
Die Orion-Kapsel der Artemis 2-Mission hat bereits mehr als die halbe Strecke zum Mond zurückgelegt – und die Astronauten schickten erste beeindruckende Aufnahmen der Erde zurück. Seither wird in den sozialen Netzmedien heftig diskutiert.
Auch der Kanal LPIndie hat die Fotos unter die Lupe genommen und dabei Ungereimtheiten entdeckt. Mehr zu den Aufnahmen und was die Diskussion ausgelöst hat, erfahren Sie in einem Bericht von Frank Schwede
Die vier Astronauten der Artemis-2-Mission sind dem Mond mittlerweile näher als der Erde. Die Crew hat bereits mehr als die Hälfte der Strecke zurückgelegt, teilte die US Weltraumbehörde NASA in der Nacht zum Samstag mit und veröffentlichte erste Fotos der Erde, die Astronaut Reid Wiseman aus der Orion-Kapsel geschossen haben.
Die NASA hat die Aufnahmen auf Social Media veröffentlicht und schrieb dazu:
„Wir haben spektakuläre neue hochauflösende Bilder von unserem Heimatplaneten, auf denen wir alle durch das Fenster der Orion-Kapsel auf unsere Artemis-II-Astronauten blicken, während diese ihre Reise zum Mond fortsetzen.
Wir sehen unseren Heimatplaneten als Ganzes, beleuchtet in spektakulären Blau- und Brauntönen. Eine grüne Aurora erhellt sogar die Atmosphäre.“
Die Polarlichter verdeutlichen, wie dünn die Erdatmosphäre gerade ist. Die meisten Polarlichter treten in einer Höhe von 100 bis 300 Kilometern auf. Die unterste Schicht, die Troposphäre, in der sich das Wetter abspielt, ist rund 15 Kilometer hoch.
NASA-Astronaut Victor Glover kommentierte die Aufnahmen der Erde, auf denen unser Planet als blauer Ball mit weißen Schlieren vor schwarzem Hintergrund zu sehen ist, mit den Worten:
„Ihr seht toll aus, ihr seht wunderschön aus.“
Das erste Foto von Kommandant Reid Wiseman zeigt einen gekrümmten Ausschnitt der Erde in einem Fenster der Orion-Kapsel. Auf dem zweiten Foto unter dem Titel „Hello World“ ist der gesamte Planet zu sehen, dessen Ozeane von wirbelnden weißen Wolkenfäden bedeckt sind. (Der Raumfahrt-Schwindel: Warum wir nach 1972 nie mehr zum Mond zurückgekehrt sind)

Die Artemis-Crew blickte zum Zeitpunkt, in dem die Aufnahme entstand, auf die Nachseite der Erde. Die Sonne steht also hinter ihr. Vor allem entlang der Küsten sind Lichter von Städten zu sehen.
Bereits kurz nach Veröffentlichung der Aufnahmen sorgten sie in den Netzmedien für Diskussionen. Es wird unter anderem auch darüber spekuliert, ob es sich bei der Erhellung im Atlantischen Ozean in der Bildmitte um reflektierendes Mondlicht handelt.

Beobachtern ist etwas Seltsames aufgefallen
Die US Weltraumbehörde machte dazu bislang keine Angaben. Auch auf die Frage, um welchen Stern es sich unten rechts handelt, lieferte die NASA keine Antwort. Vielleicht ein heller Stern, aber auch die Venus wäre eine Möglichkeit.
Viele Missverständnisse entstehen offenbar auch durch die ungewöhnliche Perspektive und Belichtungseinstellung der Kamera. Beispielsweise zeigt eine dritte Aufnahme die Erde nur zur Hälfte.
Das erweckt den Eindruck, dass die Erde durch einen Teil der Kabinenluke im Vordergrund abgedeckt ist. In Wirklichkeit aber zeigt die Aufnahme den Übergang von der Tag- zur Nachtseite. Die NASA schreibt dazu:

„Ob wir wach sind oder träumen, wir alle sind gemeinsam auf diesen Planeten.“
Auch der Wissenschafts- und Astronomie-Kanal LPindie hat sich die Aufnahmen genau angeschaut und einige Unstimmigkeiten festgestellt. Bei den Fotos ist auch dem Kanalbetreiber etwas Seltsames aufgefallen.
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Die Fotos, „Hello World“ und die zweite Aufnahme mit dem Titel „Caputeres Dark Side of the Earth“ sind zeitnahe innerhalb weniger Minuten aufgenommen worden.
LPIndia hat die Aufnahmen mit einem Photoshop-Programm übereinander gelegt. Auffällig ist nach Worten des Kanalbetreibers, dass auf der vermeintlichen Tagaufnahme die Lichter der Städte zu sehen sind.
Er hat richtig erkannt, selbst wenn die Lichter tagsüber brennen würden, würde man sie aus dem Weltall nicht erkennen können. Interessant ist auch, dass die Auflösung der Fotos unterschiedlich ist, was an der Pixelstruktur zu erkennen ist.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich auf den übereinanderliegenden Aufnahmen die Wolkenstruktur nahezu unverändert ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Aufnahme „Caputeres Dark Side of the Earth“ das Originalfoto ist.
„Hello World“ wurde demnach so bearbeitet, dass es aussieht, als wäre es Tag. Das aber wird von der NASA mit keiner Silbe kommentiert. Verschwörungstheoretiker glauben deshalb, dass die Aufnahme von der NASA bewusst manipuliert wurde.

Auch der Blog heise online hat sich die Aufnahmen angeschaut und liefert eine plausible Erklärung. Heise schreibt zu „Hello World“:
„Darauf ist die Erde im Gegenlicht der Sonne zu sehen, und zwar gegenüber gewohnten Ansichten quasi auf den Kopf stehend: Der Nordpol ist unten links, der Südpol oben rechts.
Weil es mit sehr hoher Kameraempfindlichkeit und langer Belichtungszeit aufgenommen wurde, erscheint die Erde taghell. Und das, obwohl das Bild die Nachtseite zeigt.“
Von der NASA schlecht kommentiert
Das hat natürlich zur Folge, dass sowohl die Polarlichter als auch die Beleuchtung der Großstädte und das Zodiakallicht, das von der Sonne erzeugt wird, zu sehen sind.
Die einzige Lichtquelle in Richtung Erde auf der NASA-Aufnahme ist das Mondlicht, das zum Zeitpunkt der Aufnahme, am 3. April, kurz nach dem Vollmond am Vortag, noch recht stark war.
Um deutlich zu machen, dass es sich um eine gestaltete Aufnahme handelt, hat die US-Weltraumagentur dieselbe Perspektive mit einer anderen Kameraeinstellung in einer zweiten Aufnahme veröffentlicht. Das aber wurde von der US-Weltraumagentur schlecht kommentiert.
Das ist der Grund, dass die Metropolregionen an den Küsten Afrikas und Südamerikas auf diesem Foto als helle Lichtpunkte erscheinen. Dazu schreibt Heise:
„Die sonst auf vielen Fotos aus dem All –auch dem berühmten „Blue Marble“ von Apollo 17 – fehlenden Sterne sind bei „Hello World“ deutlich sichtbar, sogar bestimmte Sternbilder sind erkennbar. Das erklärt sich durch die große Blendenöffnung von f/4.0, welche der Fotograf gewählt hat.

In einem Facebook-Post schreibt der Astronaut und Urheber von „Hello World“, Reid Weisman, welche Kamera er für die Aufnahmen verwendet hat. Es handelt es sich um eine digitale Spiegelreflexkamera der Marke „Nikon D5“.
„Hello World“ wurde laut Weisman mit Empfindlichkeit (ISO) 51.200 aufgenommen, einem Wert, bei dem selbst modernste Kameras keine so klaren Bilder liefern.
Hinzu kommt die Bewegungsunschärfe, die nach Worten von Kritikern bei der Belichtungszeit von einer Viertelsekunde unweigerlich auftritt. Das aber trifft perspektivisch gesehen nicht zu, da sich die Kapsel nahezu linear von der Erde weg bewegt.
Auch wenn die Bahn zweidimensional betrachtet einen Bogen darstellt. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt, dass sich die Erde nicht so schnell dreht, dass bei ihrer vollständigen Darstellung ¼ s eine große Unschärfe hervorrufen würde.
An Bord der Kapsel befindet sich neben zwei Nikon D5 zusätzlich eine Nikon Z9, die nach Worten Wisemans vor allem aus experimentellen Gründen an Bord ist, um zu testen. wie die Elektronik auf die Strahlung im All reagiert.
Die dunkle Seite des Monds in Augenschein nehmen
Die Artemis-2-Crew um Reid Wiseman, Christina Koch, Victor Glover und Jeremy Hansen nähert sich mit hoher Geschwindigkeit dem Mond. Die Astronauten werden in den kommenden Tagen um den Mond herumfliegen – auch um die dunkle Seite zu erkunden.
Der Vorbeiflug ist für Anfang kommender Woche geplant. Die Orion-Kapsel fliegt dann um den Mond herum – was der Besatzung einen Blick ermöglicht, den bisher nur sehr wenige Menschen gesehen haben. Die Rede ist von der Rückseite des Mondes.
Weil der Mond genauso schnell um seine Achse rotiert wie er die Erde umkreist, zeigt er uns immer dieselbe Seite. Die Rückseite des Mondes ist rauer und stärker von Kratern übersät als die Vorderseite und enthält deutlich weniger große Maria (Mondmeere). Erste Raumsonden-Missionen in den 1950er und 1960er Jahren konnten diese Details fotografieren.

Die Kommunikation zwischen der Crew und dem Kontrollzentrum in Houston erfolgt nahezu in Echtzeit. das Licht, und damit auch die Radiowellen, benötigen für die Strecke gerade einmal, 1,3 Sekunden.
Im Rahmen der insgesamt zehntägigen Mission soll die Crew den Erdtrabanten nur umrunden, eine Landung ist nicht vorgesehen. Die strebt die NASA für 2028 an, wofür „Artemis 2“ den Grundstein legen soll. Die US Weltraumbehörde verfolgt außerdem ehrgeizige Pläne für eine dauerhafte Basisstation auf dem Mond.
Die Apollo-Missionen wurden nach dem griechischen Gott des Lichts benannt, das Artemis-Programm trägt den Namen der griechischen Göttin des Mondes.
Mehr über Weltraum-Anomalien und die im Studio gefilmte Mondlandung lesen Sie im Buch:

Link zum Heise-Artikel:
https://www.heise.de/hintergrund/Was-die-NASA-Bilder-von-der-Erde-zeigen-und-wie-sie-gemacht-wurden-11245902.html
Video:
Kameras verändern häufig das Erscheinungsbild des Mondes durch Zoom und Lichteinstellungen. Diese Analyse erklärt, wie Kamerasensoren und -einstellungen die endgültigen Bilder beeinflussen.
Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 05.04.2026
