbst beschränkt.
So haben die Aktien der Kryptobörse Coinbase Global seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent verloren. Gemini Space Station kündigte zudem an, bis zu 25 Prozent der Belegschaft abzubauen und sich aus Großbritannien, der Europäischen Union und Australien zurückzuziehen.
Anders als in früheren Zyklen konkurrieren Kryptowährungen inzwischen verstärkt mit anderen spekulativen Anlageformen. Legalisierte Sportwetten, Prognosemärkte zu Politik und Unterhaltung sowie hochriskante Optionen mit extrem kurzen Laufzeiten ziehen zunehmend Kapital ab. Gleichzeitig fließt weiterhin privates Anlegergeld in renditestarke, aber volatile Krypto-Strategien auf dezentralen Börsen.
Zudem mehren sich erneut Zweifel am realwirtschaftlichen Nutzen digitaler Vermögenswerte. Bitcoin wurde lange als Inflationsschutz, digitales Gold oder gar als Alternative zum US-Dollar beworben. In der Praxis verhält sich die Kryptowährung jedoch weiterhin wie ein klassisches Hochrisiko-Asset. In Phasen erhöhter Marktunsicherheit hat Bitcoin bislang kaum als sicherer Hafen fungiert.
Im Gegenteil: Die stärkere Einbindung in institutionelle Portfolios macht den Kurs anfälliger für breit angelegte Risiko-Reduktionen – insbesondere bei gleichzeitiger Volatilität in Technologieaktien und Edelmetallen, wie zuletzt zu beobachten war.
„Der Markt wird aktuell vollständig von Momentum getrieben, und Krypto-Bärenmärkte enden historisch eher in Gleichgültigkeit als in Panik“, sagte Ryan Rasmussen, Forschungsleiter bei Bitwise Asset Management. Derzeit befinde sich der Kryptomarkt jedoch in einer Vertrauenskrise. „Dieses Momentum dominiert aktuell das Geschehen.“
Über weite Strecken des Jahres 2025 hatten Zuflüsse in US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs den Kurs gestützt. Zehn Milliarden Dollar und mehr flossen in diese Produkte und sorgten für zusätzliche Nachfrage. Diese Entwicklung hat sich nun deutlich umgekehrt. Allein im vergangenen Monat wurden laut von Bloomberg zusammengestellten Daten rund zwei Milliarden US-Dollar aus Bitcoin-ETFs abgezogen. Über einen Zeitraum von drei Monaten summieren sich die Abflüsse sogar auf mehr als fünf Milliarden Dollar.
Der Preisverfall der größten Kryptowährung hat Schockwellen durch den gesamten Digital-Asset-Markt geschickt. Besonders kleinere, weniger liquide Token verzeichneten noch deutlich stärkere Verluste. Der MarketVector Digital Assets 100 Small-Cap Index, der die 50 kleinsten Werte eines 100-Token-Universums abbildet, ist im vergangenen Jahr um rund 70 Prozent eingebrochen.
Auch am Optionsmarkt zeigen sich Anleger zunehmend defensiv. Mittelfristige Kontrakte mit Laufzeiten bis Ende Juni deuten auf ein weiter rückläufiges Kursumfeld hin. Das höchste offene Interesse konzentriert sich derzeit auf Preisniveaus um 60.000 und sogar 20.000 US-Dollar, wie Daten der Derivatebörse Deribit zeigen.
Ilan Solot, Senior Global Markets Strategist bei Marex, führt den jüngsten Krypto-Crash auf mehrere Faktoren zurück: die Schwäche ausgewählter Technologieaktien, die relative Stärke von Gold, eine ausgeprägte Risk-off-Stimmung sowie grundlegende Unsicherheiten bei der Bewertung von Kryptowährungen.
„Der Ausblick bleibt kurzfristig wahrscheinlich negativ, auch wenn das Schlimmste womöglich bereits hinter uns liegt“, sagte Solot. Historisch betrachtet seien solche starken Rückgänge jedoch häufig attraktive Einstiegsgelegenheiten für langfristig orientierte Investoren – und viele dürften den aktuellen Einbruch genau so interpretieren.
Quellen: PublicDomain/finanzmarktwelt.de/ am 06.02.2026










